Navigation path

Left navigation

Additional tools

Other available languages: EN FR

IP/06/976

Brüssel, den 12. Juli 2006

Der Euro: eine Währung auf der Suche nach einem umfassenderen Markt, verstärkten Wirtschaftsreformen und mehr Gewicht auf der globalen Bühne

Einige Mitgliedstaaten des Euroraums reagieren zu langsam auf Wirtschaftskrisen, wodurch die Gefahr entsteht, dass sich der Abstand zwischen Ländern mit schnellem und Ländern mit langsamem Wirtschaftswachstum im Laufe der Zeit verfestigt, falls das Tempo der Strukturreformen nicht erhöht wird. Dies ist eine der Schlussfolgerungen der ersten jährlichen Erklärung zum Euroraum. Eine weitere Schlussfolgerung ist die, dass trotz des schlagkräftigen Arguments „Ein Markt, eine Währung“ der 80er Jahre der Binnenmarkt der Europäischen Union noch weitgehend unvollendet ist. Durch die Bekämpfung dieser Schwächen werden die Mitglieder des Euroraums die uneingeschränkten Vorteile des Binnenmarktes erkennen, wird ihr Wachstumspotenzial steigen und werden mehr Arbeitsplätze geschaffen. Außerdem tritt der Euroraum auf der globalen Bühne nicht einheitlich auf, obwohl ein Fünftel des Welthandels und 25 % der Weltreserven auf ihn entfallen. Mit Hilfe einer stärkeren Außendarstellung könnte der Euroraum wirtschaftliche Führungsstärke zeigen und die Stabilität in der Weltwirtschaft und auf den Finanzmärkten fördern.

„Sieben Jahre nach seiner Einführung hat der Euro gewaltige Vorteile gebracht, von denen der wichtigste vielleicht die dadurch erreichte Widerstandsfähigkeit gegenüber externen wirtschaftlichen Turbulenzen ist, von explodierenden und inzwischen anhaltend hohen Ölpreisen bis hin zum Auftreten Chinas als Konkurrenten. Der Euro allein kann jedoch die Wirtschaftsprobleme Europas nicht lösen: nötig sind überdies Strukturreformen, eine vollständige Verwirklichung des Binnenmarktes - vor allem im Dienstleistungssektor - und eine stärkere Stimme auf der globalen Bühne,” erklärte Wirtschaft und Finanzen zuständige Kommissar Joaquín Almunia.

Die Kommission nahm heute ihre erste jährliche Erklärung zum Euroraum an, in der die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert werden, ihre Anstrengungen zur Steigerung des Wachstumspotenzials zur Schaffung von Arbeitsplätzen zu intensivieren, um die Zahl der Arbeitslosen schneller zu senken.

Die Herausforderungen für die Mitglieder des Euroraums, die eine besondere Verantwortung gegenüber den 310 Millionen Menschen, die den Euro verwenden, tragen, bestehen darin, die wirtschaftlichen Reformen zu beschleunigen, eine umsichtige makroökonomische Politik zu fördern, den Binnenmarkt zu vollenden und auf der Weltbühne Führungsstärke zu zeigen.

Wirtschaftsreformen

Das Wachstum im Euroraum dürfte in diesem Jahr mit 2,1 % leicht über dem Potenzial liegen und mehr als eine Million neue Arbeitsplätze schaffen. Die in den letzten vier Jahren geschaffenen drei Millionen Arbeitsplätze haben die Arbeitslosenquote im Mai auf 7,9 % und damit auf den niedrigsten Stand seit annähernd fünf Jahren sinken lassen, was allerdings für die 12 Millionen Menschen, die im Euroraum weiter ohne Arbeit sind, nicht genug ist.

Wenngleich Strukturreformen allen EU-Ländern zugute kommen, gibt es für die Mitglieder des Euroraums einen zusätzlichen Anreiz, das Reformtempo zu erhöhen, weil in einer Währungsunion gut funktionierende Produkt-, Arbeits- und Kapitalmärkte ökonomische Anpassungen erleichtern würden und das potenzielle Wachstum von 2 % auf 3 % erhöhen könnten.

