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IP/00/955

Brüssel, den 29 August 2000

Kommission genehmigt Kontrollerwerb der Mannesmann- Töchter Dematic, VDO und Sachs durch Siemens unter Auflagen. Kontrollerwerb von Rexroth durch Bosch wird weiter untersucht

Die Europäische Kommission hat heute den Kontrollerwerb der Mannesmann- Töchter Dematic, VDO und Sachs durch die Siemens AG genehmigt. Die Genehmigung steht im Zusammenhang mit dem gemeinsamen Erwerb der Mannesmann- Industrieholding Atecs, in der neben Mannesmann- VDO, Mannesmann- Dematic und Mannesmann- Sachs auch Mannesmann- Demag und Mannesmann- Rexroth zusammengefasst sind, durch Siemens und Bosch. Die Erwerber beabsichtigen, die fünf Töchter nicht gemeinsam über Atecs zu kontrollieren, sondern den Kontrollerwerb durch Beherrschungsverträge und andere Abmachungen unterschiedlich zu gestalten: So soll Demag als einziges Mannesmann- Tochterunternehmen von Siemens und Bosch über Atecs gemeinsam kontrolliert werden, Rexroth hingegen alleine von Bosch und schließlich VDO, Dematic und Sachs alleine durch Siemens. Die heute von der Kommission getroffenen Entscheidungen betreffen nur den letztgenannten Sachverhalte. Bereits am 11.8.2000 hat die Kommission den Teilbereich Siemens/Bosch/Demag genehmigt. Für Bosch/Rexroth hat die Kommission ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt festgestellt und infolgedessen entschieden, in eine vertiefte, maximal viermonatige Prüfung einzutreten.

Siemens/Dematic/VDO/Sachs

Die Genehmigung des Erwerbs von Siemens steht unter der Auflage, daß der Dematic-Geschäftsbereich „Hochleistungsanlagen der Postautomatisierung" (MDPA) veräußert wird. Nach dem Erwerb von Dematic hätte Siemens in verschiedenen Bereichen der Postautomatisierung im EWR- Raum Marktanteile von über 70% erhalten. Siemens ist bereits heute der Marktführer, Dematic mit einigem Abstand zu den weiteren Anbietern die Nummer zwei. Neben dem hohen Marktanteil, zu dem der Zusammenschluß geführt hätte, war bei der Beurteilung auch die Würdigung von Befürchtungen einiger Marktteilnehmer ausschlaggebend, daß Siemens nach dem Zusammenschluß in Ermangelung einer echten Alternative für die Kunden mit einiger Wahrscheinlichkeit in der Lage gewesen wäre, den Markt durch die Durchsetzung eigener Standards in Verbindung mit nicht offenen Schnittstellen zwischen den wichtigsten Modulen moderner Brief- Verteilanlagen langfristig abzuschotten. Die Veräußerungs- Zusage von Siemens beseitigt alle relevanten Überschneidungen der Aktivitäten von Siemens und Dematic in diesem Bereich.

Im Hinblick auf den Erwerb von Sachs und VDO durch Siemens hat die Kommission nach Durchführung ihrer Ermittlungen indes keine Bedenken festgestellt. Die Geschäftsaktivitäten von Siemens und Sachs überschneiden sich nicht, wohl jedoch die von Siemens und VDO. Dort bestehen in verschiedenen Märkten des Autozubehörs, wie bei Navigationssystemen, Wegfahrsperren, Cockpits und Schließsystemen, gemeinsame Marktanteile von über 25%. Die Kommission ist nach Anhörung der Marktteilnehmer jedoch zu der Auffassung gelangt, daß insbesondere aufgrund der nach wie vor auf dem Markt vorhandenen starken Wettbewerber und der Nachfragemacht der Automobilindustrie die Entstehung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung von Siemens nicht zu erwarten ist.

Bosch/Rexroth

Bezüglich des Erwerbs von Rexroth durch Bosch hat die Kommission Bedenken. Diese beziehen sich auf die starke Stellung von Bosch und Rexroth auf dem Markt für Kolbenpumpen in der Industriehydraulik. Die Ermittlungen der Kommission haben ergeben, daß die Axialkolbenpumpen von Rexroth und die Radialkolbenpumpen von Bosch in Wettbewerb zueinander stehen und daher von einem gemeinsamen Markt für Kolbenpumpen ausgegangen werden kann. Eine von Bosch abgegebene Veräußerungs-Zusage wurde nach Anhörung der Marktteilnehmer als nicht ausreichend bewertet. Deshalb hat sich die Kommission entschlossen, im Fall Bosch/Rexroth in eine vertiefte, maximal viermonatige Prüfung einzutreten.

Die Kommission hat bei der Beurteilung des Zusammenschlusses ebenfalls untersucht, ob durch den gemeinsamen Erwerb von Atecs durch Siemens und Bosch eine Koordinierung des Wettbewerbsverhaltens dieser Unternehmen begünstigt wird. Dies war deshalb von besonderer Bedeutung, da Bosch, wie VDO und Siemens, auch in verschiedenen Märkten des Automobilzubehörs tätig ist. Nach vertieften Ermittlungen hat die Kommission eine solche Gefahr im Ergebnis verneint, da sichergestellt ist, daß Bosch sowohl von konkreter Einflußnahme auf Siemens/VDO als auch von Informationsrechten durch vertragliche Abmachungen ausgeschlossen wird. Gleichlautende vertragliche Abmachungen verhindern auch jede Einflußnahme von Siemens auf Bosch/Rexroth.


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