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Heimische und gebietsfremde Arten

Die Europäische Union (EU) legt einen Rechtsrahmen zur Minderung der Risiken für die Umwelt fest, die mit der Einführung oder Umsiedlung nicht heimischer Arten in der Aquakultur verbunden sind. Dieser Rechtsrahmen sieht insbesondere die Anwendung eines Verfahrens zur Erteilung einer Sondergenehmigung vor.

RECHTSAKT

Verordnung (EG) Nr. 708/2007 des Rates vom 11. Juni 2007 über die Verwendung nicht heimischer und gebietsfremder Arten in der Aquakultur [Vgl. ändernde(r) Rechtsakt(e)].

ZUSAMMENFASSUNG

Mit der genannten Verordnung sollen Rahmenvorschriften für die Aquakulturbewirtschaftung zum angemessenen Schutz des aquatischen Milieus vor den von nicht heimischen Arten und gebietsfremden Arten in der Aquakultur * und ausgehenden Gefahren verabschiedet werden.

Anwendungsbereich

Die Verordnung betrifft die Verbringung von nicht heimischen (Einführungen) * oder gebietsfremden (Umsiedlungen) * Arten zur Verwendung in der Aquakultur in der Europäischen Union (EU). Sie gilt für alle im Wasser lebenden Arten einschließlich aller Teile dieser Lebewesen, die überleben und sich anschließend vermehren könnten. Die Verordnung gilt für alle Aquakulturanlagen. Allerdings werden für geschlossene Aquakulturanlagen besondere Bedingungen vorgesehen. Die Verbringung nicht heimischer oder gebietsfremder Arten, die in geschlossenen Aquakulturanlagen gehalten werden müssen, können von der Genehmigungspflicht ausgenommen werden, sofern sie so befördert werden, dass eine Ausbreitung in natürliche Lebensräume verhindert wird. Die Mitgliedstaaten müssen eine Liste der geschlossenen Aquakulturanlagen vorlegen und regelmäßig aktualisieren.

Die Verordnung gilt nicht:

  • für die Verbringung von Organismen innerhalb der einzelnen Mitgliedstaaten, es sei denn, die Verbringung gefährdet die Umwelt;
  • für Tierhandlungen, Gartenzentren oder Aquarien ohne direkte Verbindung zu Gewässern der EU;
  • für die in Anhang IV genannten Arten, mit Ausnahme bestimmter Bestimmungen.

Maßnahmen zur Vermeidung negativer Auswirkungen auf die Artenvielfalt

Die Mitgliedstaaten tragen dafür Sorge, dass alle erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, um negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt zu vermeiden, die sich aus der Einführung oder Umsiedlung von Wasserorganismen für die Verwendung in der Aquakultur und aus der Verbreitung dieser Organismen ergeben könnten.

Die Mitgliedstaaten überwachen und kontrollieren die Aquakulturtätigkeiten, um sicherzustellen, dass:

  • die geschlossenen Aquakulturanlagen die in dieser Verordnung festgelegten Anforderungen erfüllen; und
  • die Beförderungen zu oder aus diesen Anlagen derart erfolgt, dass die nicht heimischen oder Nichtzielarten nicht entweichen können.

Genehmigungen

Die Verordnung sieht vor, dass für jede Verbringung eines nicht heimischen Wasserorganismus in eine Aquakulturanlage eine Genehmigung des Aufnahmemitgliedstaats beantragt werden muss. Damit die Genehmigung erteilt wird, muss der Aquakulturbetreiber einen Antrag stellen, der bestimmte Angaben enthält, wie etwa Name und Merkmale des betreffenden Organismus, vorgesehenes Aufnahmegebiet und Grund der Verbringung, potenzielle Auswirkungen auf die Umwelt und Maßnahmen zur Verwaltung und Kontrolle der Verbringung.

Routinemäßige Verbringung

Bei einer Verbringung aus einer bekannten Quelle, von der keine Gefährdung der Umwelt ausgeht, kann die zuständige Behörde die Genehmigung gegebenenfalls mit der Auflage einer Quarantäne * oder Pilotphase * erteilen.

Nicht routinemäßige Verbringung

Bei einer nicht routinemäßigen Verbringung ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorzunehmen. Wird ein Risiko als mittelhoch oder hoch eingestuft, müssen der Antragsteller und die betreffende Behörde prüfen, ob Methoden oder Technologien zur Verfügung stehen, mit denen sich das Risiko auf ein niedriges Niveau mindern lässt. Wenn das Risiko auf ein niedriges Niveau gemindert wurde, kann die zuständige Behörde die Genehmigung gegebenenfalls mit der Auflage einer Quarantäne, Pilotphase oder Überwachung * erteilen.

