IP/07/1677
Brüssel, den 13. November 2007
„Von heute an ist der grenzenlose Binnenmarkt für die Telekom-Unternehmen und Verbraucher in Europa kein bloßer Traum mehr,“ sagte der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso. „Die Telekommunikation ist ein Gebiet, auf dem unser Binnenmarkt sehr konkrete Vorteile für jeden Bürger mit sich bringt: im Hinblick auf Angebotsvielfalt und niedrige Preise, für die Handybenutzung oder den Breitband-Internetzugang. Gleichzeitig eröffnet ein Binnenmarkt mit 500 Millionen Verbrauchern den Telekommunikationsunternehmen neue Chancen – wenn Europa hilft, für einen effektiven Wettbewerb und einheitliche Spielregeln zu sorgen. Deshalb haben wir heute die Initiative ergriffen. Gerade im Telekom-Bereich ist eine stärker europäisch ausgerichtete Rechtsetzung besonders wichtig. Schließlich kennen Funkwellen keine Grenzen, und das Internet-Protokoll hat keine Nationalität.“
Viviane Reding, die für die Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin, sagte: „Die heutigen Telekom-Reformvorschläge rücken den europäischen Bürger in den Mittelpunkt. Europa hat in der Vergangenheit beträchtliche Fortschritte bei der Öffnung der Telekommunikationsmärkte für neue Anbieter und bei der schrittweisen Steigerung des Wettbewerbs gemacht. Aber die marktbeherrschenden Betreiber dominieren noch immer – häufig unter dem Schutz der eigenen Regierung – entscheidende Marktsegmente, vor allem den Breitbandmarkt. Darunter leidet die Wahlfreiheit der Verbraucher. So haben 10 % der EU-Bürger noch immer keine Breitbandanbindung.
Aus diesem Grund brauchen wir neue Verbraucherrechte, neue Wettbewerbsimpulse, ein effektives System unabhängiger Regulierungsbehörden, neue Investitionen in wettbewerbsfähige Infrastrukturen und mehr Freiraum für neue drahtlose Dienste, damit Europas digitale Wirtschaft in Schwung kommt.“
Das „Telekom-Reformpaket“, das die Kommission heute dem Europäischen Parlament in Straßburg unterbreitet hat, dient der Änderung der derzeit geltenden EU-Vorschriften aus dem Jahr 2002. Es soll bis Ende 2009 in Kraft treten und bringt hauptsächlich folgende Verbesserungen:
Zur schnellen und wirksamen Verwirklichung der Reform schlägt die Kommission vor, eine Europäische Aufsichtsbehörde für die Märkte der elektronischen Kommunikation einzurichten, die dabei helfen soll, dass wichtige Kommunikationsdienste (Breitband-Internetzugang, Datenroaming, Handybenutzung in Flugzeugen und auf Schiffen, grenzüberschreitende Dienste für Unternehmen) in allen 27 EU-Mitgliedstaaten einheitlicher reguliert werden. Die Europäische Behörde für die Märkte der elektronischen Kommunikation wird die jetzigen Aufgaben der Gruppe europäischer Regulierungsstellen (ERG) und der Europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) zusammenführen und effektiver erfüllen können.
„Im letzten Sommer haben wir mit der EU-Roaming-Verordnung eines der für die Verbraucher sichtbarsten Symptome behandelt, die sich aus dem Fehlen eines echten Binnenmarktes für die Telekommunikation ergeben“, erläuterte Kommissarin Reding (siehe IP/07/1445). „Mit den heutigen Reformvorschlägen nimmt die Kommission nun den Kern des Problems in Angriff: die Fragmentierung der europäischen Telekommunikationsmärkte, denn dadurch werden den europäischen Verbrauchern die Vorteile eines grenzübergreifenden Wettbewerbs im Bereich der Telekommunikation vorenthalten. Und das müssen wir ändern.“
Hintergrund
Ende 2005 begann die Kommission eine öffentliche Konsultation zu der Frage, ob der seit dem 25. Juli 2003 geltende EU-Rechtsrahmen für die elektronische Kommunikation reformiert werden muss und wie ein Binnenmarkt in diesem Bereich erreicht werden könnte (siehe IP/06/874). Die heutigen Reformvorschläge beruhen auf den Ergebnissen dieser Konsultation.
Weitere Informationen:
MEMO/07/458
Pressemappe
mit allen Dokumenten des neuen EU-Reformpakets:
http://ec.europa.eu/information_society/newsroom/cf/itemlongdetail.cfm?item_id=3701
Webseiten
zur elektronischen Kommunikation: