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Brüssel, 20. Dezember 2001

Beschäftigung: Die EU-Arbeitsmärkte müssen flexibler werden, so der Tenor eines aktuellen Berichts der hochrangigen Task Force

Nach einem kürzlich für die Kommission erstellten Bericht einer hochrangigen, unabhängigen Task Force zum Thema „Qualifikation und Mobilität" bestehen immer noch viel zu viele Hindernisse für eine echte Arbeitskräftemobilität in der EU. Der Bericht analysiert die wichtigsten Problembereiche und formuliert eine Reihe von Empfehlungen. Gleichzeitig fordert er eine umfassendere und bessere Grundausbildung in Fremdsprachen und IT-Kenntnissen, einfachere Systeme zur Übertragung von Ruhegehalts- und Sozialversicherungsansprüchen sowie die Überarbeitung der Systeme zur Reglementierung der Berufe und zur Anerkennung von in einem anderen Mitgliedstaat erworbenen Fähigkeiten und Erfahrungen. Allein der Mangel an Informationen über Arbeitsmöglichkeiten im Ausland kann schon ein Problem darstellen. Dieser unabhängige Bericht, der von Anna Diamantopoulou in Auftrag gegeben wurde, liefert der Kommission eine solide Ausgangsbasis, um ihren Aktionsplan zur Verwirklichung EU-weiter Arbeitsmärkte bis 2005 voranzubringen. Der Aktionsplan soll im Frühjahr 2002 auf dem Gipfel von Barcelona im Rahmen des neuen EU-Ziels der Kommission „Bewältigung des Wandels" vorgestellt werden.

Anna Diamantopoulou, für Beschäftigung und Soziales zuständiges Kommissionsmitglied, begrüßt den Bericht der Task Force und erklärt: „Derzeit finden es die EU-Bürger oft noch zu schwierig, den Arbeitsplatz oder das Land zu wechseln. Dies liegt vor allem an dem Qualifikationsdefizit, aber auch noch andere Faktoren spielen dabei eine Rolle. Es ist kein Wunder, dass manche Leute glauben, die EU sei nur irgendein Phantasieprodukt und wenig nutzbringend, wenn es wirklich darauf ankommt z. B. bei ihrem Arbeitsplatz. Ziel der Kommission ist es, bis 2005 für offene und zugängliche EU-weite Arbeitsmärkte zu sorgen."

Die „Hochrangige Task Force für Qualifikation und Mobilität", die im Rahmen der Kommissionsinitiative zur Öffnung der EU-Arbeitsmärkte bis 2005 eingesetzt und vom Europäischen Rat in Stockholm im März 2001 in ihrer Aufgabe bestätigt wurde, hat folgende grundlegende Empfehlungen formuliert:

  • Alle Schüler sollten bis zum Ende der Schulpflicht neben ihrer Muttersprache zumindest zwei weitere EU-Sprachen beherrschen; eine dieser Fremdsprachen sollte vorzugsweise Englisch sein. Bis 2005 sollte bereits in der Vorschule oder Grundschule mit dem Erwerb von Fremdsprachenkenntnissen begonnen werden (spätestens mit 8 Jahren), die dann in der Sekundarschule vertieft werden.

  • Bis zum Jahr 2006 sollte dafür gesorgt werden, dass alle Bürger grundlegende Fertigkeiten u. a. Lesen, Schreiben, Rechnen und IT-Kenntnisse erwerben können, die eine wesentliche Voraussetzung für Beschäftigungsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit zum Lernen sind.

  • Hochschüler sollten ein Drittel ihres Studiums in einem anderen EU-Mitgliedstaat absolvieren, und die EU-Programme für internationale Austauschmaßnahmen sollten ausgeweitet werden, um den Erfahrungsaustausch in Bildung, Ausbildung und Beruf zwischen Jugendlichen und Erwachsenen verschiedener Länder zu intensivieren. Der Bevölkerungsanteil mit postsekundärem Bildungsabschluss sollte so weit erhöht werden, dass überall das Niveau der drei am besten abschneidenden Mitgliedstaaten erreicht wird.

  • Die Unternehmen sollten stärker in den Prozess des lebenslangen Lernens eingebunden werden; hierzu gehört auch der Austausch bewährter Verfahren auf europäischer Ebene (z. B. Initiativen von IKT-Unternehmen in Bezug auf Ausbildung und Qualifikationen); Unternehmen, die Strategien zur Kompetenzerweiterung entwickeln, sollten mit europäischen Preisen für lebenslanges Lernen und Gütesiegeln ausgezeichnet werden.

