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Das Europäische Kulturerbe-Siegel

Mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel werden historische Stätten, Kulturstätten und Stätten ausgezeichnet, die für die europäische Integration von Bedeutung sind.

RECHTSAKT

Beschluss Nr. 1194/2011/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. November 2011 zur Schaffung einer Maßnahme der Europäischen Union für das Europäische Kulturerbe-Siegel.

ZUSAMMENFASSUNG

Die Europäische Union (EU) führt ein Europäisches Kulturerbe-Siegel für Stätten in der Europäischen Union ein, die eine wichtige Rolle in der Geschichte, der Kultur und beim Aufbau Europas spielen.

Mit diesem Siegel soll das gemeinsame europäische Kulturerbe hervorgehoben werden, um das Zugehörigkeitsgefühl der europäischen Bürger zur Union zu stärken und den interkulturellen Dialog anzuregen. Außerdem spielt das Kulturerbe insbesondere durch den Kulturtourismus eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung der europäischen Regionen, die von einer Aufwertung ihres Kulturerbes nur profitieren könnten.

Dabei wird vor allem auf den symbolischen Wert der Kulturstätten für Europa und ihre pädagogische Bedeutung Wert gelegt. Dies unterscheidet das europäische Siegel von den Initiativen der UNESCO und des Europarates im Bereich Kulturerbe.

Kriterien für die Zuerkennung des Siegels

Um ein Kulturerbe-Siegel bewerben können sich Denkmäler, natürliche Stätten, Unterwasser- und archäologische Stätten, Industriestätten, Stätten im städtischen Raum, Kulturlandschaften, Gedenkstätten, Kulturgüter und -gegenstände sowie mit einem Ort verbundenes immaterielles Kulturerbe, einschließlich zeitgenössisches Kulturerbe.

Länderübergreifende Stätten, die sich in mehreren Mitgliedstaaten befinden und ein bestimmtes Thema als Schwerpunkt haben, sowie nationale thematische Stätten, zwischen denen eine klare thematische Verbindung besteht, können eine gemeinsame Bewerbung einreichen.

Die Bewerberstätten für das Siegel müssen nachweisen, dass sie mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllen:

  • ihren länderübergreifenden oder paneuropäischen Charakter; dazu müssen sie darlegen, inwieweit ihr Einfluss und ihre Attraktivität über nationale Grenzen hinausgehen;
  • ihren Platz und ihre Rolle in der europäischen Geschichte und in der europäischen Einigung sowie ihre Beziehung zu zentralen europäischen Ereignissen, Persönlichkeiten oder Bewegungen;
  • ihren Platz und ihre Rolle in der Entwicklung und Förderung der gemeinsamen Werte, auf denen die EU beruht.

Darüber hinaus müssen die Bewerberstätten ein Projekt vorlegen, in dem sie sich verpflichten, die Bürger für die europäische Dimension der Kulturstätte zu sensibilisieren, Bildungsaktivitäten zu organisieren, die Mehrsprachigkeit zu fördern, sich an der Vernetzung der mit dem Siegel ausgestatteten Stätten zu beteiligen und die Stätte auf europäischer Ebene zu fördern.

Die Bewerberstätten müssen ein Arbeitsprogramm vorlegen. Darin müssen sie darlegen, wie sie bestimmte Bedingungen umzusetzen gedenken, zum Beispiel, wie sie die Kulturstätte verwalten, wie sie die Erhaltung sicherstellen und wie sie die Stätte für eine möglichst große Öffentlichkeit zugänglich machen wollen.

Auswahlverfahren

Die Vorauswahl wird von den Mitgliedstaaten vorgenommen. Die Mitgliedstaaten können alle zwei Jahre bis zu zwei Stätten in die Vorauswahl aufnehmen. Die Liste wird anschließend einer europäischen Jury aus unabhängigen Experten vorgelegt, die höchstens eine Stätte pro Mitgliedstaat auswählt. Auf Empfehlung der Jury entscheidet die Europäische Kommission darüber, welche der Stätten das Siegel erhalten.

Diese Stätten werden regelmäßig kontrolliert, um sicherzustellen, dass sie weiterhin die Kriterien erfüllen und sowohl dem eingereichten Projekt als auch dem Arbeitsprogramm nachkommen. Ist dies nicht der Fall, schlägt die Jury in Zusammenarbeit mit dem betreffenden Mitgliedstaat Anpassungsmaßnahmen vor. Werden die erforderlichen Maßnahmen nicht durchgeführt, kann die Kommission das Siegel aberkennen.

Die ersten Siegel werden im Jahr 2013 zuerkannt.

Hintergrund

Die förmliche Initiative der EU für ein europäisches Kulturerbe-Siegel wurde erstmals 2006 von 18 Mitgliedstaaten in Form einer zwischenstaatlichen Initiative vorgeschlagen.

BEZUG

RechtsaktDatum des InkrafttretensTermin für die Umsetzung in den MitgliedstaatenAmtsblatt

Beschluss Nr. 1194/2011/EU

23.11.2011

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ABl. L 303, 22.11.2011

Letzte Änderung: 31.01.2012
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