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Grünbuch zur psychischen Gesundheit

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Mit diesem Grünbuch eröffnet die Kommission eine breite Debatte über die psychische Gesundheit. Die Initiative soll eine öffentliche Konsultation über die Möglichkeiten einleiten, die Behandlung psychischer Erkrankungen zu verbessern und das psychische Wohlergehen der Bevölkerung in der Europäischen Union zu fördern.

RECHTSAKT

Grünbuch der Kommission vom 14. Oktober 2005: „Die psychische Gesundheit der Bevölkerung verbessern - Entwicklung einer Strategie für die Förderung der psychischen Gesundheit in der Europäischen Union [KOM(2005) 484 endg. - Nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

ZUSAMMENFASSUNG

Die gegenwärtige Situation

Psychische Erkrankungen stellen ein zunehmendes Problem für die Europäische Union (EU) dar. Schätzungen zufolge ist mehr als einer von vier Europäern im Erwachsenenalter von psychischen Störungen betroffen. Sie sind die Hauptursache für die 58 000 Selbsttötungen pro Jahr und fordern damit mehr Opfer als Straßenverkehrsunfälle.

Die verbreitetsten psychischen Erkrankungen * sind Angst und Depression. Einigen Studien zufolge ist damit zu rechnen, dass bis zum Jahr 2020 Depressionen in den Industriestaaten die zweithäufigste Ursache von Erkrankungen sein werden.

Nach wie vor kommt es zur Stigmatisierung psychisch Kranker. Psychisch kranke und geistig behinderte Personen stoßen auf Ablehnung und Vorurteile, die ihr persönliches Leiden vergrößern und ihre soziale Ausgrenzung verschärfen.

In wirtschaftlicher Hinsicht betragen die Kosten psychischer Erkrankungen schätzungsweise 3 %-4 % des BIP, hauptsächlich als Folge von Produktivitätsverlusten und der Kosten für das Sozial- und Bildungssystem sowie das Strafverfolgungs- und Justizsystem.

Bei der psychischen Gesundheit * bestehen erhebliche Diskrepanzen zwischen den Mitgliedstaaten. Ein Beispiel ist die Selbstmordrate: Sie reicht von 3,6 pro 100 000 Menschen in Griechenland bis zu 44 pro 100 000 Menschen in Litauen (die höchste Rate weltweit). Die Anzahl der Zwangseinweisungen in psychiatrische Einrichtungen ist in Finnland 40 Mal höher als in Portugal.

Einsatz einer EU-Strategie für psychische Gesundheit

Eine Strategie für psychische Gesundheit auf EU-Ebene würde folgenden Mehrwert bringen:

  • einen Rahmen für den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten vorgeben;
  • die Kohärenz von Maßnahmen in verschieden Politikbereichen steigern helfen;
  • eine Plattform für die Einbeziehung aller Akteure in die Lösungsfindung schaffen.

Nach den Vorstellungen der Kommission könnte eine EU-Strategie folgende Schwerpunkte setzen:

  • Generelle Förderung der psychischen Gesundheit
  • Prävention psychischer Erkrankungen
  • Verbesserung der Lebensqualität psychisch kranker und geistig behinderter Menschen durch soziale Integration sowie den Schutz ihrer Rechte und ihrer Menschenwürde
  • Entwicklung eines einschlägigen Informations-, Forschungs- und Wissenssystems für die EU

Drei geplante Aktionsbereiche

Das Grünbuch schlägt drei große Aktionsbereiche auf EU-Ebene vor:

Dialog mit den Mitgliedstaaten über psychische Gesundheit
Ein Ziel wird sein, die Prioritäten eines Aktionsplans für psychische Gesundheit festzulegen. Der Dialog sollte sich auch auf die zwei Vorschläge für Empfehlungen des Rates über a) die Förderung der psychischen Gesundheit und b) die Bekämpfung von Depressionen und suizidalem Verhalten erstrecken.

Einrichtung einer EU-Plattform für psychische Gesundheit
Die Plattform würde eine Vielzahl von Akteuren einbeziehen, um Empfehlungen für Aktionen zu erarbeiten und Möglichkeiten zur Förderung der sozialen Integration psychisch kranker und geistig behinderter Menschen zu erkunden.

Stärkung der Informationssysteme über psychische Gesundheit auf EU-Ebene, insbesondere durch die Entwicklung eines Indikatorsystems, das Informationen über die psychische Gesundheit und deren Determinanten sowie eine Folgenabschätzung umfasst.

Die nächsten Schritte

Alle betroffenen Bürger, Parteien und Organisationen sind aufgerufen, sich zum Thema dieses Weißbuchs zu äußern und zur Vorbereitung einer möglichen EU-Strategie und eines Aktionsplan für psychische Gesundheit beizutragen.

Die Kommission wird Ende 2006 eine Analyse der eingegangenen Stellungnahmen vorlegen, gegebenenfalls zusammen mit ihren Vorschlägen für eine EU-Strategie zur Förderung der psychischen Gesundheit.

Kontext

Das Grünbuch ist eine Folgemaßnahmen der Kommission zur Europäischen Ministeriellen WHO-Konferenz Psychische Gesundheit, die im Januar 2005 in Helsinki stattfand. Die Konferenz hat ein starkes politisches Engagement zur Bekämpfung psychischer Krankheiten erzielt und einen Rahmen für weit reichende Maßnahmen gesteckt. Die Europäische Kommission wurde aufgefordert, zur Umsetzung dieses Aktionsrahmens beizutragen. Dieses Grünbuch ist eine erste Antwort auf diese Aufforderung.

Schlüsselwörter des Rechtsakts

  • Psychische Gesundheit: Die WHO definiert psychische Gesundheit folgendermaßen: „Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und imstande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen".
  • Psychische Erkrankungen umfassen psychische Gesundheitsprobleme und -belastungen, Verhaltungsstörungen in Verbindung mit Verzweiflung, konkreten psychischen Symptomen und diagnostizierbaren psychischen Störungen wie Schizophrenie und Depression.

VERWANDTE RECHTSAKTE

Schlussfolgerungen des Rates vom 3. Juni 2005 zu einem Aktionsprogramm der Gemeinschaft für psychische Gesundheit [Nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

In diesen Schlussfolgerungen ruft der Rat die Mitgliedstaaten und die Kommission auf, Maßnahmen zu treffen, um über psychische Gesundheit zu informieren, die Bedeutung der psychischen Gesundheit zu fördern und psychischen Störungen vorzubeugen.

Schlussfolgerungen des Rates „Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz" vom 2./3. Juni 2003 zur Bekämpfung der Stigmatisierung und Diskriminierung in Verbindung mit psychischen Erkrankungen

In diesen Schlussfolgerungen unterstreicht der Rat die Folgeprobleme der Stigmatisierung und Diskriminierung in Verbindung mit psychischen Erkrankungen. Der Rat ruft zu konkreten Maßnahmen auf, um die soziale Integration zu verbessern und Diskriminierung und Stigmatisierung zu bekämpfen.

Schlussfolgerungen des Rates vom 15. November 2001 zur Bekämpfung von stress- und depressionsbedingten Problemen [Amtsblatt C 006 vom 9.1.2002]

In diesen Schlussfolgerungen ruft der Rat dazu auf, Maßnahmen zu treffen, um stress- und depressionsbedingten Probleme zu verhüten und die psychische Gesundheit zu fördern.

Entschließung des Rates vom 18. November 1999 über die Förderung der psychischen Gesundheit [Amtsblatt C 86 vom 24.3.2000]

Letzte Änderung: 04.01.2006
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