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Gute Herstellungspraxis für Humanarzneimittel und für zur Anwendung beim Menschen bestimmte Prüfpräparate

Diese Richtlinie enthält die Grundsätze und Leitlinien der Guten Herstellungspraxis für Humanarzneimittel und für zur Anwendung beim Menschen bestimmte Prüfpräparate. Sie hebt die Richtlinie 91/356/EWG zur Festlegung der Grundsätze und Leitlinien der Guten Herstellungspraxis für zur Anwendung beim Menschen bestimmte Arzneimittel im Hinblick auf die Erweiterung und Anpassung der Bestimmung dieser Richtlinie auf die Gute Herstellungspraxis der zur Anwendung beim Menschen bestimmten Prüfpräparate auf.

RECHTSAKT

Richtlinie 2003/94/EG der Kommission vom 8. Oktober 2003 zur Festlegung der Grundsätze und Leitlinien der Guten Herstellungspraxis für Humanarzneimittel und für zur Anwendung beim Menschen bestimmte Prüfpräparate.

ZUSAMMENFASSUNG

Mit der Richtlinie 91/356/EWG der Kommission wurden die Grundsätze und Leitlinien der Guten Herstellungspraxis * lediglich für die zur Anwendung beim Mensch bestimmten Arzneimittel * festgelegt. Es war daher erforderlich, die Mehrzahl der Bestimmungen der Richtlinie 91/356/EWG zu ändern und auf die Gute Herstellungspraxis für die zur Anwendung beim Menschen bestimmten Prüfpräparate * zu erstrecken und anzupassen. Folglich wird mit der vorliegenden Richtlinie die Richtlinie 91/356/EWG im Hinblick auf die Festlegung von Grundsätzen und Leitlinien der Guten Herstellungspraxis für Humanarzneimittel und zur Anwendung beim Menschen bestimmte Prüfpräparate aufgehoben.

Die Grundsätze und Leitlinien der Guten Herstellungspraxis befassen sich hauptsächlich mit dem Personal, den Räumlichkeiten und der Ausrüstung, der Produktion, der Qualitätskontrolle und Kennzeichnung, der Auftragsherstellung sowie der Inspektion, den Beanstandungen und dem Produktrückruf.

Qualitätssicherungssystem: Personal, Räumlichkeiten und Ausrüstungen

Der Hersteller muss ein wirksames pharmazeutisches Qualitätssicherungssystem * unterhalten, das die aktive Beteiligung der Geschäftsführung und des Personals der betroffenen Abteilungen vorsieht.

Zur Verwirklichung der Ziele der pharmazeutischen Qualitätssicherung verfügt der Hersteller in jedem Betrieb über sachkundiges und angemessen qualifiziertes Personal in ausreichender Zahl.

Das Personal erhält regelmäßige Schulungen, die die Aspekte der Theorie und der Anwendung des Qualitätssicherungskonzepts und der Guten Herstellungspraxis umfassen und sich auf die besonderen Anforderungen an die Herstellung von Prüfpräparaten erstrecken.

Es sind Hygieneprogramme zu erstellen, die den durchzuführenden Tätigkeiten angepasst sind. Diese Programme haben insbesondere Vorschriften zur Gesundheit, über hygienisches Verhalten und über die Bekleidung des Personals zu enthalten.

Für Räumlichkeiten und Ausrüstung müssen strenge Hygienevorschriften gelten, um Verunreinigung und jeden die Qualität des Produkts beeinträchtigenden Effekt zu vermeiden.

Darüber hinaus sind Räumlichkeiten und Ausrüstung zur Verwendung für hinsichtlich der Qualität kritische Herstellungsvorgänge auf ihre Eignung hin zu überprüfen.

Produktion

Die Produktion ist in Übereinstimmung mit der Guten Herstellungspraxis und nach vorher erstellten Anweisungen durchzuführen. Alle Abweichungen im Prozess und Produktmängel sind zu dokumentieren und gründlich zu untersuchen.

Insbesondere zur Vermeidung von Kreuzkontaminationen sind technische und/oder organisatorische Maßnahmen zu treffen. Bei Prüfpräparaten soll der Handhabung der Produkte im Verlauf und nach Abschluss einer Verblindung * besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Bei Arzneimitteln sollte jedes neue Verfahren zur Herstellung eines Arzneimittels und jede wesentliche Änderung eines bestehenden Verfahrens validiert werden. Kritische Phasen eines Herstellungsverfahrens sind regelmäßig zu validieren.

Bei Prüfpräparaten sind zumindest die kritischen Prozessphasen, wie die Sterilisation, sowie bei Bedarf der gesamte Herstellungsprozess zu validieren.

