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Krebsfrüherkennung

Mehr als einer von vier Europäern stirbt an Krebs. Die Früherkennung ist ein wesentliches Element der Prävention bei der Krebsbekämpfung. Mit dieser Empfehlung ruft der Rat die Mitgliedstaaten dazu auf, wirksame und wissenschaftlich fundierte Früherkennungsprogramme einzuführen.

RECHTSAKT

Empfehlung des Rates vom 2. Dezember 2003 zur Krebsfrüherkennung [Amtsblatt L 327 vom 16.12.2003].

ZUSAMMENFASSUNG

Die vorliegende Empfehlung legt Leitlinien für vorbildliche Verfahren zur Früherkennung von Brust-, Darm- und Gebärmutterhalskrebs fest. Sie empfiehlt die Einführung von wirksamen und qualitativ hochwertigen Krebsfrüherkennungsprogrammen. Dabei handelt es sich um folgende Vorsorgeuntersuchungen:

  • Brustkrebsfrüherkennung durch Mammographie bei Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren;
  • Untersuchungen auf okkultes Blut im Stuhl bei kolorektalem Karzinom bei Männern und Frauen im Alter von 50-74;
  • Pap-Tests (Abstriche), die zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr einsetzen, zur Erkennung von Anomalien des Gebärmutterhalses.

Durchführung der Krebsfrüherkennungsprogramme

Was die Durchführung der Krebsfrüherkennungsprogramme betrifft, empfiehlt der Rat den Mitgliedstaaten,

  • eine nachweisgestützte Krebsfrüherkennung nach einem systematischen bevölkerungsweiten Konzept mit Qualitätssicherung auf allen geeigneten Ebenen anzubieten;
  • Früherkennungsprogramme nach europäischen Leitlinien für vorbildliche Verfahren (soweit vorhanden) durchzuführen und die Weiterentwicklung solcher Verfahren für hoch leistungsfähige Krebsfrüherkennungsprogramme auf nationaler Ebene und gegebenenfalls auf regionaler Ebene zu fördern;
  • dafür zu sorgen, dass die an einem Früherkennungsprogramm teilnehmenden Personen umfassend über die Vorteile und Risiken aufgeklärt werden;
  • dafür zu sorgen, dass für Personen mit positivem Untersuchungsergebnis adäquate ergänzende Diagnostikverfahren, Therapien, psychologische Betreuung und Nachsorgeangebote, die nachweisgestützte Leitlinien befolgen, zur Verfügung stehen;
  • personelle und finanzielle Ressourcen bereitzustellen, um eine angemessene Organisation und Qualitätskontrolle zu gewährleisten;
  • bei der Beurteilung eines Früherkennungsprogramms und der Entscheidung über seine nationale oder regionale Durchführung die Krankheitslast, die für die Gesundheitsfürsorge zur Verfügung stehenden Ressourcen, die Nebenwirkungen und Kosten der Krebsfrüherkennung und die Erfahrungen aus wissenschaftlichen Versuchsreihen und Pilotprojekten zu berücksichtigen;
  • ein System, bei dem wiederholt zu Erst- und Folgeuntersuchungen eingeladen wird, eine Qualitätssicherung auf allen geeigneten Ebenen sowie einen leistungsfähigen Diagnostik-, Therapie- und Nachsorgedienst, der nachweisgestützte Leitlinien befolgt, einzurichten;
  • dafür zu sorgen, dass die Datenschutzvorschriften insbesondere hinsichtlich des Schutzes personenbezogener Gesundheitsdaten gebührende Beachtung finden, bevor Krebsfrüherkennungsprogramme durchgeführt werden.

