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Rahmenstrategie für Mehrsprachigkeit

In dieser Mitteilung legt die Kommission die Strategie zur Förderung der Mehrsprachigkeit in der europäischen Gesellschaft, der Wirtschaft und innerhalb der Kommission selbst dar. Die Sprachenkenntnisse der Bürger/innen sollen verbessert werden, bis alle zusätzlich zu ihrer Muttersprache über praktische Kenntnisse in mindestens zwei weiteren Sprachen verfügen.

RECHTSAKT

Mitteilung der Kommission vom 22. November 2005 - Eine neue Rahmenstrategie für Mehrsprachigkeit [KOM(2005) 596 endgültig - nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

ZUSAMMENFASSUNG

Unter Mehrsprachigkeit versteht man sowohl die Fähigkeit einer Person, mehrere Sprachen zu benutzen, als auch die Koexistenz verschiedener Sprachgemeinschaften in einem geografischen Raum.

Die Politik der Kommission im Bereich der Mehrsprachigkeit verfolgt drei Ziele:

  • Förderung des Sprachenlernens und der Sprachenvielfalt in der Gesellschaft;
  • Förderung einer gesunden, multilingualen Wirtschaft;
  • Zugang der Bürger/innen zu den Rechtsvorschriften, Verfahren und Informationen der Europäischen Union in ihrer eigenen Sprache.

In der Mitteilung werden die verschiedenen Aktionen zur Förderung des Sprachenlernens und der Sprachenvielfalt vorgestellt:

Wichtigste Handlungsfelder

Die Kommission schlägt die folgenden Aktionen zur Förderung einer mehrsprachigen Gesellschaft vor:

  • in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten den Europäischen Indikator für Sprachenkompetenz implementieren;
  • die Diskussion fördern und eine Empfehlung ausarbeiten, wie die Aus- und Weiterbildung von Sprachenlehrkräften auf den neuesten Stand gebracht werden kann;
  • 2006 eine Studie zu Best Practice beim frühen Fremdsprachenerwerb veröffentlichen;
  • im Rahmen des vorgeschlagenen Programms im Bereich Bildung und Lebenslanges Lernen die Einrichtung von Lehrstühlen für Multilingualismus und Interkulturalismus unterstützen;
  • weiterhin das Lehren und Lernen von Fremdsprachen im Rahmen der Kooperationsprogramme im Bereich allgemeine und berufliche Bildung, Jugend, Zivilgesellschaft und Kultur unterstützen;
  • im 7. Rahmenforschungsprogramm die Forschungs- und technischen Entwicklungsaktivitäten zu sprachenbezogenen Technologien der Informationsgesellschaft verstärken.

Die Kommission ersucht die Mitgliedstaaten

  • nationale Pläne auszuarbeiten, die Aktionen zugunsten der Mehrsprachigkeit eine Struktur geben, ihre Kohärenz sichern und ihnen die Richtung vorgeben; dazu gehören auch Aktionen, die die Verwendung und die Präsenz zahlreicher Sprachen im täglichen Leben verstärken;
  • ihre derzeitigen Vorgaben und Rahmenbedingungen für die Aus- und Weiterbildung von Fremdsprachenlehrkräften im Lichte der Ergebnisse der Studie „Europäisches Profil für die Aus- und Weiterbildung von Fremdsprachenlehrkräften" zu überprüfen;
  • ihre derzeitigen Vorgaben und Rahmenbedingungen für den frühen Fremdsprachenerwerb im Lichte von Best Practice aus ganz Europa zu überprüfen;
  • die Schlussfolgerungen der luxemburgischen Ratspräsidentschaft zum Thema Fremdsprache als Arbeitssprache (CLIL) umzusetzen.

DIE MULTILINGUALE WIRTSCHAFT

In der Mitteilung werden die Bereiche angesprochen, in denen die Union mobilere Arbeitskräfte mit Fremdsprachenkenntnissen braucht.

Mehrsprachigkeit und Wettbewerb

Die Kommission plant ein intensives Follow-up zu ihrem Aktionsplan für Qualifikation und Mobilität (2002). Sprachenkenntnisse sind auch eines der Themen des Europäischen Jahres der Arbeitskräftemobilität 2006.

Mehrsprachigkeit und Verbraucher/innen

Die vor kurzem verabschiedete Richtlinie 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken enthält verschärfte Klauseln betreffend die Sprache, die bei der Erbringung von Leistungen nach dem Kauf zu verwenden ist.

