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EU-Strategie zur Verringerung alkoholbedingter Schäden

Diese Mitteilung legt eine europäische Strategie fest, welche die Mitgliedstaaten dabei unterstützen soll, die durch den schädlichen und riskanten Alkoholkonsum bedingten Schäden zu verringern. Zu diesem Zweck nennt sie vorrangige Bereiche, ermittelt die verschiedenen Aktionsebenen und führt die von den Mitgliedstaaten bereits durchgeführten Maßnahmen auf, damit bewährte Verfahrensweisen aufgegriffen werden können. Aufgabe der Kommission ist es dabei, die einzelstaatlichen Strategien in diesem Bereich zu ergänzen.

RECHTSAKT

Mitteilung der Kommission vom 24. Oktober 2006 mit dem Titel „Eine EU-Strategie zur Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Verringerung alkoholbedingter Schäden" [KOM(2006) 625 endg. - Nicht im Amtsblatt veröffentlicht].

ZUSAMMENFASSUNG

Gegenstand dieser Mitteilung sind die gesundheitsschädigenden Auswirkungen des schädlichen und riskanten Alkoholkonsums und nicht das Produkt selbst. Es wird angestrebt, die mit einem solchen Konsum einhergehenden Schädigungen zu verringern, sowohl in Bezug auf die Gesundheit als auch auf die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen.

Fünf Schwerpunkte

Die Strategie legt fünf Schwerpunkte fest, mit denen der schädliche und riskante Alkoholkonsum der Europäischen Union zurückgedrängt werden soll. Für jeden dieser Schwerpunkte legt sie dar, warum die Maßnahmen gerechtfertigt sind und welche bewährten Verfahren in den Mitgliedstaaten bereits angewendet werden.

Schutz von Kindern und Jugendlichen

Hier werden drei Ziele verfolgt:

  • Verringerung des Alkoholkonsums bei Minderjährigen und des riskanten Konsumverhaltens bei Jugendlichen
  • Verringerung der Schädigung von Kindern in Familien mit Alkoholproblemen
  • Senkung der Alkoholexposition während der Schwangerschaft.

Durch öffentliche Maßnahmen lässt sich der schädliche Alkoholkonsum bei jungen Menschen wirksam begrenzen. Beispiele aus den Mitgliedstaaten hierfür sind Beschränkungen des Alkoholvertriebs, des Zugangs zu alkoholischen Getränken und der auf Jugendliche abzielenden Marketingpraktiken.

In diesem Bereich können die Alkoholindustrie und der Einzelhandel eine entscheidende Rolle spielen.

Bekämpfung des Alkohols am Steuer

Etwa jede vierte Straßenverkehrsunfall geht auf Alkoholkonsum zurück. Bei Jugendlichen stellen Straßenverkehrsunfälle die Haupttodesursache dar.

Das Risiko eines alkoholbedingten Straßenverkehrsunfalls steigt mit dem Blutalkoholgehalt des Fahrers. Aus diesem Grund haben alle Mitgliedstaaten Maßnahmen getroffen, um Höchstgrenzen einzuhalten. Als sinnvoll haben sich dabei häufige Alkoholtests als Zufallsstichproben sowie Aufklärungs- und Bewusstseinsbildungskampagnen erwiesen. Ein weiteres Beispiel ist die Einführung niedrigerer Promillegrenzen oder einer Nullpromillegrenze für junge Autofahrer sowie für Fahrer öffentlicher Verkehrsmittel und gewerblicher Kraftfahrzeuge.

Verringerung alkoholbedingter Schädigung bei Erwachsenen

Die Strategie hat folgende Ziele:

  • Verringerung chronischer körperlicher und seelischer Störungen im Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum
  • Verringerung der Zahl der alkoholbedingten Todesfälle
  • Information der Verbraucher, damit sie aufgeklärte Entscheidungen treffen können
  • Verringerung der alkoholbedingten Schäden am Arbeitsplatz.

Der schädliche und riskante Alkoholkonsum stellt eine der Hauptursachen für vorzeitige Todesfälle bei Erwachsenen dar. Zudem hat er negative Auswirkungen auf die Produktivität (beispielsweise durch Arbeitsunfähigkeit).

Eine Reihe von Maßnahmen können alkoholbedingter Schädigung von Erwachsenen vorbeugen und die negativen Folgen für den Arbeitsplatz verringern. Dazu zählen insbesondere die Durchsetzung der Lizenzvorschriften, die Schulung zu verantwortungsvollem Ausschank, Interventionen am Arbeitsplatz und gezielte Kampagnen zum Maßhalten beim Alkoholkonsum.

Sensibilisierungsmaßnahmen

Die Strategie zielt darauf ab, die europäischen Bürger für die Auswirkungen des schädlichen und riskanten Alkoholkonsums auf die Gesundheit, die Arbeitsfähigkeit und die Fahrtüchtigkeit zu sensibilisieren.

