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Bildung von Kindern mit Migrationshintergrund

Diese Schlussfolgerungen stützen sich auf die 2008 durchgeführte Konsultation zum Thema Bildung von Kindern mit Migrationshintergrund. Sie geben einen Überblick über die Herausforderungen und möglichen Antworten auf die in der Konsultation aufgeworfenen Fragen.

RECHTSAKT

Schlussfolgerungen des Rates vom 26. November 2009 zur Bildung von Kindern mit Migrationshintergrund [Amtsblatt C 301 vom 11.12.2009].

ZUSAMMENFASSUNG

Diese Schlussfolgerungen ergänzen die im Jahr 2008 durchgeführte Konsultation der Kommission über die Bildung von Kindern mit Migrationshintergrund. In dieser Konsultation wurden eine Reihe von Fragestellungen im Zusammenhang mit den Herausforderungen der Bildungspolitik und der Antworten für Kinder mit Migrationshintergrund aufgeworfen. In den Schlussfolgerungen wird eine Bilanz der Herausforderungen und Antworten gezogen, und die Mitgliedstaaten und die Kommission werden zu entsprechendem Handeln aufgefordert.

Herausforderungen

Wenn Europa angesichts der zunehmenden Globalisierung und des demografischen Wandels wirtschaftlich wettbewerbsfähig und sozial stabil bleiben möchte, muss es Migranten erfolgreich in seine Gesellschaft integrieren. Bei diesem Integrationsprozess kann Bildung eine wichtige Rolle spielen. Allerdings sind die Leistungen von Kindern mit Migrationshintergrund immer noch weniger gut als die ihrer Altersgenossen. Außerdem gibt es nach wie vor in Europa Rassismus und ethnische Diskriminierung sowie sozialer Ausgrenzung. Die große Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund stellt die europäischen Bildungssysteme vor große Herausforderungen, eröffnet ihnen aber auch wertvolle Chancen.

Die meisten Kinder mit Migrationshintergrund haben schlechtere schulische Leistungen. Dies führt dazu, dassDiese Schlussfolgerungen stützen sich auf die 2008 durchgeführte Konsultation zum Thema Bildung von Kindern mit Migrationshintergrund. Sie geben einen Überblick über die Herausforderungen und möglichen Antworten auf die in der Konsultation aufgeworfenen Fragen. sie häufiger die Schule abbrechen, eine niedrigere Qualifikation vorweisen und seltener Hochschulen besuchen. Kinder, bei denen sprachliche und kulturelle Hindernisse zusammentreffen und die auch unter ungünstigen sozioökonomischen Umständen leben, sind besonders benachteiligt. Unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten zu Schulsystemen und die Qualität der Schulen können auch dazu führen, dass viele Kinder mit Migrationshintergrund in Schulen mit unterdurchschnittlichem Leistungsniveau konzentriert sind. Diesen Kindern bessere Chancen auf einen Bildungserfolg zu eröffnen, könnte ihre Marginalisierung, Ausgrenzung und Entfremdung mindern.

Für den Integrationsprozess sind kollektive Anstrengungen notwendig. An diesem Prozess sollten nicht nur die Migranten selbst beteiligt sein, sondern auch verschiedene Sektoren der Gesellschaft, Ministerien, Bildungsbehörden, Sozialdienste, Gesundheitsdienste, Wohnungsämter und Asyl- und Einwanderungsbehörden sowie die Zivilgesellschaft. Da die Mitgliedstaaten vor denselben Herausforderungen stehen, ist weitere Unterstützung, Forschung und Zusammenarbeit auch auf europäischer Ebene notwendig.

Antworten

Bei der Integration von Migranten spielt Bildung in allen Stadien des lebensbegleitenden Lernens eine wichtige und unterstützende Rolle. Gezielte Maßnahmen müssen mit anderen relevanten Politikfeldern koordiniert werden, um den Bedürfnissen von Kindern mit Migrationshintergrund gerecht zu werden. Darüber hinaus müssen die Bildungssysteme sich aktiv um ein hohes Maß an Chancengleichheit und Qualität bemühen. Solche Systeme werden die schulischen Leistungen dieser Kinder wirksam verbessern und die sozialen Bindungen fördern. In den Schulen Europas sollte auch die interkulturelle Erziehung gefördert werden, die auf gegenseitige Achtung und die Bekämpfung von Vorurteilen abzielt. Antidiskriminierungsmechanismen, eine stärkere Durchlässigkeit der Lernwege in den Schulsystemen und ein auf die Bedürfnisse des Kindes zugeschnittener Unterricht können Kinder mit Migrationshintergrund bei der Verbesserung ihres Leistungsniveaus unterstützen und wirken der Segregation entgegen.

