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IP/02/824

Brüssel, 5 June 2002

EU-Kommission stellt Verfahren wegen FIFA-Transferbestimmungen ein

Die EU-Kommission hat das Verfahren wegen der ehemaligen, im vergangenen Jahr geänderten Bestimmungen der FIFA über internationale Vereinswechsel von Fußballspielern eingestellt und die beiden noch verbliebenen Beschwerden endgültig zurückgewiesen. Wie das für Wettbewerbsfragen zuständige Kommissionsmitglied Monti erläuterte, "folgen die neuen Bestimmungen, denen auch die wichtigste Spielergewerkschaft FIFPro zugestimmt hat, Grundsätzen, die für die Kommission akzeptabel sind. Zwischen dem Grundrecht der Spieler auf Freizügigkeit und dem Grundsatz des Schutzes laufender Verträge sowie dem legitimen Ziel der Integrität sportlicher Wettbewerbe und der Stabilität der Meisterschaften wurde ein ausgewogenes Verhältnis geschaffen. Außerdem haben die Verbände akzeptiert, dass die Rechtsvorschriften der EU und der Mitgliedstaaten auch für den Fußball gelten. Gleichzeitig wurde unter Beweis gestellt, dass auch das EU-Recht die Besonderheiten des Sports zu berücksichtigen in der Lage ist und die sehr wichtige soziale, integrative und kulturelle Rolle des Sports respektiert. Der Fußball verfügt jetzt über die für seine Entwicklung notwendige Rechtssicherheit".

Mehrere Beschwerden hatten die Kommission veranlasst, die FIFA-Transferbestimmungen einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Im Zuge dieser Untersuchung wurde am 14. Dezember 1998 eine Mitteilung der Beschwerdepunkte an die FIFA gerichtet.

Am 5. März 2001 führten die Kommissionsmitglieder Diamantopoulou, Reding und Monti abschließende Gespräche mit FIFA-Präsident Sepp Blatter und UEFA-Präsident Lennart Johansson über internationale Transfers von Fußballspielern. Das Ergebnis wurde formell in einem Schriftwechsel zwischen FIFA-Präsident Blatter und Kommissionsmitglied Monti festgehalten.

Anschließend legte Präsident Blatter einen schriftlichen Entwurf über die Grundsätze für eine Änderung der einschlägigen FIFA-Bestimmungen vor(1). Das neue Transferreglement wurde einschließlich seiner Ausführungsbestimmungen am 5. Juli 2001 in Buenos Aires vom FIFA-Exekutivkomitee angenommen (siehe Anhang). Außerdem haben sich Ende August 2001 die FIFA und die FIFPro über die Mitwirkung der FIFPro bei der Umsetzung der neuen FIFA-Regeln über Vereinswechsel geeinigt.

Gemäß den neuen Regeln können sich die Spieler bei Meinungsverschiedenheiten über ihre Auslegung an eine freiwillige Schiedsgerichtsbarkeit oder an die einzelstaatlichen Gerichte wenden. Die Kommission rechnet nicht damit, dass es künftig weitere Anlässe für ein Eingreifen in Meinungsverschiedenheiten zwischen Spielern, Vereinen und Fußballverbänden geben wird.

Nach Inkrafttreten der neuen Regelung wurden drei Beschwerden zurückgezogen.

Die Kommission hat das Verfahren abgeschlossen und die beiden noch verbliebenen Beschwerden zurückgewiesen. Die beiden Beschwerden richteten sich vor allem gegen das Verbot der einseitigen Vertragsauflösung durch den Spieler. Diese Frage wurde mit den neuen FIFA-Regeln zufriedenstellend gelöst. Die Beschwerdeführer (Syndicat des employés, techniciens et cadres de la Fédération Générale des travailleurs de Belgique (SETCA-FGTB) und Sports et Libertés) verfügen nun über eine Frist von zwei Monaten, um das Ergebnis der Kommissionsanalyse vor dem EU-Gericht in Luxemburg anzufechten.

Anhang: Die neuen FIFA-Bestimmungen über internationale Vereinswechsel

Die neuen, im vergangenen Juli angenommenen Regeln sind am 1. September 2001 in Kraft getreten und beruhen auf folgenden Grundsätzen:

  • für Spieler unter 23 Jahren wird ein Ausbildungsentschädigungssystem eingerichtet, mit dem die Ausbildungsanstrengungen insbesondere der kleinen Vereine unterstützt und belohnt werden sollen;

  • mittels eines neu eingeführten Solidaritätsmechanismus soll ein erheblicher Teil der Einnahmen an die Vereine (auch aus dem Amateurlager) umgeleitet werden, die an Training und Ausbildung eines Spielers beteiligt waren;

  • internationale Vereinswechsel von Spielern unter 18 Jahren sind vorbehaltlich vereinbarter Voraussetzungen zulässig, wobei die Fußballverbände Verhaltensregeln für die sportliche, berufliche und schulische Bildung aufstellen und durchsetzen;

  • pro Spielzeit soll es eine Transferperiode geben, dazu eine kurze inmitten der Saison, wobei jeder Spieler höchstens einmal den Verein wechseln darf;

  • die Laufzeit der Verträge beträgt mindestens ein und höchstens fünf Jahre;

  • Verträge von Spielern bis 28 Jahre dürfen drei Jahre lang, die älterer Spieler zwei Jahre lang nicht gekündigt werden;

  • die Regelmäßigkeit und der ordnungsgemäße Ablauf der sportlichen Wettbewerbe werden durch ein System von Sanktionen geschützt, das einseitige Vertragsauflösungen nur zum Ende einer Spielzeit zulässt;

  • bei einer einseitigen Vertragskündigung durch den Spieler oder den Verein kann eine finanzielle Entschädigung fällig werden;

  • bei einseitiger Vertragskündigung ohne gerechtfertigten Grund während des geschützten Zeitraums können gegen Spieler, Vereine und Spielervermittler angemessene sportliche Sanktionen verhängt werden;

  • Einrichtung einer effektiven, schnellen und objektiven Schiedsgerichtsbarkeit, in der Spieler und Vereine zu gleicher Zahl vertreten sind, mit einem unabhängigen Vorsitzenden; Vertreter der FIFPro(2) werden zusammen mit Vertretern der Vereine in der Schlichtungskammer der FIFA sitzen; ferner benennt die FIFPro Vertreter für das neue Fußball-Schiedsgericht, vor dem Entscheidungen der Schlichtungskammer angefochten werden können;

  • die Schiedsgerichtsbarkeit ist freiwillig und schließt die Anrufung der nationalen Gerichte nicht aus.

    (1) Eine Zusammenfassung der neuen Regeln findet sich in der Pressemitteilung HYPERLINK "http://europa.eu.int/rapid/start/cgi/guesten.ksh?p_action.gettxt=gt&doc=IP/01/314|0|AGED&lg=EN&display=" IP/01/314.

    (2) Außerdem haben sich Ende August 2001 die FIFA und die FIFPro über die Mitwirkung der FIFPro bei der Umsetzung der neuen FIFA-Regeln über Vereinswechsel geeinigt.


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