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IP/06/406

Brüssel, den 30. März 2006

Grippepandemie: Kommission veröffentlicht Bericht über Ernstfallübung

Die Europäische Kommission veröffentlichte heute den Schlussbericht über die Simulation einer Grippepandemie am 23. und 24. November 2005; getestet werden sollte dabei, wie die Bereitschaftspläne der Mitgliedstaaten im Falle einer großen Grippewelle harmonieren würden und wie gut die Koordinierung und Kommunikation zwischen Kommission, Mitgliedstaaten, EU-Agenturen, internationalen Organisationen und der Pharma-Industrie ist. Den Bericht erstellte im Auftrag der Kommission die britische Health Protection Agency, die auch die Übung leitete. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Übung ein Erfolg war und gegenüber einer früheren Übung deutlich besser lief, wobei allerdings in vielen Punkten noch Verbesserungen erforderlich sind. Es werden zwölf Empfehlungen gegeben, wie die gemachten Erfahrungen genutzt werden können, vor allem durch die Prüfung und Entwicklung der Kommunikationssysteme. Der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissar Markos Kyprianou meinte dazu: „Meines Wissens ist dies die bisher größte Übung zur Bereitschaftsplanung für eine Human-Grippepandemie. Wir wollten mit der Übung vor allem herausfinden, was geht und was nicht geht, wenn Pläne in der Praxis angewandt werden sollen. In dem Bericht werden wichtige Empfehlungen für die Zukunft gegeben, und es wird aufgezeigt, wo unsere Bereitschaftspläne Schwachstellen haben und verbesserungsbedürftig sind. Wir haben bereits damit begonnen und gemeinsam mit den Mitgliedstaaten, dem Europäischen Seuchenbekämpfungszentrum und unseren anderen Partnern werden wir weiter daran arbeiten, unsere Bereitschaft zu verbessern und auf dem neuesten Stand zu bleiben.“

Die Ernstfallübung Common Ground

Common Ground lief am 23. und 24. November; mehrere Hundert betroffene Akteure in der Kommission, den EU-Agenturen wie dem Europäischen Zentrum für Seuchenbekämpfung und Prävention (ECDC), den Mitgliedstaaten, Drittländern und der Pharmaindustrie testeten ihre Bereitschaft in einer Reihe simulierter Ernstfälle mit einem neuen Grippevirus, das eine große Pandemie unter der europäischen Bevölkerung auslöst. Die Übung simulierte eine Dauer von 26 Wochen. Getestet werden sollte, wie die Pläne der Mitgliedstaaten konkret ausgeführt werden und aufeinander bezogen sind (Verkehrsbeschränkungen, Vermeidung von Ausfallzeiten in der Wirtschaft, Kommunikation und Verteilung von Impfstoffen) und welche Rolle die Kommission dabei spielt. Die Übung bezog auch Krisenzentren in Gesundheitsministerien und -agenturen in den Mitgliedstaaten ein, die durch Schnellwarnsysteme vernetzt sind.

