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Biowissenschaften und Biotechnologie

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Biowissenschaften und Biotechnologie Ziel ist es, die EU bei der Beherrschung der Biowissenschaften und Biotechnologie in zahlreichen Bereichen, wie z. B. im Gesundheitswesen, in der Landwirtschaft, in der Lebensmittelproduktion, bei den industriellen Anwendungen sowie im Umweltschutz zu unterstützen, um nachhaltige wissensbasierte Volkswirtschaften zu schaffen. Diese Zielsetzung liegt den verschiedenen in den vergangenen Jahren von der Europäischen Kommission angenommenen einschlägigen Dokumenten zugrunde. Biowissenschaften und Biotechnologie sind gleichermaßen eine Herausforderung wie eine Chance. Sie bergen ein Potenzial, das Europa nutzen muss. Zur Erschließung dieses Potenzials hat die Kommission eine europäische Strategie formuliert. In der Mitteilung wird der Rahmen der Strategie abgesteckt (Konzept, Herausforderungen, geplante Maßnahmen, ethische Aspekte usw.).

RECHTSAKT

Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: „Biowissenschaften und Biotechnologie - Eine Strategie für Europa" [KOM(2002) 27 endg. - Amtsblatt C 55 vom 2.3.2002].

ZUSAMMENFASSUNG

Die Biotechnologie ist ein Verfahren, bei dem durch genetische Veränderung biologische Moleküle oder transgenetische Organismen für Anwendungen in Industrie, Landwirtschaft, Pharmazie, Chemie usw. erzeugt werden.

Die Biowissenschaften werfen wichtige politische und gesellschaftliche Fragen auf und haben eine breite öffentliche Debatte ausgelöst. Derzeit vollzieht sich eine Revolution in den zugrunde liegenden Kenntnissen der Biotechnologie, die neue Anwendungsmöglichkeiten in Gesundheitswesen, Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Umweltschutz eröffnet.

Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt in den Bereichen Biowissenschaften und Biotechnologie vollzieht sich mit atemberaubender Geschwindigkeit. Vor diesem Hintergrund schlägt die Europäische Kommission eine Strategie (EN) (FR) für Europa vor, die darauf abzielt, nachhaltige und verantwortungsbewusste politische Konzepte für folgende drei Fragenkomplexe zu entwickeln:

  • Biowissenschaften und Biotechnologie bieten die Chance, zahlreiche globale Probleme im Zusammenhang mit Gesundheit, Alter, Ernährung, Umwelt sowie einer nachhaltigen Entwicklung in den Griff zu bekommen.
  • Ein breiter Rückhalt in der Öffentlichkeit ist entscheidend, und die ethischen und gesellschaftlichen Aspekte und Bedenken müssen ernst genommen werden.
  • Wissenschaftliche und technologische Revolution sind eine globale Realität, die neue Chancen und Herausforderungen für alle Länder der Welt schafft.

Die vorliegende Mitteilung umfasst zwei Teile:

  • Orientirungen allgemeiner politischer Art und
  • einen aus 30 Punkten bestehenden Aktionsplan.

Mit der Formulierung der Strategie wird dem vom Europäischen Rat bekundeten Interesse an den Biowissenschaften Rechnung getragen. In der Mitteilung wird ein umfassender „Fahrplan" bis 2010 festgelegt. Dabei wird der Sektor an der Spitze der wegweisenden Technologien gesehen, die die Europäische Union der Realisierung ihrer in Lissabon festgelegten Ziele näher bringen können.

Das Potenzial von Biowissenschaften und Biotechnologie

Biowissenschaften und Biotechnologie gelten allgemein als einer der Bereiche, der die vielversprechendsten Spitzentechnologien für die nächsten Jahrzehnte zu bieten hat.

Im Gesundheitswesen erlaubt die Biotechnologie bereits heute eine sicherere und ethisch eher vertretbare Entwicklung von immer mehr Medikamenten und medizinischen Diensten. So bietet die Stammzellenforschung Aussicht auf Ersatzgewebe und -organe zur Behandlung degenerativer Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson usw.

