IP/01/1778
Brüssel, 10. Dezember 2001
Arbeitspapier der Kommission bewertet Leistung der Branchen, die Dienste der Daseinsvorsorge anbieten
Die Dienststellen der Europäischen Kommission haben ein Arbeitspapier vorgelegt, das sich mit der Leistung der Branchen befasst, die Dienste der Daseinsvorsorge anbieten (Telekommunikation, Energie, Post und Verkehr). Das Fazit lautet, dass die Preise zwar gesunken sind, sich die Zufriedenheit der Verbraucher jedoch nach wie vor in Grenzen hält. Frühere Monopolisten halten weiterhin hohe Marktanteile. Es ist zwar noch nicht möglich, die langfristige Wirkung der Liberalisierung im Bereich der Leistungen der Daseinsvorsorge zu beurteilen; nach den vorliegenden Informationen scheint sie sich jedoch auf die Marktleistung und die Erschwinglichkeit von Universaldiensten insgesamt positiv ausgewirkt und die Bereitstellung dieser Dienste nicht negativ beeinflusst zu haben.
„Dieser Bericht liefert erste Belege für Verbesserungen bei einigen Leistungen, auf die jedermann angewiesen ist, sowie für ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis sowohl für Firmenkunden als auch für den privaten Verbraucher. Aber es liegt noch ein langer Weg vor uns. Ich bin zuversichtlich, dass die Liberalisierung im Binnenmarkt zu weiteren Verbesserungen führen wird", so Binnenmarkt-Kommissar Frits Bolkestein. Nach Auffassung von Pedro Solbes, dem für Wirtschafts- und Währungsfragen zuständigen Kommissar, „ bestätigt der Bericht, dass in diesen Sektoren in Europa noch mehr getan werden muss. Nur eine weitere Modernisierung unserer Volkswirtschaften kann unser Wachstumspotenzial steigern und mittelfristig Arbeitsplätze schaffen."
Der Bericht wurde vom Europäischen Rat auf seiner Tagung in Nizza (2000) gefordert; er ergänzt den Bericht über Leistungen der Daseinsvorsorge, den die Kommission am 17. Oktober angenommen hat und der dem Europäischen Rat Mitte Dezember 2001 auf dem Gipfel in Laeken vorgelegt wird (siehe IP/01/1427). Es ist ein erster Versuch, die Leistung der Branchen zu bewerten, die diese Dienste anbieten.
Der Bericht soll nicht die Wirkung der Liberalisierung beurteilen, auch wenn er, wo immer möglich, auf die ersten Wirkungen eingeht, die die Marktöffnung hervorgerufen hat. Für weitere Bewertungen wird die Kommission im kommenden Jahr eine Methodik erarbeiten.
Bewertung der Zufriedenheit mit den wichtigsten untersuchten Diensten
|
Mittlere und obere Gesellschaftsschicht | Mittlere und untere Gesellschaftsschicht | Sozial schwächere Bevölkerungsgruppen | |
| Elektrizitätsversorgung | |||
| - allgemeine Zufriedenheit | 7/7,5 | 7 | 7 |
| - Zufriedenheit mit Preisen | 5/5,5 | 5 | 5,5/6 |
| Festnetztelefonie | |||
| - allgemeine Zufriedenheit | 6 | 6/6,5 | 7 |
| - Zufriedenheit mit Preisen | 5 | 5 | 5,5 |
| Mobiltelefonie | |||
| - allgemeine Zufriedenheit | 6,5/7 | 7/7,5 | 7,5 |
| - Zufriedenheit mit Preisen | 5 | 6 | 6 |
| Luftverkehr | |||
| - allgemeine Zufriedenheit | 6,5/7 | 7 | 7/7,5 |
| - Zufriedenheit mit Preisen | 5,5/6 | 6 | 5,5/6 |
| Schienenfernverkehr | |||
| - allgemeine Zufriedenheit | 5,5 | 6/6,5 | 5,5/6 |
| - Zufriedenheit mit Preisen | 4,5 | 5,5 | 5,0 |
| Städtischer Verkehr | |||
| - allgemeine Zufriedenheit | 5,5 | 5,5/6 | 5,5 |
| - Zufriedenheit mit Preisen | 5,5 | 5/5,5 | 5/5,5 |
Quelle: OPTEM, "Qualitative study carried out in the 15 Member States on peoples' attitudes to services of general economic interest", 2001 (In den 15 Mitgliedstaaten durchgeführte Qualitätsstudie über die Meinung der Bürger über die Leistungen der Daseinsvorsorge, 2001).
