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Verwalter alternativer Investmentfonds

Die Tätigkeiten der Verwalter alternativer Investmentfonds (alternative investment funds managers — AIFM) sind in beträchtlichem Umfang am Handel auf den Finanzmärkten beteiligt. Diese Tätigkeiten können allerdings dazu beitragen, die Risiken, denen sich die Finanzsysteme gegenübersehen, zu erhöhen oder zu verstärken. Mit dieser Richtlinie soll ein Regulierungs- und ein harmonisierter Kontrollrahmen für die AIFM geschaffen werden.

RECHTSAKT

Richtlinie 2011/61/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2011 über die Verwalter alternativer Investmentfonds und zur Änderung der Richtlinien 2003/41/EG und 2009/65/EG und der Verordnungen (EG) Nr. 1060/2009 und (EU) Nr. 1095/2010 (Text von Bedeutung für den EWR).

ZUSAMMENFASSUNG

Diese Richtlinie zielt darauf ab, einen Rahmen für die Tätigkeiten von Verwaltern alternativer Investmentfonds (AIF) * festzulegen. Mit ihr soll ein Binnenmarkt für diese AIF geschaffen und gleichzeitig ein harmonisierter Regulierungsrahmen eingeführt werden.

Diese Richtlinie gilt nicht für:

  • Holdinggesellschaften;
  • Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung;
  • supranationale Institutionen;
  • nationale Zentralbanken;
  • staatliche Stellen und Gebietskörperschaften;
  • Arbeitnehmerbeteiligungssysteme oder Arbeitnehmersparpläne;
  • Verbriefungszweckgesellschaften.

Zulassungsbedingungen für AIFM

Die AIFM sind für die Portfolioverwaltung und das Risikomanagement der AIF zuständig. Sie können zusätzliche Aufgaben in Verwaltung und Vertrieb ausüben.

Um ihre Tätigkeiten ausüben zu können, müssen die AIFM eine Zulassung bei den zuständigen Behörden ihres Herkunftsmitgliedstaats beantragen und Angaben vorlegen:

  • über die Personen, die die Geschäfte des AIFM führen;
  • über die Identität der Anteilseigner oder Mitglieder des AIFM, die eine direkte oder indirekte Beteiligung an ihm halten;
  • über den Geschäftsplan;
  • über die Vergütungspolitik und -praxis;
  • über Vereinbarungen, die zur Übertragung ihrer Funktionen an Dritte getroffen wurden.

Zudem müssen sie folgende Angaben zu den AIF vorlegen, die sie zu verwalten beabsichtigen:

  • zu den Anlagestrategien;
  • zum Sitz des Master-AIF, falls es sich bei dem AIF um einen Feeder-AIF handelt *;
  • zu den Vertragsbedingungen oder Satzungen;
  • zu den Vereinbarungen zur Bestellung der Verwahrstelle.

Ein AIFM, der ein intern verwalteter AIF ist, muss über ein Anfangskapital von mindestens 300.000 EUR verfügen. Ein AIFM dagegen, der externer Verwalter von AIF ist, muss über ein Kapital von mindestens 125.000 EUR verfügen.

Bedingungen für die Ausübung der Tätigkeit der AIFM

Ein für die Portfolioverwaltung zuständiger AIFM darf das Portfolio des Kunden weder ganz noch teilweise in Anteilen der von ihm verwalteten AIF anlegen. Der AIFM ist verpflichtet, die Richtlinie über Anlegerentschädigungssysteme einzuhalten. Er hat die Möglichkeit, seine Funktionen zu übertragen, falls er dies der zuständigen Behörde seines Herkunftsmitgliedstaats meldet.

Die Vergütungspolitik der AIFM darf nicht zur Übernahme von übermäßigen Risiken ermutigen. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) stellt in Zusammenarbeit mit der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) sicher, dass die Vergütungspolitik die Grundsätze beachtet:

Die AIFM trennen die Funktionen des Risikomanagements funktional und hierarchisch von den operativen Abteilungen, auch von den Funktionen des Portfoliomanagements. Sie überprüfen mindestens einmal jährlich die eingeführten Risikomanagement-Systeme.

Die AIFM legen Verfahren fest, die es ihnen ermöglichen, die Liquiditätsrisiken des AIF zu überwachen und zu gewährleisten, dass sich das Liquiditätsprofil des AIF mit seinen Anlagen deckt. Die AIFM führen regelmäßig Stresstests durch.

Die AIFM richten geeignete und kohärente Bewertungsverfahren ein. Für die Bewertung der Vermögenswerte und die Berechnung des Nettoinventarwerts je Anteil der AIF unterliegen sie den geltenden Vorschriften des Landes, in dem der AIF seinen Sitz hat.

