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Bekämpfung des Lohngefälles zwischen Frauen und Männern

Das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern ist in der Europäischen Union weiterhin eine gegebene Tatsache. Größtenteils ist es nicht auf objektive Kriterien zurückzuführen. In einem Europa, das modern und wettbewerbsfähig sein will und großen demografischen Veränderungen gegenübersteht (die mit einer voraussehbaren Abnahme der aktiven Erwerbsbevölkerung einhergeht), stellt die Bekämpfung des Lohngefälles mehr als ein Symbol dar, sie ist vielmehr eine der größten Herausforderungen. Daher hat die Kommission nach Analyse der Ursachen eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um diese Ungleichheit zu bekämpfen und ruft alle beteiligten Parteien dazu auf, hieran mitzuwirken.

RECHTSAKT

Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen vom 18. Juli 2007 - Bekämpfung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles [KOM(2007) 424 endg. - nicht im Amtsblatt veröffentlicht].

ZUSAMMENFASSUNG

Der Grundsatz der Lohngleichheit zwischen männlichen und weiblichen Arbeitnehmern wurde bereits 1957 im Vertrag von Rom verankert. Artikel 157 des EU-Vertrags sieht vor, dass die Mitgliedstaaten die Anwendung des Grundsatzes der gleichen Entlohnung für gleiche oder gleichwertige Arbeit sicherstellen müssen. Darüber hinaus ist die Verringerung des Lohngefälles eines der Ziele der europäischen Strategie für Wachstum und Beschäftigung.

In der Praxis ist die Situation jedoch weiterhin schwierig. Im Fahrplan für die Gleichstellung von Frauen und Männern, wird festgestellt, dass sich das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern trotz aller durchgeführten Maßnahmen und der hierzu bereitgestellten Mittel in den letzten zehn Jahren nahezu nicht verringert hat. Den offiziellen Zahlen zufolge verdienten die Frauen in der Europäischen Union im Jahr 2005 durchschnittlich 15 % weniger als die Männer, womit sich das Lohngefälle im Vergleich zu 1995 nur um 2 Prozent verbessert hat. Diese Veränderung ist angesichts des beachtlichen Anstiegs der Frauenerwerbstätigkeit eher vernachlässigbar.

Das Gefälle ist größtenteils nicht auf objektive Kriterien zurückzuführen. Die Schulerfolgsquote von Frauen liegt in allen Mitgliedstaaten über denen der Männer, und sie stellen die Mehrheit der Hochschulabsolventen. Es ist daher unverständlich, warum sie auf dem Arbeitsmarkt keine besseren Bedingungen vorfinden und ihr Produktionspotenzial nicht besser genutzt wird.

Allerdings überschreitet die Bekämpfung des Lohngefälles zwischen Frauen und Männern in vielen Bereichen die Zuständigkeiten der Kommission. Daher bedarf es einer Mobilisierung aller beteiligten Akteure, insbesondere der Mitgliedstaaten und der Sozialpartner, die in diesem Bereich die Hauptentscheidungs- und Handlungsmacht haben.

Ein komplexes und dauerhaftes Phänomen

Das Lohngefälle ist ein komplexes Problem. Die Ursachen hierfür sind sehr vielschichtig. Es kann bedingt sein durch objektive Faktoren wie Unterschiede zwischen:

  • einzelnen Personen (Alter, Bildungsniveau, Berufserfahrung);
  • den Beschäftigungstypen (Beruf, Arbeitsvertrag oder Arbeitsbedingungen);
  • den Unternehmen (Branche, Unternehmensgröße).

Das Lohngefälle ist aber auch durch erwiesene Diskriminierung begründet, durch Fälle, in denen Frauen für gleiche Arbeit weniger Lohn erhalten als ein männlicher Kollege.

Durch Diskriminierung und objektive Unterschiede allein lässt sich das fortbestehende Lohngefälle jedoch nicht erklären.

Andererseits kann das Lohngefälle auch Benachteiligungen widerspiegeln, die hauptsächlich erwerbstätige Frauen auf dem Arbeitsmarkt betreffen. Darunter fallen:

  • Die geschlechtsspezifische Segregation auf dem Arbeitsmarkt. Die vertikale Segregation des Arbeitsmarktes. Frauen sind überwiegend auf geringer bezahlten Arbeitsplätzen beschäftigt und stoßen auf größere Schwierigkeiten bei der beruflichen Beförderung (lediglich ein Drittel der Führungspositionen in den Unternehmen der EU sind mit Frauen besetzt)
  • Traditionen und Stereotype: hierzu zählen insbesondere jene, die die Auswahl von Ausbildungswegen und die Bewertung und Einstufung von Berufen, aber auch die Teilnahme am Erwerbsleben beeinflussen
  • Die Schwierigkeit, Berufs- und Privatleben miteinander zu vereinbaren, was häufig dazu führt, das Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen oder ihre Erwerbstätigkeit mehrmals unterbrechen. Beides wirkt sich negativ auf die berufliche Karriere aus.

Die Statistiken zeigen, dass das Lohngefälle mit dem Alter, dem Ausbildungsniveau und der Anzahl der Berufsjahre zunimmt: In der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen liegen die Lohnunterschiede bei 30 % (gegenüber 7 % bei den unter 30-Jährigen), bei den Hochschulabgängern betragen sie mehr als 30 %, während sie bei Arbeitnehmern, welche die Sekundarstufe I beendet haben, nur 13 % ausmachen. Bei Arbeitnehmern mit über 30 Jahren Betriebszugehörigkeit in einem Unternehmen kann der Unterschied 32 % erreichen, während er sich bei Beschäftigten mit bis zu fünf Jahren Betriebszugehörigkeit auf 22 % beschränkt.

Die Bekämpfung der Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern

Die Kommission versucht auf folgendem Weg wirksam zu einer Verringerung des Lohngefälles zwischen Frauen und Männern beizutragen:

  • Sie drängt auf eine bessere Anwendung der bestehenden Gesetzgebung, begleitet von Sensibilisierungsmaßnahmen
  • Sie nutzt die Europäische Strategie für Wachstum und Beschäftigung voll aus, indem sie insbesondere in verschiedenster Form finanzielle Unterstützung durch die Gemeinschaft leistet (Strukturfonds)
  • Sie wirbt für die Gleichheit des Arbeitsentgelt bei den Arbeitgebern und mahnt vor allem ihre soziale Verantwortung an.
  • Sie unterstützt den Austausch von bewährten Verfahren innerhalb der Gemeinschaft und bezieht auch die Sozialpartner in diese Aufgabe ein.

Hintergrund

Die Beseitigung des Lohngefälles zwischen Frauen und Männern ist eines der zentralen Themen der europäischen Politik im Bereich der Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern. Es findet in den meisten gemeinschaftsweiten Maßnahmen Berücksichtigung:

  • im Fahrplan für die Gleichstellung von Frauen und Männern ((2006-2010);
  • in der Europäischen Strategie für Wachstum und Beschäftigung;
  • im Europäischen Pakt für die Gleichstellung der Geschlechter;
  • in den Strukturfonds;
  • in den seit 2004 regelmäßig von der Kommission veröffentlichten Jahresberichten.
Schlüsselwörter des Rechtsakts
  • Lohngefälle: Das Lohngefälle misst den relativen Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen von Frauen und Männern in der gesamten Volkswirtschaft. Es handelt sich dabei um einen der Strukturindikatoren für die Überwachung der europäischen Strategie für Wachstum und Beschäftigung.
Letzte Änderung: 23.05.2011
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