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Europäisches Zentrum für die Prävention und die Bekämpfung von Seuchen

Infektionskrankheiten können eine ernste Gefahr für die Gesundheit der Bürger darstellen, zumal sie sich in sehr kurzer Zeit weltweit verbreiten können. Damit die EU im Falle einer Epidemie wirksam und umgehend reagieren kann, muss sie ihre Kapazitäten für den Umgang mit Seuchenausbrüchen verstärken. Aus diesem Grund haben die europäischen Behörden beschlossen, ein Europäisches Zentrum für die Prävention und die Bekämpfung von Seuchen zu schaffen.

RECHTSAKT

Verordnung (EG) Nr. 851/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. April 2004 zur Errichtung eines Europäischen Zentrums für die Prävention und die Bekämpfung von Seuchen

ZUSAMMENFASSUNG

Das schwere akute Atemwegssyndrom (SARS) ist das jüngste Beispiel für die Geschwindigkeit, mit der neue Krankheiten auftreten und sich ausbreiten können. So hat sich SARS innerhalb weniger Wochen von Südchina aus in Asien und nach Kanada und Europa ausgebreitet. Um Ausbrüche von Infektionskrankheiten eindämmen und deren Ausbreitung so früh wie möglich verhindern zu können, bedarf es unbedingt eines Mechanismus zur umgehenden und wirksamen Reaktion.

Die Europäische Union (EU) verfügt bereits über ein Netz für die epidemiologische Überwachung und Kontrolle übertragbarer Krankheiten in der Gemeinschaft. Gleichwohl reicht dieses von der Kommission verwaltete und seit 1991 auf der Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten beruhende Netz einfach nicht aus, um die Gesundheit der europäischen Bürger vor den Gefahren zu schützen, die von Infektionskrankheiten sowie der Drohung mit vorsätzlicher Freisetzung von Seuchenerregern („ Bioterrorismus ") ausgehen. Daher hat sich die Einrichtung des Europäischen Zentrums als unverzichtbar erwiesen, damit die gemeinschaftlichen Maßnahmen kohärenter und effizienter werden.

AUFTRAG

Auftrag des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Bekämpfung von Seuchen ist es, die von Infektionskrankheiten ausgehenden Risiken für die menschliche Gesundheit zu ermitteln, zu bewerten und darüber zu informieren.

Im Rahmen seines Auftrags nimmt das Zentrum folgende Aufgaben wahr:

  • Erhebung, Zusammenstellung und Verbreitung wissenschaftlicher Daten und sachdienlicher Informationen;
  • wissenschaftliche Stellungnahmen und wissenschaftliche sowie fachliche Hilfestellung, einschließlich Ausbildung;
  • Information der Kommission, der Mitgliedstaaten, der Gemeinschaftseinrichtungen und der internationalen Organisationen, die im Bereich der öffentlichen Gesundheit tätig sind;
  • Koordinierung der europäischen Netze, die in Bereichen tätig sind, welche unter seinen Auftrag fallen, und Betrieb spezialisierter Überwachungsnetze;
  • Austausch von Informationen, Fachwissen und vorbildlichen Verfahren sowie Erleichterung der Festlegung und Durchführung gemeinsamer Maßnahmen.

HAUPTAUFGABEN

Die Hauptaufgaben des Zentrums sind die epidemiologische Überwachung, die Frühwarnung und Reaktion, wissenschaftliche Stellungnahmen, technische Hilfe für die Mitgliedstaaten und Drittländer sowie Unterstützungs- und Entwicklungsmaßnahmen zur Vorbereitung auf neue gesundheitliche Bedrohungen.

Epidemiologische Überwachung und Laborvernetzung

Das Zentrum ist damit beauftragt, die epidemiologische Entwicklung auf gemeinschaftlicher Ebene weiterzuentwickeln. Mit der Verwaltung spezialisierter Überwachungsnetze unterstützt das Zentrum die Netztätigkeiten der von den Mitgliedstaaten anerkannten zuständigen Einrichtungen. In diesem Zusammenhang harmonisiert es die Methoden der Überwachung und der Kontrolle, und es bewertet die Überwachungstätigkeiten der spezialisierten Labornetze, um diese optimal zu gestalten. Durch die Förderung der Zusammenarbeit der spezialisierten Überwachungsnetze unterstützt das Zentrum die Entwicklung ausreichender Kapazitäten für Diagnose, Nachweis, Ermittlung und Beschreibung von Krankheitserregern, welche die öffentliche Gesundheit gefährden könnten.

Wissenschaftliche Gutachten

Das Zentrum liefert unabhängige Stellungnahmen, Sachverständigengutachten, Daten und Informationen. Zu diesem Zweck bemüht es sich um das beste verfügbare Expertenwissen. Fehlt das Expertenwissen innerhalb der bestehenden spezialisierten Expertennetze für ein bestimmtes Problem, so kann das Zentrum unabhängige Ad-hoc-Arbeitsgruppen einberufen.

