RSS
Alphabetischer Index
Diese Seite steht in 11 Sprachen zur Verfügung

We are migrating the content of this website during the first semester of 2014 into the new EUR-Lex web-portal. We apologise if some content is out of date before the migration. We will publish all updates and corrections in the new version of the portal.

Do you have any questions? Contact us.


Modernisierung der öffentlichen Arbeitsverwaltungen

Die Kommission zielt in Hinsicht auf eine bessere Synergie zwischen Nachfrage und Angebot im Beschäftigungsbereich auf die Errichtung einer konzertierte Aktion auf der Ebene der Europäischen Union (EU) zur Förderung der Anpassung der öffentlichen Arbeitsverwaltungen ab.

RECHTSAKT

Mitteilung der Kommission vom 13. November 1998 zum Thema „Die Modernisierung der öffentlichen Arbeitsverwaltungen zur Förderung der europäischen Beschäftigungsstrategie" [KOM(98) 641 endg. - nicht im Amtsblatt veröffentlicht].

ZUSAMMENFASSUNG

Die öffentlichen Arbeitsverwaltungen spielen eine tragende Rolle bei der Umsetzung der Arbeitsmarktpolitik. Mit über 5 000 örtlichen Arbeitsämtern in der gesamten Union und etwa 160 000 Beschäftigten befassen sie sich direkt mit den Belangen von Arbeitgebern und Arbeit Suchenden.

Angesichts der jüngsten Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt ist eine Neudefinition ihrer Rolle und ihrer Prioritäten sowie ihrer Arbeitsweise unerlässlich.

Der institutionelle Rahmen, in dem die öffentlichen Arbeitsverwaltungen operieren, wird weitgehend durch Maßnahmen der jeweiligen Mitgliedstaaten bestimmt. Die Leiter dieser Arbeitsverwaltungen haben jedoch beschlossen, ihre Zusammenarbeit zu intensivieren, ihr Know-how und die gesammelten Erfahrungen auszutauschen, um den Prozess mit Unterstützung der Europäischen Kommission auf europäischer Ebene voranzutreiben.

Die öffentlichen Arbeitsverwaltungen in Europa haben schon immer drei Hauptaufgaben wahrgenommen:

  • Lieferanten von Arbeitsmarktinformationen: Zusammentragung von Auskünften über freie Stellen und potenzielle Stellenbewerber, Bereitstellung von Informationen über Ausbildungs- und Umschulungsmöglichkeiten;
  • Vermittlungstätigkeit: Diese Hauptaufgabe umfasst ein völlig offenes Angebot freier Stellen und die Förderung eines schnellen Abgleichs von Angebot und Nachfrage (die öffentlichen Arbeitsverwaltungen sind anscheinend bei 10 bis 30 % der gesamten Anstellungen beteiligt);
  • Marktanpassung: Aufgrund der engen Einbeziehung der öffentlichen Arbeitsverwaltungen in die Durchführung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen können sie einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage herstellen.

Die wesentliche Bedeutung der öffentlichen Arbeitsverwaltungen wird in den beschäftigungspolitischen Leitlinien seit 1998 sichtbar, die vier prioritäre Aktionsbereiche vorsehen:

  • Vermittelbarkeit: Die öffentlichen Arbeitsverwaltungen spielen hier eine wichtige Rolle, indem sie in Arbeitsuchmethoden und in Fragen des Zugangs zu Schulungsmaßnahmen beraten, sowie durch eine besondere Unterstützung und Beratung bestimmter Gruppen (Menschen mit Behinderungen, ethnische Minderheiten). Die Kommission hat auch die Notwendigkeit betont, die Ausbildung junger Menschen verstärkt zu fördern, damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert werden. Die öffentlichen Arbeitsverwaltungen sind an die Organisation von Lehrstellensystemen beteiligt, sie mobilisieren Lehrstellen und sie vermitteln bei deren Vergabe an junge Arbeitskräfte;
  • Unternehmergeist: Zu den Zielen der öffentlichen Arbeitsverwaltungen gehört die Förderung der selbstständigen Erwerbstätigkeit von Arbeitslosen und von Arbeitnehmern, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Darüber hinaus gehen die öffentlichen Arbeitsverwaltungen Partnerschaften mit anderen öffentlichen und privaten Stellen ein und entwickeln örtliche Strategien zur Schaffung von Arbeitsplätzen, mit denen sie auf neue Bedürfnisse eingehen;
  • Anpassungsfähigkeit: Wenngleich der Umfang der Arbeitslosigkeit die öffentlichen Arbeitsverwaltungen zwingt, sich vorrangig um die Vermittlung der Arbeitslosen zu kümmern, leisten sie weiterhin einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Bewältigung struktureller Veränderungen in Unternehmen (Einbeziehung der öffentlichen Arbeitsverwaltungen in Ausbildungs- und Umschulungsmaßnahmen sowie in Maßnahmen zur Umsetzung von Arbeitnehmern, die durch Umstrukturierungsmaßnahmen vom Verlust ihres Arbeitsplatzes bedroht sind);
  • Chancengleichheit: Die öffentlichen Arbeitsverwaltungen spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, den Anteil der Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Das bedeutet, da die öffentlichen Arbeitsverwaltungen Männer und Frauen nach einer Pause bei der Rückkehr ins Berufsleben unterstützen, und dass sie die Chancengleichheit im Bereich der Beschäftigung bestimmter Kategorien von Arbeitnehmern fördern (behinderte Menschen, ethnische Minderheiten).

