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CES/13/61

17. Oktober 2013

EWSA FORDERT TOTALVERBOT GEPLANTER OBSOLESZENZ

Zum ersten Mal prüft eine EU-Institution die positiven Aspekte eines Totalverbots geplanter Obsoleszenz: mehr Arbeitsplätze, besserer Verbraucherschutz und Stärkung der nachhaltigen Entwicklung. Der EWSA verabschiedete heute eine Stellungnahme zum Thema Produktlebensdauer und Verbraucherinformation, in der er sich nachdrücklich gegen geplante Obsoleszenz als Unternehmensstrategie ausspricht.

Glühbirnen, die nach einer bestimmten Zeit ausbrennen, Batterien, die innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums leer werden oder auch Kleidung, die schnell aus der Mode kommt – dies sind nur einige Beispiele für geplante Obsoleszenz: Produkte sind so konzipiert, dass sie zwei bis drei Jahre nach ihrem Kauf, kurz nach Ablauf der Garantie, zu funktionieren aufhören. Für die Ersetzung dieser Produkte werden zusätzlich Energie und Ressourcen verbraucht, wodurch mehr Abfälle und schädliche Umweltverschmutzung entstehen.

Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Wenn überhaupt, bringt Obsoleszenz in Bezug auf Arbeitsplätze heutzutage nur noch wenig. "Die meisten dieser Produkte werden außerhalb Europas von schlecht bezahlten Arbeitnehmern hergestellt", stellt Jean-Pierre Haber, Ko-Berichterstatter für die Stellungnahme und Mitglied der Kommission für den industriellen Wandel des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA), fest. "Wenn wir weniger wegwerfen würden, müssten wir mehr reparieren und könnten damit hier bei uns Tausende von Arbeitsplätzen schaffen."

Obsoleszenz ist aber nicht nur auf Abnutzung zurückzuführen. Die Modebranche etwa beruht per se auf der Nachfrage der Verbraucher nach einem jeweils neuen und anderen Stil, nicht auf der langen Tragbarkeit der einzelnen Kleidungsstücke. Doch auch hier wird der Umsatz schneller, und neue Modelle sind oft so gemacht, dass sie die Vorgängerware altmodisch oder weniger schick aussehen lassen.

Als eine konkrete Maßnahme will der EWSA 2014 eine große europäische Diskussionsrunde mit allen einschlägigen Akteuren veranstalten, d.h. mit Unternehmen, Vertrieb, Finanzakteuren, Verbraucherverbänden und Gewerkschaften. Daneben soll es auch ein offenes Forum geben, in dem sich EU-Bürgerinnen und Bürger äußern können.

Reparieren lernen

Jean-Pierre Haber weiß von vielen Produkten, die so entwickelt werden, dass sie innerhalb von zwei, drei Jahren nach dem Kauf – kurz nach Ablauf der Garantie – nicht mehr funktionsfähig sind. Ihre Ersetzung erfordert zusätzliche Energie und Ressourcen und verursacht mehr Abfall und gefährliche Umweltverschmutzung. In einigen Ländern hat dies bereits zu Protestaktionen von Verbrauchern geführt.

"Der EWSA wäre für ein vollständiges Verbot von Produkten, deren Gebrauchsdauer durch eingebaute Mängel künstlich verkürzt wird", erläutert Thierry Libaert, Berichterstatter für die Stellungnahme und Mitglied des EWSA. Er plädiert dafür, dass Unternehmen Waren herstellen, die etwa durch die Lieferung von Ersatzteilen leichter repariert werden können. Um fundierte Kaufentscheidungen treffen zu können, sollten Verbraucher zudem besser über die geschätzte Gebrauchsdauer einer Ware informiert werden.

Die beste Lösung wäre nach Ansicht des EWSA ein Etikettierungssystem, mit dem eine Mindestgebrauchsdauer garantiert würde – eine solche ist derzeit noch nicht rechtlich vorgeschrieben. "Die Unternehmen müssen mehr Forschung betreiben, um die Gebrauchsdauer eines Produkts garantieren zu können, doch derzeit tun sie nicht genug", meint Jean-Pierre Haber. Zudem sollten die Hersteller die Kosten für das Recycling tragen, wenn die Gebrauchsdauer ihrer Waren weniger als fünf Jahre beträgt.

Handlungsbedarf

Aus Umweltsicht betrachtet hat der Verbrauch an natürlichen Ressourcen in Europa in den vergangenen 30 Jahren um etwa 50% zugenommen: Pro Kopf werden täglich 43 kg Ressourcen verbraucht, in Afrika sind es pro Person nur 10 kg. Aus sozialem Blickwinkel hat die schnelle Verfügbarkeit von Konsumwaren kreditfinanzierten Käufen Vorschub geleistet und zu einer nie dagewesenen privaten Verschuldung geführt.

Gefährdungen für die Gesundheit ergeben sich nicht nur aus der lokalen Abfallbeseitigung und ‑verbrennung, sondern auch aus der zuweilen illegalen Praxis, Abfall in Entwicklungsländer mit weniger strengeren Vorschriften zu exportieren. Kulturell betrachtet untergräbt geplante Obsoleszenz das Vertrauen der Verbraucher in die Unternehmen. Nicht zuletzt schadet der Import kurzlebiger Waren auch der europäischen Wirtschaft. "Wenn sich die Europäische Union dieses Themas annehmen würde, böte sie den europäischen Unternehmen eine Möglichkeit, sich durch eine wirksame Umsetzung der Nachhaltigkeit abzusetzen.

Wir wollen das Vertrauen der Verbraucher in europäische Unternehmen stärken", so die Schlussfolgerung von Thierry Libaert. Zugleich möchte der EWSA, dass die EU einen wirtschaftlichen Übergang "von einer Verschwendungsgesellschaft in eine nachhaltige Gesellschaft einläutet und ein Wachstum schafft, das im Sinne der Bürger auf die Bedürfnisse der Verbraucher ausgerichtet ist und nie nur einen reinen Selbstzweck verfolgt."

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

EWSA-Pressereferat

E-Mail: press@eesc.europa.eu

Tel.: +32 2 546 8641

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Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss gewährleistet die Vertretung der verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Bereiche der organisierten Zivilgesellschaft. Er ist eine beratende Versammlung und wurde 1957 durch die Römischen Verträge errichtet. Die beratende Funktion des EWSA ermöglicht es seinen Mitgliedern und damit auch den Organisationen, die diese vertreten, am Beschlussfassungsprozess der EU teilzuhaben. Dem Ausschuss gehören 353 Mitglieder an, die vom Rat der Europäischen Union ernannt werden.

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