IP/00/1211
Brüssel, 25 Oktober 2000
Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums für Estland, Litauen und die Slowakei verabschiedet
Der STAR-Ausschuss (Ausschuss für Agrarstrukturen und die Entwicklung des ländlichen Raums) hat drei weitere Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums genehmigt, die über das Heranführungsinstrument Sapard(1) der Europäischen Union kofinanziert werden. Diese Programme betreffen Estland, Litauen und die Slowakei. Somit sind nun neun der zehn Programme genehmigt, die die mittel- und osteuropäischen Länder eingereicht hatten(2). Herr Fischler, das für Landwirtschaft, Entwicklung des ländlichen Raums und Fischerei zuständige Mitglied der Kommission, begrüßte diese Fortschritte und zeigte sich erfreut darüber, dass der zuständige EU-Ausschuss bislang die Programme für 9 Kandidatenländer genehmigt habe. Herr Fischler erklärte, hiermit sei ein wichtiger Schritt hin zum Start dieses großen Projekts getan. Die Programme enthielten konkrete Vorschläge dazu, wie sich die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft in den Anwärterländern steigern lasse und Hilfestellung bei der Umsetzung des Gemeinschaftsrechts geleistet werden könne. Die Programme seien ein Beweis dafür, dass die Partner in Mittel- und Osteuropa entschlossen seien, sich ernsthaft auf den EU-Beitritt vorzubereiten. Jetzt sei der Ball wieder bei den Anwärterländern, die so schnell wie möglich die Sapard-Zahlstellen etablieren müssten. Sobald dies gewährleistet sei, könne die EU ihnen Mittel zur Verfügung stellen, und die Projekte könnten anlaufen.
Voraussetzungen für die Abwicklung des Sapard-Programms
Damit die Mittel gebunden werden können, müssen
1. die heute genehmigten Programme von der Kommission förmlich verabschiedet werden;
2. mit den Bewerberländern mehrjährige Finanzierungsvereinbarungen geschlossen werden, in denen die Modalitäten der Übertragung der Programmverwaltung an die Sapard-Stellen in den MOEL detailliert niedergelegt sind.
Damit die Mittel übertragen werden können, müssen außerdem
3. in den Bewerberländern die Sapard-Durchführungs- und Zahlstellen eingerichtet und zugelassen sowie
4. die mehrjährige und die jährliche Finanzierungsvereinbarung geschlossen werden.
Hintergrund: Was ist Sapard?
Das Sapard-Programm wurde aufgelegt, um den mittel- und osteuropäischen Ländern im Vorfeld des Beitritts dabei zu helfen, sich auf ihre Teilnahme an der gemeinsamen Agrarpolitik und am Binnenmarkt vorzubereiten. Im Rahmen von Sapard werden den Beitrittsanwärtern wichtige Aufgaben bei der Verwaltung der für die Entwicklung des ländlichen Raums bereitgestellten EU-Mittel und bei der dezentralen Programmplanung übertragen. So können die künftigen Mitglieder Erfahrung bei der Anwendung der in den Programmen zur Entwicklung des ländlichen Raums vorgesehenen Mechanismen sammeln. Überdies wird so auch die Verwaltung der im Rahmen des Sapard-Programms zu erwartenden Vielzahl kleiner Vorhaben erleichtert. Die von der Kommission am 22. Dezember 1999 erlassene Durchführungsverordnung zu Sapard(3) enthält die Bedingungen für Finanzhilfen in den förderfähigen Bereichen, wie Investitionen in landwirtschaftlichen Betrieben oder die Verarbeitung und Vermarktung von Erzeugnissen.