Die Leitlinien für den Zeitraum 2005-2008 (integrierte Richtlinie Nr. 19) unterstreichen die Wichtigkeit der Modernisierung und die dauerhafte Stärkung der Beschäftigungsdienste.

In Anbetracht des sich für die Arbeitnehmer (höherer Bildungsgrad, Anstieg des Anteils der Frauen auf dem Arbeitsmarkt, alternde Erwerbsbevölkerung usw.) und auch für die Arbeitgeber (sie benötigen Arbeitnehmer, die mit den ständigen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt Schritt halten können, neue Formen der Arbeitsorganisation) rasant ändernden Gegebenheiten auf dem Arbeitsmarkt müssen sich die öffentlichen Arbeitsmarktverwaltungen aus Gründen der Wirksamkeit anpassen.

Die öffentlichen Arbeitsverwaltungen müssen sich einer Reihe von Herausforderungen stellen:

  • sie müssen ihre Position in Sektoren stärken, die zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten bieten, und zwar insbesondere im Dienstleistungssektor;
  • sie müssen in größerem Umfang auf die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien zurückgreifen;
  • sie müssen die manchmal divergierenden Wünsche von Arbeitgebern und Arbeit Suchenden in Einklang bringen (die systematische Einzelfallbehandlung ist der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit dienlich, kann jedoch der für den Arbeitgeber zu erbringenden Dienstleistung schaden);
  • sie müssen Beziehungen zu anderen Erbringern von Dienstleistungen aufbauen: kommerzielle Stellenvermittlungsdienste gibt es bereits, sie sind jedoch eher ganz bestimmten Marktsegmenten zuzuordnen (Anwerbung von Führungskräften). Die Rolle und die Aufgaben der öffentlichen Arbeitsverwaltungen müssen unbedingt unter Berücksichtigung anderer kommerzieller und nicht kommerzieller Vermittler neu festgelegt werden: eine Möglichkeit wäre die Streichung bestimmter Leistungen durch die öffentlichen Arbeitsverwaltungen, weil andere Anbieter diese besser erbringen können, eine andere wäre das Outsourcing bestimmter Aufgaben;
  • sie müssen Arbeit Suchende vermitteln und Beihilfen verwalten: in fast allen Mitgliedstaaten ist der Wille erkennbar, ein Beihilfesystem einzuführen, das stärkere Beschäftigungsanreize enthalten soll. Zu diesem Zweck muss eine engere Verbindung zwischen der Verwaltung der Arbeitslosenunterstützung und dem Angebot von Dienstleistungen hergestellt werden (Schwierigkeiten können jedoch auf Grund einer möglichen Unvereinbarkeit zwischen der Beihilfeverwaltung und der Verschaffung eines Arbeitsplatzes entstehen);
  • sie sind Träger staatlicher Politik und bieten Dienstleistungen an: die Leitung und Arbeitsweise der öffentlichen Arbeitsverwaltungen werden immer mehr denjenigen von Unternehmen ähnlich. Als Träger der staatlichen Politik werden sie jedoch unter Umständen mit administrativen und bürokratischen Aufgaben belastet. In regelmäßigen Abständen erfolgen Absprachen zwischen den öffentlichen Arbeitsverwaltungen und den Ministerien, die einen Ausgleich zwischen den Interessen der einzelstaatlichen Politik und der Notwendigkeit operativer Unabhängigkeit schaffen;
  • die Zuständigkeiten müssen in angemessener Weise an regionale und lokale Behörden delegiert werden, die immer stärker in den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit eingebunden sind. Dies muss jedoch mit der Beibehaltung eines einheitlichen nationalen Systems für solche Fragen vereinbar sein, die z. B. die Gleichbehandlung oder die Vereinheitlichung des Arbeitslosenversicherungssystems betreffen;
  • sie müssen auf nationaler Ebene Dienstleistungen im europäischen Kontext erbringen: auf Grund der Zunahme der internationalen Arbeitskräftemobilität muss die Verwaltung der nationalen Arbeitsmärkte zunehmend der europäischen Dimension Rechnung tragen. Die Arbeitgeber versuchen, hoch qualifizierte, mehrsprachige Mitarbeiter einzustellen, die in der Lage sind, sich anderen Kulturen und neuen Arbeitsformen anzupassen. Die öffentlichen Arbeitsverwaltungen müssen diesen neuen Anforderungen in Zusammenarbeit mit dem EURES-Netzwerk gerecht werden.

