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IP/07/1402

Brüssel, den 26. September 2007

Getreide: Rat genehmigt Stilllegungssatz von Null für die Aussaat von Herbst 2007 und Frühjahr 2008

Die Agrarminister der Europäischen Union haben heute den Vorschlag der Kommission genehmigt, den Satz der obligatorischen Stilllegung für die Aussatz von Herbst 2007 und Frühjahr 2008 auf 0 % festzusetzen. Dank dieser Änderung, mit der auf die immer angespanntere Lage auf dem Getreidemarkt reagiert wird, dürfte sich die Getreideernte von nächstem Jahr um mindestens 10 Mio. t erhöhen. Die Ente 2006 ist mit nur 265,5 Mio. t niedriger ausgefallen als erwartet, wodurch sich das Angebot in der EU-27 am Ende des Wirtschaftsjahrs 2006/07 verknappt hat und die Preise ein historisches Hoch erreicht haben. Die Interventionsbestände sind von 14 Mio. t zu Beginn des Wirtschaftsjahres auf gegenwärtig etwa 1 Mio. t zurückgegangen. Die Zukunft der Stilllegungsregelung gehört zu den Themen der Debatte, die am 20. November mit der Mitteilung über die „Generalüberprüfung“ der GAP eröffnet wird. Dabei wird auch untersucht, wie die positiven Auswirkungen, die die Flächenstilllegung auf die Umwelt gehabt hat, erhalten werden können. Die Herabsetzung des Stilllegungssatzes auf Null verpflichtet die Landwirte nicht, ihre Flächen zu bestellen. Sie können sie weiterhin auf freiwilliger Basis stilllegen und Umweltschutzregelungen anwenden.

Die für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zuständige Kommissarin Mariann Fischer Boel erklärte: „Ich bin erfreut, dass das Europäische Parlament und die Agrarminister der EU so rasch zu einem Beschluss gelangt sind, der es den Landwirten ermöglicht, rechtzeitig für die nächstjährige Ernte zu planen. Hierdurch wird sich, wie wir hoffen, die Erzeugung um mindestens 10 Mio. t erhöhen und die Marktlage entspannen. Nun steht die „Generalüberprüfung“ der GAP bevor, in deren Rahmen wir untersuchen werden, ob die Flächenstilllegung immer noch ein geeignetes Instrument ist. Selbstverständlich wollen wir sicherstellen, dass ihre positiven Auswirkungen auf die Umwelt erhalten bleiben.“

Der Getreidemarkt ist derzeit durch historisch hohe Preise gekennzeichnet. Aufgrund des trockenen und ungewöhnlich heißen Wetters im April, gefolgt von ungünstigen Witterungsverhältnissen in den westlichen Mitgliedstaaten und einer Trockenperiode und Hitzewellen im Südosten Europas wird die Getreideernte 2007 nach derzeitigen Schätzungen unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Infolgedessen ist davon auszugehen, dass die Getreidebestände in privater Lagerhaltung in der EU bis Ende des Wirtschaftsjahres 2007/08 weiter zurückgehen werden. Weltweit dürften die Bestände am Ende des Wirtschaftsjahres 2007/08 vor allem in den großen Ausfuhrländern ein historisches Tief erreichen.

In der EU ist derzeit eine Fläche von 3,8 Mio. ha von der obligatorischen Stilllegung betroffen. Bei einer Herabsetzung des Stilllegungssatzes auf Null könnten 1,6 bis 2,9 Mio. ha wieder in die Erzeugung genommen werden. Unter Zugrundelegung der durchschnittlichen Trenderträge dürften damit rund 10 Mio. t Getreide auf den Markt kommen. Sollten sich die Landwirte dafür entscheiden, ein Maximum an Fläche für die Getreideerzeugung zu nutzen (zu Lasten anderer Kulturpflanzen, vor allem Ölsaaten), so könnte diese Menge 17 Mio. t erreichen.

Hintergrund

Die Flächenstilllegung, die eingeführt wurde, um die Getreideerzeugung in der EU zu begrenzen, wurde ab 1988/89 auf freiwilliger Basis angewendet. Nach der Reform von 1992 wurde sie obligatorisch, d.h. die unter die allgemeine Regelung fallenden Erzeuger mussten einen bestimmten Prozentsatz ihrer gemeldeten Flächen stilllegen, um Direktzahlungen erhalten zu können. Mit der Reform von 2003 wurden ihnen Zahlungsansprüche bei Flächenstilllegung zugewiesen, die ein Recht auf Zahlung begründen, wenn im Gegenzug eine beihilfefähige Fläche stillgelegt wird.

Der Satz der obligatorischen Stilllegung wurde anfangs jährlich bestimmt, im Wirtschaftsjahr 1999/2000 aber zur Vereinfachung dauerhaft auf 10 % festgesetzt. In den neuen Mitgliedstaaten, die sich für die Regelung der einheitlichen Flächenzahlung entschieden haben (Polen, Tschechische Republik, Slowakische Republik, Ungarn, Litauen, Lettland, Estland, Zypern, Bulgarien und Rumänien), sind die Landwirte von der Stilllegungspflicht befreit.

Kommissarin Fischer Boel hatte dem Rat den jetzigen Vorschlag bereits am 16. Juli angekündigt. Seitdem wurden die Prognosen für die Getreideernte in der EU nach unten revidiert, während die Preise weiter gestiegen sind.


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