Wichtigste Feststellungen und Empfehlungen des Berichts

  • Im Vergleich zu einer früheren, kleineren Ernstfallübung waren deutliche Verbesserungen festzustellen, was dafür spricht, dass die Kommission und die Mitgliedstaaten zu Verbesserungen bereit sind, wo dies nötig ist;
  • Übungen finden statt, um festzustellen, ob geeignete Maßnahmen vorhanden und die Planung zweckmäßig ist, um dann etwaige Schwachstellen zu beseitigen. Alle Teilnehmer sagten aus, dass auch künftig Bedarf an solchen Übungen herrsche und dass dabei die Erfahrungen aus früheren Übungen Berücksichtigung finden sollten;
  • einige Beispiele machten deutlich, wie die Kommission und das Europäische Seuchenbekämpfungszentrum für eine Abstimmung sorgen: Telefonkonferenzen bei Fragen, die rasche Antworten erforderten, eine neue, hilfreiche Website des Europäischen Zentrums und Meldeformulare der Kommission, die im Ernstfall nützlich wären;
  • das Frühwarn- und Reaktionssystem der Kommission (EWRS) ist ein eigentlich stabiles System und wurde intensiv genutzt. Da es aber als Instrument für das Krisenmanagement eingesetzt wurde, blieb eine Überlastung nicht aus, weil das System lediglich für die Meldung von Fällen und die Koordinierung von Maßnahmen entwickelt wurde. Das System sollte überprüft und aufgerüstet werden, und gleichzeitig wäre ein System für die Sammlung von Informationen und die kontinuierliche Erfassung der Lage zu entwickeln;
  • Hilfskommunikationssysteme sollten in Erwägung gezogen werden, und die Möglichkeiten für Videokonferenzen sind in einigen Mitgliedstaaten verbesserungsbedürftig;
  • die Bereitschaftspläne einiger Mitgliedstaaten für eine Grippepandemie befassten sich zu wenig mit internationalen Aspekten und einzelnen operationellen Fragen außerhalb des Gesundheitsbereichs, was einer weiteren Prüfung bedarf;
  • die Kommission sollte erwägen, ihre allgemeine Planung weiterzuentwickeln und die internationale Dimension der nationalen Pläne zu berücksichtigen, die eine Checkliste geeigneter Maßnahmen für jede Phase der Pandemie enthalten sollten;
  • die Abstimmung und die gemeinsame Pressearbeit im Ernstfall sollten verbessert werden und es empfiehlt sich der Aufbau eines Netzes von Pressekontakten in den mitgliedstaatlichen Ministerien;
  • weitere noch zu prüfende Fragen von gemeinsamem Interesse sind Virostatika, Impfstoffe, Reisebeschränkungen, Quarantäne und Grenzschließungen.

Nachfassende Maßnahmen und nächste Schritte

Im Anschluss an die Ernstfallübung hat die Kommission bereits eine Reihe von Initiativen eingeleitet, die einigen der Feststellungen des Berichts entsprechen:

  • Die Kommission hat damit begonnen, ihre Krisenbewältigungsinstrumente zu verbessern, beispielsweise durch die Einrichtung eines Online-Informationssystems für Entscheidungsträger namens HEDIS (Health Emergency and Diseases Information System) und die Aufrüstung ihres Schnellwarnsystems;
  • die Kommission hat ein dienststellenübergreifendes Referat für die Krisenkoordinierung eingerichtet, das im Ernstfall, beispielsweise bei einer Pandemie, tätig wird;
  • Kommissar Kyprianou bringt die Mitgliedstaaten und die Pharmaindustrie in Fragen der Produktion, Verteilung und Lieferung von Virostatika und Impfstoffen zu Gesprächen zusammen;
  • seit dem informellen Treffen des Rates „Gesundheit“ in Wien am 24. Februar koordinieren die Kommission und das Europäische Zentrum ein Netz von Pressereferenten der Mitgliedstaaten, um dafür zu sorgen, dass die europäische Öffentlichkeit mit klaren und sachlich richtigen Informationen versorgt wird;
  • die Bereitschaftspläne für eine Pandemie werden auf einem Treffen der Kommission, der Mitgliedstaaten und der WHO, welches vom Europäischen Zentrum für Seuchenbekämpfung am 3. Mai in Stockholm veranstaltet wird, erneut geprüft, und im Juni wird erörtert, welche konkreten Maßnahmen die Mitgliedstaaten aus den bei der Übung gemachten Erfahrungen abgeleitet haben;
  • geplant sind ferner Workshops, um sich über die besten Verfahrensweisen bei gesundheitspolitischen Maßnahmen, der Planung der Business Continuity, Grenzkontrollen und Quarantäne auszutauschen;
  • die Kommission wird damit beginnen, die systematische Koordination durch Schulungen und Rollenspiele zwischen den beteiligten Stellen zu verbessern, und sie beabsichtigt, weitere Übungen abzuhalten.

Mehr Informationen finden sie hier:
http://ec.europa.eu/dgs/health_consumer/dyna/influenza/index.cfm


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