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IP/07/1713

Brüssel, 19. November 2007

Vorschlag der Kommission: Neue Ansätze für mehr Kleinstkredite in Europa

Danuta Hübner, Kommissarin für Regionalpolitik, hat heute eine Initiative vorgestellt, die den Zugang zu Finanzierungen für Kleinunternehmen und für Angehörige sozial benachteiligter Gruppen (darunter auch ethnische Minderheiten), die sich selbständig machen wollen, verbessern soll. Diese Initiative steht im Einklang mit der Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung. Mit ihr soll das Angebot an Kleinstkrediten in Europa ausgeweitet werden, damit es einem Bedarf gerecht wird, die bisher nicht gedeckt werden konnte.

„Die Menschen wollen arbeiten. Viele möchten ihr eigenes kleines Geschäft eröffnen oder sich selbständig machen. Die Vergabe von Kleinstkrediten ist ein äußerst probates Mittel, um junge Unternehmen zu fördern oder Arbeitslosen durch den Schritt in die Selbständigkeit oder die Gründung eines Kleinstunternehmens den Weg zurück ins Erwerbsleben zu ermöglichen, so Kommissarin Hübner.

Kleinstkredite sind in Entwicklungsländern höchst erfolgreich eingesetzt worden, und auch in der EU gab es bereits einige einschlägige Maßnahmen sowohl auf Ebene der Gemeinschaft als auch der Mitgliedstaaten. Die Nachfrage nach derartigen Finanzierungen (in der Regel Kredite über durchschnittlich 7 700 EUR) besteht in der EU überwiegend bei Existenzgründern, die Dienstleistungen für Unternehmen, Einzelpersonen oder Haushalte erbringen. Kleinstkredite helfen unter anderem PC-Tüftlern, Fensterputzern, Gärtnern, Hundesittern oder Altenpflegern dabei, aus ihren jeweiligen Talenten und Fähigkeiten ein Unternehmen zu entwickeln.

Alles deutet darauf hin, dass der Bedarf bei jenen Menschen am höchsten ist, die aus verschiedenen Gründen keine herkömmlichen Bankkredite erhalten. „Sinn und Zweck dieser Initiative ist es, einen Koordinierungsrahmen für unsere Arbeit auf EU-Ebene zu schaffen, indem wir die rechtlichen und institutionellen Bedingungen verbessern, unter denen Kleinstkreditgeber tätig sind, und mehr Kapital verfügbar machen. Über Kleinstkredite könnten wir in Europa Mehrinvestitionen in Höhe von 6,1 Mrd. EUR erzielen“, ergänzte Kommissarin Hübner.

Die Initiative weist folgende Grundelemente auf:

Erstens werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, ihre institutionellen, gesetzlichen und gewerblichen Rahmenbedingungen so anzupassen, dass ein günstigeres Umfeld für die Entwicklung des Kleinstkreditgeschäfts entstehen kann. Dazu gehört auch, dass sie ihre nationalen Reformprogramme im Rahmen der Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung ändern, indem sie sich selbst konkrete Ziele in diesem Bereich setzen.

Zweitens wird empfohlen, auf europäischer Ebene eine neue Fazilität einzurichten und mit eigenem Personal auszustatten, damit Fachkompetenz und Unterstützung für den Aufbau von außerhalb des Bankensektors angesiedelten Mikro-Finanzinstituten in den Mitgliedstaaten bereitgestellt werden. Dies würde Kleinstkreditgeber nicht nur in die Lage versetzen, Kredite anzubieten, sondern auch als Mentoren zu fungieren und den Kreditnehmer beim Aufbau eines erfolgreichen Geschäfts zu unterstützen. Diese Art begleitender Unterstützung ist für eine erfolgreiche Vergabe von Kleinstkrediten von entscheidender Bedeutung.

Um mehr Kapital für Kleinstkreditgeber zu erschließen, wird in dieser Initiative zudem vorgeschlagen, einen fonds für Kleinstkredite im Rahmen der neuen Fazilität einzurichten. Er würde Mikro-Finanzinstituten bei der Finanzierung ihrer Kreditvergabetätigkeit helfen, wobei ihnen auch Mittel von unterschiedlichen Investoren und Geldgebern zufließen dürften. Sowohl die EIB als auch der EIF haben Interesse an der Verwaltung dieser Fazilität bekundet.

Hintergrund

Das Kleinstkreditgeschäft stärker fördern: Eine Unterstützung anzubieten, die zurückgezahlt werden muss, birgt sowohl wirtschaftlichen als auch gesellschaftlichen Nutzen. Die Kommission will den Mitgliedstaaten dabei helfen, einen Bestand an bewährten Regelungsverfahren aufzubauen, und auch andere Formen der Unterstützung anbieten, um in diesem Bereich bereits in Angriff genommene Arbeiten auf eine solide Grundlage zu stellen und auszuweiten.

Eine neue Fazilität: Sie würde Marktanalysen durchführen, Leitlinien ausarbeiten und Schulungskurse insbesondere zum Ausbau der Mentoren-Kapazitäten fördern, was für ein florierendes Kleinstkreditgeschäft entscheidend ist. Finanzielle Unterstützung würde durch die von der Europäischen Kommission verwalteten Strukturfondsmittel für technische Hilfe gewährt (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung – EFRE). Die neue Fazilität würde innerhalb des Europäischen Investitionsfonds (EIF) angesiedelt, der seit 2005 für JEREMIE (Joint European Resources for Micro and Medium Enterprises – Gemeinsame europäische Ressourcen für kleinste bis mittlere Unternehmen) verantwortlich zeichnet und dadurch bereits als Partner der Kommission im Kleinstkreditbereich fungiert. Mit dieser neuen Initiative sollten vor allem die enormen Chancen genützt werden, die die Aktivitäten im Rahmen von JEREMIE im Zusammenhang mit Kleinstkrediten bieten.

Das Nachfragepotenzial: Als Kleinstkredite gelten in der EU Kredite unter 25 000 EUR, wobei sich die vergebenen Beträge im Durchschnitt in der EU-15 auf 10 000 EUR und in der EU-12 auf 3 800 EUR belaufen. Sie sind speziell auf Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten (91 % aller europäischen Unternehmen) und auf Arbeitslose oder Nichterwerbspersonen zugeschnitten, die den Sprung in die Selbständigkeit wagen wollen, aber denen die herkömmlichen Bankleistungen verwehrt bleiben. Im Mittelpunkt der Initiative steht genau dieses „bankferne“ Marktsegment. Eine Zunahme des Kleinstkreditgeschäfts ist sowohl in den neuen als auch in den alten Mitgliedstaaten festzustellen. Auf Eurostat-Daten beruhenden Schätzungen zufolge könnte der Bedarf an Kleinstkrediten in der EU kurzfristig bei über 700 000 Neukrediten in Höhe von insgesamt etwa 6,1 Mrd. EUR liegen.

Weitergehende Informationen finden Sie unter:

http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2007:0708:REV1:DE:PDF
http://ec.europa.eu/regional_policy/index_de.htm


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