IP/06/1326
Brüssel, den 6. Oktober 2006
„Für den aktiven, mündigen Staatsbürger ist Medienkompetenz heute genauso wichtig wie die Fähigkeit des Lesens und Schreibens zu Beginn des 19. Jahrhunderts“, erklärt die für die Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding. „Medienkompetenz ist auch die Voraussetzung für den Zugang zur neuen Breitbandwelt mit ihren vielfältigen Inhalten, die überall und jederzeit zur Verfügung stehen. Ich erwarte daher von der heute beginnenden Konsultation mehr Klarheit über die beste Praxis in Europa in Sachen Medienkompetenz sowie neue Ideen für künftige Förderinitiativen.“
Medienkompetenz bezieht sich auf alle Medien, darunter Film und Fernsehen, Hörfunk und Musikaufnahmen, Printmedien, Videospiele, aber auch das Internet und andere neue digitale Kommunikationsmittel. Mit den neuen Technologien kann jedermann ohne weiteres eigene Medieninhalte veröffentlichen. Angesichts der riesigen Mengen von Inhalten und Informationen, die über Breitbandnetze zugänglich sind, ist es sehr wichtig geworden, sich im „Medien-Dschungel“ zurecht zu finden und die wirklich bedeutungsvollen Inhalte auszuwählen. Medienkompetenz umfasst Fähigkeiten wie den Zugang zu den Inhalten, die Analyse und Bewertung der auf uns eindringenden Bilder, Töne und Botschaften, aber auch deren Bewusstmachung, wenn wir unsere Entscheidungen treffen. Medienkompetenz hilft daher den Bürgern zu erkennen, wie die Medien unsere Wahrnehmungen und Überzeugungen filtern, die populäre Gegenwartskultur steuern und unsere persönlichen Entscheidungen beeinflussen. Sie versetzt den Bürger in die Lage, sich dank kritischen Denkens und kreativer Problemlösungsansätze als urteilsfähiger Verbraucher und als Produzent von Inhalten zu behaupten.
Medienkompetenz fördert auβerdem die Meinungsfreiheit und die Wahrnehmung der Informationsfreiheit und dient dabei dem Aufbau und der Bewahrung der Demokratie. Es gibt auch einen Zusammenhang zwischen Medienkompetenz und besserer Rechtsetzung: Eine Gesellschaft, die souverän mit den Medien umzugehen versteht, ist auch in der Lage, sich selbst ihr Urteil zu bilden und sachkundige Entscheidungen zu treffen; auf diese Weise kann auf ausführliche Schutzvorschriften verzichtet werden.
Aber solche Fähigkeiten müssen aufgebaut und gepflegt werden. Deshalb soll anhand des heute veröffentlichten Fragebogen herausgefunden werden, wie dies am besten geschehen kann. Der Fragebogen besteht aus vier Teilen: Teil 1 enthält allgemeine Fragen über Medienkompetenz, während mit den anderen drei Teilen Angaben über Initiativen und Projekte im Bereich Werbung und Marketing, in Bezug auf audiovisuelle Werke und in der Online-Welt erfasst werden.
Die Konsultation soll die derzeit unter Leitung der Europäischen Kommission laufenden Arbeiten der Sachverständigengruppe „Medienkompetenz“ ergänzen und beginnt am 15. Dezember 2006. Ihre Ergebnisse werden dann Gegenstand von Diskussionen sein, die vor allem in der Sachverständigengruppe „Medienkompetenz“ stattfinden werden. Auf dieser Grundlage soll schließlich in der zweiten Jahreshälfte 2007 eine Mitteilung der Kommission veröffentlicht werden. Die Konsultation ist für alle Interessenten offen, angesprochen sind vor allem formelle und informelle Bildungseinrichtungen, Inhaltsanbieter und Inhaltsproduzenten, Forschungs- und Kultureinrichtungen, Regulierungsbehörden, Medienunternehmen und die Industrie sowie Bürger- und Verbraucherverbände.
Die Medienkompetenz-Initiative der Kommission ist ein wichtiger Bestandteil
ihrer Gesamtpolitik für die Verbesserung des Vertrauens in elektronische
Inhalte und deren Verbreitung (siehe IP/06/1071,
IP/06/1124,
IP/06/672,
IP/05/1261
und IP/05/98).
Weitere
Informationen über die öffentliche Konsultation und das
Konsultationspapier finden Sie unter: