RSS
Alphabetischer Index
Diese Seite steht in 15 Sprachen zur Verfügung
Neue Sprachen:  CS - HU - PL - RO

We are migrating the content of this website during the first semester of 2014 into the new EUR-Lex web-portal. We apologise if some content is out of date before the migration. We will publish all updates and corrections in the new version of the portal.

Do you have any questions? Contact us.


Mehrsprachigkeit – Trumpfkarte und Verpflichtung

Mehrsprachigkeit leistet einen wertvollen Beitrag zum interkulturellen Dialog, zum sozialen Zusammenhalt und zum Wohlstand. Sie spielt eine wichtige Rolle für das lebenslange Lernen, die Medien und die Informationstechnologie sowie für die Außenbeziehungen der EU. Diese Mitteilung legt dar, wie die Europäische Kommission die Sprachenpolitik zum Querschnittsthema machen will, um das mehrsprachige Potenzial in Europa besser auszuschöpfen.

RECHTSAKT

Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen vom 18. September 2008 – Mehrsprachigkeit: Trumpfkarte Europas, aber auch gemeinsame Verpflichtung [KOM(2008) 566 endg. – Nicht im Amtsblatt veröffentlicht].

ZUSAMMENFASSUNG

Diese Mitteilung beschreibt die Vorteile und den Wert der Sprachenvielfalt in der Europäischen Union (EU). Sie stellt die Maßnahmen dar, die ergriffen werden sollten, um sicherzustellen, dass die Mehrsprachigkeit zur Förderung von sozialem Zusammenhalt und Wohlstand in allen Politikbereichen, in denen dies erforderlich ist, zu einem Querschnittsthema wird. Das Ziel „Kommunikation in der Muttersprache plus zwei weiteren Sprachen“ bildet die Grundlage für diese Initiativen.

Mehrsprachigkeit für interkulturellen Dialog und sozialen Zusammenhalt

Sprachkenntnisse spielen bei der Integration anderssprachiger Menschen in die Gesellschaften der Mitgliedstaaten eine wichtige Rolle. Daher sollte das Erlernen der Sprache des Aufnahmelandes gefördert werden. Gleichzeitig sollten bislang völlig ungenutzte sprachliche Ressourcen in unserer Gesellschaft (unterschiedliche Muttersprachen und andere in den Familien und Nachbarschaften gesprochene Sprachen) zum Beispiel durch die Entwicklung einer „persönlichen Adoptivsprache“ eine höhere Wertschätzung erfahren.

Um Touristen, ausländischen Arbeitskräften, Studierenden und Zuwanderern mit begrenzten Kenntnissen der Landessprache den Zugang zu grundlegenden Diensten zu erleichtern, sollten notwendige Informationen in mehreren Sprachen zur Verfügung gestellt werden. Für grenzüberschreitende Dienstleistungen sind die Mitgliedstaaten zum Beispiel (gemäß der Dienstleistungsrichtlinie) gehalten, einheitliche Ansprechpartner einzusetzen. Unterdessen will die Europäische Kommission den Bürgern die Mehrsprachigkeit näher bringen und

  • durch Sensibilisierungskampagnen auf die Bedeutung des Sprachenlernens und der Sprachenvielfalt aufmerksam machen;
  • mittels der Sprachindikatoren und Eurobarometer-Umfragen die Sprachkenntnisse bewerten;
  • die Berufe der Gerichtsdolmetscher und -übersetzer weiterentwickeln und den Zugang zum Recht erleichtern.

Mehrsprachigkeit und Wohlstand

Eine mehrsprachige Belegschaft ist ein klarer Gewinn, der den europäischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und dadurch den Wohlstand fördern könnte. Folglich wird den Unternehmen geraten, mehr in die sprachliche und interkulturelle Kompetenz zu investieren. Aus Sicht der Bürger steigert das Beherrschen mehrerer Sprachen die Beschäftigungsfähigkeit und ermöglicht es, aus einem größeren Angebot an Arbeitsplätzen zu wählen. Vor diesem Hintergrund sollten die Mitgliedstaaten die Anerkennung und die Weiterentwicklung von außerhalb der formalen Bildung erworbenen Sprachkenntnissen fördern. Gleichzeitig will die Europäische Kommission

  • die Mobilität der Studierenden und der Arbeitnehmer steigern;
  • die Ergebnisse einer Studie zu Sprachkenntnissen, Kreativität und Innovationsgeist bekannt machen;
  • eine Plattform zum Austausch bewährter Verfahren für die Beteiligten schaffen.

