IP/07/190
Brüssel, den 15. Februar 2007
Wissenschaftliche Informationen im digitalen
Zeitalter: Sicherung des aktuellen und des künftigen Zugangs im Interesse
von Forschung und Innovation
Der Zugang zu Forschungsergebnissen ist für
die Innovationstätigkeit und für die Wahrung der Qualität der
Forschung von großer Bedeutung. Die Entwicklungen im Bereich der digitalen
Technologien sind hinsichtlich der Bereitstellung von Forschungsergebnissen eine
Herausforderung für die bestehenden Geschäftsmodelle und -praktiken,
und Forschungsfördereinrichtungen verfolgen in Bezug auf den offenen Zugang
unterschiedliche Vorgehensweisen. Daher hat die Kommission heute ein
Grundsatzpapier herausgegeben, in dem untersucht wird, wie neue digitale
Technologien im Hinblick auf einen stärkeren Zugang zu
Forschungsveröffentlichungen und Forschungsdaten, die in unserer immer
stärker wissensgestützten Wirtschaft ein bestimmender
Innovationsfaktor sind, besser genutzt werden können. Mit diesem neuen
Konzept schafft die Kommission einen Rahmen auf der EU-Ebene, durch den neue
Möglichkeiten für einen besseren Zugang zu wissenschaftlichen
Online-Informationen und zur digitalen Erhaltung von Forschungsergebnissen
für künftige Generationen gefördert werden sollen. Die Ideen der
Kommission werden am 15. /16. Februar auf einer groß angelegten
Konferenz in Brüssel erörtert werden. Diese Konferenz geht auf eine
2006 in Auftrag gegebene Expertenstudie zurück.
„Die digitale Revolution hat die Art und Weise, in der
wissenschaftliche Informationen verbreitet werden, dramatisch
verbessert,“ erklärte die für die Informationsgesellschaft
und Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding. „Allerdings
wirft sie auch neue Fragen hinsichtlich der Bewahrung wissenschaftlicher
Informationen für die Zukunft auf. In der heute vorgestellten
Strategie wird umrissen, wie sich Europa die hervorragende Arbeit seiner
Forscher am besten zunutze machen kann."
„Neue Ideen beruhen in der Regel auf den Ergebnissen vorheriger
Forschungsarbeiten,“ fügte Janez Potočnik, das für
Wissenschaft und Forschung zuständige Mitglied der Kommission, hinzu.
„Wir müssen sicherstellen, dass der wissenschaftliche
Informationsfluss einen Beitrag zur Innovationstätigkeit und
Forschungsexzellenz im Europäischen Forschungsraum leistet.“
In dieser Mitteilung wird ein Überblick über den derzeitigen Stand
der wissenschaftlichen Veröffentlichungen und der Bewahrung von
Forschungsergebnissen unter Einbeziehung organisatorischer, rechtlicher,
technischer und finanzieller Aspekte in Europa gegeben.
Die digitalen Technologien ändern die Art und Weise, in der
Forschungsinformationen wahrgenommen, analysiert und schließlich
veröffentlicht werden. Ein Beispiel: Annähernd 90 % aller
wissenschaftlichen Zeitschriften sind jetzt online erhältlich, häufig
über Abonnements. Die digitalen Technologien führen jedoch auch dazu,
dass es immer mehr öffentlich zugängliche Veröffentlichungen
gibt, d. h. einen unentgeltlichen und breiten Zugang zu
Online-Veröffentlichungen. Ein besserer Zugang zu Forschungsdaten ebnet
auch den Weg zu neuen Nutzungsarten und Diensten, vielfach durch die Nutzung
bisheriger Ergebnisse als Ausgangsmaterial für neue Experimente.
Der Online-Zugang zu aktuellen wissenschaftlichen Informationen garantiert
jedoch nicht, dass diese künftig zur Verfügung stehen. Digitale
Informationen haben eine begrenzte Lebensdauer und müssen langfristig
gepflegt werden. Bessere Instrumente und organisatorische Maßnahmen sind
erforderlich, um die Bewahrung digitaler Inhalte sicherzustellen und dadurch dem
Verlust wichtiger wissenschaftlicher Informationen vorzubeugen.
Die Kommission hat bereits die folgenden konkreten Maßnahmen aufgezeigt:
- Zur Verbesserung des derzeitigen und des künftigen Zugangs zu
wissenschaftlichen Informationen wird die EU Versuche mit dem offenen Zugang im
Rahmen ihres vor kurzem angelaufenen Forschungsprogramms unterstützen
(z. B. durch die Rückerstattung der Projektkosten für
öffentliche zugängliche Veröffentlichungen).
- Ferner
hat die Kommission für den Zeitraum 2007-2008 annähernd
50 Mio. € zur Förderung und Unterstützung der
Koordinierung von Infrastrukturen für die europaweite Speicherung
wissenschaftlicher Daten und 25 Mio. € für die Forschung im
Bereich der Erhaltung digitaler Inhalte vorgesehen. Im Rahmen des Programms
„eContentplus“ werden 10 Mio. €
für die Verbesserung der Interoperabilität und des mehrsprachigen
Zugangs zu wissenschaftlichen Sammlungen aufgewandt werden (siehe IP/05/98).
- Am 15./16. Februar wird in Brüssel eine groß angelegte, von
der Kommission organisierte europäische Konferenz über
wissenschaftliche Veröffentlichungen im Europäischen Forschungsraum
mit der Beteiligung des für Wissenschaft und Forschung zuständigen
EU-Kommissars Janez Potočnik und der EU-Kommissarin für die
Informationsgesellschaft und Medien, Viviane Reding,
stattfinden.
Links zu einschlägigen Internet-Seiten:
http://ec.europa.eu/information_society/activities/digital_libraries/doc/scientific_information/communication_de.pdf
http://ec.europa.eu/research/science-society/page_en.cfm?id=3184
http://ec.europa.eu/information_society/activities/digital_libraries/
http://ec.europa.eu/information_society/activities/digital_libraries/doc/recommendation/recommendation/en.pdf
http://europa.eu.int/information_society/activities/digital_libraries/doc/culture_council/council_conclusions_nov_2006.pdf