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IP/02/1753

Brüssel, den 27. November 2002

Statt Moratorium für Kabeljaufischerei: Franz Fischler erläutert verschärften Bestandserholungs-plan für Kabeljau

Konkrete Vorschläge zur Bewältigung der Kabeljaukrise hat die Kommission heute den Fischereiministern der EU erläutert. "Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Lage: in manchen Gebieten ist die Zahl der Kabeljaue so stark zurückgegangen, dass die Wissenschaftler nicht voraussagen können, wie sich etwaige Bestandserholungsmaßnahmen auf die betreffenden Bestände auswirken. Bestände in Gewässern der EU, die noch vor nicht allzu langer Zeit 200 000 Tonnen Lebensmitteln hervorbrachten, sind jetzt so geschrumpft, dass wir hinsichtlich ihrer Zukunft im Dunkeln tappen. Wir haben die moralische Pflicht zu verhindern, dass diese Bestände so restlos verschwinden wie die Kabeljaue - und mit ihnen die Arbeitsplätze der kanadischen Fischer - an der Ostküste Kanadas. Wir haben auch die soziale Verpflichtung, unsere am meisten von der Fischerei abhängigen Küstengebiete zu schützen. Deshalb fasst die Kommission als Alternative zum Moratorium auf der Grundlage wissenschaftlicher Gutachten einen verschärften Bestandserholungsplan für Kabeljau ins Auge, der viel strenger ist als der vor einem Jahr vorgelegte Vorschlag. Dieser Plan sieht eine beträchtliche Herabsetzung des Fischereiaufwands und der zulässigen Gesamtfangmengen sowie bessere technische Maßnahmen und strengere Kontrollen vor. Auf diese Weise lässt sich unseres Erachtens der Schutz für die Bestände mit der Möglichkeit für die Fischereiflotten verbinden, weiter zu fischen, wenn auch in sehr viel geringerem Umfang. In außergewöhnlichen Situationen sind mutige Entscheidungen nötig. Die Kommission zieht eine konstruktive Alternative zu einem Moratorium in Erwägung. Nun ist es am Rat, seinen Beitrag zu leisten", sagte Franz Fischler, der für Landwirtschaft, Entwicklung des ländlichen Raumes und Fischerei zuständige Kommissar heute den Fischereiministern in Brüssel.

Senkung der fischereibedingten Sterblichkeit

Die fischereibedingte Sterblichkeit bei den Kabeljaubeständen und verwandten Beständen muss erheblich gesenkt werden. Ausgehend von den Schätzungen des Wissenschaftlich-technischen und wirtschaftlichen Fischereiausschusses (STECF) für die Nordsee strebt die Kommission eine Senkung der fischereibedingten Sterblichkeit um 80% bei Kabeljau und Schellfisch, 75% bei Wittling, 40% bei Scholle und 30% bei Seezunge in allen Fischereigebieten der EU an. Geringer wären die Senkungen bei Kaisergranaten (-5%) und der industriellen Fischerei (-10%). Diese Senkungen würden wesentliche Einschnitte bei den zulässigen Gesamtfangmengen mit sich bringen, wenn auch nicht notwendigerweise im gleichen Umfang.

Die Kommission, die in Kürze die zulässigen Gesamtfangmengen und Quoten für 2003 vorschlagen wird, behielte diese drastisch gesenkten zulässigen Gesamtfangmengen bei, bis Wissenschaftler meldeten, dass die Mindestmenge an geschlechtsreifen Fischen erreicht sei. Dann würde sie wieder die Strategie des vorgeschlagenen Bestandserholungsplans verfolgen, nach dem zulässige Gesamtfangmengen in einer Höhe festgelegt sind, die eine erhebliche Zunahme erwachsener Fische im Jahr sicherstellt.