Als Maßnahmen, mit denen sich dieses Ziel erreichen ließe, sind zu nennen: die Einführung allgemeiner Gesundheitserziehungsprogramme, die bereits in früher Kindheit einsetzen und sich idealerweise während des Jugendalters fortsetzen. Diese Art Intervention kann die Entwicklung eines stärkeren Bewusstseins für die Gefahren des Alkohols und die Verringerung von Risikoverhaltensweisen ermöglichen. Medienkampagnen wie die Initiative Euro-Bob, die darauf abzielt, dem Alkohol am Steuer vorzubeugen, können ebenfalls in diese Richtung wirken.

Erhebung zuverlässiger Daten

Die Kommission erarbeitet und aktualisiert Statistiken über den Alkoholkonsum und über die Wirksamkeit der von den Behörden getroffenen Maßnahmen. Diese Daten ermöglichen es, Maßnahmen auszuarbeiten und durchzuführen, um den schädlichen und riskanten Alkoholkonsum zu bekämpfen.

Aktionsebene

Einzelstaatliche Maßnahmen

Die Alkoholproblematik betrifft in erster Linie die einzelstaatliche Politik und fällt in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten. Die meisten Mitgliedstaaten haben bereits Rechtsvorschriften und politische Strategien gegen den Alkoholmissbrauch eingeführt. Darüber hinaus haben 15 Mitgliedstaaten im Jahre 2005 die Annahme einzelstaatlicher Aktionspläne oder die Einführung von Koordinierungsstellen für die Politik zur Bekämpfung des übermäßigen Alkoholkonsums signalisiert.

Das Spektrum der in den Mitgliedstaaten angewendeten Maßnahmen ist sehr breit und umfasst Initiativen wie Aufklärung, Information, die Durchführung von Verkehrskontrollen, die Einführung von Grenzwerten für den Blutalkoholgehalt, Lizenzen für den Alkoholvertrieb und -ausschank und die Festsetzung der Alkoholbesteuerung.

Maßnahmen der Europäischen Kommission

Im Rahmen der vorliegenden Strategie besteht die Rolle der Kommission darin, die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zu ergänzen, deren Maßnahmen einen Mehrwert zu verleihen und in gemeinsamen Fragen tätig zu werden, die den einzelstaatlichen Rahmen übersteigen.

Außerdem wird die Kommission im Rahmen zweier Gemeinschaftsprogramme tätig:

Koordinierung der Maßnahmen auf Gemeinschaftsebene

Die Kommission strebt an, die Kohärenz zwischen allen Bereichen der Gemeinschaftspolitik zu verbessern, die sich auf die Maßnahmen zur Bekämpfung des übermäßigen Alkoholkonsums auswirken können. So beabsichtigt die Kommission, bis Juni 2007 ein Forum „Alkohol und Gesundheit" einzurichten, das Sachverständige einschlägiger Organisationen, Vertreter der Mitgliedstaaten und der europäischen Institutionen zusammenführen wird. Das Forum wird die Durchführung der europäischen Alkoholstrategie unterstützen.

Die Kommission wird mit den Beteiligten zusammenarbeiten, um ein verantwortungsvolles Marketing für alkoholische Getränke zu fördern, insbesondere im Bereich der Werbung. Diese Zusammenarbeit zielt außerdem darauf ab, zwischen den Vertretern der betreffenden Branchen (Gaststättengewerbe, Hersteller, Medien, Werbung usw.) einen Verhaltenskodex für die Werbung zu vereinbaren, der auf einzelstaatlicher und gemeinschaftlicher Ebene angewendet wird. Darüber hinaus wird die Kommission die Werbepraxis und die Auswirkungen der Selbstregulierung auf den Alkoholkonsum Jugendlicher sowie die Einhaltung des Kodex durch die Unternehmen regelmäßig prüfen.

Hintergrund

Der Alkoholmissbrauch stellt ein Problem der öffentlichen Gesundheit in der Gemeinschaft dar. Er ist für schätzungsweise 7,4 % der gesundheitlichen Störungen und der vorzeitigen Todesfälle in der EU verantwortlich. Jugendliche sind in besonderem Maße betroffen: in der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen sind 10 % der Todesfälle bei Mädchen auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen, bei Jungen sind es sogar 25 %. Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen breitet sich in den Mitgliedstaaten immer mehr aus, vor allem durch Modeerscheinungen wie das „Rauschtrinken" (in der Jugendsprache „Koma-Saufen" genannte Alkoholexzesse). Hinzu kommen jährlich 10 000 Straßenverkehrsunfälle, die alkoholbedingt sind.

Die vorliegende Strategie steht in der Kontinuität zweier Ratspapiere:

Letzte Änderung: 30.06.2011

Siehe auch

  • Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher - Alkohol
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