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Alzheimer und andere Demenzerkrankungen: europäische Initiative

Eine der Folgen der Alterung der europäischen Bevölkerung ist die Zunahme neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer oder anderer Demenzerkrankungen. Diese Krankheiten sind mit hohen Kosten für die Gesellschaft verbunden. Eine gemeinsame europäische Initiative könnte dazu beitragen, diese Kosten zu verringern.

RECHTSAKT

Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat vom 22. Juli 2009 über eine europäische Initiative zur Alzheimer-Krankheit und zu anderen Demenzerkrankungen [KOM(2009) 380 endg. – Nicht im Amtsblatt veröffentlicht].

ZUSAMMENFASSUNG

Dese Mitteilung legt die Kernpunkte einer europäischen Initiative zur Alzheimer-Krankheit und zu anderen Demenzerkrankungen fest.

Definitionen

Demenz ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Abbau geistiger Fähigkeiten gekennzeichnet ist und zu Gedächtnis- und Denkstörungen sowie zu vermindertem Urteilsvermögen führt und sogar die Persönlichkeit des Patienten verändern kann.

Die am stärksten verbreiteten Demenzerkrankungen sind:

  • Alzheimer-Krankheit (50 bis 70 % der Fälle);
  • Demenz, die durch mehrere aufeinanderfolgende Schlaganfälle verursacht wird (30 % der Fälle);
  • frontotemporale Demenz;
  • die Pick-Krankheit;
  • die Binswanger-Krankheit;
  • die Lewy-Body-Demenz.

Probleme

Eine europäische Initiative gegen Demenzerkrankungen sollte sich auf folgende Probleme konzentrieren:

  • die mangelnde Vorbeugung und ungenügende frühzeitige Diagnose der Krankheit;
  • das Fehlen epidemiologischer Daten, welches das Verständnis der Krankheitsmechanismen erschwert;
  • den ungenügenden Austausch bewährter Verfahren zwischen den Mitgliedstaaten;
  • die negativen Assoziationen, die die Krankheit in der Bevölkerung weckt.

Erstes Ziel: Vorbeugung und frühzeitige Diagnose der Krankheit

Demenz-Prävention oder eine frühzeitige Diagnose können das Fortschreiten der Erkrankung hinauszögern. Allerdings sind die Risikofaktoren je nach Art der Demenzerkrankung unterschiedlich. So ist es zum Beispiel leichter, der vaskulären Demenz vorzubeugen als der Alzheimer-Krankheit, da die Risikofaktoren für Schlaganfälle allgemein bekannt sind:

  • Bluthochdruck;
  • hoher Cholesterinspiegel;
  • Rauchen.

In den Mitgliedstaaten gibt es bereits Ansätze für eine effiziente Demenz-Prävention, insbesondere:

  • die lebenslange Förderung und Anregung der körperlichen wie geistigen Aktivitäten;
  • die Kontrolle der genannten vaskulären Risikofaktoren.

Für eine bessere Vorbeugung und frühzeitige Diagnose sollten die Mitgliedstaaten folgende Maßnahmen ergreifen:

  • die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems und die körperliche Aktivität fördern;
  • Empfehlungen formulieren, um die Öffentlichkeit zu informieren;
  • flexible Ruhestandsregelungen ermöglichen, damit ältere Menschen länger beruflich aktiv bleiben können.

Zweites Ziel: Verbesserung der epidemiologischen Erkenntnisse

Die Europäische Kommission ist bemüht, mit Hilfe des Projekts „European Collaboration on Dementia (Europäische Zusammenarbeit zur Demenzbekämpfung – EuroCoDe)“ Daten über Prävalenz und Inzidenz dieser Krankheiten zu erfassen. Im Rahmen des Gesundheitsprogramms können neue Kriterien für die Früherkennung erarbeitet werden. Das Siebte Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung (FP7) kann ebenfalls einen Rahmen für eine effiziente Erforschung der Alzheimer-Krankheit und anderer Demenzerkrankungen bieten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Angleichung bereits vorhandener Forschungsrahmen auf europäischer wie auf nationaler Ebene, um kohärente Maßnahmen zu erarbeiten. Zu diesem Zweck bieten sich folgende Aktionen an:

  • Einsatz der Gesundheitsuntersuchungserhebung zur Lieferung neuer europaweiter Daten über die Prävalenz früher kognitiver Defizite;
  • Start einer Pilotinitiative der gemeinsamen Programmplanung zur Bekämpfung neurodegenerativer Erkrankungen.

Drittes Ziel: Austausch vorbildlicher Verfahren

Der Austausch vorbildlicher Verfahren kann über die „offene Methode der Koordinierung (OKM)“ für Sozialschutz, soziale Eingliederung und Langzeitpflege erfolgen. Darüber hinaus kann die Kommission auch darüber informieren, wie laufende Gemeinschaftsprogramme zur Finanzierung dieses Austauschs beitragen können.

Die offene Methode der Koordinierung kann auch bei der Entwicklung von Qualitätsrahmen für medizinische und soziale Dienstleistungen für Demenzpatienten helfen.

Der Aktionsplan der Europäischen Union zugunsten behinderter Menschen (DAP) 2003-2010 kann ebenfalls genutzt werden, um die Patientenorganisationen zu unterstützen.

Viertes Ziel: Wahrung der Rechte der Patienten

Die Kommission plant, ein europäisches Netz für die Rechte und die Würde von Demenz-Patienten zu errichten. Dieses Netz soll Empfehlungen für Würde, Autonomie und soziale Integration ausarbeiten.

Hintergrund

7,3 Millionen Europäer im Alter zwischen 30 und 99 Jahren litten im Jahr 2006 an Demenz. Nach Angaben des „Dementia in Europe Yearbook“ (2008) (EN ) betrugen im Jahr 2005 die Gesamtkosten für die direkte und die nicht professionelle Pflege von Patienten 130 Milliarden EUR in der Europäischen Union. Eine koordinierte Aktion auf europäischer Ebene könnte zu einer Reduzierung dieser Kosten beitragen und einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen dieses große Gesundheitsproblem leisten.

Letzte Änderung: 05.12.2009

Siehe auch

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