Speicherung und Verarbeitung der Früherkennungsdaten

Was die Speicherung und Verarbeitung der Früherkennungsdaten betrifft, werden die Mitgliedstaaten dazu aufgerufen:

  • die für systematische Früherkennungsprogramme notwendigen zentralisierten Datenverarbeitungssysteme einzurichten;
  • durch geeignete Mittel sicherzustellen, dass alle vom Früherkennungsprogramm zu erfassenden Personen durch ein entsprechendes System wiederholt zur Teilnahme am Programm eingeladen werden;
  • die Daten über alle Früherkennungsuntersuchungen, Auswertungen und abschließenden Diagnosen zu erfassen, zu verarbeiten und zu evaluieren, und zwar unter Beachtung der einschlägigen Rechtsvorschriften über den Schutz personenbezogener Daten.
  • bei der Erfassung, Verwaltung und Auswertung der Daten die einschlägigen Rechtsvorschriften betreffend den Schutz personenbezogener Daten in vollem Umfang zu beachten.

Überwachung und Schulung

Die Mitgliedstaaten werden ersucht, Ablauf und Ergebnis der systematischen Früherkennung regelmäßig zu überwachen und die Ergebnisse der Bevölkerung und dem die Früherkennung durchführenden Personal rasch mitzuteilen. Ferner wird empfohlen, das Personal auf allen Ebenen angemessen zu schulen, damit es erstklassige Früherkennungsleistungen erbringen kann.

Erfüllung der Anforderungen

Der Rat empfiehlt den Mitgliedstaaten, bei systematischen Früherkennungsuntersuchungen eine möglichst hohe Erfüllung der Anforderungen auf der Grundlage uneingeschränkter Zustimmung des Patienten nach Aufklärung anzustreben. Der Rat empfiehlt ebenfalls Maßnahmen, um einen gleichberechtigten Zugang zur Früherkennung sicherzustellen und dabei zu berücksichtigen, dass gegebenenfalls bestimmte sozioökonomische Gruppen als Zielgruppen angesprochen werden müssen.

Einführung neuer Früherkennungsuntersuchungen unter Berücksichtigung internationaler Forschungsergebnisse

Die Mitgliedstaaten werden insbesondere dazu aufgerufen,

  • neue Krebsfrüherkennungsuntersuchungen erst dann als Routineverfahren einzuführen, wenn sie in randomisierten kontrollierten Studien evaluiert worden sind;
  • Untersuchungen über anschließende Therapieverfahren, klinische Ergebnisse, Nebenwirkungen, Erkrankungsrate und Lebensqualität durchzuführen;
  • den Evidenzgrad neuer Verfahren durch eine zusammenfassende Auswertung repräsentativer Versuchsergebnisse zu beurteilen;
  • die routinemäßige Einführung potenziell aussichtsreicher neuer Früherkennungs-untersuchungen, die gegenwärtig evaluiert werden, zu erwägen, sobald ein stichhaltiger Nachweis vorliegt.
  • die routinemäßige Einführung potenziell aussichtsreicher Neuerungen der etablierten Früherkennungsmethoden erwägen, sobald ihre Effektivität - etwa anhand von anderen epidemiologisch validierten Surrogat-Endpunkten - erfolgreich evaluiert worden ist

Hintergrund: Krebs in Europa

Krebs belastet die europäische Gesellschaft in großem Maße, denn jeder dritte Europäer erkrankt im Laufe seines Lebens an Krebs, was ungefähr 3,2 Millionen Neuerkrankungen jährlich in Europa entspricht. Krebs war im Jahr 2006 nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache; zwei von zehn Todesfällen bei Frauen (das entspricht ungefähr 554 000 Todesfällen) und drei von zehn Todesfällen bei Männern (das entspricht ungefähr 698 000 Todesfällen) waren darauf zurückzuführen. Das strategische Konzept für die Gesundheit (2008 – 2013) unterstreicht die Bedeutung von Maßnahmen auf Gemeinschaftsebene bei Themen wie Krebs, die durch den Austausch von Informationen, Fachwissen und vorbildlichen Praktiken einen erheblichen Mehrwert schaffen, wenn es darum geht, die wichtigsten Herausforderungen im Bereich der Gesundheit wirksamer anzugehen. Dies haben die verschiedenen europäischen Programme zur Krebsbekämpfung (von 1987 bis 1989, von 1990 bis 1994 und von 1996 bis 2002) gezeigt. Zur Fortführung dieser Initiativen beabsichtigt die Kommission in der zweiten Hälfte des Jahres 2009 partnerschaftliche Maßnahmen zur Krebsbekämpfung auf EU-Ebene einzuführen, um alle Beteiligten in der gesamten Union in gemeinsame Anstrengungen zur Krebsbekämpfung einzubinden. Ziel ist es, die Mitgliedstaaten bei einer wirksameren Krebsbekämpfung zu unterstützen. Die künftigen Maßnahmen zur Krebsbekämpfung schließen folgende Bereiche ein: Informationen über Gesundheit, Erfassung und Auswertung von Vergleichsdaten; primäre Prävention, Ermittlung und Förderung vorbildlicher Praktiken bei der Krebsbehandlung sowie Prioritäten für die Krebsforschung.

