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Bericht Beschäftigung in Europa 2004"

Der Bericht „Beschäftigung in Europa 2004" zeigt die Herausforderungen auf, denen sich das erweiterte Europa stellen muss, wenn es nachhaltig Beschäftigung schaffen will. Der Bericht beleuchtet die Auswirkungen der Weltwirtschaft und die beschäftigungspolitische Performance der wichtigsten Handelspartner der Europäischen Union (EU) in vergleichender Perspektive. Er stellt die besondere Bedeutung der Schaffung von Arbeitsplätzen im Dienstleistungssektor heraus sowie die Notwendigkeit für den Einzelnen, anpassungsfähiger zu werden. Die Kommission fordert Unternehmen, Arbeitnehmer und Arbeitsmarktinstitutionen auf, die nötigen Anstrengungen zu unternehmen, damit die in Lissabon formulierten ehrgeizigen Ziele bis 2010 realisiert werden können.

RECHTSAKT

Bericht der Kommission Beschäftigung in Europa 2004 - jüngste Entwicklungen und Aussichten [Nicht im Amtsblatt veröffentlicht].

ZUSAMMENFASSUNG

Das Wirtschaftswachstum in der erweiterten Europäischen Union hat sich im Jahr 2003 verlangsamt, während sich das globale Wachstum beschleunigt hat, getrieben von der Entwicklung in den Vereinigten Staaten und in Japan. Entsprechend war das Beschäftigungswachstum im Jahr 2003 in der EU fast gleich null - ganz im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo die Schaffung von Arbeitsplätzen weiter zugenommen hat.

Besonders schwierig ist die Situation in den schwächsten Arbeitsmarktsegmenten, namentlich für den industriellen Sektor, für Jugendliche und Geringqualifizierte. Im Übrigen stellt sich die Beschäftigungslage in den 25 Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich dar. In nahezu der Hälfte der Mitgliedstaaten kam es im Jahr 2003 zu einem Beschäftigungsrückgang, während die übrigen Staaten ein Beschäftigungswachstum von über 1 % zu verzeichnen hatten.

Beschäftigung ist eine zentrale Komponente der Lissabon-Strategie, deren Ziel es ist, mehr und bessere Arbeitsplätze zu schaffen und die Beschäftigung in stärkerem Maße als Instrument zur Förderung von sozialer Integration und sozialem Zusammenhalt zu sehen. Im Rahmen der Beschäftigungsstrategie wurden drei quantitative Ziele - mit einem Zeithorizont bis zum Jahr 2010 - definiert: eine Gesamtbeschäftigungsquote von 70 %, eine Frauenbeschäftigungsquote von 60 % und eine Beschäftigungsquote von 50 % bei den älteren Arbeitskräften. Zwar waren im Jahr 2003 bei der Beschäftigungsquote der Frauen und vor allem auch bei der Beschäftigungsquote der älteren Arbeitskräfte Fortschritte zu verzeichnen, doch liegt die Gesamtbeschäftigungsquote nach wie vor bei 63 %.

Generell ist der Rückstand bei der Verwirklichung der Lissabon-Ziele Ausdruck der strukturellen Arbeitsmarktprobleme in den Mitgliedstaaten. Es müssen tief greifende Reformen auf den Weg gebracht werden, um Frauen, Jugendlichen und älteren Menschen bessere Beschäftigungschancen zu eröffnen. Die Bemühungen um eine Anhebung der Beschäftigungsquoten müssen jedoch Hand in Hand gehen mit einer Steigerung der Produktivität und der Arbeitsplatzqualität.

Determinanten der Beschäftigungsleistung: Arbeitsmarktinstitutionen und aktive Beschäftigungspolitik

Für die Anhebung der Beschäftigungsquote spielt die Öffnung der Wirtschaft eine entscheidende Rolle. Doch können sich in der gegenwärtigen Situation vor allem auch zwei andere Ansätze als sinnvoll erweisen: eine Erhöhung der Ausgaben für aktive Arbeitsmarktpolitik und die Förderung von Teilzeitarbeit. Was die aktive Arbeitsmarktpolitik anbelangt, werden in dem Bericht Maßnahmen zugunsten Jugendlicher und die Optimierung der öffentlichen Arbeitsverwaltung als besonders wirkungsvolle Instrumente genannt. Die positive Beschäftigungswirkung entsprechender Maßnahmen kommt erst recht zum Tragen in Ländern, in denen Arbeitslosenunterstützung und Sozialleistungen im Vergleich zum Arbeitseinkommen eher gering ausfallen.

