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IP/00/606

Brüssel, den 13. Juni 2000

EU nähert sich internationalen Rechnungslegungsstandards an

In einer heute angenommenen Mitteilung hat die Europäische Kommission eine Strategie für die künftige Rechnungslegung in Europa entworfen. Diese Strategie soll dazu beitragen, die noch verbleibenden Hindernisse für den grenzübergreifenden Wertpapierhandel zu beseitigen. Zu diesem Zweck wird vor allem die Einführung einheitlicher Rechnungslegungsstandards empfohlen, die die Transparenz und Vergleichbarkeit der Unternehmensabschlüsse in der EU erhöhen sollen. Einheitliche Standards dürften den Vergleich von Unternehmensergebnissen und die Kapitalaufnahme erleichtern und einen besseren Schutz für die Anleger bieten. Die Strategie ist ein Schlüsselelement für die Schaffung des integrierten Finanzdienstleistungsmarktes, auf den der im Mai 1999 gebilligte Aktionsplan für Finanzdienstleistungen abzielt. Auf dem Gipfel in Lissabon wurde zudem ausdrücklich betont, wie wichtig vergleichbare Unternehmensabschlüsse für einen effizienten, tiefen und liquiden Wertpapiermarkt in Europa sind. All diese Ziele lassen sich nach Ansicht der Kommission mit der Anwendung der International Accounting Standards (IAS) verwirklichen. Die Kommission kündigt in ihrer Mitteilung an, daß sie bis Ende 2000 Vorschläge vorlegen wird, denen zufolge alle an einem geregelten Markt notierten Unternehmen ihre konsolidierten Abschlüsse gemäß den International Accounting Standards erstellen müssen. Diese Vorschrift würde spätestens 2005 in Kraft treten. Die Mitgliedstaaten hätten die Möglichkeit, die neuen Bestimmungen auch für nichtbörsennotierte Unternehmen und für Einzelabschlüsse einzuführen. Da die Transparenz und Vergleichbarkeit der Abschlüsse bei Finanzinstituten von besonderer Bedeutung sind, wird die neue Vorschrift auch für börsennotierte Banken und Versicherungsunternehmen gelten.

"Die unterschiedlichen Rechnungslegungsmethoden können", so das für Binnenmarktfragen zuständige Kommissionsmitglied Frits Bolkestein, "zu erheblichen Kosten für Anleger und andere Bilanzadressaten führen. Mit der Annahme der in dieser Mitteilung angekündigten Vorschläge dürfte die heute in Europa herrschende Fragmentierung der Rechnungslegung aufgehoben werden können. Hierin zeigt sich, daß Europa fest entschlossen ist, die Unterschiede in der Rechnungslegung zu beseitigen, um integrierte, tiefe und liquide Kapital- und Finanzdienstleistungsmärkte zu schaffen, auf denen eine effizientere Kapitalaufnahme bei gleichbleibendem Anlegerschutz möglich ist."

Die Kommission wird dem Ministerrat und dem Europäischen Parlament vor Ende 2000 einen Legislativvorschlag für die Einführung einer Bilanzierung nach IAS vorlegen, der spätestens 2005 in Kraft treten soll. Eine Übergangszeit von höchstens drei Jahren nach der endgültigen Annahme des Kommissionsvorschlags soll den Unternehmen und Buchhaltern in der Europäischen Union gestatten, sich mit den geänderten Vorschriften vertraut zu machen.

Mit dem Vorschlag sollen klare Regeln für vergleichbare, transparente Unternehmensabschlüsse eingeführt und deren strikte Auslegung und Anwendung gewährleistet werden. Damit soll erreicht werden, daß Anlegern und anderen Bilanzadressaten sachdienliche und zuverlässige Informationen zur Verfügung stehen, die ihnen einen aussagekräftigen Vergleich der Unternehmensergebnisse ermöglichen und ihnen bei der Entscheidung über die Verwendung ihrer Gelder helfen.

Die europäischen Anleger benötigen aussagekräftige Informationen, um entscheiden zu können, welchen Unternehmen sie ihr Kapital zur Verfügung stellen. Und für die europäischen Unternehmen müssen dieselben Bedingungen gelten wie für andere Unternehmen, die auf den internationalen Kapitalmärkten Kapital aufnehmen wollen.

Damit die Rechtssicherheit in bezug auf die in der EU anzuwendenden Standards gewährleistet ist, würde der Legislativvorschlag die Einführung eines Verfahrens in der Gemeinschaft vorsehen, im Rahmen dessen auf fachlicher und auf politischer Ebene festgelegt wird, welche Standards angewandt werden müssen. Welchen Rechtsstatus dieses Verfahren haben würde und wie die entsprechenden Beschlußverfahren aussehen würden, wird derzeit erörtert. Der Kommissionsvorschlag wird darüber im einzelnen Auskunft geben. Nach Ansicht der Kommission sollten sich die Rechnungslegungsstandards der EU stärker internationalen Standards annähern. Europa kann nicht allein bestimmen, welche Rechnungslegungsstandards auf dem internationalen Kapitalmarkt gelten sollen; die Gemeinschaft möchte jedoch vom frühestmöglichen Zeitpunkt an an der Ausarbeitung solcher Standards mitwirken.

In der Mitteilung wird ferner darauf hingewiesen, daß Rechnungslegungsstandards hoher Qualität allein nicht ausreichen, um die Transparenz von Unternehmensabschlüssen zu gewährleisten. Die Standards müssen strikt und konsequent angewandt werden, wenn die vorgelegten Abschlüsse glaubwürdig sein sollen. Die Mitteilung hebt daher hervor, daß die Rechnungslegungsstandards richtig umgesetzt werden müssen. Eine in der gesamten Europäischen Union einheitliche und korrekte Anwendung der Rechnungslegungsstandards setzt allerdings sowohl eine hohe Qualität der gesetzlich vorgeschriebenen Abschlußprüfung als auch eine verstärkte Zusammenarbeit der europäischen Wertpapieraufsichtsbehörden voraus.

Die Vorschläge ergänzen die von der Kommission geplanten Maßnahmen, die geltenden Börsenprospekt-Richtlinien zu aktualisieren und einen "Europäischen Paß" für europäische Wertpapieremittenten einzuführen. Der Zugang zu allen Wertpapiermärkten der EU würde über ein einheitliches Registrierungssystem erfolgen, das auf vergleichbaren Marktinformationen, einschließlich einheitlicher internationaler Rechnungslegungsstandards, basieren würde.


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