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Internationale Rechnungslegungsgrundsätze (IAS)

Die Europäische Union (EU) harmonisiert die Finanzinformationen börsennotierter Gesellschaften, um den Schutz der Investoren zu gewährleisten. Durch Anwendung der internationalen Rechnungslegungsstandards will sie dafür sorgen, dass das Vertrauen in die Finanzmärkte nicht erschüttert wird, und gleichzeitig den grenzüberschreitenden und internationalen Handel mit Wertpapieren erleichtern.

RECHTSAKT

Verordnung 1606/2002/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Juli 2002 betreffend die Anwendung internationaler Rechnungslegungsgrundsätze [Vgl. ändernde Rechtsakte].

ZUSAMMENFASSUNG

Gegenstand dieser Verordnung ist die Übernahme und Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards in der Europäischen Union (EU), um auf diese Weise die von Gesellschaften vorgelegten Finanzinformationen zu harmonisieren. Dadurch soll ein hoher Grad an Transparenz und Vergleichbarkeit der Abschlüsse sichergestellt werden.

Definitionen

Die internationalen Rechnungslegungsnormen, die so genannten „International Financial Reporting Standards“ (IFRS) (oder früher: International Accounting Standards – IAS), werden von der internationalen Normungsorganisation für Rechnungslegung, dem „International Accounting Standards Board“ (IASB) (EN) mit Sitz in London, verabschiedet.

Anwendungsbereich

Seit 2005 müssen alle börsennotierten Unternehmen in der EU (einschließlich Banken und Versicherungen) ihre Finanzabschlüsse gemäß den internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS) erstellen. Die Mitgliedstaaten können den börsennotierten Unternehmen in der EU auch gestatten oder sie verpflichten, diese Grundsätze auf ihre Jahresabschlüsse und/oder konsolidierten Abschlüsse anzuwenden. Annahme

Zur Übernahme eines internationalen Rechnungslegungsgrundsatzes muss seine Anwendung ein den tatsächlichen Verhältnissen (d. h. der Finanzlage und des Abschlusses des Unternehmens) entsprechendes Bild vermitteln, dem europäischen öffentlichen Interesse entsprechen und den Kriterien der Verständlichkeit, Erheblichkeit, Verlässlichkeit und Vergleichbarkeit genügen, die Finanzinformationen erfüllen müssen, um wirtschaftliche Entscheidungen und die Bewertung der Leistung einer Unternehmensleitung zu ermöglichen. Die Kommission stimmt sich diesbezüglich mit dem Ausschuss der europäischen Wertpapierregulierungsbehörden ab, um einen gemeinsamen Ansatz für die Umsetzung dieser Regeln zu entwickeln.
Im Rahmen der Verordnung werden zwei Ausschüsse eingesetzt:

  • ein Regelungsausschuss auf dem Gebiet der Rechnungslegung. Er setzt sich aus Vertretern der Mitgliedstaaten zusammen und den Vorsitz hat die Kommission inne. Er entscheidet auf der Grundlage von Vorschlägen der Kommission über die eventuelle Übernahme von IFRS-Normen. Damit soll eine vollständige Transparenz gewährleistet werden und eine Rechenschaftspflicht gegenüber dem Rat und dem Parlament eingeführt werden;
  • ein technischer Ausschuss auf dem Gebiet der Rechnungslegung, die Europäische Beratende Gruppe für die Vorlage von Abschlüssen" - EFRAG -(European Financial Reporting Advisory Group). Dieser Ausschuss setzt sich aus Sachverständigen auf dem Gebiet der Rechnungslegung zusammen, die aus dem Privatsektor in mehreren Mitgliedstaaten stammen. Diese Gruppe stellt die erforderliche Unterstützung und Fachkompetenz zur Bewertung der IFRS-Normen bereit, um die Kommission dahingehend zu beraten, ob die betreffenden IFRS-Norm angenommen werden soll oder nicht.

BEZUG

RechtsaktDatum des InkrafttretensTermin für die Umsetzung in den MitgliedstaatenAmtsblatt

Verordnung (EG) Nr. 1606/2002

14.9.2002

-

ABl. L 243 vom 11.9.2002

Ändernde(r) Rechtsakt(e)Datum des InkrafttretensTermin für die Umsetzung in den MitgliedstaatenAmtsblatt

Verordnung (EG) Nr. 297/2008

10.4.2008

-

ABl. L 97 vom 9.4.2008

Die Änderungsrechtsakte und die vorgenommenen Berichtigungen an der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 wurden in den Ursprungstext eingearbeitet. Diese konsolidierte Fassung ist von rein dokumentarischem Wert.

VERBUNDENE RECHTSAKTE

Verordnungen

Verordnung (EG) Nr. 1126/2008 der Kommission vom 3. November 2008 zur Übernahme bestimmter internationaler Rechnungslegungsstandards gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates (Text von Bedeutung für den EWR) [Amtsblatt L 320 vom 29.11.2008].

Verordnung (EG) Nr. 1569/2007 der Kommission vom 21. Dezember 2007 über die Einrichtung eines Mechanismus zur Festlegung der Gleichwertigkeit der von Drittstaatemittenten angewandten Rechnungslegungsgrundsätze gemäß den Richtlinien 2003/71/EG und 2004/109/EG des Europäischen Parlaments und des Rates [Amtsblatt L 340 vom 22.12.2007].

Entscheidung

Entscheidung 2008/961/EG der Kommission vom 12. Dezember 2008 über die Verwendung der nationalen Rechnungslegungsgrundsätze bestimmter Drittländer und der International Financial Reporting Standards durch Wertpapieremittenten aus Drittländern bei der Erstellung ihrer konsolidierten Abschlüsse (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2008) 8218) (Text von Bedeutung für den EWR).

Richtlinie

Richtlinie 2003/51/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Juni 2003 zur Änderung der Richtlinien 78/660/EWG, 83/349/EWG, 86/635/EWG und 91/674/EWG des Rates über den Jahresabschluss und den konsolidierten Abschluss von Gesellschaften bestimmter Rechtsformen, von Banken und anderen Finanzinstituten sowie von Versicherungsunternehmen [Amtsblatt L 178 vom 17.7.2003].
Die Richtlinie bezweckt die Harmonisierung der Rechnungslegungsvorschriften, die für Gesellschaften und andere Organisationen, die nicht der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates betreffend die Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards für börsennotierte Unternehmen unterliegen. Auf diese Weise beseitigt sie jegliche Diskrepanz zwischen den Rechnungslegungsrichtlinien und der Verordnung betreffend die Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards (IFRS), da sie es ermöglicht, die IFRS-Rechnungslegung auf Unternehmen anwendbar zu machen, die als Rechtsgrundlage die Rechnungslegungsrichtlinien beibehalten. Außerdem weitet die Richtlinie die Risikoanalyse über die finanziellen Aspekte in den Geschäftsberichten der Unternehmen aus. Sie fasst auch den obligatorischen Inhalt der Berichte der Abschlussprüfer genauer.

Letzte Änderung: 19.11.2010
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