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IP/05/322

Brüssel, 17. März 2005

Die Bevölkerung in der EU wird älter. Mit welchen Auswirkungen müssen wir rechnen und was sollten wir tun?

Die Europäische Union steht vor einem beispiellosen demografischen Wandel, der sich massiv auf die gesamte Gesellschaft auswirken wird. Die Zahlen in dem heute von der Kommission vorgelegten Grünbuch „Demografischer Wandel“ zeigen, dass der EU bis 2030 20,8 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter (6,8 %) fehlen werden. Grob gesagt werden im Jahr 2030 zwei Erwerbstätige (zwischen 15 und 65 Jahren) für einen Nichterwerbstätigen (von über 65 Jahren) aufkommen müssen. In der Union leben dann 18 Millionen Kinder und Jugendliche weniger als heute.

„Es geht dabei nicht nur um ältere Arbeitnehmer und die Rentenreform. Die Entwicklung wird fast alle Bereiche unseres Lebens betreffen, beispielsweise die Geschäftsabläufe und die Arbeitsorganisation, die Stadtplanung, den Zuschnitt der Wohnungen, die öffentlichen Verkehrsmittel, das Wahlverhalten und die Infrastruktur der Einkaufsmöglichkeiten in unseren Städten“, sagte Herr Špidla. „Alle Altersgruppen werden betroffen sein, denn die Menschen leben länger und erfreuen sich einer besseren Gesundheit, die Geburtenrate sinkt und die Zahl der Erwerbstätigen nimmt ab. Es ist höchste Zeit zu handeln. Diese auf europäischer Ebene geführte Debatte ist ein erster Schritt.“

Steigende Lebenserwartung

Die Menschen leben länger und die Älteren sind gesünder. Bis 2030 wird die Zahl der „älteren Arbeitnehmer“ (zwischen 55 und 64 Jahren) um 24 Millionen steigen, da die Babyboomer-Generation das Vorruhestandsalter erreicht, und die EU wird 34,7 Millionen Menschen über 80 Jahren zählen (gegenüber 18,8 Millionen heute). Seit 1960 ist die durchschnittliche Lebenserwartung 60-jähriger Frauen um fünf Jahre und die gleichaltriger Männer um fast vier Jahre gestiegen. Die Zahl der Menschen über 80 wird bis zum Jahr 2050 um 180 % anwachsen.

Geburtenrate

Im Jahr 2003 war die Geburtenrate in der EU auf 1,48 gesunken und lag somit unter der für die Reproduktion der Bevölkerung erforderlichen Marke von 2,1 Kindern pro Frau. Laut Grünbuch wird die EU-Bevölkerung von 469,5 Millionen im Jahr 2025 auf 468,7 Millionen im Jahr 2030 fallen. Im Vergleich hierzu wird die US-Bevölkerung zwischen 2000 und 2025 um 25,6 % wachsen. Bei uns hat der demografische Niedergang jedoch bereits begonnen: in einem Drittel der EU-Regionen und in fast allen Regionen der neuen Mitgliedstaaten nimmt die Bevölkerung seit Ende der 90er Jahre ab.

Alternde Arbeitnehmer

Zwischen 2005 und 2030 wird die Zahl der Menschen über 65 Jahren um 52,3 % (40 Millionen) steigen, während die Altersgruppe der 15 bis 64-Jährigen um 6,8 % (20,8 Millionen) abnehmen wird.

Das Verhältnis von abhängigen jungen und alten Menschen gegenüber Erwerbstätigen wird von 49 % im Jahr 2005 auf 66 % im Jahr 2030 zunehmen. Um den Verlust der Erwerbstätigen auszugleichen, werden wir eine Beschäftigungsrate von über 79 Prozent brauchen.

Auswirkungen

Diese demografischen Veränderungen werden sich massiv auf unseren Wohlstand, den Lebensstandard und die Beziehungen zwischen den Generationen auswirken. Im modernen Europa hat es niemals wirtschaftliches Wachstum ohne Geburten gegeben. All dies ist das Ergebnis der Zwänge von Familienentscheidungen: später Zugang zu einer Beschäftigung, unsichere Arbeitsplätze, teurer Wohnraum und fehlende Anreize (Familienbeihilfen, Elternurlaub, Kinderbetreuung, gleiche Entlohnung). Anreize dieser Art können sich positiv auf die Geburtenrate auswirken und zu mehr Beschäftigung insbesondere von Frauen führen, wie sich in einigen Ländern gezeigt hat. Ungeachtet dessen gaben 84 % der 2004 von Eurobarometer befragten Männer an, dass sie keinen Elternurlaub genommen hätten oder dies auch nicht beabsichtigten, obwohl sie über ihre Rechte aufgeklärt waren.

„Das Problem kann nur politisch gelöst werden“, sagte Kommissar Špidla, „und gleichzeitig muss in der Gesellschaft ein Bewusstsein entstehen, damit Frauen, die nach dem Mutterschaftsurlaub wieder ins Berufsleben zurückkehren, nicht als „schlechte Mütter“ abgestempelt oder Väter in vergleichbarer Situation nicht als „Softies“ dargestellt werden.“
Was können wir machen?

Viele der angesprochenen Themen liegen in der Verantwortung der Mitgliedstaaten, betreffen jedoch die EU insgesamt. Die Kommission möchte eine Debatte darüber anstoßen, wie man den Herausforderungen begegnen kann und welche Rolle die Union dabei haben sollte. Sollten die EU Politiken zur Vereinbarkeit von Arbeit und Familie und Chancengleichheit z.B. genutzt werden um Bevölkerungswachstum herbeizuführen? Wie sollte Immigration in der EU geregelt werden?

Die Kommission wird zu diesem Zweck am 11. Juli 2005 eine Konferenz in Brüssel organisieren, bei der Experten, hochrangige "policy-makers" und Vertreter von NROs die Schritte, die aus dem Grünbuch folgen, diskutieren werden.

Das Dokument „Angesichts des demografischen Wandels - eine neue Solidarität zwischen den Generationen“ finden Sie unter:

http://ec.europa.eu/employment_social/news/2005/mar/demog_gp_de.html

Diskussionsbeiträge können elektronisch unter folgender Adresse eingereicht

werden: http://ec.europa.eu/yourvoice/consultations/index_de.htm

Schriftliche Diskussionsbeiträge können postalisch an folgende Adresse geschickt werden:

Green Paper on Demographic Change

DG EMPL/E/1

J-27 01/122

European Commission

B-1049 Brussels


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