Damit sich Schulbehörden, Schulleiter, Lehrer und Verwaltungspersonal an diese unterschiedlichen Unterrichtssituationen anpassen können, müssen sie eine Fachausbildung über sprachliche und kulturelle Vielfalt erhalten sowie auch Unterstützung bei der Entwicklung der eigenen interkulturellen Kompetenzen. Gleichzeitig könnte es auch notwendig sein, die Lehrmethoden, Unterrichtsmaterialien und Lehrpläne so zu gestalten, dass sie für alle Schüler geeignet sind. Bildungsnachteile und eine unzureichende Integration können durch gezielte Unterstützung ausgeglichen werden, etwa, indem Schulen mehr Lehrkräfte zur Verfügung gestellt werden, der Unterricht stärker auf den Einzelnen zugeschnitten wird und Eltern beraten werden.

Um einen Bildungserfolg und Integration in die europäischen Gesellschaften zu erzielen, müssen die Schüler die Sprache des Aufnahmelandes beherrschen. Um dies zu erreichen, müssen einschlägige Fördermaßnahmen entwickelt werden. Auf der anderen Seite kann es für die persönliche und berufliche Entwicklung auch von Vorteil sein, wenn Kinder mit Migrationshintergrund ihre Herkunftssprache erlernen oder bereits vorhandenen Kenntnisse aufrechterhalten. Die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund kann auch erleichtert werden, indem man diesen Kindern den Zugang zur frühkindlichen Erziehung ermöglicht.

Die Rolle der EU-Mitgliedstaaten und der Kommission

Die Mitgliedstaaten sollten einen integrierten politischen Ansatz auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene entwickeln, um diese Herausforderungen zu bewältigen, wie etwa:

  • Schaffung bzw. Ausbau von Antidiskriminierungsmechanismen zur Förderung der sozialen Integration und des gesellschaftlichen Engagements;
  • Verbesserung der Durchlässigkeit von Bildungswegen und Beseitigung von Hindernissen innerhalb der Schulsysteme;
  • Verbesserung der Unterrichtsqualität in den Schulen und Verringerung der diesbezüglichen Unterschiede, auch durch Bemühungen um Einstellung und Bindung der besten Lehrer und um Stärkung der Funktion des Leitungspersonals in Schulen mit unterdurchschnittlichem Leistungsniveau;
  • Verbesserung des Zugangs zu hochwertiger frühkindlicher Erziehung und Betreuung;
  • Angebot eines stärker auf den Einzelnen zugeschnittenen Unterrichts und individueller Unterstützung, insbesondere für Kinder von Migranten mit niedrigem Bildungsniveau;
  • Fachausbildung für Schulleiter, Lehrer und Verwaltungspersonal für den Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt sowie in interkulturellen Kompetenzen;
  • Entwicklung angemessener Strategien für die Unterrichtung der Sprache des Aufnahmelandes sowie Prüfung der Möglichkeiten dafür, dass Schüler mit Migrationshintergrund den Kenntnisstand in ihrer Muttersprache halten und ihre Kenntnisse weiterentwickeln;
  • Gewährleistung, dass die Lehrpläne von hoher Qualität sind und alle Schüler unabhängig von ihrer Herkunft ansprechen, und Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kindern mit Migrationshintergrund bei Lehrmethoden und Unterrichtsmaterialien;
  • Entwicklung von Partnerschaften mit Migrantengemeinschaften und Verstärkung der Bemühungen um eine bessere Kommunikation mit Eltern mit Migrationshintergrund;
  • zielgerichtete Bildungshilfen für Schüler mit Migrationshintergrund, die darüber hinaus auch spezielle Bedürfnisse haben;
  • Erhebung und Analyse von Daten in diesem Bereich als Grundlage für künftige politische Entscheidungen.

Zu diesem Zweck soll man sich innerhalb des neuen strategischen Rahmens für die europäische Zusammenarbeit im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung („ET 2020“) um den Austausch bewährter Praktiken bemühen. Dazu soll die offene Koordinierungsmethode eingesetzt werden. Die Mitgliedstaaten sollen Projekte im Bereich des interkulturellen Unterrichts und der Unterrichtung von Schülern mit Migrationshintergrund entwickeln.

Die Kommission soll die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten in diesem Bereich erleichtern und unterstützen. Sie soll die Leistungskluft zwischen Schülern ohne und mit Migrationshintergrund fortlaufend erfassen. Weiterhin soll die Kommission die Ziele der Richtlinie 77/486/EWG über die schulische Betreuung der Kinder von Wanderarbeitnehmern mit aktuellen Migrationstendenzen vergleichen. Migrationsrelevanten Fragen soll in EU-Finanzierungsprogrammen und Bildungsinitiativen gebührend Rechnung getragen werden. Diese Fragen sollen auch im Prozess des sozialen Schutzes und der sozialen Integration in angemessener Weise Berücksichtigung finden. Außerdem soll mit internationalen Organisationen, die sich ebenfalls mit Bildungs- und Migrationsfragen befassen, eine engere Zusammenarbeit entwickelt werden.

Letzte Änderung: 18.06.2010
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