Die Maßnahmen, die EU-weit getroffen werden müssen, sind in den integrierten Leitlinien für Wachstum und Beschäftigung für den Zeitraum 2005-2008 und in den nationalen Reformprogrammen benannt. Vorrang haben weiterhin die Erhöhung des Tempos in Forschung und Entwicklung, die Förderung des Wettbewerbs in den Dienstleistungsbranchen und netzgebundenen Wirtschaftszweigen und die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte.

Diese Prioritäten stellen sich in besonders akuter Weise für die Mitglieder des Euroraums. Wird nicht entsprechend gehandelt, so können sich die Unterschiede bei Wachstum und Inflation im Euroraum verfestigen, noch größere Anpassungsbemühungen erforderlich machen, um den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit auszugleichen, und das Wirtschaftswachstum im gesamten Raum bremsen.

Genauso entscheidend ist die Förderung einer klugen makroökonomischen Politik durch die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen nun, da der Euroraum den robustesten Aufschwung seit 1999 erfährt. Denkbar wären Maßnahmen für eine effektivere Koordinierung der Wirtschaftspolitik in diesem Bereich, etwa durch die Vorlage der Stabilitäts- und Konvergenzprogramme vor dem Sommer, d. h. in einer Zeit, in der üblicherweise noch an den nationalen Haushalten gearbeitet wird, und möglicherweise durch die Umstellung auf halbjährliche Haushaltsüberwachungszeiträume.

Eine Währung, ein Markt.....

In den 80er Jahren beschlossen die Mitgliedstaaten, dass der im Entstehen begriffene Binnenmarkt eine einheitliche Währung brauchte. Der Euro wurde geschaffen, doch fehlt ihm in vielerlei Hinsicht die Unterstützung, die er durch einen vollständigen, gut funktionierenden Binnenmarkt erfahren würde.

Die Bedeutung der Förderung einer größeren Integration im Dienstleistungssektor kann gar nicht genug betont werden, da auf diesen 70 % aller Arbeitsplätze und des Mehrwerts im Euroraum entfallen und da er für niedrigere Preise und für Produktivitätszuwächse für die gesamte Wirtschaft maßgeblich ist.

Insbesondere die Integration der Finanzmärkte würde einen Beitrag zu einem besseren Funktionieren des Euroraums leisten und das BIP im Euroraum allmählich um 0,5 % bis 1,1 % steigern[1].

....eine Stimme?

Ein starkes Auftreten auf der Weltwirtschaftsbühne würde dem Euroraum auch deutlich helfen, seine Interessen zu vertreten und den Herausforderungen der Weltwirtschaft besser zu begegnen.

Derzeit macht der Euroraum etwa ein Sechstel des weltweiten BIP und ein Fünftel des Welthandels aus. Der Euro hält nicht nur einen nennenswerten und steigenden Anteil an den Währungen des internationalen Fremdkapitalmarkts (bis Mitte 2005 31,5 % gegenüber 44 % zugunsten des US-Dollars), sondern auch einen großen Anteil an internationalen Bankverbindlichkeiten und Devisengeschäften.

Dennoch mangelt es der Vertretung des Euroraums nach außen in internationalen Finanzinstitutionen und Foren an Kohärenz, trotz der auf der Tagung des Europäischen Rates von Wien vom Dezember 1998 getroffenen Vereinbarung, sich dieses Problems anzunehmen. Dieser Mangel macht es für den Euroraum schwierig, die gemeinsamen Interessen seiner Mitglieder zu fördern und bei globalen Wirtschaftsfragen eine führende Rolle zu spielen, auch bei der entscheidenden Frage, wie eine ungeordnete Entfaltung globaler Ungleichgewichte vermieden werden kann.
The Annual Statement on the Euro Area in the form of a Communication and a detailed Report is available on:
http://ec.europa.eu/economy_finance/publications/european_economy/2006/eespecialreport0306_en.htm


[1] See Annex II to the Commission’s White Paper on Financial Services Policy (2005-2010), Brussels 1.12.2995 SEC(2005) 1574. http://ec.europa.eu/internal_market/finances/docs/white_paper/annex_2_en.pdf


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website