Dokumentation

Der Hersteller muss ein Dokumentationssystem über die jeweils ausgeführten Herstellungsvorgänge einrichten. Die Gesamtheit der Unterlagen ermöglicht die Rückverfolgung des Werdegangs jeder Charge sowie der im Verlauf der Entwicklung eines Prüfpräparats vorgenommenen Änderungen.

Schriftliche Unterlagen können durch elektronische oder andere Datenverarbeitungssysteme ersetzt werden. In diesem Fall hat der Hersteller nachzuweisen, dass die Daten während des voraussichtlichen Aufbewahrungszeitraums ordnungsgemäß gespeichert werden.

Qualitätskontrolle und Kennzeichnung

Der Hersteller muss ein Qualitätskontrollsystem einrichten, das von einer Person mit den erforderlichen Qualifikationen geleitet wird, die von der Herstellung unabhängig ist. Diese Person kann zum Zwecke der Durchführung der erforderlichen Untersuchungen und Prüfungen der Ausgangsstoffe und Verpackungsmaterialien sowie der Prüfung von Zwischen- und Fertigprodukten auf Kontrolllaboratorien zugreifen. Eine Beauftragung von Vertragslaboratorien ist zulässig.

Bei der abschließenden Kontrolle des Fertigprodukts vor seiner Freigabe muss das Qualitätskontrollsystem Informationen über die Produktionsbedingungen, die Ergebnisse der Inprozesskontrollen, die Überprüfung der Herstellungsunterlagen und die Übereinstimmung der Produkte mit ihren Spezifikationen berücksichtigen.

Rückstellmuster von jeder Charge eines Fertigarzneimittels müssen mindestens ein Jahr über den Ablauf des Verfallsdatums hinaus aufbewahrt werden. Bei Prüfpräparaten werden ausreichende Rückstellmuster einer jeden Charge einer Zubereitung in unverpackter Form und Hauptbestandteile der Verpackung der einzelnen Fertigproduktchargen mindestens zwei Jahre nach dem Abschluss der letzten klinischen Prüfung, bei der die betreffende Charge zur Anwendung kam, aufbewahrt.

Darüber hinaus werden Proben der im Herstellungsprozess verwendeten Ausgangsstoffe mindestens zwei Jahre nach Freigabe des Produkts aufbewahrt. Dieser Zeitraum kann in bestimmten Fällen verkürzt werden.

Bei Prüfpräparaten erfolgt die Kennzeichnung derart, dass der Schutz des Prüfungsteilnehmers und die Rückverfolgbarkeit sichergestellt sind, eine Identifizierung des Produkts ermöglicht und eine ordnungsgemäße Verwendung des Prüfpräparats erleichtert werden.

Auftragsherstellung

Für jeden Herstellungsvorgang muss ein schriftlicher Vertrag zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer bestehen. In dem Vertrag werden die Verantwortlichkeiten jeder Vertragspartei festgelegt. Der Auftragnehmer hält die Grundsätze und Leitlinien der Guten Herstellungspraxis ein und unterwirft sich den Inspektionen durch die zuständigen Behörden.

Beanstandungen, Produktrückruf und Entblindung * in Notfallsituationen

Zur Gewährleistung der Beachtung der in dieser Richtlinie vorgestellten Grundsätze und Leitlinien der Guten Herstellungspraxis durch die Hersteller * richten die Mitgliedstaaten entsprechende Inspektionen ein. Darüber hinaus sind die gemeinschaftlichen Verfahren bezüglich der Inspektion und des Informationsaustauschs zu berücksichtigen.

Der Hersteller stellt sicher, dass die Herstellungsvorgänge in Übereinstimmung mit der Guten Herstellungspraxis und der Herstellungsgenehmigung durchgeführt werden. Diese Bestimmung gilt auch für Arzneimittel, die für den Export bestimmt sind. Der Hersteller richtet regelmäßige Selbstinspektionen ein, um die Beachtung der Regeln der Guten Herstellungspraxis zu überwachen und um Vorschläge für eventuell notwendige Korrekturmaßnahmen zu unterbreiten.

Zur Auslegung der Grundsätze und Leitlinien der Guten Herstellungspraxis berücksichtigen die Hersteller und die zuständigen Behörden die Leitlinien, die die Kommission im „Leitfaden für die Gute Herstellungspraxis für Arzneimittel und Prüfpräparate" (EN) veröffentlicht.

Bei aus Drittländern eingeführten Arzneimitteln und Prüfpräparaten vergewissert sich der Importeur, dass die Produkte gemäß Standards hergestellt werden, die den von der Gemeinschaft festgelegten Standards der Guten Herstellungspraxis gleichwertig sind. Darüber hinaus stellt der Importeur von Arzneimitteln sicher, dass der Hersteller dieser Produkte über eine ordnungsgemäße Herstellungserlaubnis verfügt. Der Importeur von Prüfpräparaten stellt sicher, dass die Hersteller dieser Produkte bei den zuständigen Behörden gemeldet und von diesen zu diesem Zweck zugelassen sind.

