IP/05/722
Brüssel, den 14. Juni 2005
Von heute an verwendet GÉANT2, das europäische Forschungsnetz von Weltrang, nicht mehr Elektronen, sondern Lichtimpulse (Photonen), um riesige Mengen an Forschungsdaten schneller denn je zu übertragen. Bisher unbeschaltete Glasfaserkabel („dark fibre“) mit einer Übertragungsrate von bis zu 320 Gigabit pro Sekunde werden in anspruchsvollen Anwendungen zur Datenverarbeitung eingesetzt, so z. B. bei Experimenten in der Hochenergiephysik oder zur weltweiten Vernetzung von Radioteleskopen. Damit wird das europäische Forschungsnetz eine bislang unerreichte Rechenkapazität zur Verfügung stellen, die europaweit von schätzungsweise 3 Millionen Anwendern an mehr als 3500 akademischen Einrichtungen aus 34 Ländern genutzt werden kann. Im Vergleich zu ähnlichen Forschungsnetzen in den USA oder in Asien besteht das Innovative von GÉANT2 darin, dass unbeschaltete Glasfaserkabel nahtlos mit traditionelleren Breitbandtechnologien kombiniert werden, um über die Partnernetze insbesondere in Schulen Forschungsnetzdienste anzubieten.
„GÉANT2 ist ein wirklich gigantischer Schritt nach vorn. Dank dieses modernen Netzes werden Forscher überall in Europa besser und schneller vernetzt sein als irgendwo sonst in der Welt“, erklärte die für Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding heute in Luxemburg beim Startschuss für den Netzausbau.
Nach einer grundlegenden Verstärkung des Netzes wird GÉANT2 einen europaweiten „Roaming“-Dienst bereitstellen, durch den Wissenschaftler jederzeit und von jedem Ort der Welt aus auf das Netz und auf die Arbeitsumgebungen an ihren Heimatuniversitäten zugreifen können. In der Radioastronomie wird es mithilfe von GÉANT2 möglich, durch die Vernetzung von Radioteleskopen in ganz Europa das Universum in Echtzeit zu beobachten.
Das ursprüngliche GÉANT-Netz war das erste paneuropäische Netz zur Multigigabit-Datenübertragung im Dienste der Forschung und Bildung zwischen Island und dem Kaukasus und noch über diese Grenzen hinaus. Damit wurde die weltweit größte Gemeinschaft miteinander vernetzter Forscher und Akademiker geschaffen, die dadurch schneller als je zuvor Forschungsdaten austauschen konnten. Europa ist so für modernste Forschungsarbeiten attraktiv geworden, beispielsweise für Anwendungen auf der Grundlage des neuen Internet-Protokolls Version 6 oder für das „Grid-Computing“. Über GÉANT wurden auch Petabytes an Daten des großen Hadron-Beschleunigers am CERN übertragen.
GÉANT2 wurde möglich durch das finanzielle Engagement der europäischen Länder und der EU. Die Europäische Kommission steuert 93 Millionen Euro zu diesem Vorhaben bei (s. IP/04/1058), nahezu die Hälfte der Kosten. Der übrige Teil wird von nationalen Forschungs- und Bildungsnetzen finanziert. Ohne die EU-Gelder würde GÉANT weiterfunktionieren wie bisher, jedoch seinen innovativen Charakter und seine Führungsrolle einbüßen.
Schnelle und sichere Breitbandnetze mit einem reichhaltigen und vielfältigen inhaltlichen Angebot sind einer der Schwerpunkte der neuen Initiative der Kommission „i2010: Europäische Informationsgesellschaft 2010“ (s. IP/05/643). Ziel der i2010-Initiative ist es, Wachstum und Beschäftigung durch die Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien zu fördern.
Weitere Informationen finden Sie unter den folgenden Internet-Adressen:
http://ec.europa.eu/information_society/research/index_de.htm
Siehe MEMO/05/205