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IP/05/1326

Brüssel, den 20. Oktober 2005

Vogelgrippe: Weitere Präventivmaßnahmen beschlossen und Einfuhrbeschränkungen gegenüber Russland angenommen

Die Mitgliedstaaten haben heute im Ständigen Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit (SCFCAH) drei weitere Entscheidungen der Kommission zur Abwehr der Vogelgrippe gebilligt. Gegenstand der Entscheidungen sind zusätzliche Biosicherheitsmaßnahmen für Hausvögel, die Schutzimpfung von Zoovögeln und die Ausweitung des Einfuhrverbots gegenüber Russland. Der Ständige Ausschuss hat außerdem die als Anhang beigefügte Erklärung abgegeben und die Situation in Griechenland angesprochen.

Zusätzliche Maßnahmen zur Risikominderung für besonders gefährdete Gebieten

Der Ständige Ausschuss befürwortete den Entwurf einer Entscheidung der Kommission, mit der in besonders vogelgrippegefährdeten Gebieten die Freilandhaltung eingeschränkt wird. Es obliegt den Mitgliedstaaten, auf der Grundlage von letzte Woche festgelegten Risikofaktoren (siehe IP/05/1284) die Risikogebiete zu benennen. Die Einschränkung soll sicherstellen, dass Wildvögel nicht mit für Geflügel bestimmtem Futter und Trinkwasser in Kontakt kommen. Der Entscheidungsentwurf beschränkt auch den Einsatz bestimmter Lockvögel. Die Mitgliedstaaten müssen die Kommission and den SCFCAH bis zum 5. November über die getroffenen Maßnahmen in Kenntnis setzen.

Der Ständige Ausschuss verständigte sich ferner darauf, dass sofort und EU-weit Geflügelmärkte, Vogelschauen, Vogelausstellungen und ähnliche Veranstaltungen nur mit Sondergenehmigung der Behörden der Mitgliedstaaten und nach einer die Unbedenklichkeit bescheinigten Risikobewertung abgehalten werden dürfen.

Schutz und Impfung von Zoovögeln

Der Ständige Ausschuss billigte einen Entscheidungsentwurf der Kommission, mit dem zusätzliche Biosicherheitsmaßnahmen zum Schutz von in Zoos gehaltenen Vögeln angeordnet werden. Die Mitgliedstaaten können nach eigenem Ermessen auch Schutzimpfungen zur Auflage machen. Bis zum 30. November müssen die Mitgliedstaaten detailliert über die Durchführung dieser Maßnahmen der Kommission Bericht erstatten und dem SCFCAH ein Impfprogramm für Zoovögel vorlegen. Alle geimpften Vögel müssen registriert werden, und Handel mit solchen Vögeln ist nur mit Sondergenehmigung zulässig. Der SCFCAH wird die Entscheidung Anfang Dezember neu bewerten.

Einfuhrbeschränkungen gegenüber Russland

Nachdem Russland gestern den Ausbruch der H5N1-Vogelgrippe in Tula (südlich von Moskau) bestätigt hatte, billigte der Ständige Ausschuss einen Entscheidungsentwurf der Kommission zum Verbot der Einfuhr lebender Heimvögel und unbehandelter Federn aus dem europäischen Teil Russlands.

Ausgenommen von dem Verbot sind lediglich Kaliningrad* und einige Gebiete an der Grenze zu Finnland. Die Entscheidung erweitert das seit dem 8. September geltende Importembargo für die russischen Regionen östlich des Urals. Nicht nötig ist ein Verbot für Eier, Geflügelfleisch und Fleischprodukte, denn diese Produkte werden zwischen Russland und der EU nicht gehandelt. Die Kommission hat diese Entscheidung heute Abend angenommen.

*Gebiet Kaliningrad, Gebiet Leningrad, Karelische Republik, Gebiet Murmansk, St. Petersburg

Situation in Griechenland

Der Ausschuss stellte fest, dass er dem Vogelgrippeverdacht in Griechenland aufmerksam nachgehen wird. Bisher sei das Virus noch nicht nachgewiesen. Gegenwärtig werden weitere Proben getestet.

Der Ständige Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit hat am 20.10.2005 folgende Erklärung abgegeben:

„Der Ständige Ausschuss hat heute die Situation in Bezug auf die hoch pathogene Form der aviären Influenza (HPAI) des Subtyps H5N1 geprüft, insbesondere mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen in der Türkei, in Rumänien und in Russland. Der Ständige Ausschuss verfolgt die Situation in Griechenland aufmerksam: die letzten verfügbaren Informationen erhärten den AI-Virusverdacht nicht.

Es ist klar zu unterscheiden zwischen der jüngst bei Geflügel in der Türkei, in Rumänien und in Russland entdeckten aviären Influenza, der sporadisch Menschen befallenden aviären Influenza, der normalen saisonalen Humaninfluenza und dem Risiko einer Influenzapandemie.

Der Ausschuss stimmte einer Entscheidung zu, die den Mitgliedstaaten zur Auflage macht, das Risiko einer Einschleppung von H5N1 in Geflügelbestände zu bewerten. Daran anschließend sind, soweit praktisch durchführbar, Maßnahmen zu treffen, um den Kontakt zwischen Wildvögeln und Hausvögeln zu unterbinden. Früherkennungs- und Frühwarnsysteme für AI sollten eingerichtet sein. Weitere Maßnahmen zur Risikominderung, einschließlich der – soweit angezeigt – Beschränkung der Freilandhaltung in stark AI-gefährdten Gebieten, sind vereinbart worden.