Für das Inverkehrbringen eines Arzneimittels auf dem Markt eines Mitgliedstaats ist eine Genehmigung für das Inverkehrbringen erforderlich, die von der zuständigen Behörde des betreffenden Mitgliedstaates oder von der Europäischen Agentur für die Beurteilung von Arzneimitteln ausgestellt wird. Der Hersteller stellt sicher, dass alle Vorgänge zur Herstellung von Arzneimitteln in Übereinstimmung mit den Informationen erfolgen, die im Antrag auf die Erteilung einer Genehmigung für das Inverkehrbringen in der von den zuständigen Behörden gebilligten Form angegeben sind.

Bei Prüfpräparaten stellt der Hersteller sicher, dass alle Herstellungsvorgänge in Übereinstimmung mit den Informationen erfolgen, die der Sponsor in der von den zuständigen Behörden gebilligten Form erteilt.

Bei Arzneimitteln und bei Prüfpräparaten werden alle Beanstandungen eines Mangels verzeichnet und untersucht. Der Hersteller unterrichtet die zuständige Behörde über jeden Mangel, der möglicherweise zu einem Rückruf oder einer Einschränkungen des Vertriebs führt und gibt die Empfängerländer an. Bei den Prüfpräparaten werden ebenfalls die Prüfstellen angegeben.

Bei Prüfpräparaten bringt der Sponsor ein Verfahren zur raschen Entblindung verblindeter Produkte zur Anwendung, wenn dies für eine sofortige Rücknahme erforderlich ist. Der Sponsor stellt sicher, dass die Identität eines verblindeten Produkts nur soweit enthüllt wird, wie dies erforderlich ist.

Schlüsselwörter des Rechtsakts
  • Gute Herstellungspraxis: der Teil der Qualitätssicherung, der gewährleistet, dass Produkte gleichbleibend nach den Qualitätsstandards produziert und geprüft werden, die der vorgesehenen Verwendung entsprechen.
  • Arzneimittel: ein Produkt im Sinne von Artikel 1 Absatz 2 der Richtlinie 2001/83/EG.
  • Prüfpräparat: ein Produkt im Sinne von Artikel 1 Buchstabe d) der Richtlinie 2001/20/EG.
  • Hersteller: alle Personen, die an Tätigkeiten beteiligt sind, für die eine Genehmigung nach Artikel 40 Absätze 1 und 3 der Richtlinie 2001/83/EG oder eine Genehmigung nach Artikel 13 Absatz 1 der Richtlinie 2001/20/EG erforderlich ist.
  • Pharmazeutische Qualitätssicherung: die Gesamtheit aller vorgesehenen Maßnahmen, die getroffen werden, um sicherzustellen, dass die Arzneimittel und/oder Prüfpräparate die für die vorgesehene Verwendung erforderliche Qualität aufweisen.
  • Verblindung: das bewusste Vorenthalten der Information über die Identität eines Prüfpräparats in Übereinstimmung mit den Anweisungen des Sponsors.
  • Entblindung: die Enthüllung der Identität eines verblindeten Präparats.

BEZUG

RechtsaktDatum des Inkrafttretens - Datum des AußerkrafttretensTermin für die Umsetzung in den MitgliedstaatenAmtsblatt
Richtlinie 2003/94/EGZwanzig Tage nach der Veröffentlichung im Amtsblatt (4.11.2003)30.4.2004ABl. L 262 vom 14.10.2003

VERBUNDENE RECHTSAKTE

Verordnung (EG) Nr. 726/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 31. März 2004 zur Festlegung von Gemeinschaftsverfahren für die Genehmigung und Überwachung von Human- und Tierarzneimitteln und zur Einrichtung einer Europäischen Arzneimittel-Agentur [Amtsblatt L 136 vom 30.4.2004].

Richtlinie 2004/27/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 31. März 2004 zur Änderung der Richtlinie 2001/83/EG zur Schaffung eines Gemeinschaftskodexes für Humanarzneimittel [Amtsblatt L 136 vom 30.4.2004].

Richtlinie 2001/83/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 6. November 2001 zur Schaffung eines Gemeinschaftskodexes für Humanarzneimittel [Amtsblatt L 311 vom 28.11.2001].

Richtlinie 2001/20/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 4. April 2001 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Anwendung der guten klinischen Praxis bei der Durchführung von klinischen Prüfungen mit Humanarzneimitteln [Amtsblatt L 121 vom 1.5.2001].

Letzte Änderung: 05.09.2007

Siehe auch

  • Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher - Humanarzneimittel (EN)
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