Lebenslanges Lernen

Die Mitgliedstaaten sind noch weit von der Verwirklichung des oben genannten Ziels „Muttersprache plus zwei“ entfernt. Auch wenn die Lernenden in allgemeinbildenden Schulen insgesamt am stärksten von den Fortschritten auf dem Weg zu diesem Ziel profitieren, fehlt es in vielen Mitgliedstaaten nach wie vor an entsprechenden Möglichkeiten. In der Berufsbildung sind die Unzulänglichkeiten des Unterrichtsangebots sogar noch ausgeprägter. Daher wird die Europäische Kommission

  • den Sprachunterricht durch einschlägige Gemeinschaftsprogramme fördern;
  • bewährte Verfahren für das Sprachenlernen und -lehren in den Mitgliedstaaten ermitteln und verbreiten.

Die Mitgliedstaaten werden zudem aufgefordert, das Sprachenlernen zu fördern, indem sie

  • Möglichkeiten zum Erlernen der Landessprache und zweier weiterer Sprachen schaffen;
  • eine breite Sprachpalette zur Auswahl anbieten;
  • die Ausbildung aller am Sprachunterricht beteiligten Personen verbessern;
  • die Mobilität der Sprachlehrkräfte unterstützen.

Medien, neue Technologien und Übersetzung

Die verschiedenen Sprachen und Kulturen in der EU können den Bürgern durch die Medien, durch neue Technologien und durch Übersetzungsdienste nähergebracht werden. Diese Mittel können die Sprachbarrieren, auf welche die Bürger sowie die Unternehmen und nationalen Behörden stoßen, abbauen und überwinden. Daher werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, mit den beteiligten Akteuren und den Medien zusammenzuarbeiten und die Entwicklung und Nutzung neuer Technologien zu stärken. Gleichzeitig will die Europäische Kommission

  • die Verwendung von Untertiteln und den Vertrieb europäischer Werke fördern;
  • Projekte zur Sprach- und Kommunikationstechnologie unterstützen;
  • eine Konferenz über die Rolle der Übersetzung beim Dialog zwischen den Kulturen veranstalten;
  • die grenzüberschreitende Verwaltungszusammenarbeit unterstützen.

Die externe Dimension der Mehrsprachigkeit

Im Hinblick auf den interkulturellen Dialog ist die Mehrsprachigkeit für die Außenbeziehungen der EU von besonderer Bedeutung. Um das Potenzial der auch in Drittstaaten gesprochenen EU-Sprachen voll auszuschöpfen, sollte das Lehren und Lernen dieser Sprachen gefördert werden. Gleichzeitig ist es wichtig, das Lehren und Lernen von Nicht-EU-Sprachen in der EU zu unterstützen. Zu diesem Zweck wird die Europäische Kommission

  • im Bereich der Mehrsprachigkeit mit Drittstaaten zusammenarbeiten;
  • europäische Sprachen in Drittstaaten fördern.

Parallel dazu werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, ihre Zusammenarbeit mit den einschlägigen Instituten weiterzuentwickeln, um auch auf diese Weise die europäischen Sprachen in Drittstaaten zu stärken.

VERBUNDENE RECHTSAKTE

Entschließung des Rates vom 21. November 2008 zu einer europäischen Strategie für Mehrsprachigkeit [Amtsblatt C 320 vom 16.12.2008].
Mit dieser Entschließung ersucht der Rat die Mitgliedstaaten und die Kommission, Folgendes zu fördern:

  • die Mehrsprachigkeit, um den sozialen Zusammenhalt, den interkulturellen Dialog und das europäische Aufbauwerk zu stärken;
  • den Prozess des lebenslangen Erlernens von Sprachen, insbesondere unter jungen Menschen und Sprachlehrern;
  • die Bedeutung der Mehrsprachigkeit für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft sowie für die Mobilität und Beschäftigungsfähigkeit der europäischen Bürger;
  • die sprachliche Vielfalt und den interkulturellen Dialog, indem die Übersetzungstätigkeit weiter unterstützt wird, um die Verbreitung von Werken und Ideen in Europa und darüber hinaus zu begünstigen;
  • die Sprachen der Europäischen Union in der Welt.

Außerdem ersucht der Rat die Kommission, die Mitgliedstaaten hinsichtlich der oben genannten Ziele zu unterstützen, Maßnahmen zu ergreifen, die den Bedürfnissen der Bürger und Institutionen in Bezug auf Sprachen Rechnung tragen, und die Lage bezüglich der Sprachkenntnisse in Europa regelmäßig zu überprüfen.

Letzte Änderung: 06.08.2009
Rechtlicher Hinweis | Über diese Website | Suche | Kontakt | Seitenanfang