Begrenzung des Fischereiaufwands

Damit gewährleistet ist, dass die niedrigen zulässigen Gesamtfangmengen eingehalten werden, muss unverzüglich eine Regelung zur Begrenzung des Fischereiaufwands eingeführt werden. Die Kommission plant die Ausarbeitung einer vereinfachten Regelung, die gelten soll, bis nach ausführlichen Verhandlungen wieder eine kompliziertere Regel zum Zuge kommt. Die vereinfachte Regelung sähe Standardwerte für die Senkung des Fischereiaufwands von Flotten vor, die in Beständen fischen, deren Sterblichkeit gesenkt werden muss. Das brächte eine Aufwandssenkung um 80% für die Kabeljau-/Schellfisch-/Wittling-Flotte, um 40% für die Plattfischflotte, um 5% für die industrielle Fischereiflotte und um 10% für die Kaisergranatflotte mit sich.

Die Kommission schlägt vor, die Jahre 1999-2001 zur Berechnung der Aufwandsverteilung heranzuziehen. Die Mitgliedstaaten würden entscheiden, welchen Schiffen der Anteil zuzuweisen ist. Die Zuteilungen würden in Tagen auf See im Jahr 2003 ausgedrückt.

Verschärfte Kontrollen und Durchsetzung der Maßnahmen

Zur Überprüfung, ob die Tage-auf-See-Regelung eingehalten wird, könnten zwei Möglichkeiten ins Auge gefasst werden. Entweder könnten Inspektoren unmittelbar die Schiffe im Hafen überwachen oder ein System von Einlauf- und Auslaufmeldungen an die Aufsichtsbehörden mit Funk, VMS oder anhand von Logbüchern.

Verbesserte technische Maßnahmen

Als Hauptinstrument wird die Begrenzung des Fischereiaufwands vorgeschlagen. Die Kommission würde prüfen, ob weitere Steigerungen bei der Selektivität möglich sind. Sie würde außerdem Gespräche mit der Industrie über die Möglichkeit neuer Vorstöße führen, selektivere Fanggeräte zu entwickeln

Verwandte Arten

Während die Verwandtschaft von Kabeljau mit Schellfisch, Scholle, Seezunge und Wittling außerhalb der Nordsee nicht quantifiziert wurde, möchte die Kommission für diese Arten in der Nordsee Senkungen im selben Umfang durchsetzen, da die Fischereimischungen in der Natur ähnlich sind. Bei anderen zusammen mit dem Kabeljau gefischten Arten außer Kaisergranate und Seelachs würde eine Senkung der zulässigen Gesamtfangmengen um 10% vorgeschlagen.

Nach wissenschaftlichen Gutachten muss die fischereibedingte Sterblichkeit bei anderen Beständen als Kabeljau um ihrer eigenen Erhaltung willen beträchtlich gesenkt werden. Das gilt für die Arten Seehecht, Seeteufel, Scholle, Seezunge und Schellfisch. Werden sowohl für die Kabeljaubestandserholung als auch zur Erholung der genannten Bestände Senkungen vorgeschlagen, gilt der höhere Prozentsatz, nicht die Summe der beiden Prozentsätze.

Das bedeutet beispielsweise für den Seehecht, dass nur eine Senkung im für die Erhaltung dieser Art erforderlichen Umfang nötig wäre.

Hintergrund

Vor einem Jahr hat die Kommission auf ein entsprechendes Ersuchen des Rates hin einen Bestandserholungsplan für Kabeljau und Seehecht unterbreitet. Diesen Vorschlag hat der Rat noch immer nicht angenommen. Die Lage der Kabeljaubestände ist inzwischen so alarmierend, dass die in diesem Plan vorgeschlagenen Maßnahmen nicht mehr ausreichen, um die Bestandserholung sicherzustellen. Jede andere Möglichkeit als ein Moratorium der Kabeljaufischerei, wie es der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) empfiehlt, setzt die Zustimmung zu einem verbesserten Bestandserholungsplan für Kabeljau voraus.


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