RSS
Alphabetischer Index
Diese Seite steht in 5 Sprachen zur Verfügung

We are migrating the content of this website during the first semester of 2014 into the new EUR-Lex web-portal. We apologise if some content is out of date before the migration. We will publish all updates and corrections in the new version of the portal.

Do you have any questions? Contact us.


OGAW: organisatorische Anforderungen und Verhaltensregeln

Im Anschluss an die Neufassung der Richtlinie über Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW-Richtlinie) beabsichtigt die Europäische Kommission, Maßnahmen zu den Verhaltensregeln und den organisatorischen Anforderungen an OGAW-Verwaltungsgesellschaften zu ergreifen. Diese Richtlinie trägt dieser Absicht Rechnung und legt die Verwaltungsverfahren, die Kontrollmechanismen und die Mechanismen für das Risikomanagement der OGAW fest.

RECHTSAKT

Richtlinie 2010/43/EU der Kommission vom 1. Juli 2010 zur Durchführung der Richtlinie 2009/65/EG des Europäischen Parlaments und des Rates im Hinblick auf organisatorische Anforderungen, Interessenkonflikte, Wohlverhalten, Risikomanagement und den Inhalt der Vereinbarung zwischen Verwahrstelle und Verwaltungsgesellschaft (Text von Bedeutung für den EWR).

ZUSAMMENFASSUNG

Diese Richtlinie legt die Bestimmungen zur Durchführung der OGAW-Richtlinie fest. Sie legt die organisatorischen Anforderungen an die Verwaltungsgesellschaften von OGAW fest sowie die Verhaltensregeln und die Grundsätze für den Umgang mit Interessenkonflikten. Weiterhin legt sie die Anforderungen an das Risikomanagement für OGAW fest.

Geltungsbereich

Diese Richtlinie gilt für

  • Verwaltungsgesellschaften, die der Tätigkeit der Verwaltung eines Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW) nachgehen;
  • Verwahrstellen;
  • Investmentgesellschaften, die keine Verwaltungsgesellschaft bestimmt haben.

Verwaltungsverfahren und Kontrollmechanismen

Verwaltungsgesellschaften müssen:

  • Entscheidungsprozesse und eine Organisationsstruktur umsetzen;
  • sicherstellen, dass die relevanten Personen * über die Verfahren im Bilde sind;
  • angemessene interne Kontrollmechanismen umsetzen;
  • Aufzeichnungen über ihre Geschäftstätigkeit und interne Organisation zu führen.

Die Verwaltungsgesellschaften müssen Sicherheit, Integrität und Vertraulichkeit von Daten aufrechterhalten.

Die Rechnungslegung muss so gestaltet sein, dass Vermögenswerte und Verbindlichkeiten des OGAW jederzeit direkt ermittelt werden können. Die Rechnungslegungsgrundsätze müssen den Rechnungslegungsvorschriften des OGAW-Herkunftsmitgliedstaats entsprechen.

Im Hinblick auf interne Kontrollmechanismen ist die Geschäftsleitung der jeweiligen Verwaltungsgesellschaft für die allgemeine Anlagepolitik zuständig. Sie überwachen die Genehmigung der Anlagestrategien für jeden verwalteten OGAW.

Die Verwaltungsgesellschaften müssen die Compliance-Funktion kontinuierlich sicherstellen, die darin besteht, die Angemessenheit und Wirksamkeit der Maßnahmen zur Behebung etwaiger Defizite der Verwaltungsgesellschaft bei der Wahrnehmung ihrer Pflichten zu überprüfen. Die Compliance-Funktion besteht ebenfalls darin, die für Dienstleistungen und Tätigkeiten der Verwaltungsgesellschaft zuständigen relevanten Personen zu beraten und zu unterstützen. Diese Funktion wird durch einen Compliance-Beauftragten ausgeführt, der zu diesem Zweck benannt wird.

Die Verwaltungsgesellschaften müssen eine ständige Risikomanagement-Funktion einrichten und aufrechterhalten, die von den operativen Abteilungen unabhängig ist. Sie hat die Aufgabe,

  • die Risikomanagement-Grundsätze und -Verfahren umzusetzen;
  • für die Einhaltung der OGAW-Risikolimits zu sorgen;
  • das Leitungs- oder Verwaltungsorgan bei der Ermittlung des Risikoprofils der einzelnen verwalteten OGAW zu beraten;
  • die Vorkehrungen und Verfahren für die Bewertung von OTC-Derivaten zu überprüfen und gegebenenfalls zu verstärken.

