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IP/01/1309

Brüssel, den 25. September 2001

Kommission fördert bessere Zugänglichkeit des Internet für Behinderte

Die Europäische Kommission hat heute eine Mitteilung über den besseren Zugang zu öffentlichen Webseiten verabschiedet. Mit dieser Mitteilung unterstützt sie die europäischen Institutionen und die Mitgliedstaaten bei der Aufstellung und Anwendung von Leitlinien, damit Behinderte und ältere Menschen das Internet leichter nutzen können.

In der Europäischen Union gibt es 37 Millionen Behinderte, und die Zahl der Senioren in Europa wächst beständig. Mit der Zunahme elektronischer Behördendienste (eGovernment) überall in der Welt wächst die Gefahr einer ernsthaften sozialen Ausgrenzung wegen der technischen Hindernisse, die diesen Bevölkerungsgruppen die Nutzung des Internet erschweren.

„Wir sind uns in Europa nun darüber im Klaren, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, um diese Hindernisse aufzudecken und zu beseitigen", erklärt Erkki Liikanen, der für die Informationsgesellschaft zuständige EG-Kommissar. „Wir wollen eine Gesellschaft, an der alle Bürger mit gleichen Chancen teilhaben. Die Europäische Kommission wird alles tun, um dieses Ziel zu erreichen."

Herr Yannis Vardakastanis, Präsident des Europäischen Behindertenforums (European Disability Forum, EDF) ergänzt: „Informationen sind für alle Bürger unverzichtbar, um gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben und ihre Bürgerrechte wahrnehmen zu können." In der heutigen Informationsgesellschaft ist das Web ein äußerst wichtigstes Kommunikationsmittel, ein Arbeitsinstrument und eine Möglichkeit zum Erwerb von Produkten. Für Behinderte kann die Art und Weise, wie ein Web-Angebot gestaltet wird, über soziale Integration oder Ausgrenzung entscheiden.

Die meisten Hindernisse können bereits bei der Gestaltung der Webseiten leicht vermieden werden, wenn nur einige einfache Regeln für Inhalt, Struktur und Kodierung beachtet werden. Leider sind diese jedoch nur wenig bekannt und werden nicht systematisch angewandt.

Daher hat die Web Accessibility Initiative des World Wide Web Consortium (W3C/WAI) mit Unterstützung des Forschungsprogramms der Europäischen Kommission für Telematikanwendungen(1) diese Leitlinien erarbeitet. Sie stellen einen freiwilligen Rahmen für Anbieter öffentlicher Informationen und Website-Gestalter dar, der bestimmte informelle Regeln für Aufbau und Design von Web-Angeboten vorgibt.

Mit der Übernahme dieser Leitlinien möchte die Kommission dazu beitragen, dass Websites für Behinderte und für ältere Menschen leichter zugänglich werden. Die Mitteilung ist daher Teil des Aktionsplans eEurope 2002, der im Juni 2000 vom Europäischen Rat von Feira angenommen wurde und zu dessen spezifischen Zielen auch gehört, dass Behinderte alle Chancen der digitalen Technologien und des Internet nutzen können.

Die W3C/WAI-Leitlinien gelten als beispielhaft für ein universelles Internet-Design und sollen sowohl mit älteren als auch neuen Technologien kompatibel sein. Als De-facto-Standard für die Gestaltung leicht zugänglicher Websites werden sie voraussichtlich zu einer besseren Zugänglichkeit der Web-Angebote des öffentlichen Sektors führen, vor allem in Bereichen wie Gesundheit (eHealth), Behördendienste (eGovernment) und Bildung (eLearning). Gleichzeitig wird die Diskussion und Weiterentwicklung innerhalb des W3C/WAI fortgesetzt.

Im Rahmen ihrer Strategie „eCommission" arbeitet die Kommission aktiv an der Verbesserung ihrer eigenen Web-Angebote. Während der Web-Server „Europa" (http://europa.eu/) die Leitlinien bis Ende 2001 übernehmen will, läuft beim Amt für amtliche Veröffentlichungen bereits ein Pilotprojekt, um die europäischen Verträge auch für Sehbehinderte über das Internet zugänglich zu machen.

