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Allgemeine und berufliche Bildung zur Armutsbekämpfung

Die Mitteilung weist auf die zentrale Bedeutung der Allgemeinen und beruflichen Bildung für die Armutsbekämpfung und die Entwicklung hin und stellt einen allgemeinen Rahmen für die Ziele, Prioritäten und Vorgehensweisen der Europäischen Gemeinschaft vor.

RECHTSAKT

Mitteilung der Kommission vom 6. März 2002 an den Rat und das Europäische Parlament über die Rolle der Allgemeinen und beruflichen Bildung im Rahmen der Armutsminderung in den Entwicklungsländern [KOM(2002) 116 endg. - nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

ZUSAMMENFASSUNG

Allgemeine und berufliche Bildung spielen bei Armutsbekämpfung und Entwicklungshilfe eine wichtige Rolle.

Prioritäten
2. Die Kommission hat für die Gemeinschaft folgende drei Prioritäten formuliert:

  • Grundbildung (insbesondere Primarbildung) und Lehrerausbildung;
  • berufliche Bildung;
  • Hochschulbildung (insbesondere auf regionaler Ebene).

Obwohl der Grundbildung besondere Bedeutung zukommt, ist auch auf eine ausgeglichene Entwicklung der Bildung - d. h. die Verbesserung der Bildungssysteme auf allen Ebenen - zu achten.

Priorität 1: Grundbildung
3. Zur Entwicklung der Grundbildung sind folgende neun Ziele anzustreben:

  • beträchtliche Erhöhung der Ressourcen, die insgesamt für das Bildungswesen - und besonders die Primarbildung - zur Verfügung gestellt werden
  • effizientere Gestaltung der Bildungssysteme durch die Entwicklung von Strategien, die die besondere Situation jeden Landes berücksichtigen
  • besserer Zugang zur Schulbildung und Entwicklung hin zu einer obligatorischen, gebührenfreien Primarbildung
  • Einsatz der Haushaltsmittel für die dringendsten Bedürfnisse armer und benachteiligter Bevölkerungsgruppen mit begrenztem Zugang zur Schulbildung;
    dazu gehören u. a. die Mädchen, die Landbevölkerung, die Eingeborenen sowie die behinderten Kinder und Erwachsenen.
  • Gleichstellung der Geschlechter beim Zugang zur Bildung durch Förderung der Frauenbildung
  • Verbesserung von Qualität und Umfang des Bildungsangebots;
    die Lehrerausbildung und die Verfügbarkeit von Unterrichtsmaterialien sind weiterhin besonders wichtig.
  • stärkere Berücksichtigung der Auswirkungen von HIV/AIDS auf die Bildungssysteme und bessere AIDS-Prävention über die Bildung der Menschen
  • Schutz bzw. Wiederaufbau des Bildungswesens während und nach Konflikten
  • bessere Kenntnis der Bildungsprogramme, die zur Entwicklung beitragen;
    zunächst müssen die statistischen Daten über den Bildungsbereich verbessert werden, um anschließend eine wirksame Strategie festzulegen.

Priorität 2 : berufliche Bildung
4. Die berufliche Bildung muss unter Berücksichtigung des Ausbildungsbedarfs gefördert werden. Folgende Maßnahmen sind besonders wichtig:

  • Einrichtung eines Bildungssystems mit Ausbildungsgängen für technische Berufe; die Kenntnisse könnten z. B. über spezialisierte Zentren oder während einer Lehre vermittelt werden
  • Entwicklung von Strategien, Systemen und Prozessen im Bildungsbereich, die die Bildungsnachfrage und den Erwerb von Qualifikationen fördern, welche konkret zum wirtschaftlichen Wachstum eines Landes beitragen
  • Verfolgung innovativer Ansätze, die über den formalen Sektor der Bildung hinausgehen und die Situation der Frauen verbessern, z. B. durch Förderung der selbstständigen Arbeit und des Zugangs zu anderen Formen von Kapital (Grund und Boden, Kredite usw.)
  • aktive politische Maßnahmen, die berufliche Qualifizierung und Beschäftigung enger miteinander verbinden und die unter anderem die Form einer Unterstützung bei der Arbeitssuche und direkter Beihilfen zur Schaffung von Arbeitsplätzen annehmen können