Mehrsprachigkeit und Informationsgesellschaft

Die Kommission versucht, die Mehrsprachigkeit über ihre Initiative i2010 zu fördern, um in der Informationsgesellschaft und den Medienindustrien höheres Wachstum und mehr Beschäftigung zu erreichen. Die Programme eContent, eContent plus, Media und eLearning unterstützen die Erstellung und die Verbreitung multilingualer europäischer Inhalte und europäischen Wissens.

Übersetzungsdienstleistungen

Der steigende Einsatz von Online-Maschinenübersetzungen zeigt, dass eine im Wesentlichen mechanische Funktion dieser Art, den intellektuellen Prozess, den eine Übersetzerin/ein Übersetzer leistet, nicht ersetzen kann, und unterstreicht damit die Bedeutung der Übersetzungsqualität. Entwicklungen wie der „European Standard for Translation Services" (Europäischer Standard für Übersetzungsdienstleistungen) sollen den Kundinnen und Kunden größere Qualitätssicherheit bieten.

Dolmetschdienste

Expandiert der Markt, steigt die Nachfrage nach ausgebildeten Dolmetscherinnen und Dolmetschern, insbesondere in den supranationalen und internationalen Organisationen. Dolmetscher/innen tragen dazu bei, dass Institutionen multilingualer Gesellschaften funktionieren können. Dolmetscher/innen unterstützen Immigrantinnen und Immigranten bei Gericht und bei der Polizei, im Krankenhaus und bei der Einwanderungsbehörde. Wenn sie über eine entsprechende Ausbildung verfügen, trägt ihre Arbeit zum Schutz der demokratischen Rechte und der Menschenrechte bei.

Fremdsprachen(kenntnisse): Unterrichten, Überprüfen, Zertifizieren

Das Angebot bei Zertifizierungen von Sprachenkenntnissen boomt in einem Ausmaß, das es den Konsumentinnen und Konsumenten schwer macht, die für sie am besten geeigneten Zertifikate auszuwählen. Die Kommission möchte einen Beitrag zur Transparenz dieses Angebotes leisten, indem sie ein Verzeichnis der derzeit verfügbaren Systeme im Internet veröffentlicht.

Die Kommission schlägt die folgenden Aktionen zur Förderung einer multilingualen Wirtschaft vor:

  • 2006 eine Studie zu den Auswirkungen fehlender Sprachenkenntnisse auf die europäische Wirtschaft veröffentlichen;
  • 2006 ein Verzeichnis der in der Europäischen Union verwendeten Sprachzertifizierungssysteme veröffentlichen;
  • eine Studie starten, um - im Sinne der Förderung des Sprachenlernens - das Potenzial für die häufigere Verwendung von Untertiteln bei Filmen und Fernsehprogrammen auszuloten;
  • die interinstitutionelle mehrsprachige Datenbank IATE (Inter-Agency Terminology Exchange) publik machen, die validierte Begriffe aus EU-Kontexten beinhaltet;
  • 2006 eine Konferenz zur universitären Ausbildung von Übersetzerinnen und Übersetzern abhalten;
  • im Rahmen von i2010 eine Pilotinitiative zu digitalen Bibliotheken starten, die die Nutzung multimedialer Quellen einfacher und interessanter machen soll;
  • die Arbeit europäischer Forschungsteams zu Humansprachen-Technologien, maschineller Übersetzung und Erstellung von Sprachenressourcen wie Wörterbüchern und Thesauren zusammenführen und koordinieren.

Die Mitgliedstaaten werden ersucht, ihre universitären Aus- und Weiterbildungsprogramme zu überprüfen.

MEHRSPRACHIGKEIT UND DIE BEZIEHUNGEN KOMMISSION - BÜRGER/INNEN

In der vorliegenden Mitteilung wird darauf hingewiesen, dass die Europäische Gemeinschaft laut der allerersten vom Rat verabschiedeten Verordnung eine multilinguale Einheit ist mit der Verpflichtung, ihre Rechtsvorschriften in allen Amtssprachen zu veröffentlichten. Darüber hinaus sind ihre Organe verpflichtet, im Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern die von diesen gewählten Amtssprachen zu verwenden.

