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Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz

Hilfe in Krisensituationen

Bilder von Konflikten und Katastrophen füllen jede Woche von neuem die Nachrichtensendungen im Fernsehen und die Titelseiten der Zeitungen. In derartigen Situationen ist es Ziel der Europäischen Union, denjenigen Menschen Hilfe zu leisten, die sie am dringendsten brauchen – unabhängig davon, ob die Krise auf einen von Menschen verursachten Konflikt oder eine Naturkatastrophe zurückzuführen ist.

Die EU ist in zahlreichen Krisengebieten der Welt präsent, darunter Libyen, Afghanistan, die besetzten palästinensischen Gebiete, und zahlreichen Regionen Afrikas und Südostasiens. Außerdem führt sie Hilfseinsätze in Gebieten durch, die mit langfristigen Krisen oder den Nachwehen eines bewaffneten Konflikts kämpfen. Hilfe für die am meisten benachteiligten Bevölkerungsgruppen ist eine moralische Verpflichtung für die internationale Gemeinschaft, und die Europäische Kommission ist bereits seit Langem in diesem Bereich engagiert. Ihr Dienst für humanitäre Hilfe unterstützt direkt die Menschen, die Hilfe benötigen – ungeachtet ihrer Nationalität, Religion, ethnischen Herkunft oder ihres Geschlechts.

Aufteilung des ECHO-Haushalts 2010 © EU, ECHO

Zu ECHO

Die Hilfsleistungen der EU werden von ECHO koordiniert, der Generaldirektion für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz (ECHO) der Europäischen Kommission. Die Aktivitäten von ECHO zeugen von der zunehmenden Verbreitung ernster Krisen in der ganzen Welt und der Bereitschaft der EU, bei der Unterstützung der Opfer sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU in der humanitären Hilfe und im Katastrophenschutz eine Führungsrolle zu übernehmen. Der durchschnittliche Jahreshaushalt für humanitäre Interventionen belief sich in den letzten Jahren auf ca. 900 Millionen Euro.

Erste Pflicht von ECHO ist, Leben zu retten, Leid zu lindern und die Integrität und Würde der Betroffenen zu schützen. Soforthilfe kann die Bereitstellung von Zelten, Decken, Nahrungsmitteln, Arzneimitteln, medizinischer Ausrüstung, Wasseraufbereitungssystemen und Kraftstoff umfassen. ECHO finanziert auch medizinisches Personal, Minenräumexperten sowie Maßnahmen in den Bereichen Verkehr und Logistik. Seit 1992 war ECHO in mehr als 130 Ländern tätig.

Katastrophenschutzexperte beim Fotografieren der durch roten Schlamm in Ungarn verursachten Schäden © EU, ECHO

Katastrophenschutzexperte beim Fotografieren der durch roten Schlamm in Ungarn verursachten Schäden.

Zusätzlich zur humanitären Hilfe unterstützt ECHO die Koordinierung des Katastrophenschutzes in der EU. ECHO betreibt das Beobachtungs- und Informationszentrum (BIZ), die rund um die Uhr erreichbare Zentrale des Katastrophenschutzmechanismus der EU. Jedes Land innerhalb oder außerhalb der Union, das von einer schweren Katastrophe betroffen ist, kann das BIZ um Unterstützung bitten. Das Zentrum fungiert als Kommunikationsdrehscheibe zwischen den 31 Teilnehmerländern (die 27 EU-Länder plus Island, Liechtenstein, Norwegen und Kroatien), dem betroffenen Land und den vor Ort entsandten Fachleuten und liefert laufend aktuelle Informationen über die Lage im jeweiligen Krisengebiet. Das BIZ entscheidet mit, welche Angebote von teilnehmenden Ländern am besten den Bedürfnissen des von der Katastrophe betroffenen Landes entsprechen.

Partnernetzwerk

Flüchtlinge in Darfur © ECHO

Vertriebene Frauen in Darfur erhalten Hilfe.

