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Plan für den Beitrag der Gemeinschaft zur Dopingbekämpfung

Im Licht der Ergebnisse der Analyse der Ursachen der starken Zunahme des Dopings erläutert die Europäische Kommission die von ihr durchgeführten und geplanten Maßnahmen, durch die sie den Aufforderungen der anderen Gemeinschaftsinstitutionen im Bereich der Dopingbekämpfung nachkommen will. Sie sondiert insbesondere, wie die Gemeinschaftsinstrumente zur Dopingbekämpfung im Sport (Forschung, allgemeine und berufliche Bildung, Jugend, Zusammenarbeit von Polizei und Justiz, öffentliche Gesundheit) mobilisiert und die bereits getroffenen Legislativmaßnahmen besser koordiniert werden können. Ferner legt sie die Leitlinien für eine eventuelle Beteiligung der EU an der Welt-Antidoping-Agentur fest.

RECHTSAKT

Mitteilung der Kommission an den Ministerrat, das Europäische Parlament, den Wirtschafts- und Sozialausschuss sowie den Ausschuss der Regionen - Plan für den Beitrag der Gemeinschaft zur Dopingbekämpfung [KOM(99) 643 endg. - Nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

ZUSAMMENFASSUNG

Das Vorgehen der Kommission bei der Dopingbekämpfung im Sport orientiert sich an folgenden drei Schwerpunkten:

  • Einholung von Sachverständigenmeinungen über die ethische, rechtliche und wissenschaftliche Tragweite des Dopings. Zu diesem Zweck hat die Kommission die Europäische Gruppe für Ethik um Stellungnahme ersucht;
  • Beitrag zur Veranstaltung der Weltdopingkonferenz im Jahr 1999 und Zusammenarbeit mit der olympischen Bewegung bei der Einrichtung der Welt-Antidoping-Agentur (diese ist am 10. November 1999 gegründet worden);
  • Mobilisierung der Gemeinschaftsinstrumente mit dem Ziel, die bereits von den Mitgliedstaaten durchgeführten Maßnahmen zu ergänzen und ihnen eine gemeinschaftliche Dimension zu verleihen. Dabei sollen die wachsende Mobilität im europäischen Sport und die von der Dopingbekämpfung betroffenen Zuständigkeitsbereiche der Gemeinschaft berücksichtigt werden.

Vorrang der Ethik, stärkerer Schutz der Gesundheit der Sportler

Die Kommission verpflichtet sich, bei ihren künftigen Überlegungen und Maßnahmen die Vorgaben der Europäischen Gruppe für Ethik (EGE) (EN) (FR) zu berücksichtigen. Diese Gruppe hat folgende ethische Grundsätze für alle Gemeinschaftsmaßnahmen bekräftigt:

  • das Recht aller auf Sicherheit und Gesundheit - für Sportler ebenso wie für andere Bürger;
  • den Grundsatz der Integrität und Transparenz, nach dem die Vorschriftsmäßigkeit von Sportwettkämpfen gewährleistet und das Image des Sports im allgemeinen gewahrt werden muss;
  • die besondere Beachtung der am meisten gefährdeten Personenkreise, insbesondere der Kinder, die vom Hochleistungssport betroffen sein können.

Auf der Grundlage dieser ethischen Grundsätze hat die EGE u. a. folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Aufbau eines wirksamen Systems zur Kontrolle der Gesundheit von Sportlern durch die Einrichtung eines spezialisierten medizinisch-psychologischen Informationsdienstes zur Unterstützung der Sportler;
  • Verabschiedung einer Richtlinie über den Schutz junger Sportler, insbesondere derer, die Profisportler werden möchten;
  • Verabschiedung spezieller Vorschriften zum Schutz der Sportler als Berufstätige, die besonderen Risiken ausgesetzt sind;
  • Förderung der epidemiologischen Forschung im Bereich der Gesundheit von Sportlern;
  • Veranstaltung von Konferenzen zum Thema Doping und Gesundheit von Sportlern in Zusammenarbeit mit der Sportbewegung;
  • Sensibilisierung der Bildungsfachleute für die Problematik der sportlichen Ethik;
  • verstärkte Zusammenarbeit zwischen Polizei und Justiz;
  • Aufnahme von Dopingklauseln und Dopingverboten in die Verträge der Sportler;
  • gemeinsame Erklärung, die einem Verhaltenskodex im Sport gleichkommt und im Anschluss an eine europäische Konferenz über Doping im Sport angenommen werden soll.

Die Welt-Antidoping-Agentur: Aufbau einer neuen Partnerschaft?

Die eventuelle Beteiligung an der Welt-Antidoping-Agentur (EN) (FR) bildet den zweiten Schwerpunkt der Gemeinschaftsaktion.

