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Wasserwirtschaft in den Entwicklungsländern

Diese Richtlinie stellt Leitlinien für die Politik und die Prioritäten der Europäischen Gemeinschaft im Bereich Wasserwirtschaft in den Entwicklungsländern auf. Das wichtigste Ziel ist die Gewährleistung eines nachhaltigen und gleichberechtigten Zugangs zu sauberem Wasser für alle Verwendungszwecke unter besonderer Berücksichtigung des lebensnotwendigen Bedarfs besonders benachteiligter Bevölkerungsgruppen.

RECHTSAKT

Mitteilung der Kommission an den Rat und an das Europäische Parlament vom 12. März 2002. Wasserwirtschaft in den Entwicklungsländern: Strategie und Schwerpunkte für die Entwicklungszusammenarbeit der Europäischen Union [KOM(2002) 132 endg. - nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

ZUSAMMENFASSUNG

Hintergrund
Das Bevölkerungswachstum und der Wandel in den Lebensstilen sowie die Wirtschaftsentwicklung in den Entwicklungsländern haben den Druck auf die bereits begrenzten Wasserressourcen verstärkt. Hinzu kommen Umweltprobleme, vor allem der Klimawandel. Da Wasser lebensnotwendig ist, gehören seine Beschaffung und Reinigung sowie eine gute Wasserwirtschaft zu den Schlüsselelementen beim Erreichen des wichtigsten Ziels der Europäischen Union in der Entwicklungspolitik, der Bekämpfung der Armut. Überdies kann eine schlechte Wasserwirtschaft zur Ursache von Konflikten werden.

Die Europäische Union und ihre Partner stehen vor großen Herausforderungen. Im Jahre 2000 hatten 17 % der Weltbevölkerung keinen Zugang zu einer unbedenklichen Wasserversorgung, und 40 % verfügten nicht über eine angemessene Abwasserreinigung. Die meisten dieser Menschen lebten in Afrika und Asien.

Bereits seit einigen Jahren steht die Frage der Wasserversorgung auf internationalem Gebiet immer häufiger auf der Tagesordnung. Im Dezember 2001 wurden auf der Internationalen Süßwasserkonferenz in Bonn Empfehlungen zu wichtigen Themen in diesem Bereich formuliert. Diese Mitteilung dient als Grundlage für die gemeinschaftliche Strategie bei internationalen Diskussionen.

Strategien und derzeitige Aktivitäten der Gemeinschaft im Bereich Wasserwirtschaft
Der soziale Sektor wurde als Priorität für die gemeinschaftliche Entwicklungspolitik bestimmt, und die Wasserwirtschaft ist ein wichtiger Bereich dieses Sektors. Die 1999 angenommenen Leitlinien sind die Grundlage der Gemeinschaftsaktionen und tragen zur Bestimmung der Orientierungshilfen in der vorliegenden Mitteilung bei. Sie schaffen einen ganzheitlichen und strategischen Ansatz der Wasserwirtschaft und des Einsatzes von Wasser. Die Wasserwirtschaft wird als sektorübergreifende Frage betrachtet, da sie eine wichtige Rolle in allen Entwicklungsbereichen spielt: Gesundheit, Ernährungssicherheit, Verkehr, Handel usw. Die regionale Zusammenarbeit ist besonders wichtig, weil die Wasserressourcen oft grenzüberschreitend sind.

Zukünftige Orientierungshilfen
Die Einbeziehung der Fragen der Wasserwirtschaft in alle Entwicklungspolitiken ist von entscheidender Bedeutung. Um ihre Ziele in diesem Bereich zu verwirklichen, hat die Kommission eine Reihe von Orientierungshilfe formuliert, die im Folgenden zusammengefasst werden.

Ein stärkeres politisches Engagement
Der Fragilität der Wasserressourcen muss mehr Aufmerksamkeit zukommen, und alle Aspekte der Wasserwirtschaft, wie die ökologische Nachhaltigkeit, die Umweltverschmutzung usw., sollten in ein stärkeres politisches Interesse eingebettet sein. Die sechs Prioritäten der Entwicklungspolitik der Europäischen Gemeinschaft sind der überspannende Rahmen für die Aktivitäten der Gemeinschaft. Aus diesen hat die Kommission drei Aufgabenbereiche bestimmt:

  • Gewährleistung der Versorgung aller Menschen, insbesondere der Ärmsten, mit ausreichend Trinkwasser guter Qualität und mit angemessenen Möglichkeiten der Abfallentsorgung;
  • Gewährleistung einer nachhaltigen und gerechten Bewirtschaftung grenzüberschreitender Wasserressourcen;
  • Sektorübergreifende Koordination zur Gewährleistung der gerechten und angemessenen Verteilung von Wasser zwischen verschiedenartigen Nutzern.