Jüngste Informationen über diese Woche in Osteuropa (Rumänien, Türkei and Russland) entdeckte AI-Ausbrüche legen den Schluss nahe, dass die Krankheit auf Geflügel und Wildvögel beschränkt bleibt – kein Fall der Erkrankung eines Menschen ist bisher bekannt geworden –, eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit deshalb gegenwärtig nicht besteht. Nach Einschätzung des ECDC (Europäischen Zentrums für Krankheitsverhinderung und Kontrolle) ist eine Humanexposition in Europe weit weniger wahrscheinlich als in Zentralasien and im Fernen Osten, weil in Europa Menschen im Allgemeinen weit seltener mit kommerziell gehaltenen Vögeln in Kontakt kommen. Eine Arbeitsschutzberatung für Personen, die arbeitsbedingt mit infizierten Vögeln in Kontakt kommen, wird in einer Reihe von Ländern angeboten; eine Beratung auf europäischer Ebene wird derzeit vom ECDC organisiert.

In der EU werden die Überwachungsmaßnahmen zur Früherkennung einer potenziellen Einschleppung und Biosicherheitsmaßnahmen in Geflügelfarmen verstärkt. Darüber hinaus überprüfen Kommission, Mitgliedstaaten und unabhängige Sachverständige die verfügbaren Informationen über relevante Zugvogelspezies. Die positiven Erfahrungen mit der Bekämpfung der Epidemien in der EU im Jahr 2003 haben gezeigt, dass mit den Gemeinschaftsvorschriften und insbesondere den Notfallplänen – die regelmäßig überprüft und getestet werden – wirksame Instrumente für die Eindämmung potenzieller AI-Ausbrüche zur Verfügung stehen. Die laufend aktualisierten Bestimmungen für die Einfuhr aus Drittländern (z. B. bezogen auf Russland) tragen wesentlich zum Schutz der EU bei. Hinzu kommen Präventivmaßnahmen für Zoovögel, die gegebenenfalls auch Impfungen beinhalten können. Und auch die Einfuhrkontrollen an den Außengrenzen der Gemeinschaft werden verstärkt, wobei der potenzielle Risiken einer AI-Virus-Einschleppung bergenden illegalen Einfuhr von lebenden Vögeln und von Geflügelprodukten besonderes Augenmerk gilt. Es besteht ein generelles Verbot der Einfuhr von Erzeugnissen tierischen Ursprungs für den persönlichen Verbrauch.

Die Verbraucher in Europa sind gegenwärtig besorgt über die Sicherheit von Geflügelerzeugnissen, einschließlich Geflügelfleisch. Die WHO hat sich hierzu wie folgt geäußert: „Nach Einschätzung der WHO geht gegenwärtig von Geflügel-Verarbeitungserzeugnissen (ganzen gefrorenen oder tiefgefrorenen Schlachtkörpern und daraus gewonnen Erzeugnissen) und Eiern in oder aus Gebieten, in denen Fälle von H5N1-Vogelgrippe bei Geflügel aufgetreten sind, keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit aus.“ Darüber hinaus besteht aus Gründen der Tiergesundheit ein Importstopp für Geflügelerzeugnisse wie Eier und Fleisch aus den betroffenen Gebieten. Die Verbraucher brauchen also keine Bedenken zu haben.

Aktivitäten im Freien, bei denen Menschen mit Wildvögeln in Kontakt kommen, wie etwa Jagd und Ornithologie, müssen in der EU derzeit beschränkt werden. Nach der Handhabung toter Vögel sollten normale Hygienevorkehrungen getroffen werden (Händewaschen, sichere Lebensmittelzubereitung usw.). Beobachtete auffallende Verhaltensänderungen bei einer größeren Zahl von Wildvögeln sollten den Behörden gemeldet werden, damit erkrankte Vögel aufgespürt werden können. Gleichermaßen sollten Jäger und andere Umweltakteure sowie auch die Allgemeinbevölkerung aufgefordert werden, die Behörden über jede anormal hohe Sterblichkeit in Wildvogelbeständen zu unterrichten. Menschen, die solche Vögel einsammeln, sollten wissen, wie wichtig eine sorgfältige Handhygiene nach dem Kontakt ist sowie das Tragen von Handschuhen, Reinigung und Desinfektion.

Hat sich der Ausbruch der Krankheit in einem Gebiet bestätigt oder besteht Krankheitsverdacht, so sollte geprüft werden, in welchem Ausmaß die Vogeljagd zur potenziellen Ausbreitung der Krankheit beitragen könnte. Gegebenenfalls sollten dann in dem betreffenden Gebiet geeignete Abhilfemaßnahmen getroffen werden. Beschränkt wird speziell auch der Einsatz von Lockvögeln in der Jagd mit Blick auf deren Rolle in der Übertragung und der Entdeckung der Infektion. Ergänzend zum bestehenden Verbot der Einfuhr in die EU sollte der von Jägern betriebene Handel mit und nichtgewerbliche Transport von toten Exemplaren von Wildvögeln, insbesondere Wasservögeln, innerhalb der Gemeinschaft eingestellt werden.

Die Mitgliedstaaten vermerken mit Anerkennung, welche wichtige koordinierende Rolle die Kommission in jüngster Zeit in dieser Frage gespielt hat, in enger Zusammenarbeit mit den tierärztlichen Diensten, Gesundheitsbehörden und Naturschutzorganisationen aller Mitgliedstaaten.“


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