Die Welt-Antidoping-Agentur (WADA) wurde am 10. November 1999 in Lausanne gegründet und hat ihren Sitz in Montreal. Sie soll die weltweite Dopingbekämpfung unterstützen und koordinieren. In ihr vertreten sind die olympische Bewegung, öffentliche Einrichtungen, internationale Regierungsorganisationen und die Privatwirtschaft.

Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben sich aktiv an ihrer Einrichtung im Jahr 1999 beteiligt und zwar sowohl in politischer als auch in finanzieller Hinsicht.

Mehrere der Aufgaben, die der Agentur übertragen wurden, liegen im Zuständigkeitsbereich der Gemeinschaft; daher bestand seinerzeit ein offenkundiges Interesse der Gemeinschaft, bei der Einrichtung der Agentur einbezogen zu werden.

Diese Agentur bildet den Rahmen für eine neue Partnerschaft zwischen der olympischen Bewegung und den Behörden. Die Europäische Union hat von Anfang an versucht, bei der Funktionsweise der Agentur dafür zu sorgen, dass der Grundsatz der Unabhängigkeit und Transparenz gewahrt wird. Die Vertreter der Mitgliedstaaten, der Kommission und des Europarates waren sich bei den Vorbereitungsarbeiten für die Einrichtung der Agentur darüber einig, dass diese Grundsätze gewahrt werden müssen und dass sichergestellt sein muss, dass die beiden Parteien in der Agentur paritätisch vertreten sind und wichtige Entscheidungen im Konsens getroffen werden.

Auf der Grundlage dieser Vereinbarungen hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) (EN) (FR) die Europäische Gemeinschaft aufgefordert, sich an der Einrichtung der Agentur zu beteiligen. Das IOC wollte, dass diese am 10. November 1999 eingerichtete Agentur bis zu den Olympischen Spielen von Sydney im September 2000 voll funktionsfähig war.

Bei einer Zusammenkunft am 2. November 1999 haben sich das IOC und die Europäische Union über den Entwurf der Statuten der Agentur geeinigt, wobei jedoch folgende ergänzende Anmerkungen gemacht wurden:

  • Im Wortlaut muss die entscheidende Bedeutung eines politischen und moralischen Engagements aller betroffenen Parteien für die Tätigkeit der Agentur zum Ausdruck kommen;
  • Aufgabe der Agentur sollte es sein, die Liste der verbotenen Substanzen anzunehmen und zu ändern, wobei die Liste der medizinischen Kommission des IOC zugrunde zu legen ist;
  • die Agentur sollte für die Akkreditierung der Kontroll-Labors und die Harmonisierung der Kontrollverfahren zuständig sein;
  • die Agentur sollte die Kontrollen außerhalb der Wettkämpfe in enger Zusammenarbeit mit den internationalen Sportverbänden und den zuständigen Behörden organisieren und koordinieren;
  • die staatlichen Organisationen und die Sportorganisationen sollten im Stiftungsrat, der frei von äußeren Einflüssen wäre, z. B. in Form von unberechtigten kommerziellen Interessen, paritätisch vertreten sein;
  • wichtige Entscheidungen sollten auf Konsensbasis getroffen werden.

Auf der Grundlage dieser Vereinbarung mit den Vertretern der Europäischen Union und des Europarats hat das IOC die Satzung der Agentur hinsichtlich der Gründung des Stiftungsrats hinterlegt.

Während dieser Übergangsphase bis zum 1. Januar 2002 war die Europäische Union durch zwei Vertreter ad personam im Stiftungsrat vertreten. Die Kommission nahm als Beobachterin teil.

Obgleich der Rat einen Gemeinschaftsbeitrag zur Finanzierung des Verwaltungshaushalts der Welt-Antidoping-Agentur ab 2002 vorgesehen hatte, teilte die Kommission im Dezember 2001 mit, dass die EU sich nicht mehr an der künftigen Verwaltung und Finanzierung der WADA beteiligen werde, da die rechtlichen und politischen Vorbedingungen nicht gewahrt seien.

Derzeit beschränkt sich die EU darauf, die Arbeiten der Agentur zu unterstützen, wobei sie eine aktive Beteiligung in der Zukunft nicht ausschließt.

Es ist indessen darauf hinzuweisen, dass die 25 EU-Mitgliedstaaten einzeln zur Finanzierung der Welt-Antidoping-Agentur beitragen.

Mobilisierung der Gemeinschaftsinstrumente

Der dritte Maßnahmenschwerpunkt der Kommission bei der Dopingbekämpfung besteht in der Mobilisierung der Gemeinschaftsinstrumente. Dabei kommen zweierlei Maßnahmen in Betracht:

  • eine bessere Koordination der rechtlichen Maßnahmen;
  • die Mobilisierung von Gemeinschaftsprogrammen, mit denen auf Gemeinschaftsebene Maßnahmen zur Dopingbekämpfung unterstützt werden können.