VERBUNDENE RECHTSAKTE

Bericht der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zur Durchführung der Empfehlung des Rates vom 2. Dezember 2003 zur Krebsfrüherkennung (2003/878/EG) [KOM(2008) 882 endg.Nicht im Amtsblattveröffentlicht].

Dies ist der erste Bericht über die Durchführung der Empfehlung 2003/878/EG. Er stützt sich auf:

  • die Ergebnisse einer Umfrage, die in der zweiten Hälfte des Jahres 2007 in den Mitgliedstaaten durchgeführt wurde;
  • Informationen aus dem Europäischen Krebsnetzwerk und dem Europäischen Krebsinformationsnetz;
  • Bevölkerungsstatistiken aus dem Europäischen Statistischen System oder aus nationalen Quellen.

In der Empfehlung des Rates vom 2. Dezember 2003 wurden sechs von den Mitgliedstaaten umzusetzende Prioritäten formuliert. Dieser Bericht zieht eine positive Bilanz bezüglich ihrer Umsetzung. Die meisten Maßnahmen wurden zufriedenstellend umgesetzt. Weitere Anstrengungen müssen im Bereich der Krebsfrüherkennung unternommen werden. In diesem Zusammenhang sieht die Europäische Kommission in der zweiten Hälfte des Jahres 2009 die Schaffung einer Partnerschaft zur Krebsbekämpfung vor.

Mindestens 2/3 der Mitgliedstaaten geben an, Punkt eins der Empfehlung bezüglich der Einrichtung von Krebsfrüherkennungsprogrammen zu befolgen;

Ein sehr großer Teil der Mitgliedstaaten gibt an, Punkt zwei bezüglich der Qualitätssicherung der Krebsfrüherkennungsprogramme zu befolgen;

Punkt drei bezüglich der Schaffung der erforderlichen Grundlagen für die Qualitätssicherung wird nur von 55% der Mitgliedstaaten befolgt;

Ein voller Erfolg ist die Umsetzung des Punkts 4, der die Bedeutung der Schulung des Fachpersonals unterstreicht, denn 20 von 22 Mitgliedstaaten geben an, dass das Personal der Früherkennungsprogramme angemessen geschult ist;

Punkt fünf, der einen gleichberechtigten Zugang zur Früherkennung fördern soll, wird ebenfalls von einem hohen Anteil der Mitgliedstaaten befolgt;

Die Umsetzung des sechsten und letzten Punkts, der die Einführung neuer Früherkennungsverfahren empfiehlt, weist noch einige Lücken auf, denn nur 50% der Mitgliedstaaten geben an, ihn zu befolgen. Der Bericht unterstreicht die Bedeutung der Prävention und des Austauschs vorbildlicher Praktiken, um den Krebs (insbesondere Kolorektalkarzinome, Brust- und Gebärmutterhalskrebs) auf europäischer Ebene zu bekämpfen und ihm vorzubeugen.

Letzte Änderung: 16.02.2008

Siehe auch

Weitere Informationen sind von der Website öffentliche Gesundheit der Europäischen Kommission abrufbar.

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