Telekommunikation
In der Telekommunikation sind die Marktanteile der etablierten Betreiber in den Ländern am stärksten zurückgegangen, in denen die Liberalisierung am frühsten eingesetzt hat, vor allem bei Auslandsgesprächen und in der Mobilkommunikation. Dennoch halten die früheren Monopolisten nach wie vor hohe Marktanteile. Der Markteintritt neuer Firmen hat, außer bei Ortsgesprächen, zu einem wirksameren Wettbewerb geführt. Zwischen 1996 und 1998 sind die Preise um etwa 3 % jährlich gesunken und zwischen 1999 und 2001 um 7,5 %, d. h., diese Leistungen sind für Europäer aller Einkommensklassen erschwinglicher geworden. Die Beschäftigung in der Branche hat zugenommen.
|
Telekom-Preise 1995-2000 (gewichteter EU-Durchschnitt) (Euro-Preise ohne Steuern für ein 3-Minuten-Gespräch) | ||||||
| 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | |
| Ortsgespräche | 0,14 | 0,14 | 0,11 | 0,12 | 0,12 | 0,11 |
| Ferngespräche | 0,87 | 0,85 | 0,63 | 0,54 | 0,44 | 0,40 |
| Auslandsgespräche | 1,68 | 1,66 | 1,35 | 1,21 | 1,14 | 0,97 |
| Mobilgespräche | - | - | - | 0,86 | 0,73 | 0,65 |
Die Nutzer sind relativ zufrieden mit der Mobilfunktechnik und freuen sich über rückläufige Preise, bleiben jedoch insgesamt skeptisch. Sie beklagen steigende Festgebühren, wie z. B. Abonnementspreise, die Komplexität der neuen Gebührenstruktur und, in einigen Ländern, auch Probleme mit den Betreibern, beispielsweise wegen mangelnder Transparenz von Verträgen.
Postdienste
Die Versorgungsdichte bei Postdiensten, gemessen an Bevölkerungszahl und geografischer Netzdichte, ist in Europa höher als in den USA. Der Universaldienst ist in der Telekommunikation und bei den Postdiensten Wirklichkeit. Indessen ergeben die Qualitätsindikatoren hier ein uneinheitlicheres Leistungsbild.
Post-Universaldienst: Zugangsbedingungen in der EU und den USA
|
Europe | USA | |
| Briefkästen je 10 000 Einwohner | 17,6 | 13 |
| Briefkästen je 1 000 km2 | 204,5 | 38.4 |
| Poststellen je 10 000 Einwohner | 3,4 | 1,5 |
| Poststellen je 1 000 km2 | 40 | 4,5 |
Auf dem Energiemarkt haben sich nur wenige neue Firmen etabliert, und die früheren Monopolisten halten nach wie vor beträchtliche Marktanteile. Die Strompreise sind zwar gesunken, davon haben aber die privaten Haushalte weniger profitiert als gewerbliche Abnehmer. Beträchtliche Preisunterschiede innerhalb Europas weisen darauf hin, dass der Energie-Binnenmarkt nach wie vor stark fragmentiert ist.
Die Gaspreise spiegeln unterschiedliche Einkaufspreise und unterschiedliche Verhältnisse auf den nationalen Märkten wider. Eine Integration der Gasmärkte ist erforderlich, um physische Engpässe zu beseitigen und unzureichender nationaler Deregulierung in einzelnen Mitgliedstaaten zu begegnen. So fehlt beispielsweise in einigen Ländern noch immer ein marktorientierter Zugang zu den Verbindungskapazitäten. Regulierung in Verbindung mit einer strikten Anwendung der Wettbewerbsregeln könnte der Schlüssel zur Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs und guter Marktleistungen in naher Zukunft sein.
Bei der Verbraucherzufriedenheit schnitten die im Bereich der Gas- und Stromversorgung angebotenen Leistungen von allen untersuchten Leistungen am besten ab, obwohl die Zufriedenheit mit den Strompreisen nicht sehr hoch ist.
Erschwinglichkeitsindizes für Haushalte mit niedrigem Einkommen (2001-1996)
|
Kosten des typischen Jahresverbrauchs | ||||||
| Telekom | Strom | Gas | ||||
| 2001 | 1996 | 2001 | 1996 | 2001 | 1996 | |
| AT | 1,0 | 1,3 | 0,8 | 0,9 | 0,6 | 0,4 |
| BE | 0,5 | 0,7 | 1,0 | 1,5 | 0,8 | 0,8 |
| DE | 0,5 | 0,7 | 1,1 | 1,3 | 0,9 | 0,9 |
| DK | 0,6 | 0,8 | 0,8 | 0,8 | kA | kA |
| ES | 0,6 | 1,2 | 1,8 | 3,0 | 1,7 | 2,0 |
| FR | 0,9 | 0,9 | 0,8 | 1,1 | 0,7 | 0,8 |
| EL | kA | kA | 1,0 | 1,8 | kA | kA |
| IRL | kA | kA | 1,0 | 1,6 | 1,0 | 1,8 |
| IT | 1,2 | 2,0 | 1,3 | 1,2 | 1,5 | 1,5 |
| NL | 0,8 | 1,3 | 0,9 | 1,0 | 0,2 | 0,7 |
| PT | 3,2 | 4,4 | 2,8 | 4,0 | NA | NA |
| UK | 1,0 | 1,1 | 1,2 | 1,3 | 0,5 | 0,7 |
Verkehr
Im Straßen- und Schienenverkehr legen die Verbraucher Wert auf Qualität und sind der Meinung, dass diese nicht immer geboten wird. Die Zufriedenheit der Verbraucher mit der Bahn ist generell gering, allerdings mit einigen Ausnahmen wie z. B. Finnland, Dänemark, Österreich, Spanien und Portugal. Im Nahverkehr gibt es Anhaltspunkte dafür, dass ein "kontrollierter Wettbewerb" (d. h. eine offene Ausschreibung, bei der der erfolgreiche Bieter für einen bestimmten Zeitraum alleinigen Zugang zum Netz erhält) zu besseren Ergebnissen führt als eine vollständige Deregulierung oder die Erbringung der Leistung durch die öffentliche Hand. Im Luftverkehr bestätigen die Verbraucher, dass der Wettbewerb zu Preisrückgängen geführt hat.
