Navigation path

Left navigation

Additional tools

EU-Kommission präsentiert Ergebnisse der Anhörung zum Thema „gesunde Ernährung und körperliche Bewegung“

European Commission - IP/06/1169   11/09/2006

Other available languages: EN FR EL

IP/06/1169

Brüssel, 11. September 2006

EU-Kommission präsentiert Ergebnisse der Anhörung zum Thema „gesunde Ernährung und körperliche Bewegung“

Die EU-Kommission stellt heute die Ergebnisse einer öffentlichen Anhörung vor, bei der es um die Frage der Förderung gesunder Ernährung und körperlicher Bewegung ging, mit Schwerpunkt auf der Vorbeugung gegen Übergewicht, Fettleibigkeit und chronische Krankheiten. Angesichts von derzeit ca. 14 Millionen übergewichtigen Kindern in Europa – darunter über 3 Millionen fettleibige – stehen wir vor einem vordringlichen Gesundheitsproblem, das ein koordiniertes Vorgehen auf EU-Ebene sowie innerhalb der Mitgliedstaaten erfordert. Den Anstoß zu dieser Anhörung gab ein am 8. Dezember 2005 veröffentlichtes Grünbuch[1], das eine Reihe verschiedener politischer Möglichkeiten aufzeigte und interessierte Kreisen in Europa zu Kommentaren aufforderte. Über 260 Antworten gingen daraufhin ein, u. a. von den Regierungen der EU-Mitgliedstaaten, Islands, Norwegens und der Schweiz, den Akteuren des Gesundheitswesens, der Lebensmittelindustrie, den Hochschulen und der breiten Öffentlichkeit. Angesichts der Komplexität des Problems sprachen sich die meisten Teilnehmer für einen multidisziplinären Ansatz aus, der kohärente Maßnahmen über verschiedene EU-Politikbereiche hinweg beinhaltet. Viele Teilnehmer forderten auch, einen besonderen Schwerpunkt auf Kinder und Jugendliche zu legen, bei denen eine rasche Zunahme der Fettleibigkeit zu beobachten ist. Weitere Forderungen betrafen eine bessere Verbraucherinformation über Ernährungsfragen, die klar und kohärent formuliert und wissenschaftlich untermauert sein müsste.

Der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissar Markos Kyprianou sagte: „Ich begrüße die Ergebnisse dieser Anhörung. Das Problem der Fettleibigkeit hat in Europa rasch um sich gegriffen, und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass dies einen Anstieg von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen wird. Die Ergebnisse der Anhörung stellen ein wertvolles Feedback der interessierten Kreise dar und liefern Input für unsere Strategie zur Förderung eines gesunden Lebensstils. Das von der Kommission geschaffene Netzwerk „Ernährung und Bewegung“ und die EU-Aktionsplattform für Ernährung, körperliche Bewegung und Gesundheit sind wichtige Foren, in denen diese Fragen mit den Regierungen, der Industrie und der Zivilgesellschaft eingehender erörtert und Möglichkeiten zur Einbindung der betroffenen Akteure ermittelt und auf den Weg gebracht werden können.Die Kommission wird nun weitere Überlegungen zu künftigen politischen Maßnahmen anstellen, wobei sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen freiwilligem Engagement und rechtlichen Initiativen anstrebt.“

Anstieg von Übergewicht und Fettleibigkeit

Übergewicht und Fettleibigkeit sind in Europa auf dem Vormarsch: bis zu 27 % der Männer und 38 % der Frauen gelten in einigen Mitgliedstaaten als fettleibig. Auch die Zahl der übergewichtigen Kinder nimmt rapide zu (um 400 000 jährlich). Fettleibigkeit ist ein Risikofaktor für viele schwere Krankheiten, z. B. Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Schlaganfall und bestimmte Krebsarten.

Ungesunde Ernährung und mangelnde körperliche Bewegung zählen zu den häufigsten Gründen für vermeidbare Todesfälle in Europa, und durch Fettleibigkeit bedingte Krankheiten verursachen EU-weit schätzungsweise 7 % der gesamten Gesundheitskosten.

Ein multidisziplinärer Ansatz

Die meisten Teilnehmer der Anhörung waren sich einig, dass die EU einen multidisziplinären Ansatz verfolgen sollte, der andere EU-Politikbereiche (z. B. Landwirtschaft, Bildung, Verkehr und Stadtplanung) sowie eine Vielzahl einschlägiger Akteure auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene einbezieht. Ferner forderten die Teilnehmer mehr Konsistenz und Kohärenz der Politiken, eine bessere Koordinierung der Maßnahmen auf EU-Ebene, die Zusammenführung und den grenzübergreifenden Austausch von vorbildlichen Verfahren sowie auf wissenschaftlicher Grundlage erstellte Leitlinien für Ernährung und körperliche Aktivität.

