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Derivate

Die Finanzkrise vom Oktober 2008 verdeutlichte das mit bestimmten Finanzprodukten wie Derivaten verbundene außergewöhnlich hohe Risiko. Daher ist es nach Ansicht der Kommission notwendig, Leitlinien für diesen Bereich auszuarbeiten, um eine Angleichung an die anlässlich des G20-Gipfels von Pittsburgh im September 2009 formulierten Ziele zu erreichen.

RECHTSAKT

Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts-und Sozialausschuss, den Ausschuss der Regionen und die Europäische Zentralbank vom 20. Oktober 2009 „Gewährleistung effizienter, sicherer und solider Derivatemärkte: Künftige politische Maßnahmen“ [KOM(2009) 563 endg. - Nicht im Amtsblatt veröffentlicht].

ZUSAMMENFASSUNG

Diese Mitteilung definiert die Maßnahmen, die dazu beitragen, die Derivatemärkte effizienter, sicherer und solider zu machen. Diese haben aufgrund ihres hohen Risikos und der mangelnden Transparenz der Finanzmärkte in hohem Maße zur Finanzkrise beigetragen. Die Kommission hat daher beschlossen, Maßnahmen zu ergreifen, damit diese Produkte effizienter, sicherer und solider werden.

Rolle der Derivate

Mit Derivaten können die mit der Wirtschaftstätigkeit verbundenen Risiken von risikoscheuen auf risikobereite Wirtschaftsteilnehmer transferiert werden.

Allerdings weisen die Derivate wenig vertrauenswürdige Merkmale auf, da sie die zunehmende Nutzung von Hebeleffekten zulassen und Abhängigkeiten zwischen den Marktteilnehmern schaffen. Diese Aspekte trugen teilweise zur Finanzkrise von 2008 bei.

Verringerung des Gegenparteiausfallrisikos

Die Krise von 2008 hat gezeigt, dass die Marktakteure das Gegenparteiausfallrisiko nicht korrekt bewertet haben. Das Risikomanagement kann bilateral zwischen den beiden Gegenparteien oder auf einer zentralen Marktebene durch eine zentrale Gegenpartei (central counterparty, CCP) erfolgen.

Die Kommission und die G20 sehen im CCP-Clearing das wichtigste Instrument zur Bewältigung des Gegenparteiausfallrisikos. Allerdings erfolgt die Regulierung der CCP derzeit auf nationaler Ebene. Daher beabsichtigt die Kommission, einen Rechtsrahmen für die CCP vorzuschlagen, der Normen für die Sicherheit, Regulierung und Funktionsweise enthält.

Der europäische Rahmen der CCP soll die verschiedenen Anlageklassen, für die die CCP Dienstleistungen erbringen, einbeziehen. Diese Anlageklassen umfassen in der Regel Baranleihen, festverzinsliche Instrumente und Derivate.

Allerdings sind nicht alle Derivate für das Prinzip des zentralen Clearing geeignet. Daher wird die Kommission einen Vorschlag vorlegen, der die Finanzunternehmen verpflichten soll, den Ersteinschuss, der sich aus den Eigenschaften der Gegenpartei ableitet, und die Schwankungsmarge, die sich aus der Veränderung des Werts eines Kontrakts ergibt, zu veröffentlichen.

Darüber hinaus beabsichtigt die Kommission, die nicht zentral abgewickelten Kontrakte höheren Eigenkapitalanforderungen zu unterwerfen.

Zudem sieht die Kommission für standardisierte Kontrakte obligatorische Gegenpartei-Clearingstellen vor.

Verringerung des operationellen Risikos

Das operationelle Risiko umfasst Rechtsrisiken sowie das Risiko von Verlusten, die durch unangemessene oder unzuverlässige interne Verfahren oder durch externe Ereignisse verursacht werden.

Die Kommission plant Maßnahmen zur Verringerung des operationellen Risikos durch Standardisierung von Kontrakten im Bereich der Bearbeitung und der rechtlichen Bestimmungen.

Stärkung der Transparenz

Die Märkte, an denen die Transaktionen im Wesentlichen außerbörslich (over-the-counter/OTC) abgewickelt werden, sind durch mangelnde Transparenz der Preise, Transaktionen und Positionen gekennzeichnet. Diese mangelnde Transparenz hat die Behörden an einer Beaufsichtigung des Derivatemarktes gehindert.

Daher erscheint es notwendig, alle Transaktionen an zentrale Register zu melden und neue Meldepflichten für die Marktteilnehmer einzuführen. Diese Transaktionsregister sollten reguliert und in einen gemeinsamen rechtlichen Rahmen eingebettet werden. Die Kommission ist der Ansicht, dass die Europäische Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde (ESMA) für die Überwachung dieser Stellen zuständig sein sollte.

Anlässlich des G20-Gipfels von Pittsburgh im September 2009 wurde vereinbart, dass alle standardisierten OTC-Derivatkontrakte über die Börsen oder elektronische Handelsplattformen gehandelt werden sollen.

In Europa sollen diese Transaktionen an organisierten Handelsplätzen erfolgen. Die Transparenz des Handels auf diesen Märkten sollte erhöht werden.

Stärkung der Marktintegrität und Beaufsichtigung

Die Kommission sieht die Überarbeitung der Marktmissbrauchsrichtlinie vor, um eine umfassende Berücksichtigung der Derivatemärkte zu gewährleisten.

Schließlich beabsichtigt die Kommission, Vorschriften vorzuschlagen, damit die Regulierungsbehörden die Möglichkeit erhalten, Konzentrationen spekulativer Positionen und unangemessenen Preisschwankungen entgegenzuwirken.

Hintergrund

Angesichts der zunehmenden Verbreitung von Derivaten auf den Weltmärkten sollte eine zuverlässige und konvergente internationale Regulierung gewährleistet werden. Diese Mitteilung basiert auf den Zielen des G20-Gipfels vom 25. September 2009, der zu einer Verbesserung der OTC-Märkte für Derivate aufrief.

Letzte Änderung: 22.12.2009
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