Damit die Bemühungen zur Dopingbekämpfung dauerhaft wirksam sein können, müssen die von den verschiedenen Beteiligten (Sportbewegung, Staaten, internationale Organisationen, Europäische Union, Internationale Anti-Doping-Agentur) in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich durchgeführten Maßnahmen gut koordiniert und aufeinander abgestimmt sein.

Dabei werden sich die Bemühungen auf folgende Aspekte konzentrieren:

  • mehr Forschung zu den Dopingmitteln, den Nachweismethoden, den gesundheitlichen Folgen des Dopings und zum Doping als sozioökonomischem Phänomen;
  • Mobilisierung der Programme in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung sowie Jugend für Information und Ausbildung sowie Sensibilisierung und Dopingprävention;
  • Ausschöpfung aller Möglichkeiten, die sich im Rahmen der Programme der polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit bieten;
  • mehr Informationen über Arzneimittel;
  • Ausarbeitung der Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit.

Doping und Sport

Im Doping vollzieht sich gegenwärtig ein grundlegender Wandel: Zunächst einmal handelt es sich in aller Regel nicht darum, dass ein Sportler sich einmal, nämlich am Tag des Wettkampfes, dopt. Vielmehr werden innerhalb der Mannschaften organisierte systematische Verfahren angewandt, bei denen die wissenschaftlichen Fortschritte mit einer Zielsetzung genutzt werden, die der Ethik entgegensteht; beispielsweise werden in zunehmendem Maße Substanzen verwendet, mit deren Hilfe die Dopingmittel sich bei der Analyse verschleiern lassen.

Die Kommission widmet den Ursachen, die die starke Zunahme des Dopings erklären können, große Aufmerksamkeit. Eine der Ursachen für diese Zunahme des Dopings liegt in der übermäßigen Kommerzialisierung des Sports: dem rapiden Anstieg des Handels mit Übertragungsrechten in Verbindung mit wichtigen Sponsorenverträgen. Diese Kommerzialisierung und die damit zusammenhängenden wirtschaftlichen und finanziellen Aspekte haben dazu geführt, dass immer mehr Wettbewerbe mit immer kürzeren Erholungsphasen dazwischen veranstaltet werden, was auch zu einer Verkürzung der aktiven Sportkarriere der Profis führt. Außerdem ist die widersinnige Wirkung von Verträgen zwischen Sportverbänden und deren Sponsoren zu erwähnen, die den Sportlern Vergütungen entsprechend den Ergebnissen gewähren. Die gesamte Umgebung des Sportlers, vom Trainer über den Manager und das Familienmitglied bis hin zum Arzt, kann Druck auf den Sportler ausüben.

Von dieser Problematik sind vor allem junge Sportler betroffen, da die sportlichen Karrieren in immer jüngerem Alter stattfinden.

Die Dopingbekämpfung veranschaulicht sehr gut, wie die Maßnahmen der Gemeinschaft die auf verschiedenen Ebenen (insbesondere auf nationaler Ebene) unternommenen Bemühungen unterstützen, die Erwartungen der Bürger erfüllen und dabei sowohl die Autonomie der Sportorganisationen als auch den Grundsatz der Subsidiarität wahren können.

VERBUNDENE RECHTSAKTE

Entschließung des Europäischen Parlaments vom 14. April 2005 zur Dopingbekämpfung im Sport [Nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

Die Zahl von Dopingfällen bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen hat erneut gezeigt, dass Doping im Sport mehr denn je bekämpft werden muss. Das Europäische Parlament fordert daher u. a. die Kommission auf, eine wirksame und integrierte Politik auf allen mit der Dopingbekämpfung zusammenhängenden Gebieten zu verfolgen, eine kontinuierliche Informations- und Sensibilisierungskampagne zu fördern und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten zu fördern.

Entschließung des Europäischen Parlaments vom 17. Dezember 1998 zu den erforderlichen Sofortmassnahmen gegen Doping im Sport [Amtsblatt C 98 vom 9.4.1999]

Entschließung des Rates und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten über einen Antidoping-Verhaltenskodex in Sport [Amtsblatt C 44 vom 19.2.1992]
Auf Ersuchen des Rates hat die Kommission einen Verhaltenskodex als Mittel zur Unterrichtung und Aufklärung der Öffentlichkeit im Allgemeinen und der Jugendlichen im Besonderen sowie der betroffenen Kreise erstellt.

 
Letzte Änderung: 12.07.2006
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