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IP/02/1649

Brüssel, den 12. November 2002

Finanzdienstleistungen: Integration der EU-Märkte wird nach einer aktuellen Studie Wachstum fördern sowie Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen

Die Integration der EU-Finanzmärkte wird erhebliche Vorteile für Unternehmen, Anleger und Verbraucher ermöglichen. Nach einer aktuellen Studie wird EU-weit für das nächste Jahrzehnt ein jährliches Wachstum des BIP von 1,1 % - oder 130 Mrd. EUR in Preisen von 2002 - erwartet. Die Beschäftigung wird sich um insgesamt 0,5 % erhöhen. Die Unternehmen werden Zugang zu kostengünstigeren Finanzierungsquellen erhalten, denn infolge der Integration der EU-Aktienmärkte werden die Eigenkapitelkosten um 0,5 % sinken, was voraussichtlich eine Senkung der Kosten für Finanzierungen über den Rentenmarkt um 0,4 % nach sich ziehen wird. Die Anleger werden Vorteile in Form höherer risikobereinigte Sparerträge haben. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse einer aktuellen Studie im Auftrag der Europäischen Kommission.

Das für den Binnenmarkt zuständige Mitglied der Kommission Frits Bolkestein erklärte: "Diese Wirtschaftsdaten bestätigen, was wir immer gesagt haben - dass ein integrierter Kapitalmarkt in der EU unsere Wirtschaft stärken wird. Es werden sich uns enorme Vorteile erschließen, wenn wir unsere Arbeiten zu Ende führen und die verbleibenden Teile des Aktionsplans für Finanzdienstleistungen umsetzen. Ich werde mein Möglichstes dafür tun und das Europäische Parlament und den Rat auffordern, das Gleiche zu tun, um die noch erforderlichen schwierigen Entscheidungen so rasch wie möglich zu treffen. Wir dürfen diese Chance, allen Europäern zu mehr Wohlstand zu verhelfen, nicht verpassen. Überdies handelt es sich dabei nur um Mindestergebnisse. Andere wichtige Vorteile, wie breitere Auswahl, mehr Innovation und leichterer Zugang zu Finanzierungen für kleine Unternehmen sind dabei noch nicht berücksichtigt. Man könnte sich kaum einen besseren Ansporn für eine zügigere Durchführung der Maßnahmen vorstellen."

Die Studie ist die erste konkrete wissenschaftliche Forschungsarbeit über die Auswirkungen der Integration der Finanzmärkte auf die Finanzierungskosten in Europa. Die Arbeiten begannen gegen Ende 2001. Das mit der Studie beauftragte Beratungsunternehmen sollte die Auswirkungen der Integration der EU-Aktien- und Rentenmärkte auf Handelskosten und Finanzierungskosten untersuchen und - sollte es Auswirkungen auf die Finanzierungskosten feststellen - die Folgen für Investitionen, BIP und Beschäftigung zu quantifizieren.

Diese Forschungsarbeit zeigt die dynamische Rolle, die effiziente und liquide Finanzmärkte als Ergänzung zur Kreditfinanzierung zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung in Europa spielen können. Sie macht deutlich, wie wichtig es ist, die Umsetzung des Aktionsplans für Finanzdienstleistungen der EU fristgerecht bis 2005 abzuschließen. Die rasche Verabschiedung der Legislativvorschläge zu Börsenprospekten, Marktmissbrauch und Pensionsfonds, die derzeit im Parlament und im Rat erörtert werden, wären ein entscheidender Schritt in diese Richtung.

Vor allem die geplante Richtlinie über Wertpapierdienstleistungen und geregelte Märkte, die in Kürze vorgelegt werden soll, wird dazu beitragen, diese Vorteile zu erschließen.

Bei den Berechnungen wird nur die statische Wirkung der Integration der Finanzmärkte auf Handelsspreads (implizite Börsenhandelskosten) berücksichtigt. Nicht berücksichtigt wurden bei den Forschungsarbeiten mögliche Senkungen der expliziten Handelskosten (Makler- oder Börsengebühren), die sich voraussichtlich aus einem zunehmenden Wettbewerb zwischen Finanzmittlern und Börsen ergeben werden und die zu weiteren wirtschaftlichen Vorteilen für die Bürger und Unternehmen der EU führen würden.

Überdies wird der vollen Dynamik einer Integration der Finanzmärkte nicht Rechnung getragen. Andere Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet wie eine weitere Studie, die in Kürze von der Kommission veröffentlicht werden soll legen nahe, dass die Vertiefung der Finanzmärkte durch die Integration das Ertragswachstum im verarbeitenden Gewerbe dauerhaft erhöhen kann.