Die Kosten für die Übersetzungs- und Dolmetschdienste aller Organe zusammengenommen belaufen sich auf 1,05 % des Gesamtbudgets der EU für 2004 oder 2,28 pro Bürger/in pro Jahr.

In den letzten zehn Jahren hat die Kommission mehrere multilinguale Initiativen entwickelt (Bürger Europas/Daheim in Europa, Dialog mit Bürgern, Europa für Sie - Dialog mit Bürgern und den Bürger-Wegweiserdienst), damit die Bürger/innen die Auswirkungen europäischer Rechtsvorschriften auf ihr Leben besser verstehen, ihre Rechte kennen, wenn sie sich in einem anderen Land niederlassen, und wissen wie sie ihre Rechte in Anspruch nehmen können.

Die Kommission wird

  • durch ein internes Netzwerk dafür sorgen, dass alle Abteilungen die Politik der Mehrsprachigkeit einheitlich anwenden;
  • auch in Zukunft die Mehrsprachigkeit ihres Internetportals (EUROPA) und ihrer Veröffentlichungen fördern;
  • ein Portal „Sprachen" auf dem Europa-Server einrichten;
  • die Außenstellen der GDT in den Mitgliedstaaten verstärkt in die Förderung der Mehrsprachigkeit einbinden, vor allem, wenn es darum geht, die Botschaften der Kommission an die Sprache des lokalen Zielpublikums anzupassen;
  • in den Mitgliedstaaten hochrangige Seminare zum Thema Mehrsprachigkeit für JournalistInnen und andere Meinungsmacher/innen abhalten;
  • Universitäten auch in Zukunft Zuschüsse und fachdidaktische Unterstützung im Bereich des Konferenzdolmetschens gewähren, die Entwicklung von Tools für die Fernlehre fördern sowie Stipendien und Praktika für Studierende finanzieren;
  • Arbeiten an der Entwicklung kostengünstiger multilingualer Konferenz- und Kommunikationstools fortsetzen;
  • die Studiengänge European Masters in Conference Interpreting und European Masters in Conference Management unterstützen;
  • weiter intensiv am International Annual Meeting on Language Arrangements, Documentation and Publication mitarbeiten;
  • Universitäten auch in Zukunft einen Modell-Studienplan für einen Magister- bzw. Master-Abschluss in Übersetzung vorlegen und Gastübersetzer/innen bereitstellen;
  • einen internationalen Übersetzungswettbewerb zwischen Schulen in den Mitgliedstaaten organisieren, um die Sprachenkenntnisse und die Sprachenberufe zu fördern.

Die Kommission hat die Mitgliedstaaten bereits aufgefordert, 2007 über die Maßnahmen zu berichten, die sie zur Erreichung der Ziele des Aktionsplans „Förderung des Sprachenlernens und der Sprachenvielfalt" durchgeführt haben.

Schlussfolgerungen der Mitteilung

  • Die Kommission wird zum Thema Mehrsprachigkeit eine hochrangige Gruppe unabhängiger Expertinnen und Experten einrichten.
  • Bei einer Ministerkonferenz zur Mehrsprachigkeit soll den Mitgliedstaaten Gelegenheit geboten werden, sich über die von ihnen bis dato erzielten Fortschritte auszutauschen und die weiteren Arbeiten zu planen.
  • Die Kommission wird eine weitere Mitteilung mit dem Vorschlag für einen ganzheitlichen Ansatz für die Mehrsprachigkeit in der Europäischen Union vorlegen.

VERWANDTE RECHTSAKTE

Mitteilung der Kommission vom 1. August 2005 - Europäischer Indikator für Sprachenkompetenz [KOM(2005) 356 endg. - nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

Mitteilung der Kommission vom 24. Juli 2003 - Förderung des Sprachenlernens und der Sprachenvielfalt: Aktionsplan 2004-2006 [KOM(2003) 449 endg. - nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

Beschluss Nr. 1934/2000/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Juli 2000 über das Europäische Jahr der Sprachen 2001 [Amtsblatt Nr. L 232 vom 14.09.2000]

Entschließung des Rates vom 16. Dezember 1997 über die frühzeitige Vermittlung der Sprachen der Europäischen Union [Amtsblatt Nr. C 1 vom 3.1.1998]

Letzte Änderung: 20.01.2006

Siehe auch

Weitere Informationen finden Sie auf dem Portal „Sprachen" des Europa-Servers oder auf der Site der GD Bildung und Kultur.

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