Auf dem Ernährungssektor ermöglicht die Biotechnologie eine Verbesserung der Qualität von Lebens- und Futtermitteln und trägt somit zur Krankheitsvorsorge und zur Verringerung von Gesundheitsrisiken bei. Der Genomforschung bei Pflanzen kommt eine Schlüsselrolle zu. Die Anbaufläche für genetisch veränderte Kulturpflanzen (GVO) hat sich weltweit nahezu verdoppelt.

Die Biotechnologie bietet auch Möglichkeiten einer besseren Verwertung von nicht für die Lebensmittelherstellung genutzten Kulturpflanzen als Rohstoffe für die verarbeitende Industrie, und zwar für den Energiesektor und die pharmazeutische Industrie. Derzeit in der Entwicklung sind vor allem modifizierte Kohlehydrate, Öle, Fette, Proteine und Faserstoffe. Parallel dazu könnte Biomasse - mit festen und flüssigen biologischen Brennstoffen wie Biodiesel und Bioethanol - zur alternativen Energieerzeugung beitragen.

Die Biotechnologie bietet neue Wege zum Schutz und zur Verbesserung der Umwelt, insbesondere in den Bereichen Luft, Boden, Wasser und Abfall. Die Forschung ist auf die Entwicklung saubererer Industrieprodukte und -prozesse sowie auf eine nachhaltigere Landwirtschaft gerichtet.

Im Rahmen der überarbeiteten Lissabon-Strategie scheint dem Bereich Biowissenschaften und Biotechnologie eine wichtige Rolle zugedacht zu sein. Dem jüngsten Fortschrittsbericht zufolge könnte der Sektor in den kommenden Jahrzehnten

  • Europas Position auf dem weltweiten Hochtechnologiemarkt stärken;
  • eine führende Rolle in Wissenschaft, Industrie und Beschäftigung übernehmen;
  • den Wohlstand steigern durch Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen;
  • zur Modernisierung der industriellen Basis Europas beitragen.

Die Nutzung des Potenzials

Im Rahmen der europäischen Strategie zur Förderung von Biowissenschaften und Biotechnologie wurden mehrere strategische Prioritäten definiert:

  • Aufbau einer Wissenswirtschaft durch verstärkte Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in allgemeine und berufliche Bildung;
  • Umsetzung des Wissens in konkrete wissenschaftliche und technologische Anwendungen (neue Produkte, Prozesse und Dienstleistungen);
  • Stärkung der „Governance" bei der Ausarbeitung und Umsetzung politischer Konzepte;
  • Stärkung der internationalen Dimension Europas;
  • Förderung von Dialog, Kohärenz und Zusammenarbeit bei der Umsetzung unmittelbar anstehender wie auch künftiger Maßnahmen.

Die Wettbewerbsfähigkeit Europas sollte in drei Schwerpunktbereichen verbessert werden:

  • Aufstockung der Ressourcen. Hauptaugenmerk sollte auf verstärkte Bildungsanstrengungen im Bereich Biowissenschaften gelegt werden (lebenslanges Lernen für Wissenschaftler, allgemeine Sensibilisierung der Öffentlichkeit usw.). Umfassende, aktuelle und frei zugängliche Daten der Bioinformatik bilden die Grundlage für Fortschritte in der Biotechnologie.
  • Vernetzung der verschiedenen Gruppen im Biotechnologiesektor in Europa. Es gilt, den Zugang zu Kenntnissen, Qualifikationen und bewährten Verfahren zu erleichtern und eine große Gemeinschaft von Akteuren und Einrichtungen der Biotechnologie zu schaffen.
  • Proaktive Rolle der Behörden. Das Ziel besteht darin, sich abzeichnende Fragen frühzeitig zu erkennen und politische Konzepte vorausschauend anzupassen.