Das Zentrum liefert wissenschaftliche Gutachten auf Ersuchen der Kommission, des Europäischen Parlaments oder eines Mitgliedstaats. Darüber hinaus kann es auf eigene Initiative Gutachten abgeben.

Frühwarn- und Reaktionssystem

Das Zentrum unterstützt die Kommission, indem es das Frühwarn- und Reaktionssystem betreibt und zusammen mit den Mitgliedstaaten ausreichende Kapazitäten für eine koordinierte Reaktion sicherstellt. Im Notfall liegt die Maßnahmenkompetenz weiterhin bei den Mitgliedstaaten und der Kommission, der Betrieb des Frühwarn- und Reaktionssystems wird jedoch vom Zentrum und seinen Netzen sichergestellt. Bei Bedarf koordiniert das Zentrum seine Maßnahmen mit denen anderer beteiligter europäischer Einrichtungen wie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit und der Europäischen Arzneimittelnagentur.

Wissenschaftliche und technische Hilfe und Ausbildung

Die Kommission, die Mitgliedstaaten, Drittländer und internationale Organisationen, insbesondere die WHO, können bei dem Zentrum wissenschaftliche oder technische Unterstützung in den Bereichen seines Auftrags anfordern. Diese Unterstützung kann darin bestehen, ihnen bei der Erarbeitung von Schutzmaßnahmen zu helfen, die als Reaktion auf Bedrohungen der menschlichen Gesundheit zu treffen sind, Hilfe von Sachverständigen bereitzustellen sowie die Untersuchungsteams zu mobilisieren und zu koordinieren.

Das Zentrum unterstützt und koordiniert die Ausbildungsprogramme, um den Mitgliedstaaten und der Kommission dahingehend zu helfen, dass ihnen genügend ausgebildete Fachleute zur Verfügung stehen, insbesondere in den Bereichen der epidemiologischen Überwachung und Untersuchung vor Ort.

Ermittlung neu auftretender Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit

In Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten legt das Zentrum im Bereich seines Auftrags Verfahren für die systematische Suche, Erhebung, Zusammenstellung und Analyse von Informationen für die Ermittlung neu auftretender Gesundheitsbedrohungen fest. Es informiert die Kommission und die Mitgliedstaaten unverzüglich über Feststellungen, die ein sofortiges Handeln erfordern.

Mitteilungen über die Tätigkeiten des Zentrums

Das Zentrum stellt sicher, dass die Öffentlichkeit rasch objektive, zuverlässige und leicht zugängliche Informationen über seine Tätigkeit und die Ergebnisse seiner Arbeit erhält. Zu diesem Zweck veröffentlicht es seine Informationen, unter anderem auf einer eigens hierfür eingerichteten Website.

ORGANISATION

Das Zentrum ist nach dem Beispiel der anderen europäischen unabhängigen Einrichtungen gegliedert. Es besteht aus

  • einem Verwaltungsrat, der sich aus jeweils einem von den einzelnen Mitgliedstaaten ernannten Mitglied, zwei vom Europäischen Parlament ernannten Mitgliedern sowie drei Mitgliedern, die die Kommission vertreten und von ihr ernannt werden, zusammensetzt. Er sorgt dafür, dass das Zentrum seinen Auftrag und seine Aufgaben erfüllt, indem er das Arbeitsprogramm und die Haushaltsordnung des Zentrums annimmt;
  • einem Direktor, der mit Unterstützung eines kleinen Mitarbeiterstabs für die tägliche Verwaltungsarbeit sowie die Vorbereitung und Umsetzung des Arbeitsprogramms des Zentrums verantwortlich ist;
  • einem Beirat, der sich aus Vertretern der einzelstaatlichen zuständigen Stellen zusammensetzt. Er ist ein Organ, das dem Informationsaustausch, der Wissensbündelung und der Überwachung der wissenschaftlichen Spitzenleistungen dient.

ARBEITSAUFNAHME SEIT 2005

Das Zentrum nimmt im Mai 2005 seine Arbeit auf. Es wird über einen Personalbestand von einigen hundert Mitarbeitern und einen Haushalt von 48 Mio. EUR für die ersten drei Jahre seiner Tätigkeit verfügen.

Das Zentrum hat seinen Sitz in Stockholm.

BEZUG

RechtsaktDatum des InkrafttretensTermin für die Umsetzung in den MitgliedstaatenAmtsblatt
Verordnung (EG) Nr. 851/2004

20.5.2004

-

ABl. L 142 vom 30.4.2004

Letzte Änderung: 17.05.2011
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