Die EU und ECHO können nicht selbst die erforderlichen Ressourcen mobilisieren, um Soforthilfegüter bereitzustellen, Rettungsteams einzusetzen, Feldlazarette aufzubauen und provisorische Kommunikationssysteme einzurichten. Zwar stellt ECHO Finanzmittel und Hilfe bei der Koordinierung solcher Maßnahmen bereit, doch auch die EU-Länder selbst sind zur Mithilfe aufgefordert, wenn es um Katastrophenschutz geht. Bei humanitären Maßnahmen verlässt sich ECHO jedoch auf Nichtregierungsorganisationen (NRO), die Sonderagenturen der VN und das Internationale Rote Kreuz bzw. den Internationalen Roten Halbmond, um Nothilfeprogramme vor Ort durchzuführen.

Bei der humanitären Hilfe hat jeder Partner eine besondere Aufgabe. NRO spielen oft eine Schlüsselrolle in von Bürgerkrieg heimgesuchten Regionen, z. B. das Rote Kreuz. In komplexen Krisen, die große Gebiete betreffen und umfangreiche Bevölkerungsbewegungen mit sich bringen, sind nur große UN-Organisationen wie das Welternährungsprogramm oder das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) in der Lage, allen Opfern die notwendige Hilfe zu leisten. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes mit seinen weltweiten Vertretungen ist häufig die Organisation, die am schnellsten Hilfe in Gebieten bereitstellen kann, die von unerwarteten Naturkatastrophen heimgesucht wurden.

Hilfestellung

Verschiedene Aspekte der humanitären Hilfe der EU:

  • Soforthilfe wird in Form von finanzieller Unterstützung für den Ankauf und die Bereitstellung lebensnotwendiger Güter wie Arzneimittel, Nahrungsmittel und Schutzvorrichtungen oder zur Finanzierung des Wiederaufbaus nach einer Katastrophe geleistet.
  • Nahrungmittelhilfe, entweder durch die Finanzierung von Nahrungsmitteln in Regionen, die unter Hunger oder Dürre leiden, um eine sichere Nahrungsmittelversorgung zu ermöglichen, bis die normale Erzeugung wieder aufgenommen werden kann; Finanzierung von Sofortnahrungsmittelhilfe, wenn plötzliche Nahrungsmittelknappheit infolge von durch Menschen verursachter Katastrophen oder unvorhergesehener Naturkatastrophen auftritt.
  • Hilfe für Flüchtlinge, die aus ihrem Land vertrieben wurden, sowie für Vertriebene, die innerhalb ihres Landes oder ihrer Region auf der Flucht sind - bis sie nach Hause zurückkehren oder sich in einem anderen Land niederlassen können.
  • Verringerung des Katastrophenrisikos, wozu die Katastrophenvorsorge und Maßnahmen zur Verringerung des Katastrophenrisikos in alle Aspekte humanitärer Hilfe gehören.

Auslaufstrategie und Grauzone

Katastrophenhilfe und Soforthilfe sind naturgemäß kurzfristig. Die von der EU finanzierten Maßnahmen dauern in der Regel nicht länger als sechs Monate. Die Union will allerdings sicherstellen, dass die Hilfeempfänger nach dem Auslaufen der humanitären Hilfe die Situation selbst bewältigen können oder eine andere Form längerfristiger Entwicklungshilfe an ihre Stelle tritt. Ansonsten besteht die Gefahr, dass für die Zeit danach keine weiteren Vorkehrungen getroffen sind.

Um diese Gefahr zu verringern, fordert die EU ihre Partner vor Ort auf, bei der Konzipierung eines Projekts auch eine Auslaufstrategie festzulegen, d. h. sie sollten entweder bei Abschluss des Projekts die Kontrolle an eine örtliche Behörde zurückgeben oder, wenn dies nicht möglich ist, dafür sorgen, dass andere Hilfsstrukturen an ihre Stelle treten.

Die EU leistet vor allem im Nahen Osten, in Asien und besonders in Afrika Soforthilfe.

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