Hingegen gelangt der Bericht zu dem Schluss, dass sich steuerliche Anreize langfristig nur geringfügig auf das Beschäftigungsniveau auswirken. Die Höhe der Sozialbeiträge scheint nicht spürbar auf die globale Beschäftigungsquote durchzuschlagen, kann allerdings einen nachteiligen Effekt für geringqualifizierte Beschäftigung haben. In der Regel greifen Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik besser dort, wo die Tarifverhandlungen auf zentraler oder auf Branchenebene geführt werden, als in Systemen mit dezentralen Tarifverhandlungen.

Entwicklung der Beschäftigung im Dienstleistungssektor hinkt hinter der Entwicklung in den Vereinigten Staaten hinterher

Eine beträchtliche Beschäftigungslücke klafft zwischen der EU und den Vereinigten Staaten im Dienstleistungssektor, der in den Vereinigten Staaten einen größeren Anteil am Arbeitsmarkt hat. Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede bei der Beschäftigung der Frauen und bei der Beschäftigung der älteren Arbeitskräfte, was darauf schließen lässt, dass im Dienstleistungssektor das Arbeitsplatzschaffungspotenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Erfolgreicher sind die Vereinigten Staaten insbesondere bei der Schaffung von Arbeitsplätzen mit sehr hohen bzw. sehr geringen Qualifikationsanforderungen, wenngleich auch einige EU-Mitgliedstaaten hier mit einer vergleichbaren Dynamik aufwarten können.

Die im Dienstleistungssektor bestehenden beschäftigungsstrukturellen Unterschiede zwischen Europa und den Vereinigten Staaten spiegeln grundlegende Unterschiede in den Verbrauchsmustern und bei der Endnachfrage wider. Aus dem Umstand, dass Frauen und ältere Arbeitskräfte in den Vereinigten Staaten einen leichteren Zugang zur Beschäftigung haben, resultiert eine stärkere Nachfrage nach Dienstleistungen. Dies erklärt die größere Dynamik bei der Schaffung von Arbeitsplätzen in diesem Sektor. Die im Vergleich zu den Vereinigten Staaten geringere Beschäftigungsdynamik findet ihre Erklärung somit weniger in der mangelnden Flexibilität, die so häufig als Hindernis für die Schaffung gering qualifizierter Arbeitsplätze in der EU genannt wird, sondern vielmehr in der Konsumzurückhaltung der Haushalte.

Um das Beschäftigungspotenzial des Dienstleistungssektors besser nutzen zu können, müssen die Mitgliedstaaten für die Entstehung eines echten Dienstleistungsbinnenmarkts sorgen und darüber hinaus die öffentlichen Investitionen neu ausrichten auf die Schaffung von relativ gut bezahlten Arbeitsplätzen mit hoher Produktivität in den Bereichen Sozialdienste, Bildung und Gesundheit.

Bildung und Ausbildung als Weg heraus aus Niedriglohnjobs und prekären Beschäftigungsverhältnissen

Unterschiedliche Arten der Vertragsgestaltung und neue Formen der Personalrekrutierung ermöglichen es den Unternehmen, besser - und in Echtzeit - auf die Nachfrage zu reagieren. Diese Flexibilität birgt jedoch die Gefahr einer geringeren Beschäftigungssicherheit für bestimmte Arbeitnehmer, was sowohl der Produktivität als auch der Arbeitsqualität abträglich sein kann. Zwar ist der Übergang von einer befristeten oder schlecht bezahlten Beschäftigung in eine stabilere und besser bezahlte Beschäftigung in den meisten Fällen möglich, doch ist der Anteil derjenigen, die vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden, bei den prekär Beschäftigten nach wie vor sehr hoch. Zwischen den Mitgliedstaaten bestehen erhebliche Unterschiede, was die Chancen für Arbeitskräfte anbelangt, die aus der Arbeitslosigkeit heraus über eine zunächst prekäre Beschäftigung den Übergang in ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis anstreben.