Die praktische Umsetzung der integrierten Bewirtschaftung von Wasserressourcen
Die Kommission hat fünf Aktivitäten für die Verwirklichung einer integrierten Bewirtschaftung der Wasserressourcen bestimmt:

  • Sensibilisierung und Partizipation
    Die Nutzer müssen die Bedeutung von Wasser als Ressource und ihre Verantwortung bei der Bewirtschaftung dieses kostbaren Guts erkennen. Die Teilhabe ist ein Schlüssel für den Erfolg der Politiken, weshalb die Partizipation aller Beteiligten auf allen Ebenen unerlässlich ist.
  • Stärkung der Institutionen
    Der Erfolg der Aktivitäten ist stark von den Kapazitäten, Ressourcen und Fachkenntnissen der verantwortlichen Institutionen abhängig. Die mit der Wasserwirtschaft betrauten Institutionen müssen unterstützt werden.
  • Nachfrageorientierte Bewirtschaftung
    Es ist nicht ausreichend, nur die Wasserverteilung zu organisieren, auch die Nachfrage muss geregelt werden. Die Herausforderung besteht darin, die Nachfrage zu senken und den Output zu erhöhen, zum Beispiel durch Wiederverwendung von Wasser, Schutz der Ressourcen usw.
  • Erweiterung der Wissensbasis
    Fachkenntnisse und die erforderlichen Daten sind für eine Formulierung effizienter Politiken unerlässlich.
  • Koordination
    Die Koordination zwischen den Gebern (Europäische Gemeinschaft, Mitgliedstaaten, Vereinte Nationen, NRO usw.) muss gestärkt werden.

Eine Aktion für die verschiedenen Arten der Wassernutzung
Bei diesem Ansatz sind alle Arten der Wassernutzung zu berücksichtigen. Die Kommission unterstreicht die wichtigsten Aktionen in den folgenden Bereichen:

  • Wasserversorgung und Abwasserreinigung für alle.
    Der Schwerpunkt liegt hier auf der Bedeutung der Abwasserreinigung.
  • Wasser für Nahrungsmittel in der Landwirtschaft und in der Lebensmittelproduktion zur Gewährleistung der Ernährungssicherheit.
    Die Kommission weist auf die Notwendigkeit des Sparens von Wasser und der Förderung gesunder landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsmethoden zur Vermeidung der Verschmutzung der Wasserressourcen hin.
  • Schutz und Sanierung von Wasserressourcen und Ökosystemen für die langfristige Nachhaltigkeit der Wassernutzung.
  • Nachhaltige Wassernutzung für Energie und Industrie.
    Der rationale Einsatz von Wasser und die Verringerung und Verhinderung von Umweltverschmutzung sind sicherzustellen.
  • Management wasserbedingter Gefahren und Bewirtschaftung von Küstengebieten.
    Die Risiken von Überschwemmungen und Dürren sind durch die Einrichtung von Frühwarnsystemen und Systemen für Reaktionskapazitäten zu begrenzen.

Alle öffentlichen und privaten Finanzquellen müssen für diese Aktionen mobilisiert werden.

Wichtigste globale Herausforderungen
Die internationale Gemeinschaft muss sich mit den wichtigen Fragen befassen, die mit den schwindenden Wasserressourcen immer dringender werden. Die drei wichtigsten Herausforderungen sind:

  • Die Bewirtschaftung der grenzüberschreitenden Wasserressourcen zur Konfliktvermeidung.
  • Die Auswirkungen des Klimawandels.
  • Die Auswirkungen der Globalisierung auf die Wasserbewirtschaftung.

Da die Wasserressourcen immer mehr abnehmen, steigen die Risiken für Konflikte aufgrund der Wasserverteilung grenzüberschreitender Wasservorkommen. Maßnahmen, die der Verbesserung der Zusammenarbeit auf regionaler Ebene im Bereich der Bewirtschaftung grenzüberschreitender Wasserressourcen dienen, sind unbedingt zu unterstützen.

Die Entwicklungsländer sind von den Auswirkungen des Klimawandels, zum Beispiel Überschwemmungen und Dürren, besonders betroffen. Unterstützung in Form von Forschung und Stärkung der Kapazitäten, die es ihnen ermöglichen, durch Vorbeugen und Eingreifen den wachsenden Problemen zu begegnen, ist dringend erforderlich.

Die Liberalisierung des internationalen Handels könnte sich positiv auf die Entwicklungsländer auswirken. Die Einfuhr wasserintensiver Nahrungsmittelpflanzen könnte eine praktische und rentable Lösung für die Gewährleistung der Ernährungssicherheit darstellen. Dabei dürfen jedoch nicht die langfristige Ernährungssicherheit des Landes gefährdet werden oder negative Auswirkungen auf die Landwirte auftreten, die Nahrungsmittel im Land selbst erzeugen.

Zur Verwirklichung dieser Ziele und zur Lösung dieser Probleme ist eine strategische Partnerschaft auf internationaler Ebene erforderlich. Dieser Prozess ist von den Entwicklungsländern unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft einzuleiten.

Letzte Änderung: 12.09.2007
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