Die Mitgliedstaaten und die Europäischen Institutionen werden die Leitlinien ab Ende 2001 bei allen ihren öffentlichen Web-Angeboten berücksichtigen und haben sich auf einen Informationsaustausch und die Bewertung ihrer Fortschritte verständigt. Die Fortschritte und empfehlenswerten Verfahren bei der Verbesserung des Web-Zugangs in den Mitgliedstaaten werden von einer nach dem Aktionsplan eEurope 2002 eingesetzte Expertengruppe „eAccessibility for all" überwacht.

Darüber hinaus wird eine interinstitutionelle Gruppe gebildet, um die Übernahme und Anwendung der Leitlinien bei den europäischen Organen zu fördern und Sensibilisierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen zur Verbesserung der Zugänglichkeit des Web durchzuführen. Alle aus Mitteln der EU oder der Mitgliedstaaten geförderten Einrichtungen werden aufgefordert, ihre Web-Angebote besser zugänglich zu machen.

Die Anstrengungen zur Verbesserung der Zugänglichkeit des Web in Europa werden in Abstimmung mit dem Europäischen Behindertenforum (EDF) unternommen. Als repräsentativer Behindertenverband steht das EDF im regelmäßigen Dialog mit der Europäischen Union.

http://ec.europa.eu/information_society/accessibility/

ANHANG

Praktische Anwendung der Leitlinien

Wie tragen diese Regeln und Leitlinien dazu bei, Websites für Behinderte und ältere Menschen leichter zugänglich zu machen?

Blinde „lesen" Webseiten beispielsweise mit Hilfe von Bildschirmlesern, die den Bildschirminhalt sowohl in Sprache als auch in aktualisierbare Braille-Schrift umsetzen. Selbst auf einfach aufgebauten Webseiten finden sich häufig Bilder und Tabellen. Blinde können diese Bilder jedoch nicht sehen und ihre Bildschirmleser haben mitunter Probleme, die Tabellen richtig zu lesen.

In beiden Fällen können spezielle Codes und Ersatztexte verwendet werden, um dem Nutzer das Bild zu beschreiben und dem Bildschirmleser den Tabellenaufbau zu erläutern. Diese Codes können leicht eingefügt werden, aber die meisten Website-Gestalter wie auch die Entwickler der entsprechenden Autorensoftware betrachten dies im Allgemeinen als Zusatzfunktion, sofern sie überhaupt daran denken.

Ein anderes Beispiel ist das Lernen im Fernunterricht über das Web. Abgesehen davon, dass sich Privatpersonen mit seiner Hilfe persönlich und beruflich weiterentwickeln können, handelt es sich hierbei um ein wichtiges Element des lebenslangen Lernens, das für eine moderne Wirtschaft wie die Europas von grundlegender Bedeutung ist. Ein solcher Fernunterricht wirft jedoch auch Probleme auf, denn in den Kursen kommen zunehmend multimediale Inhalte wie Uni-Vorlesungen, Filme, Animationen und Videokonferenzen zum Einsatz, von denen viele für Gehörlose und Blinde schwer zugänglich sind, wenn sie nicht entsprechend den Leitlinien gestaltet wurden.

Multimedia-Elemente, die eigentlich eingefügt werden, um den Fernunterricht zu verbessern, können deshalb wenn nicht richtig aufbereitet in der Praxis dazu führen, dass solche Kurse für bestimmte Nutzer unzugänglich werden. Ähnliche Probleme werden sich in dem Maße häufen, wie multimediale Elemente in anderen Web-Bereichen Einzug halten, etwa im elektronischen Handel, in den Nachrichten oder in der Unterhaltung. Die meisten dieser Probleme sind jedoch leicht dadurch zu lösen, dass die Multimedia-Inhalte durch beschreibende Texte ergänzt werden, z. B. durch Transkriptionen audiovisueller Inhalte.

Die Leitlinien behandeln viele weitere Fragen. Durch die Beachtung dieser Regeln werden die Designer ihre Webseiten nicht nur für Behinderte und ältere Menschen leichter zugänglich machen, sondern einfacher verwendbare und benutzerfreundlichere Angebote für alle Menschen schaffen.

(1) Teil des Vierten Forschungsrahmenprogramms (19941998)


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