Frauen, Geringqualifizierte und ältere Arbeitskräfte sind häufiger in befristeten Arbeitsverhältnissen anzutreffen und befinden sich, was Arbeitsentgelt und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten betrifft, in einer weniger günstigen Position. In dem Bericht wird die Auffassung vertreten, dass Qualifizierung und Ausbildung der beste Weg ist, um die eigene Position auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Generell darf Flexibilität nicht zu einer Marginalisierung der vulnerabelsten Arbeitnehmer führen. Die aktive Arbeitsmarktpolitik muss den Einstieg in den Arbeitsmarkt und die berufliche Weiterentwicklung erleichtern - mit Hilfe der öffentlichen Arbeitsverwaltung und durch Aus- und Weiterbildung.

Beschäftigung und Globalisierung

Die europäischen Volkswirtschaften haben von der Integration der Märkte und der beschleunigten Globalisierung profitiert und Wachstum und Beschäftigung steigern können. Auf kurze Sicht dürfte die EU-Erweiterung von 2004 keine signifikanten Auswirkungen auf Löhne und Beschäftigung in der EU haben. Allerdings dürften der technologische Fortschritt und der Produktivitätsanstieg in bestimmten Wirtschaftsbereichen Umstrukturierungen und Unternehmensverlagerungen in größerem Umfang nach sich ziehen. Hier sind Anpassungsmaßnahmen erforderlich, die es freigesetzten Arbeitnehmern ermöglichen, eine neue Beschäftigung zu finden und beruflich weiterzukommen.

Die zwischen den EU-Mitgliedstaaten und ihren internationalen Mitbewerbern in bestimmten Wirtschaftszweigen bestehenden Lohnunterschiede haben nicht zwangsläufig Arbeitsplatzverluste in der EU zur Folge. Politische Strategien, die auf Produktivität und Forschung abstellen, ermöglichen es, dank einer flexiblen und hochqualifizierten Erwerbsbevölkerung Nutzen aus der Globalisierung zu ziehen. Will man Beschäftigungssicherheit für alle gewährleisten, sind Modernisierungsanstrengungen erforderlich zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der EU.

Kontext

Trotz der zur Reform der Arbeitsmärkte bereits unternommenen Anstrengungen bleibt die EU hinter den Beschäftigungszielen zurück, die sie sich in Lissabon gesteckt hat und bis 2010 erreichen will. In dem Bericht wird insbesondere eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligung der Frauen und der älteren Arbeitskräfte empfohlen. Dazu bedarf es vor allem einer dynamischeren Arbeitsplatzschaffung im Dienstleistungssektor. Außerdem sind Verbesserungen in Aus- und Weiterbildung und im Bereich der öffentlichen Arbeitsverwaltung erforderlich, damit ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Flexibilität und Beschäftigungssicherheit gewährleistet werden kann. Die Europäische Beschäftigungsstrategie bietet ein geeignetes Instrumentarium, um nationale beschäftigungspolitische Maßnahmen zu untermauern und die Globalisierung in den Dienst der wirtschaftlichen und sozialen Ziele der EU zu stellen.

VERWANDTE RECHTSAKTE

Bericht der Kommission (2003). Beschäftigung in Europa 2003 [Nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

Bericht der Kommission (2002). Beschäftigung in Europa 2002 [Nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

Bericht der Kommission (2001). Beschäftigung in Europa 2001 [Nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

Bericht der Kommission (2000). Beschäftigung in Europa 2000 [Nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

Letzte Änderung: 08.08.2005

Siehe auch

Weitere Informationen zur Analyse der Beschäftigung in Europa finden Sie auf der Website der Generaldirektion Beschäftigung Soziales und Integration der Europäischen Kommission.

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