Zusammenfassung der wichtigsten vorläufigen Schlussfolgerungen der Studie

Die Eigenkapitalkosten werden aufgrund der Integration der EU-Finanzmärkte im europäischen Durchschnitt um etwa 40 Basispunkte sinken.

Eine weitere Senkung um 10 Basispunkte wird sich aus niedrigeren Clearing- und Abrechnungskosten ergeben. Insgesamt würden die Eigenkapitalkosten in den Mitgliedstaaten also um durchschnittlich 50 Basispunkte sinken.

Die Simulationen, die im Rahmen der Studie durchgeführt wurden, zeigen, dass die Kostensenkungen bei Eigenkapital und Anleihe- und Bankfinanzierung zusammen in Verbindung mit der Erhöhung des Anteils der Anleihenfinanzierung an der Fremdfinanzierung insgesamt das BIP-Gleichgewichtsniveau und potenziell auch das BIP-Wachstum verbessern dürften:

  • Langfristig (d.h. etwa in den nächsten zehn Jahren) wird das EU-weite reale BIP voraussichtlich um 1,1 % oder 130 Mrd. EUR in Preisen von 2002 steigen.

  • Das BIP pro Kopf wird sich in der EU voraussichtlich um 600 EUR in aktuellen Preisen bzw. um 350 EUR in Preisen von 2002 erhöhen.

  • Die Investitionen der gewerblichen Wirtschaft werden sich voraussichtlich um fast 6 % und der private Verbrauch um 0,8 % erhöhen.

  • Die Beschäftigung wird sich voraussichtlich um 0,5 % erhöhen.

Diese Vorteile werden allen Mitgliedstaaten zugute kommen. Es gibt keine Verlierer. EU-weit wird die geschätzte Erhöhung des realen BIP aufgrund der Integration der Finanzmärkte zwischen 0,3 % und 2,0 % liegen. In den meisten Mitgliedstaaten wird jedoch eine Erhöhung um 0,9 % bis 1,2 % erwartet.

Eine Aufschlüsselung des Beitrags der verschiedenen Änderungen der Nutzungskosten von Kapital ergibt folgendes Bild:

  • Die Senkung der Eigenkapitalfinanzierungskosten hat die größten Auswirkungen und macht 0,5 Prozentpunkte (oder 45 %) der Erhöhung des EU-weiten BIP-Niveaus in konstanten Preisen um 1,1 Prozentpunkte aus.

  • Die Auswirkungen der Senkung der Anleihefinanzierungskosten um 40 Basispunkte ist für sich genommen marginal und ergibt weitere 0,1 Prozentpunkte der Erhöhung des EU-weiten BIP-Niveaus in konstanten Preisen um 1,1 Prozentpunkte.

  • Die Kombination der Senkung der Anleihefinanzierungskosten in Verbindung mit der Erhöhung des Anteils der Anleihefinanzierung an der Fremdfinanzierung insgesamt führt jedoch zu einer deutlicheren Ertragssteigerung. Diese beiden Faktoren machen zusammen 0,3 Prozentpunkte der voraussichtlichen Erhöhung des EU-weiten BIP-Niveaus in konstanten Preisen aus.

  • Die angenommene Senkung der Bankfinanzierungskosten um 20 Basispunkte schließlich erklärt ebenfalls 0,3 Prozentpunkte der voraussichtlichen Erhöhung des EU-weiten realen BIP um 1,1 Prozentpunkte.

Die Ergebnisse der Studie tragen etwaigen dynamischen Wirkungen nicht Rechnung, die zu einer dauerhaften Steigerung des Ertrags- und Produktivitätswachstums führen könnten. Man kann also sagen, dass es sich dabei um relativ vorsichtige Schätzungen der wahrscheinlichen Auswirkungen von Senkungen der Kapitalnutzungskosten durch eine weitergehende Integration der europäischen Finanzmärkte handelt.

Darüber hinaus wird die Integration der europäischen Finanzmärkte die Wirtschaft der EU-Staaten über eine Reihe weiterer Faktoren beeinflussen (bessere Portfolioverteilung, besserer Zugang zu Finanzierungen, mehr Innovation usw.). Insgesamt werden die Auswirkungen der Integration der europäischen Finanzmärkte daher über die Ergebnisse der Studie hinausgehen, da sich diese nur auf eine Dimension des Prozesses konzentriert hat. Dies wird durch eine weitere Studie bestätigt, die in Kürze von der Kommission veröffentlicht werden wird. Darin wird auf das Potenzial für ein dauerhaft höheres Ertragswachstum im verarbeitenden Gewerbe hingewiesen, wenn alle EU-Unternehmen Zugang zu besser integrierten und entwickelten Finanzmärkten haben werden.

Die vollständigen Ergebnisse sind auf der Europa-Website zugänglich:

http://europa.eu.int/comm/internal_market/de/finances/mobil/overview.htm


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