In den meisten öffentlichen Arbeitsverwaltungen ist die Modernisierung in vollem Gange. Dies bewirkt vor allem eine größere Dezentralisation und mehr Spielraum für die öffentlichen Arbeitsverwaltungen, die ihre Ressourcen besser auf die Erfordernisse des örtlichen Arbeitsmarktes abstimmen können. Deutschland, Österreich, Irland, Belgien und Frankreich befinden sich auf dem Weg der Dezentralisation.

Die Monopolstellung der öffentlichen Arbeitsverwaltungen ist in den meisten Mitgliedstaaten bereits Vergangenheit. Beziehungen zu privaten Anbietern werden aufgenommen.

Die europäische Beschäftigungsstrategie (EBS) hat die Förderung des Modernisierungsprozesses bewirkt. Die öffentlichen Arbeitsverwaltungen sind ein wichtiges Instrument für die Umsetzung der Leitlinien. Die einzelstaatlichen Aktionspläne stellen die öffentlichen Arbeitsverwaltungen in den Mittelpunkt der Bereitstellung solcher Dienstleistungen.

Zur Verbesserung der Wirksamkeit der öffentlichen Arbeitsverwaltungen sieht die europäische Strategie ein abgestimmtes Vorgehen vor, das die Erfüllung folgender Voraussetzungen bewirkt:

  • Förderung des Zugangs zu offenen Stellen, mittels verschiedener Vermittlungsverfahren und Beratungsformen bei der Stellensuche. Dies setzt den Aufbau guter Beziehungen zu Arbeitgebern voraus. Außerdem muss die Entwicklung bei den öffentlichen Arbeitsverwaltungen allmählich in Richtung Dienstleistungsunternehmen gehen (Aktualisierung der Dienstleistungspakete, Entwicklung spezieller „Schalter" für einzelne Unternehmen und Sektoren, Verbesserung des Images, Nutzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien usw.);
  • Sicherstellung der systematischen Bearbeitung von Einzelfällen. Dazu gehört eine sorgfältige Untersuchung der individuellen Bedürfnisse und eine enge Begleitung arbeitsloser Arbeit Suchender, solange sie als solche gemeldet sind (regelmäßige Gespräche, auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Aktionspläne);
  • Beitrag zur Koordinierung des gesamten Dienstleistungsangebots für Arbeit Suchende, d. h. Koordinierung der Beratung, der Vermittlung, der Informationen und des Einkommensersatzes;
  • Nutzung von Synergien zwischen öffentlichen Arbeitsverwaltungen und anderen wichtigen Akteuren durch die Vernetzung mit regionalen/lokalen Stellen, Sozialpartnern, Berufsbildungseinrichtungen und Einrichtungen, die Arbeitslosen helfen;
  • Einsatz der öffentlichen Arbeitsverwaltungen zur Förderung der grenzüberschreitenden Mobilität der Arbeitskräfte und zum Abbau von Hindernissen für die Freizügigkeit der Arbeitnehmer innerhalb der Europäischen Union.

Damit die Modernisierung der öffentlichen Arbeitsverwaltungen zum Erfolg führt, sind abgestimmte Maßnahmen auf allen Ebenen erforderlich:

  • die öffentlichen Arbeitsverwaltungen müssen wirksamere Methoden und Verfahren entwickeln, und die im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit gebotenen Chancen in vollem Umfang nutzen;
  • die Mitgliedstaaten müssen im Rahmen der Durchführung ihrer Beschäftigungsstrategie die Modernisierung der öffentlichen Arbeitsverwaltungen und ihre Weiterentwicklung fördern (angemessenes Personal, gesamte Umstrukturierung der Ausgaben, Dezentralisierung usw.);
  • die Sozialpartner waren in den meisten Mitgliedstaaten über Jahre hinweg (in unterschiedlichem Maße) an der Verwaltung der öffentlichen Arbeitsverwaltungen beteiligt. Sie spielen eine wesentliche Rolle bei der Verbesserung der Anpassungsfähigkeit von Unternehmen und Arbeitnehmern;
  • die Europäische Union hat eine Reihe von Instrumenten und Programmen zur Ergänzung der auf nationaler Ebene eingeleiteten Maßnahmen eingeführt (EURES, Europäischer Sozialfonds, Unterstützung der Zusammenarbeit der öffentlichen Arbeitsverwaltungen in Europa durch die Kommission).
Letzte Änderung: 20.06.2005
Rechtlicher Hinweis | Über diese Website | Suche | Kontakt | Seitenanfang