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Vermeidung von Interessenkonflikten - Kommission bittet um Stellungnahme zu Empfehlungen des Finanzanalystenforums

European Commission - IP/03/1197   04/09/2003

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IP/03/1197

Brüssel, den 4. September 2003

Vermeidung von Interessenkonflikten - Kommission bittet um Stellungnahme zu Empfehlungen des Finanzanalystenforums

Die Europäische Kommission hat Anleger, Marktteilnehmer, Regulierungsbehörden und die breite Öffentlichkeit aufgefordert, zu Empfehlungen des Finanzanalystenforums Stellung zu nehmen, in denen es um die Frage geht, wie sich Interessenkonflikte vermeiden lassen, wenn Finanzanalysten von Investmentbanken ihren Kunden zu Investitionen in Unternehmen raten, für die die Bank entgeltliche Dienstleistungen erbringt. Dieses Forum wurde im November 2002 von der Europäischen Kommission eingesetzt, die damit den Schlussfolgerungen der Wirtschafts- und Finanzminister folgte, die im April 2002 in Oviedo zu einem informellen Treffen zusammengekommen waren (siehe IP/02/1763). Ziel der Empfehlungen ist es, für die auf einem integrierten europäischen Finanzmarkt tätigen Finanzanalysten gute Regulierungs- und Marktpraktiken festzulegen. Bei den Bemühungen um Vermeidung oder angemessene Handhabung von Interessenkonflikten zwischen den Investment- und Forschungsabteilungen von Investmentbanken und um entsprechende Unterrichtung der Anleger soll der Geschäftsleitung eine zentrale Rolle zukommen. Die Kommission wird die Stellungnahmen zu diesen Empfehlungen bei der Prüfung der Frage berücksichtigen, ob auf diesem Gebiet Gemeinschaftsmaßnahmen erforderlich sind. Der Bericht der Gruppe ist auf den Internetseiten der Kommission abrufbar unter:

http://ec.europa.eu/internal_market/de/finances/mobil/finanalysts/index_de.htm

Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein begrüßte den Bericht und bezeichnete ihn als “wichtigen Beitrag zu einer politisch oft belasteten Debatte. Wir haben diese Gruppe hauptsächlich mit dem Ziel eingesetzt, Investmentbanken empfehlenswerte Praktiken an die Hand zu geben, die es ihnen ermöglichen, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Wenn eine Investmentbank für eine Gesellschaft entgeltliche Dienstleistungen im Bereich der Unternehmensfinanzierung erbringt, fühlen sich die Analysten der Bank unter Umständen dazu gedrängt, ihren Anlagekunden eine Investition in dieses Unternehmen zu empfehlen, auch wenn es sich in ernsten Schwierigkeiten befindet. Wir müssen die europäischen Anleger vor betrügerischen Praktiken dieser Art schützen. Doch dürfen wir ebensowenig das Kind mit dem Bade ausschütten und den Anlegern oder börsennotierten Gesellschaften den Zugang zu dem benötigten Fachwissen versperren. Wir werden nun die Ergebnisse der Gruppe auswerten und darüber entscheiden, ob wir weitere Maßnahmen auf EU-Ebene für notwendig halten.”

In seinem Bericht nennt das Forum fünf Grundprinzipien, die seiner Meinung nach von all denen, die Anlageforschung betreiben und deren Ergebnisse verbreiten, befolgt werden sollten:

  • Klarheit: Anlageforschung sollte fair, klar und unmissverständlich sein.

  • Kompetenz, Führung und persönliche Integrität: die Forschungsarbeiten sollten von kompetenten Analysten mit Sachkenntnis, Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit und Integrität ausgeführt werden; die Ergebnisse sollten die Meinung des/der Anlageforscher/s widerspiegeln.

  • Zweckdienlichkeit und Marktintegrität: die Ergebnisse sollten mit Blick auf die unterschiedlichen Zielgruppen und mit Rücksicht auf die notwendige Marktintegrität verbreitet werden.

  • Konfliktvermeidung, Vorbeugung und Management: die Unternehmen der Analysten sollten über Systeme und Kontrollen verfügen, die es ermöglichen, Interessenkonflikte von Einzelpersonen oder des Unternehmens insgesamt zu ermitteln und auszuschalten, diesen vorzubeugen oder sie zu managen.

  • Offenlegung: Interessenkonflikte - ob von Einzelpersonen oder des gesamten Unternehmens - sollten unmissverständlich offen gelegt werden.

Der Bericht enthält 31 Empfehlungen, die diesen Grundsätzen Rechnung tragen. Ihr Schwerpunkt liegt insbesondere auf Konflikten, die auf die Beteiligung von Analysten an Wertpapieremissionen oder anderen Wegen der Unternehmensfinanzierung zurückzuführen sind; empfehlenswerten Praktiken für Unternehmen, die Wertpapiere emittieren; der Vergütung von Analysten; dem Wertpapierhandel von Analysten; Befähigungsnachweisen und der Verbreitung von Ergebnissen der Anlageforschung auf dem Kleinanlegermarkt.

Die Kommission wird sich bei der Auswertung dieses Berichts und der Prüfung der Frage, ob auf EU-Ebene Folgemaßnahmen getroffen werden müssen, um ein ausgewogenes Vorgehen bemühen, um

  • Anlegerschutz zu gewährleisten,

  • den Anlegern die Möglichkeit zu geben, von einem offenen, wettbewerbsfähigen Markt für Anlageforschung und -beratung zu profitieren und gleichzeitig

  • unzulässige Beschränkungen des Leistungsangebots von Investmentbanken zu vermeiden und so den Zugang börsennotierter Gesellschaften zu den von ihnen im Bereich der Unternehmensfinanzierung benötigten Dienstleistungen zu gewährleisten.

Rechnung tragen wird die Kommission darüber hinaus den in den neuesten EU-Rechtsvorschriften und -Legislativvorschlägen - insbesondere der Marktmissbrauchsrichtlinie (siehe IP/02/1547 und IP/03/345) und der vorgeschlagenen Wertpapierdienstleistungsrichtlinie (IP/02/1706) - enthaltenen, für Analysten relevanten Bestimmungen und so einigen von der Gruppe geäußerten Bedenken Rechnung tragen. So legt beispielsweise die Marktmissbrauchsrichtlinie Transparenzstandards fest, wonach Personen, die für die Öffentlichkeit oder andere Informationskanäle bestimmte Empfehlungen oder Vorschläge für Anlagestrategien erstellen oder ausgeben, ihre Interessen oder Interessenkonflikte offen legen und die Informationen sachgerecht darbieten müssen.

Die Kommission bittet um Stellungnahme zum Bericht des Forums bis zum 30. November 2003. Bitte senden Sie Ihre Stellungnahme an:

Markt-Analysts@ec.europa.eu

Alle eingegangenen Beiträge werden auf der Europa-Website veröffentlicht.


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