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IP/02/1661

Brüssel, den 13. November 2002

Der sechste Schiffbaubericht der Kommission zeigt gravierende Schwäche des Marktes und anhaltende Wettbewerbsverzerrungen

Die schwerwiegenden Probleme auf dem Weltschiffbaumarkt verschärfen sich, was an dem Auftragseinbruch für Schiffsneubauten zu erkennen ist, den die wichtigsten Schiffbauländer im ersten Halbjahr 2002 zu verzeichnen hatten, so die Europäische Kommission in ihrem sechsten Bericht über die Lage des Weltmarktes im Schiffbausektor(1). Darin kommt sie zu dem Ergebnis, dass aufgrund des Überangebots der letzten Jahre, der weltweiten Rezession und der Nachwirkungen der Ereignisse des 11. September 2001 die Aufträge erheblich zurückgegangen sind. Den Werften fehlt Arbeit, so dass es - überwiegend in Europa - bereits zu Insolvenzen und Massenentlassungen gekommen ist. Die europäischen Werften werden auf diesem schrumpfenden Markt zudem durch die unlautere Preisgestaltung mancher Wettbewerber unter Druck gesetzt.

Der für Unternehmen zuständige Kommissar Erkki Liikanen sagte dazu: „Bereits im vergangenen Schiffbaubericht zeigte sich die deutliche Krise des Sektors in den letzten beiden Jahren, und es fand sich erneut bestätigt, dass die EU-Werften unfairen Geschäftspraktiken ausgesetzt sind. Der Markt wird immer problematischer und ihre Lage ist inzwischen äußerst kritisch. Die Kommission hat bereits Schritte eingeleitet, um die Schiffbauindustrie der EU gegen unlauteren Wettbewerb zu schützen; zudem wird sie eng mit der Industrie zusammenarbeiten, um zu ermitteln, durch welche politischen Maßnahmen sich ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken lässt."

Aus dem Bericht, den die Kommission heute angenommen hat, geht hervor, dass die Zahl der im ersten Halbjahr 2002 weltweit erteilten Aufträge für Schiffsneubauten gegenüber den durchschnittlichen Quartalszahlen für das Jahr 2000 um fast 2/3 zurückgegangen ist. In der EU ist die Lage noch schlimmer, dort beträgt der Rückgang gegenüber 2000 fast 4/5. Am meisten sind von dieser Entwicklung die Marktsegmente Container- und Kreuzfahrtschiffe betroffen, doch auch die Nachfrage nach Öl- und Erdgastankern ist zurückgegangen. Einigermaßen stabil blieb nur die Nachfrage nach Produktentankern, weil nach Inkrafttreten neuer Sicherheitsvorschriften in der EU vorhandene Schiffe ersetzt werden müssen, und die Nachfrage nach Massengutfrachtern, die in europäischen Werften jedoch nicht mehr gebaut werden.

Die Schiffspreise sind weiter gefallen und befinden sich heute auf dem niedrigsten Stand seit über zehn Jahren. Obwohl sich alle wichtigen Kostenfaktoren verteuert haben und die koreanische Währung aufgewertet wurde, haben die südkoreanischen Werften ihre Preise auch weiterhin gesenkt, um auf diese Weise die Nachfrage anzuregen. Erholt sich die Auftragslage nicht binnen kurzem, dürften einige koreanische Werften ihren finanziellen Verpflichtungen nur unter Schwierigkeiten nachkommen können.

Die ausführlichen Kostenanalysen, die die Kommission für an südkoreanische Werften vergebene Aufträge durchgeführt hat, bestätigen die Erkenntnis früherer Berichte, dass die angebotenen Preise die vollen Produktionskosten nicht decken. Die Analysen zeigen, dass sich die Kluft zwischen den Angebotspreisen und den auf normale Weise berechneten Preisen wieder vergrößert.

Die Kommission wird den Markt weiter beobachten und ihre Kostenanalysen fortsetzen, so dass sie dem Rat im Jahr 2003 erneut berichten kann.

Hintergrund

Gemäß der Verordnung 1540/98 des Rates zur Neuregelung der Beihilfen für den Schiffbau muss die Kommission Bericht über die Marktlage im Schiffbausektor erstatten. In diesen Berichten untersucht sie die aktuellen Entwicklungen auf dem Schiffbauweltmarkt und bewertet die Ergebnisse der ergriffenen Maßnahmen.

Am 27. Juni 2002 beschloss der Rat, dass die Kommission einen letzten Versuch unternehmen solle, die von bestimmten Geschäftspraktiken koreanischer Werften herrührenden Probleme zu lösen und bis spätestens 30. September 2002 zu einer gütlichen Einigung mit Südkorea zu gelangen. Sollten die Verhandlungen scheitern, würde die Kommission ermächtigt, bei der WTO ein Streitbeilegungsverfahren zu beantragen. Zugleich wurden befristete Schutzmaßnahmen für bestimmte Marktsegmente erlassen.

Im August und September 2002 führte die Kommission zwei Gesprächsrunden mit der koreanischen Regierung und Vertretern der Werften, doch konnte dabei keine Einigung erzielt werden. Die Gespräche scheiterten.

Da auf dem Verhandlungsweg keine Lösung zustande kam, hat die Kommission nun, wie vom Rat im Juni beschlossen und auf seiner Tagung Ende September bestätigt wurde, Schritte bei der WTO eingeleitet. Der entsprechende Kommissionsbeschluss wurde am 19. Oktober 2002 im Amtsblatt veröffentlicht. Am 21. Oktober wurden bilaterale Gespräche mit der Republik Korea beantragt. Eine erste Konsultationssitzung wird noch vor Ende November 2002 stattfinden.

Weitere Informationen finden Sie unter:

http://europa.eu.int/comm/enterprise/maritime/shipbuilding_market/index.htm

(1)Sechster Bericht über die Lage des Weltmarktes im Schiffbausektor, KOM (2002) 622 endg.


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