Navigation path

Left navigation

Additional tools

Other available languages: EN FR

IP/02/17

Brüssel, den 20. Dezember 2001

Fluggastrechte - Kommission schlägt verstärkten Schutz bei Überbuchung, Annullierung und großer Verspätung vor

Die Europäische Kommission hat heute einen Vorschlag verabschiedet, der die Rechte der Fluggäste bei Überbuchung, Flugannullierung oder großer Verspätung erweitern und stärken soll. "Allzu viele Europäer erleben beim Einchecken eine böse Überraschung. Wir wollen die Zahl der Fluggäste senken, die durch Überbuchung einen Nachteil erleiden. Unsere Vorschläge werden dafür sorgen, dass diese Praktiken abnehmen. Wir wollen die Fluggäste bei einer vom Betreiber zu verantwortenden Flugannullierung schützen, vor allem wenn diese unerwartet und sehr spät erfolgt", erklärte Loyola de Palacio, die für Energie und Verkehr zuständige Vizepräsidentin der Kommission. "Und schließlich werden verstärkte Rechte der Fluggäste dazu beitragen, ihr Vertrauen in den Flugverkehr wieder herzustellen."

Jedes Jahr erleben rund 250 000 Fluggäste beim Einschecken auf EU-Flughäfen eine böse Überraschung. Sie haben ein Ticket gekauft und damit einen Platz reserviert. Dann erklärt ihnen der Betreiber, dass ihr Flug überbucht sei und sie einen späteren nehmen müssten. Dies bedeutet für die Fluggäste große Unannehmlichkeiten und Zeitverlust. Eine ebenso böse Überraschung sind Annullierungen ohne Vorwarnung und Verspätungen, durch die die Fluggäste stundenlang auf einem Flughafen festsitzen.

Die Gemeinschaft hat bereits 1991 eine Verordnung über die Nichtbeförderung erlassen, die, auch wenn sie ein wichtiger Schritt zum Schutz der Fluggäste war, nicht weit genug ging. In der Praxis hält sie die Fluggesellschaften nicht davon ab, Passagiere nicht zu befördern, und erstreckt sich nicht auf Annullierungen aus betrieblichen Gründen oder auf große Verspätungen. Sie gilt auch nicht für Nichtlinienflüge, die von Reiseveranstaltern gechartert werden. Mit ihrem heutigen Vorschlag will die Kommission die Fluggäste rundherum wirksam schützen, hauptsächlich durch vier Maßnahmen:

Ausdehnung der Fluggastrechte auf alle Arten von Flügen

Die derzeitige Verordnung beschränkt sich auf Linienflüge, d.h. auf etwa die Hälfte des Marktes. Die neue Verordnung soll den gesamten Markt einschließen, d.h. Linien- und Nichtlinienflüge (einschließlich solcher, die als Teil einer Pauschalreise verkauft werden).

Reduzierung der Nichtbeförderung

Die neue Verordnung wird die Fälle, in denen Fluggäste gegen ihren Willen nicht befördert werden, erheblich reduzieren, und zwar durch Kombination zweier Maßnahmen:

  • Erstens werden Fluggesellschaften und Reiseveranstalter, wenn sie voraussichtlich Fluggäste abweisen müssen, verpflichtet sein, bevor sie irgend etwas anderes unternehmen, nach Freiwilligen zu suchen, die bei bestimmten Gegenleistungen von ihrer Buchung zurücktreten. Mit diesen müssen sie sich dann über die Bedingungen einigen. Nur wenn sich nicht genügend Freiwillige finden, ist es ihnen gestattet, Fluggäste gegen ihren Willen nicht zu befördern.

  • Zweitens müssen alle Fluggesellschaften und Reiseveranstalter, die Fluggäste nicht befördern, diesen einen abschreckend hohen Ausgleich zahlen. Die neue Verordnung schreibt einen Standardsatz vor, der nach Berücksichtigung der Inflation viermal so hoch ist wie der von 1991. Dies schafft einen starken Anreiz für die Suche nach Freiwilligen und ist ein wirksames Mittel, das vor einer Nichtbeförderung zurückschrecken lässt. Dank der Freiwilligenregelung treten in den Vereinigten Staaten die meisten überbuchten Fluggäste freiwillig zurück, so dass nur wenigen die Beförderung versagt werden muss.

Neben dem finanziellen Ausgleich haben nicht beförderte Fluggäste auch weiterhin Anspruch auf

  • die Möglichkeit, bei Verspätungen zwischen einem möglichst baldigen alternativen Flug und, falls sich ihre Reise erübrigt, der Erstattung ihres Tickets zu wählen

  • Versorgung, während sie auf einen späteren Flug warten (Erfrischungen, Mahlzeiten, Unterbringung).

Auch Freiwillige werden zwischen einem alternativen Flug und der Erstattung ihres Tickets wählen können.