Die Verwaltungsgesellschaften müssen ein Verfahren einrichten, das relevante Personen * davon abhält,

  • ein persönliches Geschäft zu tätigen oder einer anderen Person zu einem solchen Geschäft zu raten oder zu verhelfen;
  • Informationen weiterzugeben, die andere Personen im Hinblick auf die Wahl ihrer Transaktionen beeinflussen könnte.

Portfoliogeschäfte müssen aufgezeichnet werden, sodass der Auftrag und das ausgeführte Geschäft sowie Zeichnungs- und Rücknahmeaufträge im Einzelnen rekonstruiert werden können. Diese Aufzeichnungen werden anschließend für mindestens fünf Jahre aufbewahrt.

Interessenkonflikte

Folgende Situationen können zu Interessenkonflikten führen, wenn

  • die Verwaltungsgesellschaft voraussichtlich einen finanziellen Vorteil erzielen oder einen finanziellen Verlust vermeiden wird, was zulasten des OGAW geht;
  • die Verwaltungsgesellschaft am Ergebnis einer für den OGAW oder einen anderen Kunden erbrachten Dienstleistung ein Interesse hat, das sich nicht mit dem Interesse des OGAW an diesem Ergebnis deckt;
  • die Verwaltungsgesellschaft einen Anreiz hat, die Interessen eines anderen Kunden über die Interessen des OGAW zu stellen;
  • die Verwaltungsgesellschaft für den OGAW und für einen anderen Kunden die gleichen Tätigkeiten ausführt;
  • die Verwaltungsgesellschaft unberechtigterweise einen Anreiz in Form von Geld, Gütern oder Dienstleistungen erhält.

Die Verwaltungsgesellschaften sind gehalten, wirksame Grundsätze für den Umgang mit Interessenkonflikten schriftlich festzulegen, die die Unabhängigkeit der relevanten Personen bewahren.

Wohlverhaltensregeln

Die Verwaltungsgesellschaften müssen Inhaber von Anteilen * an verwalteten OGAW fair behandeln. Wenn sie einen Zeichnungs- oder Rücknahmeauftrag eines Anteilinhabers ausgeführt haben, müssen sie diesem die Ausführung bestätigen. Diese Bestätigung enthält mindestens folgende Informationen:

  • den Namen der Verwaltungsgesellschaft;
  • den Namen des Anteilinhabers;
  • Datum und Uhrzeit des Auftragseingangs sowie Zahlungsweise;
  • Datum der Ausführung;
  • Name des OGAW;
  • Zahl der betroffenen Anteile.

Den Verwaltungsgesellschaften ist es untersagt, einen OGAW-Auftrag zusammen mit dem Auftrag eines anderen OGAW oder sonstigen Kunden oder zusammen mit einem Auftrag für eigene Rechnung auszuführen.

Risikomanagement

Die Verwaltungsgesellschaften sind verpflichtet, Grundsätze für das Risikomanagement festzulegen. Dazu kalkulieren sie einmal täglich das Gesamtrisiko eines verwalteten OGAW.

Schlüsselwörter des Rechtsakts
  • Relevante Person in Bezug auf eine Verwaltungsgesellschaft eine der folgenden Personen: ein Direktor, ein Gesellschafter oder eine vergleichbare Person oder ein Mitglied der Geschäftsleitung der Verwaltungsgesellschaft, ein Angestellter der Verwaltungsgesellschaft sowie jede andere natürliche Person, deren Dienste der Verwaltungsgesellschaft zur Verfügung gestellt und von dieser kontrolliert werden und die an der von der Verwaltungsgesellschaft erbrachten gemeinsamen Portfolioverwaltung beteiligt ist, oder eine natürliche Person, die im Rahmen einer Vereinbarung zur Übertragung von Aufgaben an Dritte unmittelbar an der Erbringung von Dienstleistungen für die Verwaltungsgesellschaft beteiligt ist, welche der Verwaltungsgesellschaft die gemeinsame Portfolioverwaltung ermöglichen;
  • Anteilinhaber: jede natürliche oder juristische Person, die einen oder mehrere Anteile an einem OGAW hält.

BEZUG

RechtsaktDatum des InkrafttretensFrist für die Umsetzung in den MitgliedstaatenAmtsblatt

Richtlinie 2010/43/EU

30.7.2010

30.6.2011

ABl. L 176 vom 10.7.2010

Letzte Änderung: 09.09.2010
Rechtlicher Hinweis | Über diese Website | Suche | Kontakt | Seitenanfang