Für jeden von ihm verwalteten AIF bestellt der AIFM eine einzige Verwahrstelle, deren Hauptaufgabe es ist, sicherzustellen, dass die Cashflows der AIF überwacht werden. Die Verwahrstelle ist:

Transparenzanforderungen

Die AIFM legen für jeden von ihnen verwalteten AIF und für jeden von ihnen vertriebenen AIF für jedes Geschäftsjahr spätestens sechs Monate nach Ende des Geschäftsjahrs einen Jahresbericht vor. Der Jahresfinanzbericht wird gemäß der Richtlinie über Transparenzanforderungen in Bezug auf Informationen veröffentlicht.

Die AIFM stellen den Anlegern insbesondere die folgenden Informationen zur Verfügung:

  • eine Beschreibung der Anlagestrategie und der Ziele des AIF;
  • eine Beschreibung sämtlicher Entgelte, Gebühren und sonstiger Kosten;
  • eine Beschreibung der wichtigsten rechtlichen Auswirkungen der eingegangenen Vertragsbeziehung;
  • die Identität des AIFM, der Verwahrstelle und des Rechnungsprüfers des AIF;
  • die Identität des Primebrokers.

Zudem unterrichten die AIFM die Anleger regelmäßig über Folgendes:

  • den prozentualen Anteil an den Vermögenswerten des AIF;
  • jegliche neuen Regelungen zur Steuerung der Liquidität des AIF;
  • das aktuelle Risikoprofil des AIF.

Die AIFM unterrichten die zuständigen Behörden ihres Herkunftsmitgliedstaats regelmäßig über die wichtigsten Märkte und Instrumente, auf bzw. mit denen er für Rechnung des von ihm verwalteten AIF handelt.

AIFM, die bestimmte Arten von AIF verwalten

Diese Richtlinie unterscheidet zwei Kategorien von AIFM:

  • AIFM, die hebelfinanzierte AIF verwalten (unter Hebelfinanzierung versteht man die Auswirkung einer mehr oder weniger starken Verschuldung auf die finanzielle Rentabilität): Die zuständigen Behörden des Herkunftsmitgliedstaats des AIFM müssen die von ihm vorgelegten Informationen nutzen, um festzustellen, ob die Nutzung von Hebelfinanzierungen zur Entstehung von Systemrisiken im Finanzsystem beiträgt. Die AIFM müssen dagegen zeigen, dass die von ihnen angesetzte Begrenzung des Umfangs von Hebelfinanzierungen bei jedem der von ihnen verwalteten AIF angemessen ist.
  • AIFM, die AIF verwalten, die die Kontrolle über nicht börsennotierte Unternehmen und Emittenten erlangen (Kontrolle bedeutet das Halten von über 50 % der Stimmrechte des Unternehmens): Die AIFM müssen die Erlangung der Kontrolle folgenden Stellen mitteilen:
    1. dem nicht börsennotierten Unternehmen;
    2. den Anteilseignern des nicht börsennotierten Unternehmens;
    3. den zuständigen Behörden des Herkunftsmitgliedstaats.

Recht der EU-AIFM auf Vertrieb und Verwaltung von AIF

Die AIFM können Anteile der von ihnen verwalteten AIF vertreiben. In diesem Fall legen sie den zuständigen Behörden ihres Herkunftsmitgliedstaats ein Anzeigeschreiben für jeden AIF, den sie zu vertreiben beabsichtigen, vor. Die vorzulegenden Dokumente sind in Anhang IV detailliert aufgeführt.

Spezifische Vorschriften in Bezug auf Drittländer

Die AIFM können Nicht-EU-AIF verwalten, die nicht in der EU vertrieben werden, wenn bestimmte Vorschriften eingehalten werden und geeignete Vereinbarungen über die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Behörden des Herkunftsmitgliedstaats des AIFM und den Aufsichtsbehörden des Drittlands bestehen, in dem der Nicht-EU-AIF seinen Sitz hat.

Schlüsselwörter des Rechtsakts
  • AIFM: jede juristische Person, deren reguläre Geschäftstätigkeit darin besteht, einen oder mehrere AIF zu verwalten.
  • alternative Investmentfonds (AIF): jeder Organismus für gemeinsame Anlagen einschließlich seiner Teilfonds, der von einer Anzahl von Anlegern Kapital einsammelt, um es gemäß einer festgelegten Anlagestrategie zum Nutzen dieser Anleger zu investieren, und der nicht unter die Richtlinie über Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren fällt.
  • Feeder-AIF: AIF, der:
    1. mindestens 85 % seiner Vermögenswerte in Anteilen eines anderen AIF („Master-AIF“) anlegt;
    2. mindestens 85 % seiner Vermögenswerte in mehr als einem Master-AIF anlegt, wenn diese Master-AIF identische Anlagestrategien verfolgen;
    3. anderweitig ein Engagement von mindestens 85 % seiner Vermögenswerte in solch einem Master-AIF hat.

BEZUG

RechtsaktDatum des InkrafttretensTermin für die Umsetzung in den MitgliedstaatenAmtsblatt

Richtlinie 2011/61/EU

21.7.2011

22.7.2013

ABl. L 174 vom 1.7.2011

Letzte Änderung: 30.08.2011

Siehe auch

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