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Naturkatastrophen: Aktuelles zu den Katastrophenschutzmaßnahmen der EU

European Commission - IP/07/1166   24/07/2007

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IP/07/1166

Brüssel, den 24. Juli 2007

Naturkatastrophen: Aktuelles zu den Katastrophenschutzmaßnahmen der EU

Seit Ende Juni haben Griechenland, Zypern, Italien, Bulgarien und zuletzt die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien beim Beobachtungs- und Informationszentrum (BIZ) der Kommission insgesamt acht Mal um Unterstützung bei der Bekämpfung der in ganz Südeuropa wütenden Waldbrände ersucht. Diese Ersuchen wurden vom BIZ umgehend beantwortet. Die Unterstützung wurde über das Gemeinschaftsverfahren für den Katastrophenschutz von verschiedenen Mitgliedstaaten, darunter Italien, Frankreich, Spanien und Griechenland, zur Verfügung gestellt. Mittlerweile spitzt sich die Lage stark zu, da nun alle südlichen EU-Mitgliedstaaten sowie die meisten Nachbarstaaten Großbrände auf ihrem eigenen Territorium zu bekämpfen haben. Darüber hinaus beobachtet das BIZ die außergewöhnlichen Witterungsverhältnisse im Vereinigten Königreich und steht bereit, um Hilfsangebote aus anderen EU-Staaten zu erleichtern, sollte das VK in dieser schwierigen Situation zusätzliche Unterstützung benötigen. Die Kommission möchte den Familien der drei Piloten, die in den letzten 24 Stunden beim Einsatz von Löschflugzeugen ums Leben kamen, ihr tiefes Mitgefühl ausdrücken. Gestern Nachmittag starben zwei griechische Piloten beim Absturz ihres Canadair-Löschflugzeugs, das an einem Einsatz zur Bekämpfung eines Großbrandes auf der Insel Evia teilnahm. Bei einem Unfall während eines Löscheinsatzes in der Nähe von L’Aquila kam gestern Abend ein italienischer Pilot ums Leben, während ein anderer schwer verletzt wurde.

In der vergangenen Woche gingen vier gesonderte Hilfsersuchen von Ländern ein, die von Waldbränden betroffen sind. Am 18. Juli 2007 ersuchte Griechenland – zum dritten Mal im Laufe dieses Sommers – um Unterstützung durch den europäischen Katastrophenschutz bei der Bekämpfung von Waldbränden, die im ganzen Land wüteten. Dieses Ersuchen wurde vom Beobachtungs- und Informationszentrum (BIZ) der Europäischen Kommission umgehend beantwortet. Das BIZ unterrichtete unverzüglich die Katastrophenschutzbehörden in den insgesamt 30 Ländern, die am Katastrophenschutzverfahren der Gemeinschaft beteiligt sind. Auf das Tätigwerden des BIZ hin wurden zur Unterstützung Griechenlands bei der Bekämpfung der Brände zwei französische Canadair-Löschflugzeuge zur Verfügung gestellt. Die Flugzeuge trafen am Freitag, dem 20. Juli, in Griechenland ein und kehrten am Montag, dem 23. Juli, nach Frankreich zurück. Am Montag, dem 23. Juli, teilten die griechischen Behörden mit, es werde keine weitere Unterstützung benötigt und der Katastropheneinsatz könne abgeschlossen werden, mussten aber bereits wenige Stunden später – aufgrund des Todes der beiden Piloten und der sich verschärfenden Brandlage – ihr Hilfsersuchen erneuern.

Am Samstag, dem 21. Juli, ging beim BIZ früh am Morgen ein neues Hilfsersuchen von Bulgarien im Zusammenhang mit Waldbränden ein. Die Waldbrände in Bulgarien betreffen eine Fläche von rund 1 000 000 ha. Der größte Brand wütete im Berggebiet in der Nähe der Stadt Stara Zagora auf einer Fläche von 300 000 ha. Aufgrund der Geländeverhältnisse konnten keine Standardlöschausrüstung und -löschfahrzeuge eingesetzt werden. Bulgarien forderte vier Hubschrauber mit speziellen Wasserbehältern für drei Tage und zwei Löschflugzeuge für ebenfalls drei Tage an. Das BIZ leitete dieses Ersuchen unverzüglich an die rund um die Uhr besetzten Kontaktstellen der 30 am Gemeinschaftsverfahren beteiligten Länder weiter. Zwei EU-Länder baten um nähere Angaben zu den technischen Einzelheiten, waren letztlich aber nicht in der Lage, Unterstützung anzubieten. Im späteren Verlauf des Samstages teilte Bulgarien mit, dank der Unterstützung, die Bulgarien von der Russischen Förderation im Rahmen eines bilateralen Abkommens erhalte, werde die Lage nun unter Kontrolle gebracht.