Insgesamt werden innerhalb der siebenjährigen Programmlaufzeit (2000-2006) jährlich Mittel in Höhe von 520 Mio. Euro bereitgestellt, die indikativ wie folgt aufgeteilt werden:
Sapard: jährliche indikative Mittelzuweisungen (in Mio. Euro zu konstanten Preisen des Jahres 1999)
|
Bulgarien | Tschech. Republik | Estland | Ungarn | Litauen | Lettland | Polen | Rumänien | Slowenien | Slowakei | Insgesamt |
| 52,124 | 22,063 | 12,137 | 38,054 | 29,829 | 21,848 | 168,683 | 150,636 | 6,337 | 18,289 | 520,000 |
Anhänge:
Ansprechpartner: Gregor KREUZHUBER 02/296 66 65 - Catherine BUNYAN 02/299 65 12
(1) Sonderprogramm mit Maßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft und Entwicklung des ländlichen Raumes zur Vorbereitung auf den Beitritt
(2) Die Programme für Polen, Ungarn, die Tschechische Republik, Slowenien, Lettland und Bulgarien hatte der STAR-Ausschuss bei seiner Sitzung vom 13.9.2000 verabschiedet
(3) Verordnung (EG) Nr. 2759/1999
Programm zur Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums (Sapard) in der Slowakischen Republik für den Zeitraum 2000-2006
Fakten und Zahlen
Das Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums zielt darauf ab, die für die Land- und Ernährungswirtschaft in der Slowakischen Republik bestehenden Möglichkeiten, einschließlich des Potenzials für die Diversifizierung der Agrarproduktion (z.B. traditionelle Spezialitäten und Erzeugnisse des ökologischen Landbaus) auszuschöpfen. Auch im Bereich der Dienstleistungen und des Landtourismus bieten sich Marktchancen. Mit dem Programm sollen auch potenzielle Risiken für den Sektor beseitigt werden, wie beispielsweise der steigende Konkurrenzdruck bei noch geringer Produktivität. Das Programm nutzt nach Möglichkeit vorhandene Stärken wie die recht günstigen natürlichen Rahmenbedingungen und die Verfügbarkeit relativ gut ausgebildeter Humanressourcen sowie das beträchtliche Freizeit- und Fremdenverkehrspotenzial einiger Gegenden. Schwächen wie die geringe Wettbewerbsfähigkeit infolge geringer Produktivität und unterentwickelter Marktstrukturen, die hohe Verschuldung, die Zersplitterung des Grundbesitzes und die unzureichend entwickelten ländlichen Märkte sollen ebenfalls behoben werden.
Programmschwerpunkte
Das Programm stützt sich auf drei Schwerpunkte des slowakischen Entwicklungsplans:
Die einzelnen Schwerpunkte sollen mit Hilfe folgender Maßnahmen umgesetzt werden:
|
Maßnahme | Anteil an den insgesamt zugewiesenen EU-Mitteln |
| Verbesserung der Agrarproduktion einschließlich der Nahrungsmittelindustrie (57,49 %) | |
| 1: Investitionen in landwirtschaftlichen Betrieben | 27,18 % |
| 2: Verbesserung der Verarbeitung und Vermarktung von Agrar- und Fischereierzeugnissen | 25,82 % |
| 3: Unterstützung der Gründung von Erzeugergemeinschaften | 4,49 % |
| Nachhaltige ländliche Entwicklung: (35,54 %) | |
| 4: Diversifizierung der wirtschaftlichen Tätigkeiten im ländlichen Raum | 14,97 % |
| 5: Forstwirtschaft | 7,43 % |
| 6: Landwirtschaftliche Produktionsverfahren, die dem Umweltschutz und der Landschaftspflege dienen | 3,45 % |
| 7: Flurbereinigung | 9,69 % |
| Entwicklung der Humanressourcen: (4.99 %) | |
| 8: Entwicklung der Humanressourcen (Berufsbildung) | 1,92 % |
| 9: Technische Hilfe | 3,07 % |
Diese Maßnahmen dürften zur Verwirklichung folgender strategischer Ziele beitragen:
Bei der Land- und Ernährungswirtschaft sollen in erster Linie die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden, wobei der Tier- und Umweltschutz, die Verbesserung der Einrichtungen für die Verarbeitung von land- und fischwirtschaftlichen Erzeugnissen, der Vertrieb, die Kontrolle der Nahrungsmittelqualität und die Gründung von Erzeugergemeinschaften in den Mittelpunkt gestellt werden.
Im ländlichen Raum bestehen die Hauptziele in der Verbesserung der Lebensqualität der Landbevölkerung sowie der Erhaltung und Entwicklung angemessener (sozialer, kultureller, wirtschaftlicher und natürlicher) Rahmenbedingungen, die es gestatten, die Beschäftigungsmöglichkeiten zu steigern und zusätzliche Einkommensquellen zu erschließen. Auf diese Weise lässt sich die Bevölkerungsstruktur des ländlichen Raums stabilisieren und eine weitere Abwanderung verhindern. Außerdem sollen (vor allem in der Forstwirtschaft) alternative, rentable Wirtschaftstätigkeiten entwickelt und die Produktion auf eine umweltgerechte Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen gestützt werden, die der Artenvielfalt im slowakischen Staatsgebiet Rechnung trägt.
Schließlich setzt die Durchführung einer solchen Strategie voraus, dass hinreichend ausgebildete und sensibilisierte Humanressourcen zur Verfügung stehen. Dies wird im Rahmen der verschiedenen Maßnahmen des Programms ebenfalls gefördert.
Die Beschäftigung ist ein übergreifendes Ziel des Programms, auf das alle Maßnahmen hinwirken sollen.
Programm zur Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums (Sapard) in Litauen für den Zeitraum 2000-2006
Fakten und Zahlen
Das Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums soll auf bestehende Stärken wie den Wettbewerbsvorteil für die Viehzucht infolge der natürlichen und klimatischen Bedingungen aufbauen. Auch sollen Schwächen in Form von niedriger Produktivität, die die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft und des ländlichen Raums beeinträchtigen könnten, und Infrastrukturmängeln (Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur) behoben werden.