  • IKT-Qualifikationen müssen definiert und vermittelt werden, sie müssen transparent sein, EU-weiten Normen entsprechen und in allen Mitgliedstaaten der EU gelten. Der Bedarf an IKT- und E-Business-Fertigkeiten und die Schaffung entsprechender Lehrpläne sollten auf die Anforderungen der Industrie abgestimmt werden. Auch sollte der Zugang von Frauen zu IKT-Wissen gefördert werden.

  • Bis 2004 sollte der ordnungspolitische Rahmen für die Freizügigkeit und die Übertragbarkeit von Ruhegehalts- und Sozialversicherungsansprüchen modernisiert werden; die Einführung einer EU-weiten Sozialversicherungskarte sollte in Betracht gezogen werden, sodass die Leistungen ab 2004 in der gesamten EU leichter in Anspruch genommen werden können.

  • Das System zur Anerkennung von Berufsbildern muss rasch und gründlich modernisiert werden, möglichst noch vor 2005.

  • Die Anerkennung und Validierung von Fertigkeiten, Kompetenzen und Erfahrungen muss verbessert werden, z. B. durch die Entwicklung europaweiter Normen und Methoden für die Bewertung des nicht-formalen und informellen Lernens.

  • Bis 2002 sollte eine Website zur Mobilität als einheitliche europäische Anlaufstelle für einschlägige Informationen eingerichtet werden, die umfassende, hochwertige, aktuelle und leicht zugängliche Informationen über Stellenangebote, Mobilität, Lernmöglichkeiten und Rechte des mobilen Bürgers in Europa bietet. Bis 2004 sollte EURES in die Systeme der Mitgliedstaaten integriert werden.

Hintergrund

Die Task Force wurde im Juni 2001 auf Initiative der für Beschäftigung und Soziales zuständigen EU-Kommissarin Anna Diamantopoulou eingesetzt. Die Task Force ist ein wichtiger Bestandteil der Kommissionsstrategie zum Abbau der Mobilitätshindernisse und zur Anhebung des Qualifikationsniveaus der Arbeitskräfte in Europa auf allen Ebenen. Den Arbeiten der Task Force liegen drei zentrale Prinzipien zugrunde: 1) Die Freizügigkeit innerhalb des europäischen Binnenmarktes ist ein grundlegendes Ziel der Europäischen Union, und noch bestehende Hindernisse müssen beseitigt werden. 2) Die Entwicklung einer wissensbasierten Gesellschaft ist von ausschlaggebender Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum in einer globalen Wirtschaft, sodass verstärkte Anstrengungen zur Verbesserung der Qualifikationen in Europa unternommen werden müssen.

3) Die Verwirklichung der Freizügigkeit und die Entwicklung einer wissensbasierten Gesellschaft sind wesentliche Voraussetzungen für die Erreichung des Ziels der Vollbeschäftigung in Europa, das im Frühjahr 2000 auf dem Europäischen Gipfel von Lissabon formuliert wurde. Auf der Grundlage des Berichts der Task Force beabsichtigt die Kommission, dem Europäischen Rat im März 2002 in Barcelona einen Aktionsplan mit weiteren Initiativen vorzulegen, um bis 2005 jedermann den Zugang zu einem echten europäischen Arbeitsmarkt zu eröffnen. Dieser Aktionsplan wird ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Überarbeitung der europäischen Beschäftigungsstrategie leisten, die im Jahr 2002 in Angriff genommen werden soll.

Die Mitglieder der hochrangigen Task Force sind:

Vorsitzender:

Dr. Ulrich Schumacher

Vorsitzender des Vorstands von Infineon (SIEMENS-Gruppe) (DE)

Mitglieder:

Prof. Tito Boeri

Bocconi-Universität (IT)

Herr Juan Chozas

Generalsekretär für Beschäftigung (ES)

Herr Giles Clarke

Unternehmer, EU 500 (Majestic Wine, Pet City, Vorsitzender von Fosters Rooms Ltd.) (UK)

Frau Mona Hemmer

Frühere Vizepräsidentin von EUROCADRES (FIN)

Frau Lore Hostasch

Frühere Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales (AU)

Herr Jan E. Kvarnström

Vorsitzender, Castellum AB, früherer Vorstandsvorsitzender von Esselte und Securum (SV)

Herr John Monks

Generalsekretär des britischen Gewerkschaftsdachverbands TUC (UK)

Dr. Jo Ritzen

Vizepräsident der Weltbank (NL)

Frau Rose-Marie Van Lerberghe

Generaldirektorin der Altedia-Gruppe (FR)

Weitere Informationen (werden so schnell wie möglich auf die Websites gesetzt):

http://ec.europa.eu/employment_social/empl&esf/news_de.htm

http://ec.europa.eu/dgs/employment_social/key_de.htm


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