RSS
Alphabetischer Index
Diese Seite steht in 5 Sprachen zur Verfügung

We are migrating the content of this website during the first semester of 2014 into the new EUR-Lex web-portal. We apologise if some content is out of date before the migration. We will publish all updates and corrections in the new version of the portal.

Do you have any questions? Contact us.


Sicherheit der Patienten und Prävention von therapieassoziierten Infektionen

Jährlich kommt es in der Europäischen Union (EU) bei 8 bis 12 % der stationären Patienten während der Behandlung zu Komplikationen. Unter diesen Komplikationen, die häufig auf systemische Faktoren zurückzuführen sind, leiden Patienten und ihre Angehörigen; sie führen außerdem zu hohen Kosten in der Gesundheitsversorgung. Um diese Fehlfunktionen zu vermeiden, empfiehlt die Europäische Kommission einen verbesserten Rahmen für die Patientensicherheit.

RECHTSAKT

Empfehlung 2009/C 151/01 des Rates vom 9. Juni 2009 zur Sicherheit der Patienten unter Einschluss der Prävention und Eindämmung von therapieassoziierten Infektionen.

ZUSAMMENFASSUNG

Die mangelnde Sicherheit der Patienten bei der Gesundheitsversorgung stellt ein schwerwiegendes Problem der öffentlichen Gesundheit dar und zieht hohe Kosten nach sich. Diese Empfehlung befürwortet die Schaffung eines Rahmens, der die Patientensicherheit verbessern und Zwischenfälle vermeiden soll, insbesondere die therapieassoziierten Infektionen *, an denen Patienten in Gesundheitseinrichtungen erkranken können.

Sicherheit der Patienten

Einführung und Weiterentwicklung nationaler Strategien und Programme in Bezug auf die Patientensicherheit

Auf dem Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten sollte eine für die Patientensicherheit zuständige Behörde benannt werden. Diese Maßnahme würde unter anderem dazu beitragen, die Patientensicherheit als vorrangiges Thema in die gesundheitspolitischen Strategien und Programme auf nationaler sowie auf regionaler und lokaler Ebene einzubeziehen.

Zur Erhöhung der Patientensicherheit sollten leistungsfähigere Systeme, Prozesse und Instrumente im Bereich Sicherheit in der Gesundheitsversorgung entwickelt werden. Die Sicherheitsstandards und die bewährten Praktiken für Gesundheitsdienstleistungen sollten regelmäßig überprüft werden.

Die Berufsverbände des Gesundheitswesens werden zudem aufgefordert, eine aktivere Rolle bei der Gewährleistung der Patientensicherheit zu übernehmen.

Es sollte ein Konzept zur Förderung sicherer Praktiken entwickelt werden, mit denen die häufigsten Zwischenfälle wie durch die Verabreichung von Arzneimitteln bedingte Zwischenfälle, therapieassoziierte Infektionen oder Komplikationen im Zusammenhang mit chirurgischen Eingriffen vermieden werden können.

Einbeziehung der Patienten

Die Patienten sollten über ihre Interessenvereinigungen in die Ausarbeitung von Strategien zur Förderung der Patientensicherheit einbezogen werden. Darüber hinaus sollten sie umfassend über geltende Patientensicherheitsstandards sowie Beschwerdeverfahren und mögliche Rechtsbehelfe informiert werden. Patienten sollten ebenso die Möglichkeit haben, sich Kernkompetenzen im Bereich der Patientensicherheit anzueignen.

Verbesserung der Information und Einführung von Systemen der Berichterstattung

Durch die Einführung bzw. die Verbesserung von bestehenden Systemen der Berichterstattung sollten Informationen über Umfang, Art und Ursachen von therapieassoziierten Zwischenfällen geliefert werden können. Solche Systeme sollten so konzipiert sein, dass die Arbeitskräfte im Gesundheitswesen dazu ermutigt werden, über jeden Zwischenfall * zu berichten. Sie sollten ebenso Patienten und ihren Angehörigen die Gelegenheit geben, ihre Erfahrungen auszutauschen.

Darüber hinaus sollten diese Systeme andere Risikomanagementsysteme für die Sicherheit im Gesundheitswesen, wie etwa das System der Pharmakovigilanz (EN), ergänzen.

Aus- und Weiterbildung der Arbeitskräfte im Gesundheitswesen

Den Arbeitskräften im Gesundheitswesen kommt eine bedeutende Rolle bei der Verbesserung der Patientensicherheit zu. Deshalb ist es wichtig, dass sie eine multidisziplinäre Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich erhalten. Die Programme für die akademische Ausbildung, die Ausbildung am Arbeitsplatz sowie die kontinuierliche Fortbildung des Pflegepersonals sollten daher auch die Frage der Patientensicherheit einschließen.

Das gesamte Personal im Gesundheitswesen sollte ausreichend über bestehende Risiken und Sicherheitsmaßnahmen informiert werden.

Austausch von Wissen, Erfahrungen und bewährten Praktiken auf Gemeinschaftsebene

Die Entwicklung eines Systems zur Klassifizierung und Messung der Patientensicherheit auf europäischer Ebene wäre sinnvoll. Dieser Schritt erfordert die Entwicklung gemeinsamer Definitionen und einer einheitlichen Terminologie sowie vergleichbarer Indikatoren, die es den Mitgliedstaaten ermöglichen, ihre auf nationaler Ebene erworbenen Informationen und Erfahrungen gemeinsam zu nutzen. Darüber hinaus könnte dieser Austausch von Wissen und bewährten Praktiken bessere Strategien auf dem Gebiet der Patientensicherheit und eine gezieltere Forschung in diesem Bereich ermöglichen.

Prävention therapieassoziierter Infektionen

Eine Strategie zur Prävention und Eindämmung von therapieassoziierten Infektionen sollte entwickelt werden, um:

  • Präventions- und Eindämmungsmaßnahmen auf nationaler oder regionaler Ebene durchzuführen;
  • die Prävention und die Eindämmung von Infektionen in Gesundheitseinrichtungen zu verbessern;
  • Systeme der aktiven Überwachung einzurichten;
  • die Aus- und Weiterbildung in den Gesundheitsberufen zu fördern;
  • den Patienten den Zugang zu Informationen zu erleichtern.

Hintergrund

In der Europäischen Union kommt es jährlich im Durchschnitt bei einem von 20 stationären Patienten zu therapieassoziierten Infektionen, das heißt bei 4,1 Millionen Patienten; diese Infektionen führen zu 37000 Todesfällen. Viele dieser Todesfälle könnten verhindert werden. Diese Empfehlung basiert auf den Arbeiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und schlägt einen Rahmen zur Gewährleistung der Patientensicherheit vor.

Schlüsselwörter des Rechtsakts
  • therapieassoziierte Infektionen: bezeichnet Krankheiten oder Pathologien, die mit der Präsenz eines Krankheitserregers oder eines seiner Produkte infolge der Exposition gegenüber Behandlungseinrichtungen oder Behandlungsverfahren oder Behandlungen zusammenhängen;
  • Zwischenfall: bezeichnet ein Ereignis, durch das ein Patient geschädigt wird;
  • Patientensicherheit: bezeichnet die Bewahrung des Patienten vor unnötigen Schädigungen oder potenziellen Schädigungen im Zusammenhang mit der Gesundheitsversorgung.
Letzte Änderung: 27.08.2009
Rechtlicher Hinweis | Über diese Website | Suche | Kontakt | Seitenanfang