Verringerung der Unannehmlichkeiten bei Annullierungen

Die neue Verordnung schreibt Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern, die einen Flug annullieren oder für eine Annullierung verantwortlich sind, vor, sich mit den Fluggästen vor der Abflugzeit in Verbindung zu setzen und mit ihnen über die Bedingungen für einen Rücktritt von ihrer Buchung zu verhandeln. Fluggäste, die nicht kontaktiert werden können oder sich nicht freiwillig melden, werden Anspruch auf den gleichen Ausgleich wie bei Nichtbeförderung haben (Annullierung ist eine Nichtbeförderung in extremer Form).

Neben dem finanziellen Ausgleich werden diese Fluggäste Anspruch haben auf

  • die Möglichkeit, zwischen einem alternativen Flug bei der sich nächstbietenden Gelegenheit und der Erstattung ihres Tickets zu wählen,

  • Versorgung, während sie auf einen späteren Flug warten.

Hilfe für Fluggäste bei großen Verspätungen.

Die Verspätungen auf EU-Flughäfen nehmen immer mehr zu, und es kann nicht akzeptiert werden, dass Fluggäste stundenlang festsitzen. Nach der neuen Verordnung werden die durch große Verspätungen betroffenen Fluggäste die Wahl haben zwischen einem möglichst baldigen alternativen Flug und der Erstattung ihres Tickets. Außerdem werden die Fluggesellschaften verpflichtet sein, Fluggäste mit besonderen Bedürfnissen, wie in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkte Personen oder Kinder ohne Begleitung, zu versorgen (Erfrischungen, Mahlzeiten, Hotels). Andererseits wäre es nicht fair, die Fluggesellschaften zu verpflichten, alle von einer Verspätung betroffenen Fluggäste zu versorgen - auch wenn viele dies tun -, da sie an den Verspätungen nicht immer schuld sind.

Die von der Kommission vorgeschlagene Verordnung wird die derzeitige Verordnung über Nichtbeförderung und ihren Vorschlag von 1998 zur Änderung dieser Verordnung ersetzen. Wie in ihrer Mitteilung über den Schutz der Fluggäste angekündigt, zieht sie diesen Vorschlag zurück.

ZUSAMMENFASSUNG DER VORSCHLÄGE

LINIENFLÜGE

Bestehende RechteVorgeschlagene neue Rechte
Nichtbeförderung

Passagiere haben Anspruch auf

  • finanziellen Ausgleich:

      - 150 bei Flügen unter 3 500 km

      - 300 bei Flügen von 3 500 km oder mehr.

      Die Beträge können im ersten Fall bei einer Verspätung unter 2 Stunden und im zweiten Fall bei einer Verspätung unter 4 Stunden halbiert werden.

  • Wahl zwischen alternativem Flug und Erstattung des Tickets

  • Versorgung während der Wartezeit: Erfrischungen, Mahlzeiten, Hotels.
1Pflicht der Fluggesellschaft, nach Freiwilligen zu suchen, die bei einer vereinbarten Gegenleistung von ihrer Buchung zurücktreten (und den Freiwilligen die Wahl zwischen einem alternativen Flug und der Erstattung des Tickets zu lassen).

Bei Nichtbeförderung hat ein Fluggast Anspruch auf

  • finanziellen Ausgleich:

  • - 750 bei Flügen unter 3 500 km

      - 1,500 bei Flügen von 3 500 km oder mehr.

Die Beträge können wie nach der derzeitigen Verordnung halbiert werden.

  • Wahl zwischen alternativem Flug und Erstattung des Tickets

  • Versorgung während der Wartezeit: Erfrischungen, Mahlzeiten, Hotels.

Behinderten oder sonstigen Personen mit besonderen Bedürfnissen kann eine Fluggesellschaft die Beförderung nicht versagen.

2
Annullierung(1)Entfällt1Pflicht der Fluggesellschaft, Fluggäste zu kontaktieren und nach Freiwilligen zu suchen, die von ihrer Buchung zurücktreten.

Fluggäste, die nicht freiwillig zurücktreten, haben Anspruch auf

  • finanziellen Ausgleich bei Nichtbeförderung

  • Wahl zwischen alternativem Flug und Erstattung des Tickets und

  • Versorgung während der Wartezeit: Erfrischungen, Mahlzeiten, Hotels
2
Große VerzögerungEntfällt1Fluggäste haben die Wahl zwischen alternativem Flug und Erstattung des Tickets
2Behinderte und sonstige Personen mit besonderen Bedürfnissen haben Anspruch auf Versorgung während der Wartezeit: Erfrischungen, Mahlzeiten, Hotels.
NICHTLINIENFLÜGE
Derzeitige RechteVorgeschlagene neue Rechte
NichtbeförderungEntfälltWie oben
AnnullierungEntfälltWie oben
Große VerzögerungEntfälltWie oben

(1) wenn die Fluggesellschaft verantwortlich ist.


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website