Jährliche Veränderung der Nutzung von Bussen und städtischen Schienenverkehrsmitteln in den 90er Jahren (große Städte in der EU)
|
Städte ohne Wettbewerb | Städte mit kontrolliertem Wettbewerb | ||
| Köln | 4,3% | Kopenhagen | 5,3% |
| Wien | 2,3% | London | 1,7% |
| Brüssel | 1,7% | Stockholm | 1,6% |
| Stuttgart | 1,5% | Helsinki | 1,1% |
| Dublin | 1,2% | Lyon | -0,6% |
| Hamburg | 1,0% | Durchschnitt | 1,8% |
| Madrid | 0,8% | ||
| Rotterdam | 0,3% | ||
| Paris | 0,1% | ||
| München | -0,2% | ||
| Barcelona | -0,5% | ||
| Frankfurt | -0,9% | ||
| Amsterdam | -1,3% | ||
| Porto | -2,5% | ||
| Lissabon | -3,9% | ||
| Genua | -4,0% | ||
| Berlin | -5,% | ||
| Turin | -6,3% | ||
| Durchschnitt | -0,% |
Kosten der Gemeinwohlverpflichtung im Schienenpersonenverkehr* (in Mio. EUR)
|
Mitgliedstaat |
1997 |
1998 |
1999 | Einnahmen pro Personen-km
1999 (EUR) | Gesamte Beihilfe pro Personen-km
1999 (EUR) |
| Österreich -gemeldete Beihilfen | 616 604 | 654 641 | 656 641 | 0,062 | 0,081 |
| Belgien -gemeldete Beihilfen | 2092 328 | 2108 331 | 2119 336 | 0,064 | 0,279 |
| Dänemark -gemeldete Beihilfen | 439 224 | 364 199 | 757 476 | KA | 0,140 |
| Finnland -gemeldete Beihilfen | 43 40 | 41 38 | 39 38 | 0,018 | 0,011 |
| Frankreich -gemeldete Beihilfen | 6063 1460 | 6034 1414 | 6127 1550 | 0,072 | 0,092 |
| Deutschland -gemeldete Beihilfen | 10093 4210 | 10372 4521 | 9982 4504 | 0,126 | 0,137 |
| Griechenland -gemeldete Beihilfen | 311 0 | 464 0 | 530 0 | 0,026 | 0,331 |
| Irland -gemeldete Beihilfen | 133 81 | 136 85 | 180 102 | kA | 0,129 |
| Italien -gemeldete Beihilfen | 5980 162 | 5690 166 | 5390 167 | 0,460 | 0,131 |
| Luxemburg -gemeldete Beihilfen | 11 7 | 164 73 | 182 70 | kA | 0,607 |
| Niederlande -gemeldete Beihilfen | 762 154 | 1610 259 | 1806 234 | 0,085 | 0,126 |
| Portugal -gemeldete Beihilfen | 20 19 | 20 19 | 100 50 | 0,027 | 0,023 |
| Spanien -gemeldete Beihilfen | 1550 297 | 1431 295 | 1395 234 | 0,042 | 0,073 |
| Schweden -gemeldete Beihilfen | 895 57 | 997 65 | 824 64 | 0,087 | 0,111 |
| Vereinigtes Königreich -gemeldete Beihilfen | 2881 2804 | 2858 2795 | 2506 2399 | 0,134 | 0,065 |
| Vereinigtes Königreich (Nordirland) -gemeldete Beihilfen | 16,8 16,6 | 12,6 12,5 | 15,7 15,5 | ||
| EU | 2721 | 0,085 | 0,093 |
* Die Zahlen für die einzelnen Länder beziehen sich auf den Gesamtbeitrag des öffentlichen Sektors zu den Kosten des Dienstes. Die Zahlen darunter entsprechen dem gemäß Verordnung 1191/69 gemeldeten Beihilfebetrag.