Verbraucherinformation

Nach Auffassung der Konsultationsteilnehmer sollten der breiten Öffentlichkeit klare, kohärente und wissenschaftlich fundierte Verbraucherinformationen (einschließlich Kennzeichnung) zugänglich gemacht werden. Während sich die Vertreter der Industrie für eine Selbstregulierung aussprachen, waren die Verbraucherorganisationen und die NRO eher skeptisch, was deren Erfolgsaussichten in Bezug auf Werbung für kalorienhaltige, nährstoffarme Lebensmittel anbelangt.

Gesunde Entscheidungen

Um den Verbrauchern dabei zu helfen, ihre Ernährung nach gesundheitlichen Aspekten auszurichten, schlagen die Konsultationsteilnehmer Folgendes vor: Förderung des Obst- und Gemüseverzehrs; Einschränkung des Verbrauchs an Fett und/oder gesättigten Fettsäuren; Unterstützung einer ausgewogenen Ernährungsweise; Förderung des Verzehrs von vollkorn-, stärke- und ballaststoffhaltigen Produkten; Verringerung des Zucker- und Limonadenverbrauchs; Senkung des Salzkonsums; Verkleinerung der Portionen.

Ernährung an den Schulen

Nach Auffassung der Konsultationsteilnehmer könnte eine Verbesserung der schulischen Mahlzeiten unter ernährungswissenschaftlichen Gesichtspunkten am besten durch Folgendes erzielt werden: Aufklärung über eine gesunde, kindgerechte Ernährungsweise, unterstützt durch die kostenlose oder kostengünstige

Bereitstellung von Obst, Gemüse und Trinkwasser; Schulung des Küchenpersonals; allgemeine Leitlinien und/oder Normen für schulische Mahlzeiten, einschließlich regelmäßiger Kontrollen.

Fit bei der Arbeit

Nach Auffassung der Konsultationsteilnehmer ist zur Förderung eines gesunden Lebensstils am Arbeitsplatz Folgendes notwendig: bessere Verfügbarkeit von gesunden Lebensmitteln in der Kantine oder an Verkaufsautomaten; Reduzierung des Angebots an energiereichen (fett-/zuckerhaltigen) Lebensmitteln und an Großportionen; Förderung von Sport oder täglicher körperlicher Bewegung am Arbeitsplatz oder in der Umgebung; Schaffung von Anreizen, den Arbeitsweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen.

Datenauswertung und Folgenabschätzung

Eine Folgenabschätzung für das Gesundheitswesen sowie Kosten-Nutzen-Analysen in Bezug auf politische Maßnahmen könnten helfen, die Entscheidungsträger stärker zu sensibilisieren. Die Verfügbarkeit und Vergleichbarkeit von Daten über Fettleibigkeit könnte durch eine Vereinheitlichung der Datentypen und der Bewertungsmethoden verbessert werden. Die Konsultationsteilnehmer schlugen vor, das Aktionsprogramm der Gemeinschaft im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu nutzen, um eine weitere Integration und Verbreitung der Daten und des Know-hows über wirksame Strategien sowie eine Stärkung der sektorübergreifenden Verbindungen herbeizuführen.

Die Verbreitung sollte durch Netze erfolgen, wie z. B. das European Network for the Promotion of Health-Enhancing Physical Activity und das Netzwerk „Ernährung und Bewegung“ der Kommission.

Sonstige Maßnahmen

Weitere Vorschläge betrafen: die Schulung von Angehörigen der Gesundheitsberufe zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Ernährung und körperlicher Bewegung; die Förderung von körperlicher Aktivität durch finanzielle Anreize; eine sportfreundliche Preispolitik; Verbesserungen der Qualität und Zugänglichkeit sportlicher Einrichtungen. Viele Teilnehmer wiesen ferner auf die Notwendigkeit hin, einen allgemeinen, neutralen, einfachen und flexiblen Ernährungsleitfaden auf europäischer Ebene zu erarbeiten, der an verschiedene Kulturen, Regionen und Länder angepasst werden könnte.
Weitere Informationen unter:
http://ec.europa.eu/health/ph_determinants/life_style/nutrition/nutrition_de.htm


[1] Vgl. IP/05/1550 und MEMO/05/470.


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website