Am Sonntag, dem 22. Juli, ersuchte Italien erneut um Unterstützung bei der Bekämpfung schwerer Waldbrände im Osten des Landes. Frankreich bot am Sonntag zwei Canadair-Löschflugzeuge an, gefolgt von Spanien, das gestern zwei weitere Canadair-Maschinen zur Brandbekämpfung auf Sardinien anbot.

Am Dienstag, dem 24. Juli, ging beim BIZ früh morgens ein Ersuchen um Unterstützung bei der Waldbrandbekämpfung in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien ein. Das BIZ leitete das Ersuchen unverzüglich an die 30 beteiligten Länder weiter, die derzeit prüfen, ob sie Hilfskapazitäten frei haben.

In diesem Jahr sind im Süden Europas extreme Witterungsverhältnisse mit besonders schweren Waldbränden zu verzeichnen. Die Zusammenarbeit im Rahmen des Gemeinschaftsverfahrens hat sich als gut erwiesen. Das BIZ reagierte rasch und effizient, um die Mobilisierung der Hilfe durch die Mitgliedstaaten zu erleichtern und zu unterstützen. Allerdings zeigen die vom BIZ gemachten Erfahrungen auch, dass das Gemeinschaftsverfahren für den Katastrophenschutz weiter ausgebaut und das BIZ verstärkt werden muss, indem es in die Lage versetzt wird, autonom zusätzliche Ressourcen zur Brandbekämpfung zu mobilisieren. Es wird ein robusteres europäisches Verfahren benötigt, um auf das vermehrte Auftreten von Naturkatastrophen in ganz Europa zu reagieren. Im vergangenen Jahr veröffentlichte der ehemalige Kommissar und jetzige französische Landwirtschaftsminister Michel Barnier einen Bericht über die Schaffung einer Katastrophenschutztruppe der EU, die bei Katastrophen größeren Ausmaßes tätig werden soll. Die Kommission wird alle Mittel und Wege prüfen, um die europäische Zusammenarbeit beim Katastrophenschutz zu verbessern, und diesbezüglich mit den Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament eng zusammenarbeiten.

Im Norden herrschen unterdessen vollkommen andere Witterungsverhältnisse. Das BIZ beobachtet weiterhin die Situation im Vereinigten Königreich, das im Rahmen des Verfahrens noch keine Katastrophenschutzhilfe angefordert hat, um die Folgen der Überschwemmungen zu bewältigen. Einige Mitgliedstaaten haben erklärt, sie könnten Unterstützung anbieten, sollte diese angefordert werden. Die Kommission ist bereit, das Verfahren rasch zu aktivieren, sollte sich die Situation in den kommenden Tagen verschlimmern.

Das Gemeinschaftsverfahren für den Katastrophenschutz

Das Gemeinschaftsverfahren[1] hat zum Ziel, die verstärkte Zusammenarbeit bei Katastrophenschutzeinsätzen zu erleichtern. Es unterstützt die Koordinierung der Hilfseinsätze, damit ein Land (innerhalb oder außerhalb der Europäischen Union), das Hilfe braucht, diese Hilfe rasch erhält. Dabei soll insbesondere die bestmögliche Reaktion und Bereitschaft bei schweren Notfällen erreicht werden.

Diese Maßnahmen werden von der Kommission durch Aktivierung ihres in der Generaldirektion Umwelt, Referat Katastrophenschutz, eingerichteten Beobachtungs- und Informationszentrums (BIZ) koordiniert.

An dem Gemeinschaftsverfahren beteiligen sich insgesamt 30 Länder[2]. Damit werden die Mittel, die den betroffenen Ländern weltweit zur Verfügung gestellt werden können, koordiniert.

Das Verfahren ist seit seiner Einrichtung weltweit bereits mehrmals bei Katastrophen zum Einsatz gekommen, so etwa 2003 beim Erdbeben im Iran, 2004 beim Tsunami in Südostasien, 2005 bei den Waldbränden in Portugal, bei Überschwemmungen in Bulgarien und Rumänien, beim Hurrikan Katrina in den USA, beim Erdbeben in Pakistan sowie in jüngerer Zeit beim Erbeben in Indonesien und bei der humanitären Krise im Libanon. Die Kommission hat die Wirksamkeit des Verfahrens überprüft und bemüht sich um eine weitere Verbesserung.


[1] Beschluss des Rates vom 23. Oktober 2001 (2001/792/EG, Euratom) (ABl. L 297 vom 15.11.2001, S. 7)

[2] EU 25, Bulgarien, Rumänien, Island, Liechtenstein, Norwegen


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