Priorität 3 : Hochschulbildung
5. Die Hochschulbildung muss gefördert werden, um in den Ländern eine gute Lehrerausbildung und den Aufbau der Institutionen zu gewährleisten. Dies kann erreicht werden durch:

  • Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien (Internet, Telefon usw.),
  • Förderung der Zusammenarbeit zwischen europäischen Einrichtungen und Einrichtungen der Drittländer, insbesondere auf regionaler Ebene,
  • sehr umsichtiges Vorgehen der Gemeinschaft in Bezug auf die Auswirkungen des Braindrains in die Industrieländer und
  • Stärkung der institutionellen Kapazitäten der Entwicklungsländer.

Umsetzung
6. Zur Umsetzung der beschriebenen Prioritäten sind beträchtliche Investitionen der Entwicklungsländer und der Europäischen Union erforderlich. Die europäische Gemeinschaft stellt im Bereich Allgemeine und berufliche Bildung über makroökonomische Unterstützung und Haushaltsstützung sowie über den sektorbezogenen Ansatz finanzielle Mittel zur Verfügung. Alle Geber sollten effizient zusammenarbeiten und ihre Unterstützung koordinieren. Nach Auffassung der Kommission ist es außerdem von entscheidender Bedeutung, dass die Bevölkerung der Entwicklungsländer und insbesondere die ärmsten und am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen Eigenverantwortung für die Umsetzung der Ziele und Strategien in diesem Bereich übernehmen.

Die Kommission hält folgende strategische Ansätze zur Umsetzung der Prioritäten für geeignet:

  • politischer und strategischer Dialog mit den Entwicklungsländern und Eingliederung der politischen Maßnahmen in diesem Bereich in die für die einzelnen Länder aufgestellten Entwicklungs- und Armutsbekämpfungsstrategien
  • sektorbezogener Ansatz als Rahmenbegrenzung der Maßnahmen in diesem Bereich
  • makroökonomische Unterstützung und Haushaltsstützung
  • Berücksichtigung der Bedürfnisse und aktive Mitwirkung der ärmsten Bevölkerungsgruppen
  • Mitwirkung der bildungspolitischen Akteure und der Zivilgesellschaft im weitesten Sinne, auch des Privatsektor
  • Unterstützung der institutionellen Entwicklung und des Kapazitätenaufbaus
  • Monitoring der Aktivitäten über Indikatoren.

Im Anhang stellt die Kommission einen Gemeinsamen Rahmen für die Zusammenarbeit im Hochschulbereich, einen Verhaltenskodex für finanzierende Stellen im Bildungsbereich und einige Monitoring-Indikatoren vor.

Hintergrund
9. Allgemeine und berufliche Bildung spielen bei Armutsbekämpfung und Entwicklungshilfe eine wichtige Rolle. Auf internationaler Ebene hat es bereits verschiedene Initiativen zu diesem Thema gegeben. So wurde im April 2000 auf dem Dakar-Forum (EN) (FR) [„Bildung für alle" (EN) (FR)] das Engagement der internationalen Gemeinschaft in diesem Bereich bekräftigt und ausgeweitet. Die Entwicklungsziele der Millenniums-Erklärung unterstreichen die Bedeutung der Bildung für Mädchen und der Grundbildung.

Die Europäische Union räumte in ihrer Erklärung vom November 2000 über die Entwicklungspolitik dem besseren Zugang zu sozialen Diensten wie der Bildung Vorrang ein.

VERBUNDENE RECHTSAKTE

Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament und den Wirtschafts- und Sozialausschuss: Beschleunigte Verwirklichung der entwicklungspolitischen Millenniumsziele - Der Beitrag der Europäischen Union [KOM(2005) 132 endg./2 - Nicht im Amtsblatt veröffentlicht]

Letzte Änderung: 09.02.2006
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