Die Biotechnologie ist auf die Lösung spezifischer Probleme gerichtet. In der vorliegenden Mitteilung wird der Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie besondere Aufmerksamkeit geschenkt, wobei auf die Verbesserung des Potenzials für die Schaffung kleiner und mittlerer - auf Forschung und Unternehmergeist gegründeter - Betriebe (KMU) verwiesen wird. Die neuen wissensbasierten Industriezweige eröffnen neue Möglichkeiten für eine Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit, für technologische Innovationen, für neue Investitionen und für die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Ethische und gesellschaftliche Aspekte

Die Entwicklung und Nutzung der Biowissenschaften und der Biotechnologie werfen grundlegende ethische Fragen wie etwa die Bestimmung und die Natur des Menschen oder die Nutzung und die Kontrolle genetischer Informationen auf.

Biowissenschaften und Biotechnologien haben in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit erregt und eine intensive Debatte ausgelöst. Diese Debatte sollte integrativ, umfassend, fundiert und strukturiert ablaufen, um eine bessere Information und gegenseitiges Verständnis zu erreichen. Es ist daher von großer Bedeutung, Information und Dialog zu fördern, um der Öffentlichkeit und den Interessenvertretern zu helfen, diese komplexen Fragen besser zu verstehen. Außerdem gilt es, Verfahren und Kriterien für die Abwägung von Nutzen und Nachteilen bzw. Risiken zu erarbeiten.

Behörden, Wirtschaftsakteure und Wissenschaftler sollten sich in internationaler Zusammenarbeit aktiv darum bemühen, relevante Fakten darzustellen und das Verständnis von Schlüsselproblemen zu erleichtern.

Geplante Maßnahmen: Aktionsplan

Ziel des Aktionsplans ist die Festlegung eines kohärenten politischen Rahmens, um die Schaffung günstiger Bedingungen für die Entwicklung der Biotechnologie in Europa sowie die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten und den privaten Akteuren zu fördern. Es geht um vier unterschiedliche Arten von Maßnahmen:

  • Maßnahmen zur Unterstützung der Forschung, zur Schaffung eines europäischen Systems zum Schutz der Rechte an geistigem Eigentum usw.;
  • Maßnahmen zur Einleitung eines Dialogs über ethische, rechtliche und soziale Aspekte;
  • Maßnahmen im Bereich der internationalen Zusammenarbeit, insbesondere mit den Entwicklungsländern;
  • Maßnahmen zur Erarbeitung einer europäischen Politik im Bereich der Biotechnologie.

Fortschrittsberichte und Leitlinien für die Zukunft

Die Kommission berichtet regelmäßig über den Stand der Umsetzung der Strategie. Seit 2002 hat sie drei Fortschrittsberichte vorgelegt. Darin zeigt sie auf, welche Fortschritte gemacht wurden und in welchen Bereichen gegebenenfalls Verzögerungen festzustellen sind. In den drei Berichten wird dargelegt, welche Ergebnisse auf der Ebene der Ausarbeitung politischer Konzepte erzielt wurden und was in der Praxis erreicht wurde. Darüber hinaus wird auf neue Fragestellungen eingegangen. Soweit möglich, werden auch die Elemente des „Fahrplans" einbezogen.

Mit Blick auf die Halbzeitüberprüfung der Strategie (Frühjahrstagung 2007 des Europäischen Rates) hat die Europäische Kommission eine eingehende Bewertung der seit 2002 erzielten Fortschritte vorgenommen und allgemeine Überlegungen zur Rolle der Biowissenschaften und der Biotechnologie in der europäischen Gesellschaft angestellt. Die beiden Initiativen stützen sich insbesondere auf

  • eine öffentliche Konsultation;
  • eine von der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) durchgeführte unabhängige Studie;
  • einen Bericht über die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie und der europäischen Forschung im Bereich Biotechnologie.