Verbringungen, von denen benachbarte Mitgliedstaaten betroffen sind

Die Mitgliedstaaten, die von einer Verbringung von Meeresorganismen betroffen sein könnten, müssen unterrichtet werden, und sie müssen ihre Kommentare der Kommission übermitteln, die die Genehmigung bestätigt, widerruft oder ändert.

Register

Die Mitgliedstaaten sind zur Führung eines Registers der Einführungen und Umsiedlungen mit sämtlichen zugehörigen Angaben verpflichtet. Diese Register werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Hintergrund

Invasive nicht heimische Arten sind eine der Hauptursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt, sei es durch genetische Veränderungen, Verschlechterung oder Veränderung der Habitate, Verbreitung von Krankheitserregern oder Schädlingen oder durch Verdrängung heimischer Arten aus ihrer ökologischen Nische. Diese Auswirkungen auf die Umwelt haben beträchtliche wirtschaftliche und soziale Folgen.

Diese Verordnung basiert auf den freiwilligen Regeln des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) und der Beratenden Kommission für Europäische Binnenfischerei (EIFAC) in Bezug auf nicht heimische Arten.

Schlüsselbegriffe des Rechtsakts
  • Aquakultur: Aufzucht oder Haltung von Wasserorganismen mittels Techniken, die auf eine Produktionssteigerung über das unter natürlichen Umweltbedingungen mögliche Maß hinaus ausgerichtet sind, wobei die betreffenden Organismen während der gesamten Aufzucht bis zur Ernte bzw. zum Fang Eigentum einer natürlichen oder juristischen Person bleiben.
  • Nicht heimische Art: einerseits eine Art oder Unterart eines Wasserorganismus, die außerhalb ihres bekannten natürlichen Lebensbereichs und ihres potenziellen natürlichen Verbreitungsgebietes vorkommt und andererseits jeder künstlich eingeführte tetraploide (4N) Organismus und alle fruchtbaren künstlich hybridisierten Arten.
  • Gebietsfremde Art: alle Spezies, die aus biogeografischen Gründen in einem Gebiet innerhalb ihres natürlichen Verteilungsspektrums nicht vorkommen.
  • Quarantäne: Die Quarantäne dient dazu, die betreffenden Organismen in völliger Absonderung zu halten und zwar lange genug, um einen Zuchtbestand zu bilden, zufällig vorhandene Arten zu entdecken und die Freiheit von Krankheitserregern und Seuchen zu bestätigen. Die Quarantäneeinrichtung muss die genauen Vorgaben erfüllen unter Berücksichtigung der in der Verordnung (Anhang III) festgelegten Bedingungen.
  • Pilotphase: Bei der Pilotphase werden Wasserorganismen zunächst in begrenzter Menge freigesetzt. Hierbei sind besondere Eindämmungs-, Forschungs- und Verhütungsmaßnahmen einzuhalten. Ein Krisenplan muss erstellt werden, um die Entfernung der betreffenden Organismen oder eine Verringerung der Haltungsdichte zu ermöglichen, wenn in der Pilotphase eine Gefährdung der Umwelt oder heimischer Populationen festgestellt wird.
  • Überwachung: Nach ihrer Einsetzung in ein neues Umfeld müssen die Organismen für die Dauer von mindestens zwei Jahren überwacht werden, um festzustellen, ob die Auswirkungen den Vorhersagen entsprechen oder ob weitere oder andere Auswirkungen eintreten.

BEZUG

Rechtsakt Datum des Inkrafttretens Termin für die Umsetzung in den Mitgliedstaaten Amtsblatt

Verordnung (EG) Nr. 708/2007

18.7.2007

-

ABl. L 168 vom 28.6.2007

Ändernde(r) Rechtsakt(e) Datum des Inkrafttretens Termin für die Umsetzung in den Mitgliedstaaten Amtsblatt

Verordnung (EG) Nr. 304/2011

24.4.2011

-

ABl. L 88 vom 4.4.2011

Die im Nachhinein vorgenommen Änderungen und Berichtigungen der Verordnung (EG) Nr. 708/2007 wurden in den Grundlagentext eingefügt. Diese konsolidierte Fassung  hat ausschließlich dokumentarischen Charakter.

Letzte Änderung: 27.07.2011
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