Programmschwerpunkte
Das Programm stützt sich auf sieben Schwerpunkte des litauischen Entwicklungsplans:
Die einzelnen Schwerpunkte sollen mit Hilfe folgender Maßnahmen umgesetzt werden:
|
Maßnahme | Anteil an den insgesamt zugewiesenen EU-Mitteln |
| 1: Investitionen in landwirtschaftlichen Betrieben | 47 % |
| 2: Verbesserung der Verarbeitung und Vermarktung von Agrar- und Fischereierzeugnissen | 21 % |
| 3: Entwicklung und Diversifizierung der wirtschaftlichen Tätigkeiten | 8 % |
| 4: Verbesserung der ländlichen Infrastruktur | 16 % |
| 5: Aufforstung landwirtschaftlicher Flächen und Verbesserung der Forstinfrastruktur | 4 % |
| 6: Umweltschonende landwirtschaftliche Produktionsverfahren | 1 % |
| 7: Berufsbildung | 2 % |
| 8: Technische Hilfe, Informations- und Werbekampagnen | 2 % |
Diese Maßnahmen dürften zur Verwirklichung folgender strategischer Ziele beitragen:
Programm zur Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums (Sapard) in Estland für den Zeitraum 2000-2006
Fakten und Zahlen
Das Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums zielt darauf ab, die für die Land- und Ernährungswirtschaft in Estland bestehenden Möglichkeiten auszuschöpfen. Zu diesem Zweck werden zwecks Übernahme des Gemeinschaftsrechts in großem Umfang Investitionen in den estnischen Agrarsektor gefördert, um die Einhaltung der EU-Vorschriften in den Bereichen Hygiene, Tiergesundheit, Gesundheitsschutz, Nahrungsmittelqualität, Tierschutz und Umweltschutz zu gewährleisten. Diese Investitionen dürften auch zur Entstehung wettbewerbsfähigerer landwirtschaftlicher Betriebe beitragen. Schließlich umfasst das Programm eine spezielle Maßnahmen zur Umstrukturierung der Nahrungsmittel verarbeitenden Industrie. Angesichts des beträchtlichen Stellenabbaus in der estnischen Landwirtschaft soll das Programm die Ansiedlung diversifizierter wirtschaftlicher Tätigkeiten fördern und sieht zu diesem Zweck Fördermittel vor, um den Landtourismus sowie handwerkliche Tätigkeiten und die Nahrungsmittelverarbeitung in Kleinbetrieben zu begründen oder zu erweitern. Auch die Schwächen der ländlichen Infrastruktur in Estland sollen behoben werden, indem der Bau von Zufahrtstraßen zu den Bauernhöfen ebenso gefördert wird wie der Ausbau der Versorgungsnetze für Strom und Wasser und der Telekommunikationsnetze.
Programmschwerpunkte
Das Programm stützt sich auf drei Schwerpunkte des estnischen Entwicklungsplans:
Die einzelnen Schwerpunkte sollen mit Hilfe folgender Maßnahmen umgesetzt werden:
|
Sapard-Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums in Estland | Anteil an den insgesamt zugewiesenen | |
| Schwerpunkte und Maßnahmen | EU-Mitteln | |
| % | % | |
|
Schwerpunkt 1: Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Ernährungswirtschaft |
60,1 | |
| Maßnahme 1: Investitionen in landwirtschaftlichen Betrieben | 42,0% | |
| Maßnahme 2: Verbesserung der Verarbeitung und Vermarktung von Agrar- und Fischereierzeugnissen | 18,1% | |
|
Schwerpunkt 2: Regenerierung und Entwicklung des ländlichen Raums |
36,0% | |
| Maßnahme 3: Entwicklung und Diversifizierung der wirtschaftlichen Tätigkeiten | 17,6% | |
| Maßnahme 4: Entwicklung und Verbesserung der ländlichen Infrastruktur | 12,2% | |
| Maßnahme 6: Dorferneuerung und -entwicklung | 3,5% | |
| Maßnahme 7: Landwirtschaftliche Produktionsverfahren, die dem Umweltschutz und der Landschaftspflege dienen | 1,4% | |
| Maßnahme 8: Forstwirtschaftliche Maßnahmen | 1,3% | |
|
Schwerpunkt 3: Erleichterung der tatsächlichen Programmabwicklung |
3.9% | |
| Maßnahme 5: Technische Hilfe | 1,9% | |
| Unterstützung gemäß Artikel 7 Absatz 4 der Verordnung (EG) Nr. 1268/1999 | 2,0% | |
| 100,0% | 100,0% |
Diese Maßnahmen dürften zur Verwirklichung folgender strategischer Ziele beitragen: