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CES/13/56

. September 2013

FRAUENVERTRETERINNEN AUS DEM MITTELMEERRAUM IM EWSA

Im Zuge der Ministerkonferenz der Union für den Mittelmeerraum zum Thema Frauen (12. September, Paris) fand auf der Plenartagung des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA) am 18. September eine Debatte mit Vertreterinnen aus Tunesien, Libanon und anderen Mittelmeerländern über die wirtschaftliche und soziale Situation von Frauen in der Region Europa-Mittelmeerraum statt.

Henri Malosse, Präsident des EWSA, sagte, es sei eine "offensichtliche Verschlechterung der Rechte von Frauen zu beobachten, wie die Entwicklungen in verschiedenen Ländern, wie Ägypten, Tunesien und Syrien, zeigen. Dieser Trend ist umso paradoxer, wenn man bedenkt, dass die Frauen die treibenden Kräfte des Arabischen Frühlings gewesen sind. Jegliche Verletzung der Frauenrechte ist eine Verletzung der Menschenrechte. Als Stimme der europäischen Zivilgesellschaft sieht sich der EWSA gezwungen, sich zu der dringlichen Lage in der Region zu äußern, die nicht nur für Frauen, sondern für die gesamte Zivilgesellschaft besorgniserregend ist."

Auf der Grundlage dieser Debatte wird der EWSA aus Sicht der Zivilgesellschaft einen konkreten politischen Beitrag dazu leisten, wie diese Rechte gefördert werden können. Im vergangenen Jahr hat der EWSA wiederholt auf die flagrante Ungleichheit zwischen Männern und Frauen im Mittelmeerraum hingewiesen und auf die Verletzung ihrer Grundrechte (d.h. Gewalt gegen Frauen, erschwerte Teilhabe am öffentlichen Leben, Disparitäten bei Entlohnung und Arbeitsplatzqualität, etc.). Laut EWSA ist ein rascher Umschwung bei den Rechten der Frauen und ihrer generellen Lage in der Region zu befürchten.

Jamal Hermes Gibril, Vorsitzende des libanesischen Frauenrats, berichtete hierzu: "In unserem Teil der Welt haben Frauen lange Zeit unter Marginalisierung und Diskriminierung gelitten. Nach dem Arabischen Frühling hat sich wenig geändert. Alle Länder befinden sich nun im Chaos und die Frauen zahlen den höchsten Preis. Geschlechtsspezifische Gewalt und Missbrauch, Terrorisierung von Frauen im öffentlichen Leben... Dies ist nicht das, was der Westen als Ergebnis sehen wollte, aber es zeigt, dass seine Politik vollkommen daneben ging oder zumindest nicht geholfen hat.

Nationale Akteure und die EU müssen an einem Strang ziehen, damit sich was ändert. Wir haben schon zu viele zerplatzte Träume, zu viele gebrochene Knochen und zu viele gebrochene Herzen. Es ist an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft mit uns und nicht für uns redet."

Esther Fouchier, Vorsitzende des Forums der Frauen aus dem Mittelmeerraum, sagte, dass Frauen aktiv am Arabischen Frühling teilgenommen und gegen die Diktatur in ihren Heimatländern gekämpft haben. Aber Frauenrechte werden nicht auf gleiche Weise geachtet und Frauen müssen immer noch mit Diskriminierung leben. Vor Ort sind die Maßnahmen zwar nützlich aber oft zu verstreut. Die Institutionen, soziale Akteure und die Mittel (personeller, technischer und finanzieller Art) werden nicht ausreichend aufeinander abgestimmt und der fehlende Erfahrungsaustausch bewirkt einen riesigen Effektivitätsverlust. Sowohl die Anerkennung gleicher Rechte für Frauen de jure als auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen de facto sind unabdingbar, da dies nach wie vor die beiden Säulen für die Freiheit der Frauen sind.

Wie können wir also die Stellung der Frau verbessern? Es muss etwas getan werden um sicherzustellen, dass internationale Frauenrechte geachtet werden, dass Zentren für weibliche Missbrauchsopfer eingerichtet werden, dass Frauen verstärkt an Beschlussfassungsprozessen teilnehmen können und dass sie Zugang zu Krediten haben, um leichter am wirtschaftlichen Leben teilhaben zu können. Dies sind nur einige der Maßnahmen, die möglichst schnell auf den Weg gebracht werden müssen."

Für Salwa Kennou Sebei, Vorsitzende der Vereinigung tunesischer Frauen für Entwicklungsforschung (AFTURD), besteht "das Hauptproblem nicht darin, dass es keine Rechtsvorschriften für die Gleichstellung von Frauen und Männern gibt, sondern, dass sie nicht umgesetzt werden. Noch schlimmer ist, dass z.B. in Tunesien internationale Frauenrechte nicht einmal in der Verfassung erwähnt werden. Nach fast zwei Jahren hat es immer noch keine Verfassungsänderung gegeben. Wir müssen die wirtschaftliche Situation der Frauen verbessern und dazu brauchen wir die Solidarität anderer Länder."

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

EWSA-Pressereferat

E-Mail: press@eesc.europa.eu

Tel.: +32 2 546 8641

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Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss gewährleistet die Vertretung der verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Bereiche der organisierten Zivilgesellschaft. Er ist eine beratende Versammlung und wurde 1957 durch die Römischen Verträge errichtet. Die beratende Funktion des EWSA ermöglicht es seinen Mitgliedern und damit auch den Organisationen, die diese vertreten, am Beschlussfassungsprozess der EU teilzuhaben. Dem Ausschuss gehören 353 Mitglieder an, die vom Rat der Europäischen Union ernannt werden.

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