Hintergrund

Die EU verfügt im Bereich Biotechnologie über ein bedeutendes Forschungspotential. Die Gesellschaft sollte die zu erwartenden Vorteile in Form von Wirtschaftswachstum und Schaffung von Arbeitsplätzen nutzen. Das 5. und das 6. Rahmenprogramm sind in dieser Hinsicht ein Arbeitsinstrument für Forscher, Unternehmer, Industrielle und Finanzfachleute. Außerdem sind Biowissenschaften und Biotechnologie eine globale Realität. Ihnen kommt bei der Schaffung dynamischer und innovativer wissensbasierter Volkswirtschaften eine große Bedeutung zu. Und schließlich beruht der Erfolg einer wissensbasierten Wirtschaft auf der Schaffung, Verbreitung und Anwendung neuer Kenntnisse. Die Investitionen der Europäer in Forschung und Entwicklung liegen jedoch hinter denen der USA zurück. Die Kommission strebt an, Europa wieder eine führende Rolle im Bereich Biowissenschaften und Biotechnologie zu verschaffen. Im i23012 6. Forschungsprogramm (2002-2006) wird vorgeschlagen, diesem Bereich Priorität einzuräumen und - in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten - eine solide Plattform für den Aufbau eines Europäischen Forschungsraums zu errichten.

VERBUNDENE RECHTSAKTE

Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zur Halbzeitüberprüfung der Strategie für Biowissenschaften und Biotechnologie [KOM(2007) 175 endg. - nicht im Amtsblatt veröffentlicht]
In diesem Papier unterstreicht die Kommission die Wirksamkeit ihrer bis 2011 vorgesehenen Strategie für Biowissenschaften und Biotechnologie.

Während des Untersuchungszeitraums (2002-2006) stellte sie folgende wichtige Ergebnisse fest:

  • regionale Integration der Projektgruppen;
  • Anregungen für die nationalen Maßnahmenpläne;
  • Annahme eines neues Rechtsrahmens für GVO.

In Bezug auf die Förderung und Entwicklung von Innovationen im Bereich der Biotechnologie ist dagegen eine eher mäßige Bilanz zu ziehen. In diesem Wirtschaftszweig werden die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) noch immer durch den fehlenden Gemeinschaftsrahmen (Patente), geringe Investitionen und die mangelnde Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen und Finanzsektor beeinträchtigt.

Die Kommission nennt fünf vorrangige Maßnahmen, auf die sich diese Strategie konzentrieren sollte:

  • Förderung der Forschung und Marktentwicklung für biowissenschaftliche und biotechnologische Anwendungen;
  • Förderung von Wettbewerbsfähigkeit, Wissenstransfer und Innovationen von der Wissenschaftsbasis bis zur Industrie;
  • Anregung der gesellschaftlichen Debatte über Nutzen und Risiken von Biowissenschaften und Biotechnologie;
  • verbesserte Anwendung und Wettbewerbswirkung von Rechtsvorschriften;
  • Gewährleistung eines nachhaltigen Beitrags der modernen Biotechnologie zur Landwirtschaft.

In dem Papier werden darüber hinaus eine Reihe von neuen Anwendungen der Biowissenschaften und Biotechnologie und deren Rolle in Bereichen wie Industrie, Wirtschaft, Umwelt oder Gesundheitswesen beschrieben.

Bericht der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Ausschuss der Regionen und den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss vom 29. Juni 2005: „Biowissenschaften und Biotechnologie - eine Strategie für Europa. Dritter Fortschrittsbericht und Leitlinien für die Zukunft" [KOM(2005) 286 endg. - nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

Bericht der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat und den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss vom 7. April 2004: „Biowissenschaften und Biotechnologie: eine Strategie für Europa. Zweiter Fortschrittsbericht und Orientierungen für die Zukunft" [KOM(2004) 250 endg. - nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat und den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss vom 5. März 2003: „Biowissenschaften und Biotechnologie: eine Strategie für Europa. Fortschrittsbericht und künftige Ausrichtung" [KOM(2003) 96 endg. - nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

Mitteilung der Kommission vom 4. Dezember 2001 an den Rat, das Europäische Parlament, den Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen vom 4. Dezember 2001: „Aktionsplan -Wissenschaft und Gesellschaft" [KOM(2001) 714 endg. - nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

Mitteilung der Kommission vom 4. September 2001 „Eine strategische Vision für Biowissenschaften und Biotechnologie: Konsultationspapier", KOM(2001) 454 endg. - nicht im Amtsblatt veröffentlicht].

Letzte Änderung: 04.03.2008
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